Fernand Pelloutier

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Fernand Pelloutier

Fernand-Léonce Emile Pelloutier (* 1. Oktober 1867 in Paris; † 13. März 1901 in Sèvres, Hauts-de-Seine) war eine der großen Figuren des französischen revolutionären Syndikalismus.

Inhaltsverzeichnis

Leben[Bearbeiten]

In eine monarchistische Familie geboren, beendet er seine Studien, nachdem er beim Abitur durchgefallen ist, und wird 1886 Journalist. Zunächst ziehen ihn die republikanischen Ideen an, später wird er Sozialist. 1892 tritt er dem marxistischen Parti ouvrier français von Jules Guesde bei. Er schreibt mit Aristide Briand eine Broschüre De la révolution par la grève générale (dt.: Über die Revolution durch den Generalstreik). Später schließt sich Pelloutier dem Anarchismus an.

1895 wird er zum Sekretär der Fédération nationale des Bourses du Travail gewählt. Er kritisiert die terroristische Strategie von Ravachol und zieht es vor, die Arbeitsbörsen weiter zu entwickeln. Unter seiner Leitung wächst die Zahl der Börsen stark an, von 33 im Jahr 1894 bis auf 81 1901. Diese lokalen Gewerkschaftskartelle erscheinen vielen Arbeitern als effizienter und pragmatischer als einfache Berufsgewerkschaften. Für Pelloutier sind die Arbeitsbörsen Ausdruck des unverkürzten Syndikalismus. Sie verstehen sich als Organisationen der Solidarität und sind mit verschiedenen auf Gegenseitigkeit beruhenden Einrichtungen ausgestattet: Arbeitsvermittlung, Solidaritätskassen, Krankenkassen, Arbeitslosenkassen und Vorsorge für den Todesfall.

Die Arbeitsbörsen sind mit Bibliotheken ausgestattet, die den Arbeitern erlauben sollen, ihre Situation besser zu verstehen. Zu den vertretenen Autoren zählen Pierre-Joseph Proudhon, Adam Smith, Karl Marx, Émile Zola, Kropotkin, Bakunin. Pelloutier organisiert auch Abendkurse. Er bemüht sich die Arbeitsbörsen aufrechtzuerhalten und ihre Autonomie innerhalb der CGT, der er misstraut, zu wahren. Nachdem er sein ganzes Leben unter Tuberkulose gelitten hat, stirbt Pelloutier früh und in Armut.

Werke[Bearbeiten]

  • Les Syndicats en France. Librairie ouvrière, Paris 1897.
  • Histoire des bourses du travail. Origine, institutions, avenir. Posthum veröffentlicht von Georges Sorel. Schleicher, Paris 1902.

Literatur[Bearbeiten]

  • Jacques Julliard: Fernand Pelloutier et les origines du syndicalisme d'action directe. Paris 1971.
  • F. F. Ridley: Revolutionary Syndicalism in France. Cambridge 1970.
  • Peter Schöttler: Die Entstehung der "Bourses du Travail". Frankfurt/Main 1982.
  • Barbara Mitchell: The Practical Revolutionaries. A New Interpretation of the French Anarchosyndicalists. New York 1987.

Weblinks[Bearbeiten]