Fergus mac Róich

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Fergus mac Róich (['fʴerɣus mak Roiç], irisch: „Manneskraft, Sohn des Großen Pferdes“) ist in der keltischen Mythologie Irlands ein Krieger aus Ulster. Er ist in der irischen Sage Táin Bó Cuailnge (irisch: „Rinderraub von Cooley“) der Ziehvater von Cu Chulainn und der Geliebte der Königin Medb.

Etymologie des Namens[Bearbeiten]

Fergus ist nach Thurneysen eine bretonische Bezeichnung in der Aremorica für einen kultischen Repräsentanten der Potenz.[1] Er wird mit „auserwählte Männlichkeit“ übersetzt (altirisch: *uiro-gustus, altkymrisch: gurgust). Ein interessantes germanisches Etymon ist der Name der Göttin Vagda-vercustis („Ruhm - auserwählte - Kraft [virtus]“).

Bei Fergus mac Róich wird der Hinweis auf seine Potenz noch durch seinen Vaternamen „Großes Pferd“ verstärkt, da ja das Pferd auch als Fruchtbarkeitstier gesehen wird. Sein Phallus hat die Länge von sieben Zoll, sein Hodensack gleicht einem Mehlsack. Der Königsstein Lia Fáil bei Tara wurde bis ins 19. Jahrhundert im Volksmund noch bod Fheraghais („Glied des Fergus“) genannt.

Von einem anderen Träger dieses Namens, Fergus mac Léite, wird traditionell gesungen, dass sein Penis sieben Männerfäuste lang sei.[2]

Mythologie[Bearbeiten]

Fergus mac Róich ist ein Krieger von gewaltigem Körperbau, er hat die Kraft von 700 Männern und isst auch für sieben Helden. Wegen seiner Manneskraft muss seine Gattin oder Geliebte Flidais ständig bei ihm sein, sonst sind ihm sieben Frauen nicht genug.[2] Seine geis (Tabu) ist, dass er niemals eine Einladung zum Biertrinken ausschlagen darf.[3]

In Táin Bó Flidhais („Das Wegtreiben von Flidais’ Rindern“) wird berichtet, wie er Flidais zusammen mit deren mythischen Kuh Maol bei einem Feldzug gegen ihren Gatten, König Oilill Fionn von Mayo, erobern kann. Dies geschieht allerdings bereits zu einer Zeit, wo er sich am Königshof von Connacht aufhält.

Da Fergus bei der Bewerbung um den Thron von Ulster von Conchobar und dessen Mutter Nessa in der Volksgunst übertrumpft wurde, besteht eine lebenslange Spannung zwischen diesen beiden. Als er auch noch von Conchobar gemeinsam mit Cormac Conn Longas und Dubthach als Bürge für das Leben von Naoise hintergangen wird (in Longas mac nUislenn, „Das Exil der Söhne Uislius“), zieht er nach Connacht (siehe auch Echtrae Nerai, „Neras Abenteuer“) und führt mit seinen Getreuen einen Kleinkrieg gegen Ulster.[4] Fergus beherrscht die Technik der Teichoskopie, das detaillierte Beschreiben der Eigenheiten und Ausrüstung eines anderen Helden. So unterrichtet er die Krieger von Connacht vor dem Kampf mit Hilfe des Spähers Mac Roth genauestens mit allem Wissenswerten über seinen Ziehsohn Cu Chulainn (siehe Macgnímrada Con Culainn - „Cú Chulainns Knabentaten“). [5] Weil er aber die Ulter vor den Absichten der Connachter warnt, wird er von diesem in den folgenden Zweikämpfen aus Pietät und Fairness immer geschont. Medb gelingt es, Fergus mit dem Versprechen „ihrer Schenkel“ zum Kampf gegen seine früheren Landsleute zu bewegen. Als er und Cu Chulainn an der Furt, die der Letztere verteidigt, aufeinandertreffen, vereinbaren sie, einander niemals zu verletzen. Deshalb unterstützt Fergus mit seinen 3000 Männern die Connachter auch nicht in der Entscheidungsschlacht und diese werden von den Ultern besiegt.[6]

Einige Keltologen sehen in Fergus eine zwielichtige Heldengestalt, weil er durch seine geis der Pflicht als Bürge nicht nachkommen konnte und wegen einer Liebesnacht mit Medb gegen seine Stammesgenossen ins Feld zog. Jedoch ist sein Verhalten gegen den wortbrüchigen Conchobar und seine unbedingte Treue gegen Cu Chulainn dem gegenüber positiv zu werten.[7]

Die Visio Tundali[Bearbeiten]

In der Visio Tundali oder Visio Tnugdali („Die Vision Tundals“), einem Jenseitsbericht des irischen Mönches Marcus, einem Inklusen des Schottenklosters von Regensburg, aus dem Jahre 1149 ist ein Vorbild für die Divina Commedia von Dante Alighieri zu sehen. Die beiden Sagenhelden Fergus mac Róich und Conall Cernach müssen hier in der „Hölle der Gierigen“ dem seelenfressenden Ungeheuer Acharon für alle Ewigkeiten als Kiefersperren in seinem riesigen Maul dienen.[8]

Siehe auch[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Rudolf Thurneysen: Allerlei Keltisches. In: Zeitschrift für celtische Philologie 18/1930, S. 108.
  2. a b Helmut Birkhan: Kelten. Versuch einer Gesamtdarstellung ihrer Kultur. Verlag der Österreichischen Akademie der Wissenschaften, Wien 1997, ISBN 3-7001-2609-3, S. 573 f.
  3. Helmut Birkhan: Kelten. Versuch einer Gesamtdarstellung ihrer Kultur. Verlag der Österreichischen Akademie der Wissenschaften, Wien 1997, ISBN 3-7001-2609-3, S. 830 f.
  4. Ingeborg Clarus: Keltische Mythen. Der Mensch und seine Anderswelt. Walter Verlag 1991, ppb-Ausgabe Patmos Verlag, Düsseldorf, 2000, 2. Auflage, ISBN 3-491-69109-5, S. 116 f.
  5. Helmut Birkhan: Kelten. Versuch einer Gesamtdarstellung ihrer Kultur. Verlag der Österreichischen Akademie der Wissenschaften, Wien 1997, ISBN 3-7001-2609-3, S. 966.
  6. Ingeborg Clarus: Keltische Mythen. Der Mensch und seine Anderswelt. Walter Verlag 1991, ppb-Ausgabe Patmos Verlag, Düsseldorf, 2000, 2. Auflage, ISBN 3-491-69109-5, S. 147.
  7. Ingeborg Clarus: Keltische Mythen. Der Mensch und seine Anderswelt. Walter Verlag 1991, ppb-Ausgabe Patmos Verlag, Düsseldorf, 2000, 2. Auflage, ISBN 3-491-69109-5, S. 157.
  8. Helmut Birkhan: Nachantike Keltenrezeption. Praesens Verlag, Wien 2009, ISBN 978-3-7069-0541-1, S. 71 f.