Ferdinand Walsin-Esterházy

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Marie Charles Ferdinand Walsin-Esterházy
Das zerrissene und wieder zusammengeklebte Bordero, mit dem Walsin-Esterházy den Deutschen geheime Informationen anbot

Marie Charles Ferdinand Walsin-Esterházy (* 16. Dezember 1847 in Paris; † 21. Mai 1923 in Harpenden, England) war ein französischer Offizier und deutscher Spion. Er war der Auslöser der Dreyfus-Affäre, der tatsächliche Autor des Bordero, das man ursprünglich Alfred Dreyfus zugeschrieben und für das man diesen verurteilt hatte.

Esterházy war nur entfernt mit der ungarischen Magnatenfamilie gleichen Namens verwandt: Sein Großvater Jean Marie Auguste Walsin-Esterházy, geboren in Valleraugue im Département Gard, war der uneheliche Sohn von Gräfin Marie Anne Esterházy de Galántha und von Marquis Jean André César de Ginestous. Er war vom Leibarzt der Esterházys, dem französischen Arzt Walsin, adoptiert worden.

Ferdinand war Schüler des Lycée Bonaparte, heute Lycée Condorcet, trat in die Fremdenlegion ein und wurde 1874 als Hauptmann Ordonnanzoffizier des Generals Grenier. 1877 wurde er dem Deuxième Bureau, der Geheimdienstabteilung der Armee zugeteilt. Ab 1894 begann er für die deutsche Seite zu spionieren, wahrscheinlich aus vorwiegend finanziellen Motiven.

Nachdem im November 1897 Mathieu Dreyfus, der Bruder des zu Unrecht verurteilten Alfred Dreyfus, an den Kriegsminister geschrieben und Esterházy als Autor des Bordero mit dem Spionageangebot an den deutschen Botschafter bezeichnet hatte, verlangte Esterházy selbst einen Militärprozess gegen sich. Er wurde am 10. Januar 1898 in einem Geheimverfahren freigesprochen. Daraufhin publizierte Émile Zola sein berühmtes J’accuse und wurde darauf hin wegen Beleidigung der Armee verurteilt.

In der Folge floh Esterházy nach London. Er wurde nie verurteilt. In der Zeitung Le Matin gab Esterházy im Juli 1899 zu, das Bordero geschrieben zu haben, behauptete aber, auf Anweisung seiner Vorgesetzten gehandelt zu haben.

Die Forchtensteiner Linie der Familie Esterházy bezahlte ihm später 50.000 Francs, damit er sich nicht mehr Esterházy, sondern Jean de Voilemont nannte.[1]

Literatur[Bearbeiten]

  • Henri Guillemin: L’énigme Esterhazy. Gallimard, Paris 1962
  • Jean Doise: Un secret bien gardé. Histoire militaire de l'Affaire Dreyfus. Le Seuil, Paris 1994

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Ferdinand Walsin-Esterházy – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. de.esterhazy.net, Stand vom 16. April 2008