Ferdinand von Ritgen

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Ferdinand August Maria Franz von Ritgen (* 12. Oktober 1787 in Wulfen bei Dorsten; † 14. April 1867 in Gießen) war ein deutscher Medizinprofessor, Gynäkologe und Begründer einer der ersten neun deutschen Geburtshelferschulen.

Leben[Bearbeiten]

Er wurde 1787 als Sohn von Johann Philipp Ritgen und Marie Louise D'Arton geboren. 1808 ist er als Wundarzt zu Belecke genannt. 1811 wurde er Amtsarzt zu Meschede und Physikatsrat in Stadtberge. Dort heiratete er seine Frau Clara Herold. Im selben Jahr wurde sein Sohn Hugo geboren.

1814 habilitierte Ritgen und wurde als Professor der Medizin an die Universität Gießen gerufen. Bei seiner Berufung erhielt Ritgen eine freie Dienstwohnung, dafür wurde er verpflichtet, den Hebammen unentgeltlich Unterricht zu erteilen. Nach 1816 nahm er den Hebammenunterricht auf und setzte die Gründung einer eigenen Hebammenschule durch. Als Personal dafür standen ihm im Entbindungshaus nur eine Oberhebamme, ein Rechner und eine Wärterin zur Verfügung. Trotz der schlechten Unterstützung leistete er eine für damalige Verhältnisse vorbildliche Organisation des Unterrichts für die Hebammen und die Studierenden der Medizin. Für den Unterricht der Hebammen waren jeweils zwei Monate, die Monate April bis Mai und Oktober bis November als Ausbildungszeit vorgesehen. Diese Zeit gliederte sich in einen theoretischen und einen praktischen Teil. Ritgen war der Meinung, „daß auch Damen von Bildung sich mit diesem Fach beschäftigen können“. Er verlieh am 6. September 1815 der Geburtshelferin Josepha von Siebold die Ehrendoktorwürde der Entbindungskunst. Zwei Jahre später, am 26. März 1817 promovierte die Tochter Charlotte von Siebold in Gießen bei Ritgen zur Doktorin artis obstetriciae.

Ritgen hielt 1836 erste Vorlesungen, in denen er ganz im Gegensatz zum damaligen Zeitgeist die Therapierbarkeit von Geisteskrankheiten nicht von der Hand weist. Er entwickelte den sogenannten Ritgen-Hinterdammgriff, der mittels einer bestimmten Technik die Geburt des kindlichen Kopfes beschleunigt, sowie die Laparelytrotomie.

Neben seinen Tätigkeiten war er Mitherausgeber der Zeitschriften „Gemeinsame deutsche Zeitschrift für Geburtskunde“ und „Monatsschrift für Geburtskunde und Frauenkrankheiten“ sowie „Neue Zeitschrift für Geburtskunde“. Sein Landesherr, der Großherzog Ludwig II. von Hessen, erwies ihm ganz besondere Anerkennung dadurch, dass der ihn am 16. Dezember 1839 in den erblichen Adelsstand erhob.

1867 starb Ferdinand von Ritgen in Gießen

Werke[Bearbeiten]

  • Jahrbücher der Entbindungsanstalt zu Gießen. ? 1820–1858
  • Handbuch der Geburtshülfe. ? 1824
  • Versuchte Herstellung einiger Becken urweltlicher Thiere. 1826
  • Versuch einer natürlichen Eintheilung der Vögel. 1826
  • Die höchsten Angelegenheiten der Seele nach dem Gesetze des Fortschritts. 1835, Darmstadt.
  • Das Medicinalwesen des Großherzogthums Hessen in seinen gesetzlichen Bestimmungen. Darmstadt : Leske, 1840 - 1842.
  • Lehr- und Handbuch der Geburtshülfe für Hebammen. ? 1848

Literatur[Bearbeiten]