Ferdinand-Braun-Institut, Leibniz-Institut für Höchstfrequenztechnik

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Ferdinand-Braun-Institut, Leibniz-Institut für Höchstfrequenztechnik
Kategorie: Forschungseinrichtung
Träger: Forschungsverbund Berlin
Rechtsform des Trägers: Eingetragener Verein
Sitz des Trägers: Berlin
Mitgliedschaft: Leibniz-Gemeinschaft
Standort der Einrichtung: Berlin-Adlershof
Art der Forschung: Angewandte Forschung
Fächer: Naturwissenschaften
Fachgebiete: Mikrowellentechnik, Optoelektronik
Grundfinanzierung: Bund (50 %), Länder (50 %)
Leitung: Günther Tränkle
Mitarbeiter: ca. 280 (Stand: 2014)
Homepage: www.fbh-berlin.de
Ferdinand-Braun-Institut, Leibniz-Institut für Höchstfrequenztechnik (2011)

Das Ferdinand-Braun-Institut, Leibniz-Institut für Höchstfrequenztechnik (FBH) ist eine Forschungseinrichtung, die unter der Trägerschaft des Forschungsverbundes Berlin e. V. (FVB) steht und Mitglied der Wissenschaftsgemeinschaft Gottfried Wilhelm Leibniz ist. Das Institut hat seinen Sitz in Berlin im Wissenschafts- und Wirtschaftsstandort Adlershof (WISTA), seine Forschungsaktivitäten sind der angewandten Forschung im Fach der Naturwissenschaft auf den Gebieten Mikrowellentechnik und Optoelektronik zuzuordnen.

Geschichte[Bearbeiten]

Das Institut ist aus dem ehemaligen „Zentralinstitut für Optik und Spektroskopie“ (ZOS) und Teilen des „Zentralinstituts für Elektronenphysik“ (ZIE) der Akademie der Wissenschaften der DDR hervorgegangen. Auf Grund einer Empfehlung des Wissenschaftsrates wurde das Institut am 1. Januar 1992 neu gegründet.

Das Institut ist benannt nach Ferdinand Braun (1850–1918), der 1909 den Nobelpreis für Physik für seinen Beitrag zur Entwicklung der drahtlosen Telegrafie erhielt.

Tätigkeitsbereich[Bearbeiten]

Das FBH betreibt angewandte Forschung in der Mikrowellentechnik und Optoelektronik. Die Arbeiten basieren auf III/V-Halbleitern und zielen auf Anwendung in der Informations- und Kommunikationstechnik, in der Sensorik sowie der Lasertechnologie. Die Schwerpunkte liegen in der Mikrowellentechnik bei Entwurf und Herstellung von Transistoren, integrierten Mikrowellenschaltkreisen, atmosphärischen Plasmaquellen und GaN-Leistungselektronik. In der Optoelektronik liegt der Fokus bei Hochleistungs-Diodenlasern, hochbrillanten Diodenlasern und hybriden Lasersystemen. Zudem entwickelt das FBH UV-Laserdioden und UV-LEDs.

Das FBH ist in vier wissenschaftliche Fachabteilungen (Mikrowellentechnik, Optoelektronik, Materialtechnologie und Prozesstechnologie) gegliedert, die folgende Forschungsschwerpunkte bearbeiten: Diodenlaser, GaN-Optoelektronik und -Elektronik, Mikrowellenkomponenten und -systeme, sowie die dazu notwendigen Material- und Prozesstechnologien. Ergänzt werden diese Fachabteilungen durch die Abteilung Wissenschaftsmanagement, die sich um die strategische Ausrichtung, Unterstützung bei Projektanträgen und Projekten in der Aus- und Weiterbildung kümmert.

Als Serviceleistungen bietet das FBH die Möglichkeiten der Realisierung von Prototypen elektronischer und optoelektronischer Galliumarsenid-Bauelemente, die Epitaxie von Galliumarsenid-basierten Schichtstrukturen, die Entwicklung von Galliumarsenid-Prozessen, die Nullserienfertigung von integrierten Mikrowellenschaltkreisen und Laserdioden, Know-how in Hochfrequenzmesstechnik sowie die Simulation und Design von Koplanarschaltungen.

Das Institut betreibt ein Reinraumlaboratorium mit Metallorganischer Gasphasenepitaxie (Substratdurchmesser: 2 bis 4 Zoll) und Prozesslinie (Substratdurchmesser: 2 bis 4 Zoll). Es verfügt über Material- und Prozessanalytik, Bauelemente-Messtechnik und Werkzeuge für Simulation und CAD.

Kooperationen[Bearbeiten]

Das Institut unterhält Kooperationsbeziehungen zu verschiedenen nationalen und internationalen Universitäten, außeruniversitären Forschungseinrichtungen und der Wirtschaft. Das FBH bietet Dienstleistungen von der Epitaxie, über Prozessschritte bis hin zum fertigen Bauelement an.

Das Ferdinand-Braun-Institut gehört zum Forschungsverbund Berlin e. V. und ist Mitglied der Leibniz-Gemeinschaft (Wissenschaftsgemeinschaft Gottfried Wilhelm Leibniz e. V.). Darüber hinaus ist das FBH auch Mitglied beim Zentrum für Mikrosystemtechnik (ZEMI), einem Verbund Berliner Forschungseinrichtungen, in dem das regionale Forschungs- und Entwicklungspotential in der Mikrosystemtechnik vernetzt ist. Es ist auch Mitglied bei OpTecBB, einer Initiative von Forschungseinrichtungen und Unternehmen zur Erschließung und Nutzung optischer Technologien.

Im universitären Bereich besteht eine enge Kooperation mit der Technischen Universität Berlin und weiteren Universitäten in der Region und in Deutschland.

Das FBH und die Technische Universität Berlin sind durch zahlreiche gemeinsame Aktivitäten in Forschung und Lehre eng miteinander verbunden und arbeiten in verschiedenen Forschungsprojekten zusammen.

Ausgründungen[Bearbeiten]

Ausgründungen aus Forschungseinrichtungen sind Teil einer von Bund und den Ländern gewollten Strategie zur Verwertung von marktfähigen Forschungsergebnissen, welche aus öffentlichen Mitteln gefördert wurden. An solchen Ausgründungen beteiligen sich in der Regel Mitarbeiter der Einrichtungen und ggf. die Institute selbst. Beim FBH hat es bisher insgesamt neun solcher Ausgründungen gegeben. Als eigene Marken sind derzeit sieben am Markt aktiv.

Beispiele:

Im Jahr 1999 wurde von Mitarbeitern des FBH ein Unternehmen gegründet, welches in Auftragsfertigung (Foundry) Halbleiter-Schichtstrukturen als Basis für die Fertigung von Bauelementen wie Laserdioden, Leuchtdioden, Transistoren (HBTs) oder Schottky-Dioden herstellt.

Eine im Jahr 2002 gegründete Firma entwickelt in enger Zusammenarbeit mit dem FBH Hochleistungslaserdioden mit Wellenlängen von 650 nm bis 1120 nm und stellt diese für medizinische, wissenschaftliche und industrielle Anwendungsbereiche her.

Im Jahr 2006 wurde ein Unternehmen zur Entwicklung, Produktion und Vermarktung leistungsstarker Galliumnitrid-Transistoren (GaN) für künftige Mobilfunkanwendungen gegründet. Die GaN-Transistoren bringen es derzeit auf den internationalen Spitzenwert von 100 W Ausgangsleistung und ermöglichen eine signifikante Steigerung der Bandbreite. Damit bieten sie die Voraussetzung für mobile Dienste mit hohem Datenaufkommen, die Zusammenfassung mehrerer Dienste in einem einzigen Verstärkermodul sowie eine Verkleinerung der Baugruppen.

2013 gingen drei neue Ausgründungen von Mitarbeitern des FBH an den Start: von der Vermarktung einer Plasmaquelle zur Herstellung dünner Schichten bei Atmosphärendruck, über die Weiterentwicklung der Halbleiter-Technologie für Anwendungen in der Sensor- und Display-Technologie bis zu Messgeräten für die Mikrowellentechnik.

Infrastruktur[Bearbeiten]

Der Direktor des FBH, Günther Tränkle, ist ebenfalls ordentlicher Professor am Institut für Hochfrequenztechnik- und Halbleiter-Systemtechnologien der Technischen Universität Berlin. Dort leitet er das Fachgebiet Mikrowellen- und Optoelektronik. Tränkle leitet das FBH seit 1996.

Im Institut arbeiten etwa 280 Personen, davon 140 Wissenschaftler und Doktoranden sowie 35 studentische Hilfskräfte (Stand: 2014).

Der Gesamtetat des Instituts lag im Jahr 2013 bei 22,1 Millionen Euro, davon waren rund 8,3 Millionen Euro öffentliche Drittmittel und 1,9 Millionen Euro industrielle Auftragsforschung.

Siehe auch[Bearbeiten]

 Commons: Ferdinand-Braun-Institut – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Weblinks[Bearbeiten]

52.42858113.533804Koordinaten: 52° 25′ 43″ N, 13° 32′ 2″ O