Deutsches Fernsehballett

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Das Deutsche Fernsehballett (bis 2012 Deutsches Fernsehballett des MDR) ist ein deutsches Ballettensemble.

Geschichte[Bearbeiten]

Am 1. April 1962 legte Ballettmeister und Tanzsolist Günter Jätzlau im Auftrag des Deutschen Fernsehfunks der DDR den Grundstein für das Fernsehballett. Zuerst wurden acht Tänzerinnen engagiert, bis 1967 vergrößerte sich das Ensemble auf zwanzig Mitglieder. Gastchoreographen bestimmten die Weiterentwicklung neben der bestehenden Führungsriege.

Walter Schumann, vorher Solist und Choreograph am Friedrichstadtpalast Berlin, förderte ab 1967 weitere Tänzerinnen wie Emöke Pöstenyi und Susan Baker, die als Solistenpaar (in Anlehnung an die Kessler-Zwillinge aus Westdeutschland) vielfach auftraten. Außerdem wurde in dieser Zeit ein größerer Ballettsaal in Betrieb genommen, Musik- und Ballettmeister sowie Kostümbildner wurden angestellt, und ein neues Fertigungsatelier für die Kostüme des Ensembles entstand.

Nach 1975 entwarfen die ehemaligen Solisten des Fernsehballetts, Ferenc Salmayer und Emöke Pöstenyi, nunmehr als Choreografen ein neues Profil des Tanzensembles. In Ein Kessel Buntes, der Samstagabendshow des DDR-Fernsehens, tanzten sie regelmäßig neben nationalen und internationalen Stars. Ab 1982 traten neue Solisten wie Ophelia Vilarova und Maik Damboldt die Nachfolge an, die einen großen Wiedererkennungswert beim Publikum hatten. 1989 wurde André Höhl für das Ballett engagiert.

Nach dem Zerfall der DDR 1990 war die Weiterexistenz des Fernsehballetts des DDR-Fernsehens zunächst unklar. Bei der Verleihung des Telestar richtete Emöke Pöstenyi einen Appell an die Verantwortlichen aus der Unterhaltungsbranche und löste damit Diskussionen aus. Ende Dezember 1991, kurz vor der Abschaltung des DDR-Fernsehens am 31. Dezember des Jahres, bot der Fernsehdirektor des neu gegründeten MDR-Fernsehens eine Erhaltung des Fernsehballetts und Anbindung an seinen ARD-Sender an. Ein Glücksfall war die Verpflichtung weiterer Gesellschafter, die sich finanziell am Ballett beteiligen wollten.

Im Januar 1992 ging das Fernsehballett des DDR-Fernsehens in der MDR Deutsches Fernsehballett GmbH auf. Seit Juli 1992 ist das Unternehmen selbst verantwortlich für die Finanzen. Im November des gleichen Jahres beging das Ensemble seinen 30. Geburtstag. Der bisherige Standort des Fernsehballetts in Berlin-Johannisthal musste zu dem Zeitpunkt geräumt werden. Der Sender Freies Berlin (heute Rundfunk Berlin-Brandenburg) stellte in seinem Fernsehzentrum an der Masurenallee in Berlin-Westend Ende Mai 1992 einen Ballettsaal zur Verfügung, der bis heute Sitz und Probebühne des Ensembles ist.

Das Tanzensemble trat verstärkt in den Shows des MDR auf, es folgten einige Engagements auch von Seiten des Privatfernsehens. Sie tanzten bei Thomas Gottschalk in seiner Late Night Show bei RTL, außerdem gab es ein ARD-Portrait mit dem Namen Alles balletti. Bei Live-Auftritten zeigte sich das Ensemble unter anderem in der ersten Modeoper Mimi – La Bohème. Zur gleichen Zeit wurde die drefa Filmatelier GmbH als Mitgesellschafter aktiv. Die Tänzerinnen und Tänzer traten auch in ARD-Spielfilmproduktionen wie dem Tatort-Film Bei Auftritt Mord auf. Der Dreiteiler Tanz auf dem Vulkan zeigte die tanzenden Ensemblemitglieder auch als Schauspieler.

Im Jahr 1996 überschritt das Fernsehballett erstmals die Gewinnschwelle. Die Reichweite der Sendungen, an denen das Tanzensemble mitwirkte, steigerte sich damals auf 122 Millionen Fernsehzuschauer. 1997 gab es auch ein Tango-Special für das MDR-Fernsehen, unter anderem mit dem seit 1992 als Solist tanzenden André Höhl. Der MDR übertrug 1999 seine Geschäftsanteile am Deutschen Fernsehballett an die DREFA Media Holding GmbH, die eine Tochtergesellschaft des Senders ist. Im gleichen Jahr war das Ensemble zum ersten Mal seit der Wende schuldenfrei.

Das Deutsche Fernsehballett

Regelmäßig tritt das Fernsehballett im Ersten in verschiedenen Galas bei ARD & MDR auf. Seit 2013 ist das Deutsche Fernseh-Ballett das feste Ensemble der ZDF-Eurovisionsshow Willkommen bei Carmen Nebel.

Im Oktober und November 2008 trat das Fernsehballett seine erste eigene Tournee World of Dance zum 45-jährigen Bestehen des Ensembles in 13 deutschen Auftrittsorten an. Unter den Titeln Tanzpalast (2009) und STEPS – die Perfektion der Bewegung (2010) folgten weitere Tourneen. Im Mai und Juni 2013 steht das Deutsche Fernsehballett bei David Garretts Music-Tour auf der Bühne.

Im Oktober 2011 führte der Auftritt von sechs Ensemblemitgliedern in Grosny auf der Geburtstagsfeier des tschetschenischen Präsidenten Ramsan Kadyrow, dem schwere Menschenrechtsverletzungen vorgeworfen werden, zu Kritik. Dabei wurde bekannt, dass neun Bistümer der katholischen Kirche über die Beteiligungsgesellschaft Tellux an der Tanzgruppe beteiligt waren.[1][2][3] In der Folge wurde Bodo Bergmann, der damalige Geschäftsführer des Fernsehballetts, von der Gesellschafterversammlung des Senders abgemahnt.[4]

Im Februar 2012 verkaufte der MDR seine gesamten Anteile am Fernsehballett an den Produzenten Peter Wolf.[5] Entsprechend entfiel der Namensbestandteil „des MDR“. Im Juni 2012 untersagte das Landgericht München nach einer Klage des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) die Verwendung des Namens „DFB-Ballett” und eines dem Fußballbund ähnlichen Logos.[6]

2012 feiert das Deutsche Fernsehballett sein 50-jähriges Bestehen. Im Oktober 2012 präsentierte Carmen Nebel im MDR anlässlich des Jubiläums eine TV-Gala. Im Januar 2013 war das Ensemble anlässlich seines 50. Geburtstags auf großer Jubiläumstournee. Im November 2013 wurde bekannt, dass das Ballett aufgelöst werden solle.[7]

Im Dezember 2013 wurde das Ballett in die Rote Liste Kultur des Deutschen Kulturrates aufgenommen und in die Kategorie 1 (von Schließung bedroht) eingestuft.[8]

Nach Bekanntwerden der bevorstehenden Schließung erfuhr das Deutsche Fernsehballett einer Welle der Solidarität. Viele Prominente, darunter Hape Kerkeling, David Garrett und Carmen Nebel, boten ihre Hilfe an. Seit März 2014 steht fest, dass das Deutsche Fernsehballett erhalten bleibt.[9]

Auszeichnungen[Bearbeiten]

  • 1991: Telestar – für Emöke Pöstenyi (Choreographie Fernsehballett)
  • 1992: Goldene Kamera – für das Fernsehballett
  • 1994: Statue des Paul-Klinger-Sozialverein – für den Zusammenhalt des Fernsehballetts nach 1989
  • 1995: Nominierung für die Goldene Rose von Montreux – für das ARD-Portrait über das Ballett
  • 1995: Goldene Antenne des Int. Fernsehfestivals von Blugoevgrad in Bulgarien – für das Ensemble
  • 2003: Krone der Volksmusik – für das Fernsehballett

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Deutsche Bischöfe geraten wegen Fernsehballett-Gastspiel bei Diktator Kadyrow in Erklärungsnot in Der Spiegel, Ausgabe 43/2011
  2. MDR-Fernsehballett tanzte für Kadyrow, Süddeutsche.de, 16. Oktober 2011
  3. Beinchen hoch für Brüderchen Diktator, Spiegel Online vom 16. Oktober 2011
  4. MDR-Fernsehballett: Wegen Tschetschenien abgemahnt, Die Tageszeitung vom 26. Oktober 2011
  5. MDR wird das Fernsehballett los, Spiegel Online, 6. Februar 2012
  6. Ausgetanzt! Der DFB stoppt das Fernsehballett, Abendzeitung vom 5. Juni 2012
  7. Deutsches Fernsehballett vor dem Aus. sueddeutsche.de, 24. November 2013, abgerufen am 24. November 2013
  8. Politik & Kultur Zeitung des Deutschen Kulturrates 1|14 Seite 13 Kulturelles Leben Rote Liste Kultur, abgerufen am 18. Dezember 2013
  9. Deutsches Fernsehballett gerettet, Sächsische Zeitung online.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Deutsches Fernsehballett – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien