Ferdinand von Senger und Etterlin

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Ferdinand Maria von Senger und Etterlin (* 8. Juni 1923 in Tübingen; † 10. Januar 1987 in Koblenz) war ein General der Bundeswehr.

Leben[Bearbeiten]

Die Familie von Senger und Etterlin kann auf eine über 250-jährige Soldatentradition zurückblicken. Ferdinands Vater war der spätere General der Panzertruppe Fridolin von Senger und Etterlin[1]. Seine Mutter Hilda Margarethe war die Tochter des preußischen Generals von Kracht. Wie die meisten seiner Vorfahren strebte auch Ferdinand die Karriere eines Berufssoldaten an, somit begann die Laufbahn eines soldatischen Lebens. 1946 heiratete er Ebba von Keudell.

Wehrmacht 1940–1945[Bearbeiten]

Er startete seine Laufbahn am 1. Oktober 1940 in der Ersatzabteilung des Göttinger Kavallerie-Regiments 3, welches von seinem Vater kommandiert wurde. Mit dem Russlandfeldzug am 22. Juni 1941 begann seine Frontverwendung in der 1. Kavalleriedivision, die am 28. November 1941 in die 24. Panzer-Division umgegliedert wurde. Seit dem 23. August 1942 kämpfte er mit seinen Einheiten als Schwadronführer an der Wolga und erlebte den Untergang der 6. Armee. Er wurde kurz vor dem Ende der Schlacht um Stalingrad schwer verwundet und ausgeflogen. Nach der Neuaufstellung der 24. Panzer-Division wurde der Oberleutnant und Regimentsadjutant von Senger und Etterlin zunächst nach Oberitalien verlegt und dann wieder ab Oktober 1943 an der Ostfront eingesetzt. Im August 1944 wurde er – während der Abwehrkämpfe bei Jasy in Rumänien – erneut schwer verwundet, er verlor seinen rechten Arm. Der damals 21-jährige Rittmeister wurde im Herbst 1944 persönlicher Adjutant des Inspekteurs der Panzertruppe, General der Panzertruppe Leo Geyr von Schweppenburg, und in das Oberkommando des Heeres (OKH) versetzt. Hier erlernte er die komplizierten Zusammenhänge, welche eine Panzertruppe in Bewegung hält. Er beschäftigte sich mit Rüstungsfragen, Absprachen mit der Rüstungsindustrie, mit Personalersatzfragen und Umgliederungen der Panzertruppe. Zum Ende des Zweiten Weltkrieges geriet er mit einigen Stabsteilen in US-amerikanische Gefangenschaft.

Auszeichnungen[Bearbeiten]

Der Zivilist 1945–1956[Bearbeiten]

Nach kurzer Kriegsgefangenschaft begann von Senger und Etterlin mit dem Jurastudium in Göttingen, er setzte dieses in Zürich und Oxford fort. 1951 promovierte er. Seine Doktorarbeit trägt den Titel: „Der Parteienstaat: Ein Vergleich zwischen Weimarer Reichsverfassung und Bonner Grundgesetz.“ Hiernach übernahm er als Beamter des höheren Dienstes eine Funktion in dem neu geschaffenen Bundesamt für Verfassungsschutz. Schon bald erhielt er ausreichende Informationen über die Aufstellung deutscher Streitkräfte; sein Vater war im entsprechenden Personalgutachterausschuss und konnte ihn sachkundig unterrichten.

Bundeswehr 1956–1979[Bearbeiten]

Nach seiner Reaktivierung im März 1956 wurde von Senger und Etterlin im Referat „Grundsatzfragen des Militärischen Nachrichtenwesens und Fremde Streitkräfte Ost“ eingesetzt, hier kam ihm seine Kriegserfahrung in der Sowjetunion und die Verwendung im OKH sehr zugute. Es folgte nach der Generalstabsausbildung eine Tätigkeit als G 3 in der Panzerlehrbrigade 9 (Munster). Hier war er an der Erprobung des Kampfpanzers „Leopard“ beteiligt. Seine nächste Aufgabe bestand in der Mitarbeit der Studiengruppe des Heeres über Fragen der atomaren Taktik und Heeresplanung. 1964 kehrte als Kommandeur des Panzerlehrbataillons 94 nach Munster zurück und konnte nun die praktischen Erfahrungen mit dem Kampfpanzer „Leopard“ erleben.

Erste NATO-Verwendung[Bearbeiten]

Nach dem erfolgreichen Abschluss einer Ausbildung am NATO Defense College in Rom folgte nun die erste Verwendung im integrierten NATO-Bereich. In dieser zweijährigen Verwendung war er mit der Einsatzplanung des NATO-Hauptquartiers NORTHAG in Mönchengladbach betraut und hatte den Einsatz von niederländischen, britischen, belgischen und deutschen Heerestruppen zu koordinieren.

Der General[Bearbeiten]

Nach einem kurzen Intermezzo von Oktober 1969 bis März 1970 bei der Panzerbrigade 20 in Hemer wurde er in den Führungsstab des Heeres nach Bonn beordert und am 30. September 1970 zum Brigadegeneral befördert. In Stuttgart übernahm er später als Generalmajor die Stelle des Befehlshabers im Wehrbereich V. und erlebte in diesem Territorialkommando die unterschiedlichen Ansätze in der Zusammenarbeit mit zivilen Behörden, Landesministerien und der Bundeswehrverwaltung. Besonders wandte er sich den Verbindungen zu den alliierten Großverbänden und dem deutschen Heer zu und forcierte die Pläne einer schnellen Mobilmachung von Reservisten. Am 1. Juli 1974 kehrte er in das Feldheer zurück und übernahm das Kommando über die 7. Panzerdivision in Unna. Hier war er insbesondere mit der Zusammenlegung unterschiedlicher Einheiten und Verbände betraut, um die Forderungen der neuen „Heeresstruktur 4“ umzusetzen. Danach führte er seine Division durch mehrere erfolgreiche Großübungen. Im Frühjahr 1978 wurde Dr. von Senger und Etterlin, nun Generalleutnant, Kommandierender General des I. Korps in Münster.

NATO-Oberbefehlshaber[Bearbeiten]

Am 1. Oktober 1979 wurde der General Nachfolger des in Pension gehenden General Franz-Joseph Schulze und wurde Oberbefehlshaber der NATO-Streitkräfte Mitteleuropa AFCENT in Brunssum (NL). Die militärpolitischen Ereignisse dieser Jahre führten 1980 zur Planung des „Long-Term-Defence-Program“ und beinhalteten die Schaffung zusätzlicher europäischer Reservetruppen. Trotz dieser mehr politischen als militärischen Verwendung vergaß General Senger von Etterlin nicht den Kontakt zu der Truppe und besuchte regelmäßig Verbände und Großverbände der Bundeswehr, um die taktische und kriegsnahe Ausbildung zu überwachen und, wenn nötig, korrigierend einzugreifen.

Ruhestand[Bearbeiten]

Nach vier Jahren der bewegten und bestimmenden Verteidigungsdiskussion in Mitteleuropa (NATO-Doppelbeschluss) wurde der General am 30. September 1983 mit dem „Großen Zapfenstreich“ in den Ruhestand verabschiedet und zog mit seiner Frau nach Riedern am Wald im südbadischen Landkreis Waldshut, in ein Haus aus dem 18. Jahrhundert, das sie seit einigen Jahren aus der Ferne denkmalgerecht hatten renovieren lassen. Schon nach seinem Studium, dann aber besonders während seiner aktiven Dienstzeit und auch danach verfasste er zahlreiche für die damalige Zeit wichtige Bücher über Militärtaktik und -geschichte, Panzer, Artilleriegeschütze und Militärfahrzeuge. Dazu kamen etwa 1.000 Beiträge für militärfachliche Zeitschriften, vor allem "Soldat und Technik". Seine persönlichen Interessen galten vor allem der Kunstgeschichte (Barock, Moderne) und der klassischen Musik. Am 10. Januar 1987 verstarb er als Vater von vier erwachsenen Kindern an akutem Herzversagen im Bundeswehrkrankenhaus Koblenz.

Ehrungen[Bearbeiten]

Werke (Auswahl)[Bearbeiten]

  • Die 24. Panzer-Division 1939–1945. Vormals 1. Kavallerie-Division, Nebel Verlag, ISBN 3-8955-5186-4.
  • Die deutschen Panzer 1926–1945, Bernard & Graefe, ISBN 3-7637-0185-0
  • Die deutschen Geschütze 1939–1945, Bernard & Graefe, ISBN 3-7637-5989-1.
  • Panzer der Bundeswehr und ihrer Verbündeten, Athenäum-Verlag 1958.
  • Soldaten zwischen Rhein und Weser, Verlag Wehr u. Wissen, ISBN 3803302870.
  • Der Gegenschlag, Vowinckel-Verlag.
  • Die Kampfpanzer von 1916–1966, Bernard & Graefe, ISBN 3-7637-6221-3.
  • Taschenbuch der Panzer. Jg. 1. 1943–1954; Taschenbuch der Panzer. Jg. 2. 1943–1957; Taschenbuch der Panzer. Jg. 3. 1960; Taschenbuch der Panzer. Jg. 4. 1969.
  • Das kleine Panzerbuch, Lehmann.
  • Der sowjetische mittlere Kampfpanzer der Baureihe T-34 bis T-62, Lehmann.
  • Pionierpanzer, Bernard & Graefe, ISBN 3-7637-0575-9.
  • Die Panzergrenadiere, J.F. Lehmanns Verlag, 1961

Literatur[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Biografie von Fridolin Rudolf Theodor von Senger und Etterlin bei Axis Biographical Research
Vorgänger Amt Nachfolger
Franz-Joseph Schulze Commander in Chief, Allied Forces Central Europe
1979–1983
Leopold Chalupa