Ferdinand Domela Nieuwenhuis

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Ferdinand Domela Nieuwenhuis, um 1875
Ferdinand Domela Nieuwenhuis, Denkmal, Amsterdam, Nassauplein

Ferdinand Domela Nieuwenhuis anhören?/i (* 31. Dezember 1846 in Amsterdam; † 18. November 1919 in Hilversum) war ein niederländischer sozialistischer Politiker.

Er studierte Theologie in Amsterdam und war von 1870 bis 1879 Pfarrer der evangelisch-lutherischen Kirche. Er war in diesen Jahren schon pazifistisch gesinnt. Mit der Zeit erkannte er die Widersprüche des Christentums. Nach seinem Austritt aus der Kirche schloss er sich pazifistischen und sozialistischen Bewegungen an. Er gründete 1879 eine Zeitschrift mit dem Titel Recht voor Allen (Recht für alle), bei der er bis 1898 als Redakteur arbeitete. Am 1. Januar 1882 wurde Christiaan Cornelissen Mitredakteur der Zeitschrift. Nach einem nicht von ihm selbst geschriebenen Artikel in diesem Blatt musste er 1886 ein Jahr Gefängnis absitzen wegen Majestätsbeleidigung. Am 6. Januar 1881 schickte Domela Nieuwenhuis Karl Marx sein Buch Kapitaal en Arbeid, eine Zusammenfassung von Das Kapital mit gedruckter und handschriftlicher Widmung. Marx machte zahlreiche Anstreichnungen und Anmerkungen in seinem Exemplar.[1] Nach seiner Freilassung besuchte er einige prominente Sozialisten im Ausland, u.a. Friedrich Engels.[2] 1898 gründete er eine neue Zeitschrift De Vrije Socialist, sie erschien bis zum Jahr 1993 mit wechselnden Titeln.

Von 1888–1891 war er Mitglied der Zweiten Kammer des niederländischen Parlaments, obwohl er das parlamentarische System ablehnte. Er besuchte Kongresse der Sozialistischen Internationale und propagierte das Recht auf Wehrdienstverweigerung. Er kann zu den Mitbegründern (1894) der damals noch ziemlich radikalen SDAP (Sozial Demokratische Arbeiter Partei) gerechnet werden. Schon drei Jahre später kehrte er dieser wieder den Rücken, weil er einen radikal anarchistischen und revolutionären Kurs fahren wollte. Auf den Konferenzen der 2.Internationale (Internationale Arbeiterassoziation, IAA) wurden 1891 und 1893 von anarchistischer Seite Resolutionen – unter Beteiligung von D.Nieuwenhuis – eingebracht, die vorsahen, bei Kriegserklärungen zur allgemeinen Kriegsdienstverweigerung und zum Streik aufzurufen. Die Mehrheit der IAA meinte dagegen, dass Kriege verschwinden würden, wenn der Kapitalismus beseitigt sei. Eine Polemik gegen die anarchistische Position in der IAA formulierte Karl Liebknecht 1907 in der Programmschrift „Militarismus und Antimilitarismus“. (W. Beyer, Kriegsdienste verweigern; S. 13f).

Nieuwenhuis gründete 1904 die Internationale Anti-Militaristische Vereenigung (IAMV) und war nach 1900 nur noch einmal auffällig aktiv, als 1903 die Eisenbahner wegen eines Konfliktes über die Anerkennung der Gewerkschaften in den Streik traten. Dieser Streik hatte aber, wenigstens kurzfristig, keinen Erfolg. Er begrüßte die Russische Revolution von 1917, lehnte aber die Machtergreifung der Bolschewiki ab.

Ein Denkmal von ihm steht in Amsterdam am Nassauplein. In Heerenveen ist ihm ein Museum gewidmet worden.

Siehe auch[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

  • Domela Nieuwenhuis, Ferdinand. In: Algemene Encyclopedie. Samengesteld door de Winkler Prins redactie. A–Z. Lekturama, Rottendam 1980, S. 109
  • Gé Nabrink: Bibliografie van, over en in verband met Ferdinand Domela Nieuwenhuis. Brill, Leiden 1985 ISBN 90-04-07572-0
  • Bert Altena: Kritik wegen der Praxis. F. Domela-Nieuwenhuis und der Marxismus. In: Marcel van der Linden (Hrsg.): Die Rezeption der Marxschen Theorie in den Niederlanden. Trier 1992, S. 47–83 ISBN 3-926132-18-3
  • Rolf Hecker: Ein »wackerer Kampfgenosse« – Ferdinand Domela Nieuwenhuis. Marx’ Marginalien in Kapitaal en Arbeid. In: Beiträge zur Marx-Engels-Forschung. Neue Folge 2001, Hamburg 2001, S. 251–262 ISBN 3-88619-687-9
  • Bert Altena: Zu Rolf Hecker: Ferdinand Domela Nieuwenhuis In: NF 2001, S. 251–262. In: Beiträge zur Marx-Engels-Forschung. Neue Folge 2004, Hamburg 2004, S. 258–259.
  • Meyers, Jan: Domela: hemel op aarde, leveven en streven van Ferdinand Domela Nieuwenhuis. Amsterdam: De Arbeiderspers, 1993. ISBN 90-295-3114-2.
  • Nabrink, Gé: Bibliographie van, over en in verband met Ferdinand Domela Nieuwenhuis. Leiden: Brill, 1985. ISBN 90-04-07572-0.
  • Wolfram Beyer (Hrsg.): Kriegsdienste verweigern - Pazifismus aktuell. Libertäre und humanistische Positionen. Oppo Verlag, Berlin 2007 ISBN 978-3-926880-16-1 und The flaw in the peoples‘ army, In: Peace News No 2447, London June-August 2002 (Kontroverse Karl Liebknecht / Domela Nieuwenhuis), online

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Inge Möller: Bemerkungen zu einigen Büchern aus der Handbibliothek von Marx und Engels. In: Beiträge zur Geschichte der deutschen Arbeiterbewegung. Berlin 1959, S. 150–168 hier S. 157–168.
  2. Domela Nieuwenhuis übersetzte Friedrich Engels Schrift Die Entwicklung des Sozialismus von der Utopie zur Wissenschaft ins Niederländische. (De Ontwikkeling van het Socialisme van Utopie to Wetenschap. B. Liebers & Co, s'Gravenhage 1886).

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Ferdinand Domela Nieuwenhuis – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien