Ferdinand Maximilian von Österreich
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Erzherzog Ferdinand Maximilian Joseph von Österreich (* 6. Juli 1832 in Wien; † 19. Juni 1867 nahe Querétaro, Mexiko) war der jüngere Bruder von Kaiser Franz Joseph aus dem Haus Habsburg. Während der Mexikanischen Interventionskriege war er von 1864 bis 1867 von den Franzosen als „Kaiser von Mexiko“ eingesetzt.
Inhaltsverzeichnis |
[Bearbeiten] Kindheit und Jugend
Das vorgeschriebene Exerzierprogramm war ihm schon in jungen Jahren ein Gräuel, aber der phantasiebegabte Zweitgeborene, der gerne malte und dichtete, musste ja auch nicht wie sein älterer Bruder einmal Kaiser werden. Schon früh interessierte er sich sehr für Literatur und Geschichte, besonders für die seiner eigenen Familie. Er war aufgrund seines Charmes am Wiener Kaiserhof sehr beliebt und auch der Liebling seiner Mutter Sophie. Seine Eltern machten sich auch nicht weiter Gedanken darüber, welches Aufgabengebiet der jüngere Sohn später einmal übernehmen solle. Das Verhältnis der beiden Brüder war freundschaftlich, wobei er aber je älter er wurde umsomehr von seinem Bruder misstrauisch beobachtet wurde, da er aufgrund seines unkomplizierten und freundlichen Wesens auch bei der Wiener Bevölkerung sehr beliebt war.[1]
Bereits im Kindesalter zeigte sich, dass er nicht mit Geld umgehen konnte. Bruder Franz Joseph führte genaue Aufzeichnungen über seine Ausgaben, er jedoch kaufte ständig Bücher und Bilder, was seine Finanzen bei weitem überstieg. Seine Mutter half ihm jedoch jedes Mal aus, da sie für diese Schwäche großes Verständnis hatte. Mit seiner ersten Apanage, die er mit 17 erhielt ließ er sich gleich ein „Sommerhäuschen“ neben dem Schloss Schönbrunn anlegen, welches er „Maxing“ nannte (die Wiener Maxingstraße ist danach benannt). Bei einem Aufenthalt in Portugal verliebte er sich in Maria Amalia von Portugal, welche außerordentlich hübsch war, sie sei eine vollkommene Prinzessin schrieb der verliebte junge Mann nach Hause. Die beiden waren bereits so gut wie verlobt, als Maria Amalia plötzlich an Lungentuberkulose starb.[2]
[Bearbeiten] Späteres Leben
Maximilian interessierte sich vor allem für die Seefahrt und unternahm viele Fernreisen (etwa nach Brasilien) auf der k.k. Fregatte Novara. Im Jahr 1854 wurde er mit nur 22 Jahren - als jüngerer Bruder des Kaisers und somit Mitglied des Herrscherhauses - zum Oberbefehlshaber der k.k. Kriegsmarine ernannt, welche er in den folgenden Jahren reorganisierte. 1857 erfolgte seine Hochzeit mit der belgischen Prinzessin Charlotte, sowie seine Ernennung zum Generalgouverneur von Lombardo-Venetien. Als die Lombardei 1859 als Folge der österreichischen Niederlage in der Schlacht von Solferino verloren ging, zogen sich Maximilian und Charlotte in das eigens für sie erbaute Schloss Miramare in der Nähe von Triest zurück.
Auf Veranlassung des französischen Kaisers Napoleon III., der in Mexiko ein an Frankreich gekoppeltes Reich zu begründen suchte und dort seit 1861 mit Truppen intervenierte, weil Mexiko unter seinem Präsidenten Juárez sowohl den spanischen Gesandten wie auch den päpstlichen Legaten des Landes verwiesen hatte, wofür er vom Papst in den Bann getan wurde, sowie die Zahlungen auf seine in Europa gemachten hohen Schulden von 82 Mill. Dollar eingestellt hatte, wurde Maximilian, der auf Druck seines Bruders zuvor auf seine Thronfolge- und Erbansprüche in Österreich hatte verzichten müssen, am 10. April 1864 gegen den Widerstand des mexikanischen Volkes zum Kaiser von Mexiko ausgerufen. Maximilian glaubte in Mexiko seine Träume eines modernen, liberalen Staates verwirklichen zu können und nahm deshalb die Kaiserkrone trotz der Bedenken seiner Familie an. Der Habsburger nahm die Aussagen des französischen Kaisers, dass sich das mexikanische Volk nichts mehr wünsche als einen Habsburger als Kaiser, für bare Münze. Und zu diesem Zeitpunkt wusste Ferdinand Maximilian auch noch nicht, dass Benito Juarez schon längst als Präsident ausgerufen worden war, welcher aufgrund der von ihm durchgesetzten Landreformen äußerst beliebt bei der Bevölkerung war. In Mexiko musste der Habsburger jedoch feststellen, dass sämtliche amerikanische Staaten den von den Franzosen abgesetzten mexikanischen Präsidenten Benito Juárez unterstützten, da sie - gemäß der Monroe-Doktrin von 1823 - in Maximilian eine unerwünschte europäische Einmischung sahen. Maximilian versuchte seine Machtbasis durch die Adoption der Enkel des früheren Kaisers Agustín de Iturbide und ihrer Ernennung zu Thronfolgern sowie der Ernennung des Ex-Diktators Antonio López de Santa Anna zum Reichsmarschall zu verbreitern. Bereits die Ankunft Maximilians und seiner Gattin ließ nichts Gutes erwarten. Nicht von Honoratioren wurden sie empfangen, sondern erblickten im Hafen von Veracruz zerlumpte Bettler, die zum Spiel auf ihren Instrumenten mehr grölten als sangen. Der Triumphbogen war von einer Sturmbö umgeworfen worden, und das neue Kaiserpaar musste sich mühsam seinen Weg durch den Morast bahnen. Der Regierungspalast in der Hauptstadt war desolat, düster und vollkommen verwahrlost, und die erste Nacht verbrachte der neue Kaiser auf einem Billardtisch, da die Matratzen voller Insekten waren.
Nach dem Abzug der Franzosen aus Mexiko (1866) unter dem Druck der USA konnte er sich nicht mehr lange gegen den populären Juárez behaupten, da auch seine Hilferufe in Europa unbeantwortet blieben. Er wurde am 14. Mai 1867 entmachtet, von einem Kriegsgericht zum Tode verurteilt und, nach einer Bestätigung des Todesurteils durch den wieder an die Macht gelangten Präsidenten Juárez am 19. Juni 1867 zusammen mit seinen Generälen Miguel Miramón und Tomás Mejía standrechtlich bei „Tres Campanas“, Querétaro, erschossen. Demselben Todesschicksal konnte sein Flügeladjutant, der deutsche Oberst Felix Prinz zu Salm-Salm, nur dank des persönlichen Einsatzes seiner Ehefrau Agnes Leclerq Joy knapp entgehen. Vor der Erschießung versicherte Maximilian den Soldaten, dass sie nur ihre Pflicht täten, steckte ihnen Goldmünzen zu und ersuchte sie darum, genau zu zielen und sein Gesicht zu schonen, damit seine Mutter seinen Leichnam identifizieren könne.[3]
Die Entscheidung war nicht durch einen Angriff der Belagerer gefallen, sondern durch Verrat. Oberst Miguel Lopez hatte in der Nacht vom 14. auf den 15. Mai 1867 den Zugang zur Stadt für die Truppen des gegnerischen Generals Escobedos geöffnet. Zuvor hatte er allerdings dem Kaiser noch die Möglichkeit zur Flucht geben wollen, die dieser jedoch ablehnte. [4]
Auch Maximilians Gemahlin Charlotte entging der Exekution, da sie sich zu diesem Zeitpunkt gerade in Europa befand, um Napoleon III. und den Papst Pius IX. um Hilfe zu bitten, der versprach, für sie und ihren Mann zu beten. Charlotte überlebte Maximilian um 60 Jahre, verfiel aber nach dessen Tod dem Wahnsinn. Sie starb 1927 auf Schloss Laeken bei Brüssel.
Der einbalsamierte Leichnam Maximilians wurde auf der Novara nach Triest gebracht und von dort nach Wien überführt, wo er in der Kapuzinergruft beigesetzt wurde.
Es gibt jedoch auch Stimmen die behaupten, dass Maximilian gar nicht hingerichtet worden sei, sondern im Anschluss in El Salvador unter dem Namen Justo Armas weiter gelebt habe. Grundlage dieser Theorie ist, dass sowohl Benito Juárez, als auch Maximilian Freimaurer waren. Zum Beleg dieser These werden viele Indizien vorgetragen, doch sprechen auch Indizien dagegen. Der endgültige Beweis, der nur über eine DNA-Analyse erbracht werden könnte, wurde bisher nicht angetreten.[5]
[Bearbeiten] Sonstiges
Bevor Maximilian nach Mexiko aufbrach, kursierte in Rom folgender Spottvers[6], der den künftigen Kaiser vorgeblich warnen will, das „Geschenk“ der Franzosen anzunehmen:
Deutsche Übersetzung
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Massimiliano, non ti fidare, Maximilian, sei nicht so leichtgläubig,
torna sollecito a Miramare! kehre rasch nach Miramare zurück!
Il trono fracido di Montezuma Der morsche Thron Montezumas
è nappo Gallico colmo di spuma. ist gallischer Nepp, ein Becher, der bloß Schaum enthält.
Il "Timeo Danaos" chi non ricorda Wer denkt hier nicht an das "Timeo Danaos":[7]
sotto la clamide trova la corda. Unter dem Kaisermantel wirst du den Strick des Henkers finden!
Maximilians Lieblingslied soll La Paloma von Sebastián de Yradier gewesen sein. Der Legende nach soll man es sogar zu seiner Hinrichtung gespielt haben.[8]
Neuere Untersuchungen scheinen diese Annahme aber zu widerlegen.
Das Lieblingslied Maximilians wurde jedenfalls bei der Ausschiffung seines Sarges am Anlegesteg von Schloss Miramare gespielt. Zum Andenken an dieses traurige Ereignis beschlossen die anwesenden Marineoffiziere, dass La Paloma von nun ab auf österreichischen Kriegsschiffen nie mehr erklingen solle. Diese Tradition wird bis heute von traditionsbewussten österreichischen Seglern eingehalten. Sie wird auch bei den Kursen zur Erlangung des Segelscheins unter „Seemannschaft“ vorgetragen.
Édouard Manet malte „Die Erschießung Kaiser Maximilians von Mexiko“ quasi als Berichterstatter mehrmals (1867 bis 1869). In der ersten Fassung (Museum Boston) hat das Erschießungskommando noch mexikanische Uniformen an, in der Mannheimer Fassung, die die Serie abschließt, wird von Gardisten in französischer Uniform geschossen.
Für Karl Mays Kolportageroman „Das Waldröschen" bildet der Kampf zwischen Maximilian und Benito Juárez den geschichtlichen Hintergrund, die Erschießung Maximilians ist als dramatischer Höhepunkt ausgelegt. In der fünfbändigen Überarbeitung dieses Werks durch den Karl-May-Verlag nimmt der Titel von Bd. 55: Der sterbende Kaiser Bezug auf diese Ereignisse.
Die Auseinandersetzung zwischen Maximilian und Juarez bildete 1954 den Rahmen für den Spielfilm Vera Cruz mit Burt Lancaster und Gary Cooper.
Der mexikanische Schriftsteller Fernando del Paso brachte 1989 seinen Roman Noticias del Imperio heraus, in dem die Geschichte des zweiten mexikanischen Kaiserreiches erzählt wird.
Eine Statue Maximilians steht heute im 13. Wiener Gemeindebezirk, vor dem Eingang des Schönbrunner Schlossparks.
[Bearbeiten] Einzelnachweise
- ↑ Sigrid-Maria Größing: AEIOU, Amalthea-Verlag, Zürich, 2007, ISBN 3-85002-633-7
- ↑ Konrad Kramar, Petra Stuiber: Die schrulligen Habsburger - Marotten und Allüren eines Kaiserhauses. Verlag Ueberreuter, Wien 1999, ISBN 3-8000-3742-4
- ↑ Konrad Ratz: Maximilian und Juárez. Hintergründe, Dokumente und Augenzeugenberichte. Band 2: Die Augenblicke der Gefahr. "Querétaro-Chronik". Akad. Druck- u. Verlags-Anstalt, Graz 1998, ISBN 3-201-01679-9, S. 389
- ↑ Konrad Kramar, Petra Stuiber: Die schrulligen Habsburger - Marotten und Allüren eines Kaiserhauses. Verlag Ueberreuter, Wien 1999, ISBN 3-8000-3742-4
- ↑ Johann G. Lughofer: Des Kaisers neues Leben. Ueberreuter, 2002, ISBN 3800038749.
- ↑ Vgl. Kurd v. Schlözer: Briefe eines Diplomaten. Brief aus Rom v. 20. Juli 1867.
- ↑ Antikes Sprichwort: „Ich fürchte die Danaer, auch wenn sie Geschenke bringen.“ – Aus Vergils Aeneis
- ↑ Rüdiger Bloemeke: La Paloma - das Jahrhundert-Lied. Voodoo Verlag, 2002, ISBN 3000155864158 (Auszug ; Stand: 1. Dezember 2007).
[Bearbeiten] Weblinks
- Literatur von und über Ferdinand Maximilian von Österreich im Katalog der Deutschen Nationalbibliothek
- Kaiserreich Mexiko
- Das Gemälde "Erschießung Kaiser Maximilians von Mexiko" von Édouard Manet
| Personendaten | |
|---|---|
| NAME | Ferdinand Maximilian von Österreich |
| KURZBESCHREIBUNG | Kaiser von Mexiko |
| GEBURTSDATUM | 6. Juli 1832 |
| GEBURTSORT | Wien |
| STERBEDATUM | 19. Juni 1867 |
| STERBEORT | nahe Querétaro, Mexiko |

