Ferdinand Pfohl

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1892, von Anton Klamroth

Ferdinand Pfohl (* 12. Oktober 1862 in Elbogen; † 16. Dezember 1949 in Hamburg-Bergedorf) war ein deutscher Musikkritiker, Musikschriftsteller und Komponist.

Leben[Bearbeiten]

Ferdinand Pfohl war einer der angesehensten deutschen Musikkritiker und Musikschriftsteller; sein Urteil hatte großes Gewicht (Willscher in MGG 2005) und war in Deutschland mit Hanslicks Stellung in Wien vergleichbar. Kompositionen von ihm sind zu seinen Lebzeiten recht häufig aufgeführt worden und wurden überaus positiv rezensiert.

Pfohl schrieb während seiner Leipziger Jahre (bis Oktober 1892) für die Königlich-Leipziger Zeitung, das Leipziger Tageblatt und (von November 1892 bis Dezember 1931) für die Hamburger Nachrichten und verfasste mehrere Standardwerke der Musikliteratur, so über Richard Wagner und Arthur Nikisch, außerdem war er von 1913 bis 1934 Co-Direktor des Vogt’schen Musikkonservatoriums in Hamburg. Als Komponist fühlte er sich der Spätromantik im Sinne Wagners verpflichtet. Zu seinen wohl interessantesten literarischen Werken zählt sein 1890 in Leipzig anonym erschienenes Bändchen "Höllenbreughel als Erzieher - Auch von einem Deutschen". In humoristischer, aber auch politisch-kritischer Weise parodiert er Langbehns deutschtümelndes Werk "Rembrandt als Erzieher" in köstlicher Persiflage und entlarvt Langbehn als verquasten und antisemitischen Pseudophilosophen. Noch in der Zeit des Nationalsozialismus außerte sich Pfohl in einem Radiovortrag derart mutig, indem er seine Sympathie für die "nichtarische Musik" zum Ausdruck brachte, dass der Reichssender Hamburg, der zum Großdeutschen Rundfunk gehörte, die Übertragung abbrach.

Die Pfohl-Woyrsch-Gesellschaft e.V. Hamburg, gegründet 1993, hat es sich zum Ziel gesetzt, das musikalische und literarische Erbe Ferdinand Pfohls zu bewahren und einer größeren Öffentlichkeit zugänglich zu machen.

Musikalische Werke[Bearbeiten]

  • Die Apsarase für Orchester
  • Zwölf frühe Stücke für Klavier (Nachlaufen, Pfänderspiel, Walzer, Epigramm, Walzer,Scherzo, Sonett, Serenade, Notturno, Der Dudelsack, Die Pandekten (sehr geschmacklos und ledern vorzutragen), Romanze, o.J. (frühe Klavierkompositionen)
  • Capriccio (Allegro vivo), Tanz (Tempo giusto), frühe Klavierstücke, ohne Jahresangabe (o.J.)
  • Vier Lieder
  • Hagbart, Nordische Rhapsodie (Klavier), nach einem Thema von Edvard Grieg, 1882
  • Zwei Gesänge, für eine mittlere Stimme und Pianoforte, o.J.
  • Engel-Serenade, aus d. Neapolitanischen von Frida Schanz, für eine mittlere Stimme "Steh' auf und öffne die Pforte"
  • Zwei Gesänge f.e. mittl. Stimme
  • Op. 4 Mondrondels, Phantast. Szenen aus "Pierrot Lunaire" von Albert Giraud, deutsch von Otto Erich Hartleben, für 1 Singstimme und Pianoforte, (Tenor), 1891
  • Op. 5 Drei Lieder, f. 1 hohe Stimme u.Klavier, Text deutsch, englisch, französisch, 13 S.
  • Op. 6 Vier Lieder für eine Singstimme u. Klavier
  • Op. 7 Nr. 1 Rückkehr (F. Pfohl), 11 S. 1892
  • Op. 8 Strandbilder, für Piano, 35 S.
  • zu op. 8: Das Meer, Symphonische Phantasie für großes Orchester
  • Op. 9 Sirenenlieder, Dichtungen aus Max Haushofer Jr. "Die Verbannten" für Mezzosopran (Alt) und Klavier
  • Op. 10 Twardowsky, Dichtung von Otto Kayser, Rhapsodie für großes Orchester, Männerchor und Mezzosopran; statt MSopr. Frauenchor möglich, Partitur, Klavierauszug, 35 S., 1894
  • Op. 11 Suite Élégiaque, für Piano, 1894
  • Op. 12 Eine Ballettszene f. gr. Orchester, Partitur, 59 S.
  • Op. 14 Turmballaden, 5 Dichtungen aus Max Haushofer Jr. "Die Verbannten", für eine hohe Singstimme u. Klavier, 47 S., 19o1
  • Das trunkene Lied (Nietzsche), "O Mensch gib acht! Was spricht die tiefe Mitternacht?" 1915
  • Mitternacht (Zarathustra, Friedr. Nietzsche) Ms.(Lied für mittlere Stimme)
  • Der Kelch der Liebe (Text Georg Jacobi) "Von Dir, o Liebe, nehm ich an den Kelch der bittren Leiden", (Lied für tiefe Stimme)
  • Im Waldesschatten, (J. v. Eichendorff), "Ich steh im Waldesschatten wie an des Lebens Rand", 1942 (3 S.) (Lied für mittl. Stimme)
  • Am Waldsee, "Du stiller See", 1942 Ms. (Lied f. tiefe Stimme)
  • Grüße der Liebe, (Wilh. Raabe), "Seid gegrüßt!"1944, Ms. (Lied mit Klavierbegl.)
  • Süßer Friede, (Goethe) "Der Du von dem Himmel bist" Ms. (Lied für tiefe Stimme)
  • Alles Vergängliche ist nur ein Gleichnis (Goethe), 14. Dezember 1944 Ms. (Lied f. mittl./hohe Lage)
  • Goethe tröstet, "Über allen Gipfeln ist Ruh" Ms. (Lied mit Klavierbegl.))
  • Schilflieder, Dichtungen von Nikol. Lenau, für eine mittl. Singstimme mit symphon. Klavierbegleitung, Ms. vom 21. August 1947,
  • Birkenlegendchen, Text Börries v. Münchhausen, letzte Komposition vom 28. Juli 1949, Ms.(Lied f. mittl./hohe Stimme mit Klavierbegleitung)

Literarische Werke (Auswahl)[Bearbeiten]

  • Höllenbreughel als Erzieher - Auch von einem Deutschen, Leipzig, Verlag Carl Reißner, 1890. Mit einem gezeichneten Titelbild, das Pohl als den Maler "Breughel" darstellt.
  • Arthur Nikisch, in: Heinrich Chevalley: Arthur Nikisch, Leben und Wirken, Bote und Bock, Berlin 1922, S. 1-126
  • Arthur Nikisch. Sein Leben, seine Kunst, sein Wirken. Alster, Hamburg, 196 S., 1925
  • Friedrich Chrysander. Bergedorf, Köster & Wobbe, 1926
  • Richard Wagner - Sein Leben und Schaffen. Ullstein & Co., Berlin-Wien, 398 S., 1911
  • Busoni - persoenliche Erinnerungen an den Menschen, den Kuenstler und Freund, Die Musikwelt 1925, S. 156 f.)
  • Gustav Mahler Eindrücke und Erinnerungen aus den Hamburger Jahren, hrsg. von Knud Martner, Wagner, Hamburg, 86 S., 1973

Literatur[Bearbeiten]

  • Andreas Willscher: Ferdinand Pfohl – ein Böhme in Hamburg. Editio Bärenreiter Praha, 2001, ISBN 80-86385-07-8
  • Rudolf Hayo Pfohl: Ferdinand Pfohl – ein ‚Leib- und Seeleneigener der Musik’. In: Mitteilungen 1999 der Pfohl-Woyrsch-Gesellschaft Hamburg. S. 6–36
  • Ferdinand Pfohl: Leben und Schaffen. Autobiographische Skizze und kl. Erinnerungen. In: Zeitschrift für Musik. Band 109, 1942, S. 445–450
  • Ferdinand Pfohl: Wie ich Musikkritiker wurde. In: Zeitschrift für Musik. Band 99, 1932, S. 959–961
  • Kurt Stephenson: Ferdinand Pfohl zum 75. Geburtstag, Vier lebende Bilder mit Prolog und Nachbesinnung. In: Zeitschrift für Musik. 1937, S. 1103–1105.
  • Andreas Willscher, Die Musik in Geschichte und Gegenwart (MGG), 2002, Personenteil 13, S. 496 f.
  • Wilhelm Leonhardt: Prof. Dr. Ferdinand Pfohl zum Gedenken in Lichtwark Nr. 24, Hrsg.: Lichtwark-Ausschuß Bergedorf, Dez. 1962

Einspielung[Bearbeiten]

  • Romantisches Norddeutschland (Sopr, Klav) Hamburg, 1999

Weblinks[Bearbeiten]