Fernand de Brinon

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Brinon (Mitte) 1943 bei den umgebetteten Gräbern der beiden polnischen Generale Mieczysław Smorawiński und Bronisław Bohatyrewicz, Opfer des Massakers von Katyn

Fernand de Brinon (* 26. August 1885 in Libourne, Département Gironde; † 15. April 1947 in Arcueil, Département Seine, heute Val-de-Marne) war ein französischer Rechtsanwalt und Journalist. Er war einer der Architekten der französischen Kollaboration mit Nazideutschland während des Zweiten Weltkriegs.

Leben[Bearbeiten]

Jugend[Bearbeiten]

Geboren in einer wohlhabenden Familie, studierte Comte Fernand de Brinon zunächst Jura und Politische Wissenschaften in Paris. Vor Beginn des Ersten Weltkrieges schlug er eine Karriere als Journalist ein. Er schrieb damals für das "Journal des Débats", eine Zeitung der Erz- und Stahl-Industriellen de Wendel. Nach 1918 war er für das Blatt zu Interviews mit Walther Rathenau, Maximilian Harden, Gustav Stresemann, Fritz Thyssen auch nach Deutschland gefahren. Ich wurde als der einzige französische Journalist, dem er Zutritt gewähren wollte, ... von Hugo Stinnes empfangen. Zur Amtszeit Heinrich Brünings suchte er diesen in einer geheimen Mission im Auftrag des Ministerpräsidenten Pierre Laval auf.

Berufsleben[Bearbeiten]

Zusammen gehörten sie zu einer mondänen Elite im rechten Milieu des Paris der 1930er Jahre. Brinon rühmte sich, der erste französische Journalist zu sein, der von Hitler empfangen worden war. Ihm wurde ... vom deutschen Reichskanzler gesagt: „Man beleidigt mich, indem man fortfährt zu behaupten, ich wolle Krieg. ... Der Krieg regelt nichts. Er könnte den Zustand der Welt nur verschlimmern. ... nach der Regelung der Saarfrage es nichts mehr gibt, ... was Deutschland und Frankreich in Opposition zueinander bringen könnte.“

Hitler kam es bei dieser Gelegenheit darauf an, durch Friedensbeteuerungen ... seine Stellung zu festigen. Dem de Brinon erklärte Hitler (sc. in lügenhafter Weise), dass er „nicht einmal den Anschluss Österreichs erstrebt“.[1]

Brinon wurde Redakteur der Information, der meistgelesenen Finanzzeitung des Landes. Maximilian Scheer ist der Ansicht, dass er das Hitler-Interview nach Absprache verzögerte und so platzierte, dass die Börse heftig reagierte. Er meint, dass die hinter der Zeitung stehenden Finanzkreise, in letzter Instanz die französische Niederlassung der Royal Dutch Shell und Deterding selbst, durch diese Kursbewegungen stark profitierten und dass das ein Lockmittel der Nazis an die französische Politik und Wirtschaft gewesen ist, ebenfalls den Weg zum Faschismus einzuschlagen.

Politik[Bearbeiten]

Nach der Niederlage von 1940 machte sich Brinon zum Anwalt einer französischen Kollaboration mit dem Deutschen Reich. Pierre Laval, jetzt Ministerpräsident des Vichy-Regimes, lud ihn im Juli 1940 ein, die französische Regierung beim deutschen Oberbefehlshaber in Paris zu repräsentieren. Marschall Philippe Pétain verlieh ihm 1942 den Titel eines Staatssekretärs. Er war Initiator und Vizepräsident eines "Komitees Deutschland-Frankreich" während der Besatzung. Im August 1944 setzte er sich mit der Vichy-Regierung ins Schloss Sigmaringen ab und wurde dort im September 1944 Präsident der Vichy-Exilregierung. Er wurde am 8. Mai 1945 von US-Soldaten an der österreichisch-schweizerischen Grenze verhaftet und nach Frankreich überstellt. Im März 1947 wurde Brinon vom Obersten Gerichtshof in Versailles wegen Kollaboration mit den Deutschen und "nationaler Würdelosigkeit" zum Tode verurteilt und am 15. April 1947 im Fort de Montrouge füsiliert.

Literatur[Bearbeiten]

  • Corinna Franz: Fernand de Brinon und die deutsch-französischen Beziehungen 1918-1945. Bonn 2000, ISBN 9783416029070 Online auf perspectivia.net
  • Martin Jungius: Der verwaltete Raub: Die „Arisierung" der Wirtschaft in Frankreich in den Jahren 1940 bis 1944. Ostfildern 2008, ISBN 978-3-7995-7292-7
  • Wolfgang Kowalsky: Kulturrevolution? Die Neue Rechte im neuen Frankreich und ihre Vorläufer, Opladen 1991, ISBN 3-8100-0914-8
  • Roland Ray: Annäherung an Frankreich im Dienste Hitlers? Otto Abetz und die deutsche Frankreichpolitik 1930 – 1942. München 2000, ISBN 3-486-56495-1
  • Maximilian Scheer: So war es in Paris. 2. Aufl. Verlag der Nation, Berlin 1972, S. 82 - 84

Notizen[Bearbeiten]

  1. nach online: (PDF; 1,7 MB) Paul Kluke in VfZ, H. 3, 1955 Nationalsozialistische Europaideologie