Ferdinand von Bayern (1550–1608)

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Prinz Ferdinand von Bayern.
Ferdinand von Bayern, 1578, mit 28 Jahren.
Gedenkstein an Ferdinand von Bayern und seine wittelsbacher Familienlinie in Wartenberg (Oberbayern).

Ferdinand von Bayern (* 20. Januar 1550 in Landshut; † 30. Januar 1608 in München) war ein Prinz von Bayern, Feldherr und Begründer der Wittelsbacher Seitenlinie der Grafen von Wartenberg (Ferdinandinische Linie des Fürstenhauses).

Leben[Bearbeiten]

Ferdinand war ein Sohn des Herzogs Albrecht V. von Bayern (1528–1579) aus dessen Ehe mit Erzherzogin Anna von Österreich (1528–1590), zweiter Tochter von Kaiser Ferdinand I.

Als nachgeborener Sohn war Ferdinand zunächst für eine geistliche Laufbahn vorgesehen, bevorzugte jedoch ein militärisches Kommando. Er wurde daher Führer der aus 5000 Mann bestehenden bayerischen Truppen im für Bayern erfolgreichen Kölner Krieg 1583 bis 1584. 1584 erstürmte Ferdinand Godesberg und eroberte Bonn.[1] Infolgedessen gelang es ihm, seinen jüngeren Bruder Ernst als Kurfürsten von Köln einzusetzen.

Am 26. Dezember 1588 heiratete Herzog Ferdinand, gegen den Widerstand seiner Familie, in morganatischer Ehe, Maria von Pettenbeck, die 15-jährige Tochter des Haager Landrichters Georg von Pettenbeck. Wegen des niedrigen Adelsstandes seiner Frau, der von den Hausgesetzen nicht als ebenbürtig anerkannt wurde, entsagte Ferdinand für sich und seine Nachkommen der bayerischen Thronfolge, erhielt jedoch Schloss und Gut Wartenberg (Oberbayern), jährliche Apanagezahlungen, zwei Rittergüter, sowie die vertragliche Zubilligung der Sukzession in Bayern bei einem eventuellen Aussterben der Nachkommen seines älteren Bruders Wilhelm V.

Dieser schenkte dem Paar bei der Hochzeit zusätzlich die Grafschaft Haag, aus der die Braut stammte. 1602 erhob er die Kinder zu Gräfinnen und Grafen von Wartenberg. Jene Seitenlinie der Wittelsbacher, auch die sogenannte „Ferdinandinische Linie“ genannt, erlosch 1736 im Mannesstamm, sonst hätte sie 1777, beim Aussterben der bayerischen Wittelsbacher – neben den pfälzischen Familienzweigen Sulzbach bzw. Zweibrücken, wovon alle heutigen Wittelsbacher abstammen – einen Rechtsanspruch auf die Nachfolge gehabt.

Ferdinand starb am “Schlagfluss” in München, wo er am Rindermarkt mit seiner Familie einen Palast bewohnt hatte.[2]

Dort stiftete er auch die Kirche „St. Nikolaus von Tolentino und St. Sebastian, in der er ein eigenes Familienbegräbnis einrichtete. Herzog Ferdinand selbst wurde jedoch nach seinem Tode in der Frauenkirche bestattet, lediglich sein Herz in der besagten Familiengrablege. Hier fanden jedoch seine Frau und die meisten seiner Nachkommen ihre letzte Ruhestätte. Das Gotteshaus wurde 1807 profaniert und versteigert. 1808 verfügte König Maximilian I. Joseph die Überführung der 24 dort bestatteten Wittelsbacher der „Ferdinandinischen Linie“ (Grafen von Wartenberg) in die Frauenkirche, wo sie sich noch heute befinden; 1823 bettete man sie dort in neue Särge um. Eine lebensgroße Renaissance Bronze-Figur Herzog Ferdinands, geschaffen vom Hofbildhauer Hans Krumpper, wollte der neue Besitzer der aufgelösten Kirche einschmelzen lassen, um sie als Altmetall zu verkaufen. Das wurde von einem Münchner Bierbrauer verhindert, welcher das Monument erwarb und der Heilig-Geist-Kirche schenkte, wo es nun zu den kostbarsten Kunstwerken zählt.[3][4]

Nachkommen[Bearbeiten]

Folgende Kinder gingen aus Ferdinands Ehe mit Maria von Pettenbeck hervor:

∞ 1628 Gräfin Euphrosyne Sibylle von Hohenzollern (1607–1636)
∞ 1. Anna Juliana von Dachsberg (1611–1650)
∞ 2. 1651 Maria Claudia von Oettingen-Wallerstein (1632–1663)

Literatur[Bearbeiten]

  • Friedrich Anton Wilhelm Schreiber: Geschichte des bayerischen Herzogs Wilhelm V., J. J. Lentner, 1860, S. 101 ff. Onlineausgabe des Buches, Kapitel über Ferdinand von Bayern und seine Familienlinie
  • Andreas Buchner: Geschichte von Bayern: aus den Quellen bearbeitet. Geschichte von Bayern während der Zeit der Reformation und des dreißigjährigen Krieges ; 1. Buch: Die Zeiten der Reformation von 1508 - 1618, Selbstverl., 1848, Band 7, S. 85 ff.
  • Susanne Tauss: Der Rittersaal der Iburg: zur fürstbischöflichen Residenz Franz Wilhelms von Wartenberg, V&R unipress GmbH, 2007, S. 126 f.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Ferdinand von Bayern – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Georg Wilhelm Hopf: Bayerische Geschichte in Zeittafeln: ein Handbuch für Lehrer, Beamte, wie für alle Freunde der Vaterlandskunde, Schmid, 1865, S. 43
  2. Felix Joseph Lipowsky: Lebens- und Regierungs - geschichte des Churfürsten von Bayern Karl Albert nachmaligen Kaisers Karl VII., J. Giel, 1830, S. 149
  3. Zur Grablege und Umbettung der Grafen von Wartenberg in München
  4. Genaue Beschreibung der Wartenberggruft in St. Nikolaus und Sebastian zu München