Ferdinand von Radziwill

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Ferdinand Fürst Radziwill (eigentlich Ferdynand Fryderyk Wilhelm Aleksander Radziwiłł) (* 19. Oktober 1834 in Berlin; † 28. Februar 1926 in Rom) war Fideikommissbesitzer und einer der führenden Politiker der polnischen Minderheit in Deutschland.

Familie und privates Leben[Bearbeiten]

Er war Sohn von Boguslaw Fürst von Radziwill und dessen Frau Leontyna Gräfin von Clary und Aldringen. Einer der Brüder war Edmund Prinz von Radziwill.

Radziwill studierte Rechtswissenschaften und absolvierte den üblichen Vorbereitungsdienst. 1855 wurde er Mitglied des Katholischen Lesevereins Berlin, jetzt KStV Askania-Burgundia im KV. Radziwill verließ den preußischen Staatsdienst als Regierungsreferendar. Er verwaltete anschließend die Familiengüter. Als Majoratsherr von Olyka sowie weiterer Besitzungen war er Großgrundbesitzer.

Im Jahr 1864 heiratete er Fürstin Pelagia Sapieha (1844–1929). Das Paar hatte fünf Kinder. Einer der Söhne war der spätere polnische Politiker Janusz Radziwill. Die Familie lebte in Berlin sowie auf Schloss Antonin im Kreis Adelnau.

Radziwill hatte familiäre Verbindungen zum Haus der Hohenzollern (Vetter von Kaiser Wilhelm I) und Kontakt zu maßgeblichen Würdenträgern in Deutschland und Russland. Militärisch war er Oberstleutnant der Reserve, ehe er 1879 zum Generalmajor der Kavallerie à la suite ernannt wurde.

Politik[Bearbeiten]

Von 1874 bis 1918 war Radziwill Mitglied des Reichstages als Abgeordneter des Wahlkreises Regierungsbezirk Posen 10 (Adelnau - Schildberg).[1] Dort war er lange Jahre lang Vorsitzender der polnischen Fraktion. Dem preußischen Herrenhaus gehörte er seit 1879 an. Er hatte einen erblichen Sitz auf Grund des Besitzes der Herrschaft Przygodzice.

In der Zeit des Kulturkampfes war Radziwill als Katholik entschiedener Gegner von Otto von Bismarck. Sein Haus in Berlin galt zeitweise als Zentrum der Opposition gegen die Kirchenpolitik der Regierung. Aus Furcht vor gesellschaftlichen Nachteilen gingen Teile der katholischen und sogar polnischen Oberschicht auf Distanz zu Radziwill.

Während seiner fast dreißig Jahre dauernden Führung der polnischen Fraktion arbeitete Radziwill stets eng mit der Zentrumspartei zusammen. Wegen der geringen Zahl der Fraktionsmitglieder war sie auf Unterstützung anderer Fraktionen insbesondere des Zentrums angewiesen. Im Parlament vertrat Radziwill einen gemäßigten Kurs und versuchte die Rechte der Minderheiten zur freien Religionsausübung und das Sprechen der eigenen Sprache zu erhalten.

Im Jahr 1917 gab Radziwill im Herrenhaus noch einmal ein Loyalitätsbekenntnis der Polen für Deutschland ab, verlangte aber auch einen grundlegenden Wandel der preußischen Polenpolitik. Namens der Regierung sagte Paul von Breitenbach zu, die Enteignungsgesetze aufzuheben und den Gebrauch der polnischen Sprache zu erleichtern.[2]

Nach dem Ende des Ersten Weltkrieges und dem Wiederentstehen des polnischen Staates war Radziwill Mitglied des Sejm. Im Jahr 1919 war er Alterspräsident der Versammlung.

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Specht, Fritz / Schwabe, Paul: Die Reichstagswahlen von 1867 bis 1903. Eine Statistik der Reichstagswahlen nebst den Programmen der Parteien und einem Verzeichnis der gewählten Abgeordneten. 2. Aufl. Berlin: Verlag Carl Heymann, 1904, S. 61; siehe auch Reibel, Carl-Wilhelm: Handbuch der Reichstagswahlen 1890-1918. Bündnisse, Ergebnisse, Kandidaten. Erster Halbband. Düsseldorf: Droste Verlag, 2007, S. 299-301 (Handbücher zur Geschichte des Parlamentarismus und der politischen Parteien. Bd. 15)
  2. Kurt Riezler: Tagebücher, Aufsätze, Dokumente. Göttingen, S. 413 (Digitalisat)

Literatur[Bearbeiten]

  • Protokolle des preußischen Staatsministeriums. Band 10 (Digitalisat; PDF; 2,9 MB)
  • Hermann Krüger (Hrsg.): Chronik des preußischen Herrenhauses. Ein Gedenkbuch zur Erinnerung an das dreißigjährige Bestehen des Herrenhauses. Berlin 1885, S. 195
  • Eligiusz Janus: Ludwig Windthorst aus polnischer Sicht. Eine Bestandsaufnahme. (PDF Datei)

Weblinks[Bearbeiten]