Ferdinand Hummel

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Ferdinand Hummel, 1905.
Ferdinand Hummel, um 1920.

Ferdinand Hummel (* 6. September 1855 in Berlin; † 24. April 1928 daselbst) war ein deutscher Komponist und Dirigent. Von 1897 bis 1919 war er Musikdirektor am Königlichen Schauspielhaus in Berlin.

Leben[Bearbeiten]

Ferdinand Hummel war der Sohn des Accessisten und Flötisten F. Hummel; die Familie wohnte Leipzigerplatz 3 im Berliner Zentrum.[1] Der Vater spielte in der Königlichen Kapelle, wodurch der junge Ferdinand frühzeitig mit Musik in Berührung kam. Eine ausgeprägte Begabung führte dazu, dass er bereits mit vier Jahren Musikunterricht im Klavier- und Harfespiel erhielt. Zwischen seinem neunten und zwölften Lebensjahr begleitete er seinen Vater auf Konzertreisen durch viele Länder Europas und trat dabei als Solist mit der Harfe auf. Die frühen Erfolge führten dazu, dass Ferdinand Hummel nach seinem Schulabschluss dank eines königlichen Stipendiums zuerst an der Berliner Neuen Akademie für Tonkunst (1868–1871) [eine spezialisierte von Theodor Kullak gegründete Einrichtung] und anschließend an der Königlichen Hochschule für Musik und Komposition studierte. 1892 wurde er zum Dirigenten der Königlichen Schauspielhausmusiker berufen, 1897 wurde er dort Musikdirektor und blieb es bis 1919.[2] Außerdem war er Professor und hatte seinen Wohnsitz von vormals Matthäikirchstraße 18[3] in den ruhigeren Berliner Vorort Schöneberg (W 30, Landshuter Straße) verlegt.[4]

Werke[Bearbeiten]

Neben dem aktiven Musikspiel und seinem Dirigat komponierte Hummel eigene Werke, von Kammermusik über Instrumentalstücke und Chormusik bis zu Opern wie Mara, Sophie von Brabant, Die Beichte. Die Instrumentalmusik begleitete die Aufführung deutscher Märchen wie Frau Holle, Rumpelstilzchen oder Hänsel und Gretel.[2] Das Werkverzeichnis klassika.info nennt folgende weiteren Kompositionen:[5] Cellosonaten 1 bis 3, Halleluja, 3 Fantasiestücke für Violoncell und Pianoforte, Fantasie-Improptu. Im International Music Score Library Project werden diese Titel aufgelistet:[6] Im Frühling, Lenzreigen, Heldentod, Nis Randers, Piano Quartett, Der Tanz.

Außer für das Musiktheater und den Konzertsaal schrieb Hummel auch Begleitmusiken für das Kino. Bereits in den 1910er Jahren entstanden Kompositionen zur Illustration von Filmen wie “Bismarck”[7] oder “Schwert und Herd”[8] . 1918 schrieb er eine Originalkomposition für Franz Portens Filmfassung der Nessler-Oper “Der Trompeter von Säckingen”[9], 1918 und 1919 für Joe May die Begleitmusik zu den beiden Großfilmprojekten “Veritas vincit” und “Die Herrin der Welt[10]. Weitere acht Filme folgten in den Jahren 1919 und 1920[11].

März 1922 schließlich wurde nach seiner Komposition (op. 116) und dem Libretto von Gustave Helene Witte-Krefeld die Filmoper “Jenseits des Stroms” gedreht, die nach dem Czerny-Springefeld-Verfahren mit lebenden Sängern und Musikern im Lichtspieltheater aufgeführt wurde[12]; Produktionsgesellschaft war die von Ludwig Czerny im März 1920 gegründete “Noto-Film GmbH.” Berlin[13].

Literatur[Bearbeiten]

  • Herbert Birett : Stummfilmmusik. Materialsammlung. Deutsche Kinemathek Berlin 1970.
  • Oskar Kalbus : Vom Werden deutscher Filmkunst, 1. Der stumme Film. Hamburg-Altona, Cigaretten-Bilderdienst 1934.
  • Dietmar Schenk: Die Hochschule für Musik zu Berlin. Preußens Konservatorium zwischen romantischem Klassizismus und neuer Musik. 1869–1932/33. Franz Steiner Verlag, 2004, ISBN 978-3-515-08328-7
  • Michael Wedel : Schizophrene Technik, Sinnliches Glück. Die Filmoperette und der synchrone Musikfilm 1914-1929, in: Uhlenbrok, Katja (Hrsg.): MusikSpektakelFilm. Musiktheater und Tanzkultur im deutschen Film 1922-1937. München 1998, S.86.
  • Michael Wedel : Der deutsche Musikfilm. Archäologie eines Genres. München, Edition Text + Kritik 2007. ISBN 978-3883778358.
  • Gustave Helene Witte-Krefeld : Jenseits des Stroms. Filmoper. Dichtung von G. H. Witte-Krefeld, Musik von Ferdinand Hummel, Nachspiel von Ludwig Czerny. Vollständiges Textbuch mit musikalischen Erläuterungen und Leitmotiven. Berlin: Verlag Notofilm, 1922.
  • Friedrich von Zglinicki : Der Weg des Films. Geschichte der Kinematographie und ihrer Vorläufer. Berlin, Rembrandt Verlag 1956.

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Hummel, F. In: Allgemeiner Wohnungsanzeiger für Berlin, Charlottenburg und Umgebungen, 1855, Teil 1, S. 223. „Accessist“. Hummel, F. In: Allgemeiner Wohnungs-Anzeiger nebst Adreß- und Geschäftshandbuch für Berlin, 1856, Teil 1, S. 176. „Flötist“.
  2. a b Hummelstraße. In: Straßennamenlexikon des Luisenstädtischen Bildungsvereins (beim Kaupert)
  3. Hummel, Ferdinand, Componist. In: Adreßbuch für Berlin und seine Vororte, 1900, Teil 1, S. 643.
  4. Hummel, Ferdinand, Prof. u. Musikdirekt. In: Berliner Adreßbuch, 1919, Teil 1, S. 1142.
  5. Werke von F. Hummel auf klassika.info
  6. Werke von F. Hummel auf imslp.org
  7. William Wauer et al., 1913, vgl. filmportal[1]
  8. Georg Viktor Mendel 1916, vgl. filmportal[2]
  9. filmportal[3], vgl. Birett S. 133 zu P IV 373
  10. vgl. Birett S. 133 zu V 461 und 43 36 - VI 62, und S. 199, dort auch eine Kurzbiographie mit Bild
  11. vgl. Filmographie bei filmportal[4]
  12. vgl. Kalbus 1, S. 80-81, Wedel Musikfilm S. 148 f.
  13. vgl. Zglinicki S. 294, Wedel Musikfilm S. 127 f., filmportal[5]