Ferdinand Seibt

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Ferdinand Seibt (* 9. Mai 1927 in Strischowitz (tschechisch: Střížovice), heute Ortsteil von Snědovice (dt. Schnedowitz); † 7. April 2003 in München) war ein deutscher Historiker mit den Schwerpunkten Mediävistik und Bohemistik sowie Publizist. 1980–2003 war er Vorsitzender des Collegium Carolinum in München.

Leben[Bearbeiten]

Ferdinand Seibt besuchte die Schule in Leitmeritz und wurde 1944 zum Kriegsdienst einberufen. Nach Kriegsende legte er 1946 in Delitzsch das Abitur ab. Ab 1947 studierte er an der Universität München, wo er 1952 über „Die Schrift De nugis curialium. Studien zum Weltbild und zur geistigen Persönlichkeit Walter Maps“ promovierte. 1953 legte er das Staatsexamen für das Höhere Lehramt in den Fächern Deutsch, Geschichte und Erdkunde ab. Anschließend unterrichtete er an Münchner Gymnasien. Mit einer Analyse zur hussitischen Revolution habilitierte er sich 1964 bei Karl Bosl für Mittlere und Neuere Geschichte und wurde im selben Jahr Privatdozent an der Universität München. 1969 erfolgte die Berufung auf den Lehrstuhl für die Geschichte des späteren Mittelalters an die Ruhr-Universität Bochum. Zu seinen Forschungsbereichen zählten neben der Geschichte der Geschichtswissenschaft, die vergleichende Geschichte des Mittelalters, die böhmische Geschichte sowie die Geschichte Mitteleuropas.

Ab 1980 bis zu seinem Tode 2003 war Seibt Vorsitzender des Collegium Carolinum in München und Herausgeber der Zeitschrift „Bohemia“. Er setzte sich für die Vergangenheitsbewältigung und die Verständigung zwischen Tschechen und Deutschen ein und war in bilateralen Schulkommissionen tätig. 1990–2000 war er Mitglied der deutsch-tschechischen Historikerkommission sowie des Koordinierungsrats für das deutsch-tschechische Dialogforum. Für seine Verdienste erhielt er 1990 die František-Palacký-Plakette, die höchste Auszeichnung der Tschechoslowakischen Akademie der Wissenschaften. Die Karls-Universität Prag verlieh ihm die Ehrendoktorwürde. Zudem war er Träger des Verdienstordens der Tschechischen Republik. Bereits 1981 wurde ihm der Verdienstorden des Großherzogtums Luxemburg verliehen. Seibt war Ehrenmitglied der katholischen Studentenverbindung K.St.V. Südmark im KV. Ein Schüler Seibts ist der katholische Theologieprofessor Manfred Gerwing, der das Register von Seibts Buch Glanz und Elend des Mittelalters erstellte.

Festschrift[Bearbeiten]

Aus Anlass seines 75. Geburtstages im Jahre 2002 gab das Collegium Carolinum unter dem Titel „Deutsche, Tschechen, Sudetendeutsche“ eine Festschrift heraus. Sie enthält Seibts Beiträge zu historischen und politischen Themen, deren Spektrum vom Mittelalter bis in die Neuzeit reicht. Das Vorwort enthält eine ausführliche Würdigung von Seibts Bemühungen und Verdiensten um die Verständigung zwischen Deutschen und Tschechen.

Publikationen[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]