Fernsehen in den Vereinigten Staaten

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Amerikanische Familie vor dem Fernseher, 1958

Das Fernsehen in den Vereinigten Staaten ist ein wichtiger Teil der dortigen Medienlandschaft und zählt zu den Leitmedien. 96,7 Prozent der Haushalte in den USA besitzen mindestens ein Fernsehgerät.[1]

Geschichte[Bearbeiten]

Seit den späten 1930er Jahren wurden mehrere Übertragungswege für Fernsehprogramme entwickelt. Einem breiten Teil der Bevölkerung wurden diese Anfang der 1950er Jahre durch die Medienkonzerne Radio Corporation of America (eine Gesellschaft der NBC) und CBS zugänglich gemacht. Nach einer Flut von Anträgen für neue Sendelizenzen bei der Federal Communications Commission (FCC) ließ diese vorerst keine Anträge mehr zu, sodass Ende der 1950er Jahre nur einige Dutzend Stationen ein Programm sendeten, vorwiegend an den Gebieten der Ost- und Westküste. Die Popularität des Fernsehens nahm explosionsartig zu, nachdem die FCC die Anträge wieder zuließ. Zu dieser Zeit, um 1955 herum, hatten etwa die Hälfte aller US-Haushalte einen Fernseher.[2] Die meisten davon waren Schwarzweiß-Geräte, da Farbfernseher teuer waren und bis in die 1960er Jahre nur wenige Sender auch in Farbe sendeten.

Viele der Sendungen dieser Zeit waren Fernsehadaptionen fest etablierter Radioshows der 1930er und 1940er Jahre. Sehr beliebt waren zu dieser Zeit Comedyshows und Sitcoms wie I Love Lucy, My little Margie und I Married Joan. Diese verlagerten ihren Schwerpunkt zunehmend auf das Fernsehen, da es deutlich einfacher war, den Witz durch Einsatz von Gestik, Mimik und Situationskomik (Slapstick) darzustellen. Auch wurden viele ursprünglich in den Kinos gezeigte Kurzfilme wie Looney Tunes und The Three Stooges gesendet. Weitere populäre Genres zu der Zeit waren Talkshows (The Jack Paar Show), Western, Suspense Thrillers (The Twilight Zone) und Seifenopern. Der Erfolg des zu den Radiozeiten populären Genres der Big Band-Übertragungen konnte beim Fernsehen größtenteils nicht fortgesetzt werden. Eine Ausnahme davon bildete die Lawrence Welk Show, die von 1951 bis 1982 lief und bis heute häufig wiederholt wird. Auch die beliebten Saturday morning cartoons wurden zu dieser Zeit erstmals ausgestrahlt.

Anfang der 1980er Jahre wurde das Konzept des Bezahlfernsehens zunehmend populär. 1987 hatten 30 Prozent aller Haushalte ein Abonnement.[3] Dies führte allerdings auch zu Schwierigkeiten, da eine wachsende Zahl an Anbietern auch eine größere Verteilung der Zuschauer auf diese bedeutete und es dadurch für die Anbieter immer schwieriger wurde, eine kritische Masse für sich zu gewinnen. Als Reaktion darauf nahm die Anzahl der bei Zuschauern beliebten Seifenopern und Spielshows zu, während andere Genres immer mehr verdrängt wurden und zunehmend verschwanden. Auch nahm die Anzahl der "Daily Talk" Shows zu, von denen viele allerdings gegen Ende der 1990er Jahre wiederum abgesetzt und durch Gerichtsshows ersetzt wurden. Zu ungefähr dieser Zeit war auch die Reichweite des Fernsehen mit 98,4 Prozent am größten.[4]

Seit Beginn des 21. Jahrhunderts kommen in der Fernsehlandschaft zunehmend Reality Shows hinzu, da diese vergleichsweise günstig zu produzieren sind. Mittlerweile haben alle vier großen Medienkonzerne (CBS, NBC, ABC und FOX) zu jeder Jahreszeit mindestens eine langlebige Reality Show im Programm.

Fernsehprogramm[Bearbeiten]

Das Fernsehprogramm ist, zumindest was den Tagesablauf anbetrifft, bei den meisten großen Sendern gleich.

An Wochentagen werden morgens überwiegend Nachrichtensendungen gezeigt. Zu den bekanntesten zählen bei CBS CBS This Morning, bei NBC The Today Show und bei ABC Good Morning America. Die Nachrichtensprecher dieser Sendungen sind in der Bevölkerung prominent und sind oft auch als das "Gesicht des Senders" bekannt. Nachrichtenmagazine wie 60 Minutes und 20/20 (ABC) laufen eher spätnachmittags im Programm.

Andere Sender zeigen zu dieser Zeit häufig Gerichtsshows oder Wiederholungen von bekannten, älteren Sendungen wie I Love Lucy.

Tagsüber ist das Programm unterschiedlich.

Häufig werden Spielshows gesendet, die in den USA einen hohen Stellenwert haben und teilweise auch für das deutsche Fernsehen adaptiert wurden. Die Bekanntesten sind Family Feud (Familienduell), The Price is Right (Der Preis ist heiß) und Match Game (Schnickschnack, Punkt Punkt Punkt). Auch Wiederholungen von beliebten Spielshows der 1950er und 1960er Jahre wie What's My Line? (Was bin ich?) werden häufig gezeigt.

Beliebte Seifenopern wie General Hospital (ABC), The Young and the Restless (CBS) und The Bold and the Beautiful (ebenfalls CBS) finden sich überwiegend im Spätvormittagsprogramm der Sender. Diese Shows sind gewöhnlicherweise sehr langlebig (General Hospital wurde am 1. April 1963 erstausgestrahlt) und dadurch sehr wichtig für die Zuschauerbindung der Sender.

Am Spätnachmittag wird das Fernsehprogramm von Talkshows dominiert. Dabei unterscheidet man zwischen Daytime Talkshows wie The Ellen DeGeneres Show, The Wendy Williams Show und The Queen Latifah Show, bei denen ein Gastgeber Gespräche mit meist prominenten Gästen führt, und Lifestyle-Talkshows wie Dr. Oz, Dr. Phil und die Steve Harvey Show, bei denen der Schwerpunkt darauf liegt, Gästen und Zuschauern bei gesundheitlichen, seltener auch finanziellen Problemen Rat zu geben.

Die Prime Time wird überwiegend von Sitcoms bestimmt. Zu den bekanntesten zählen The Simpsons, How I Met Your Mother und The Big Bang Theory. Auch Wiederholungen von bereits abgesetzten Sitcoms wie King of Queens, That 70's Show, Seinfeld, Friends, Cheers, Two and a Half Men und The Cosby Show laufen täglich zu diesem Zeitpunkt. Viele dieser Shows laufen synchronisiert auch in vielen anderen Ländern und wurden dadurch weltbekannt. Auch Unterhaltungsprogramme wie Mythbusters werden zu dieser Zeit ausgestrahlt.

Spätabends sind die am meisten gesehenen Sendungen Late Night Shows. Zu den bekanntesten zählen Late Night with David Letterman und The Tonight Show (beide NBC).

An Wochenenden ist das Programm deutlich unterschiedlich. Hierbei haben einzelne beliebte Sendungen wie Saturday Night Live, Face the Nation und This Week deutlich mehr Zuschauer als die übrige Fernsehlandschaft zu diesem Zeitpunkt.

Regulierung[Bearbeiten]

Die Federal Communications Commission (FCC) ist für die Regulierung der öffentlich-rechtlichen Sender zuständig. Sie vergibt Lizenzen an die lokalen Fernsehstationen, die im Gegenzug ihren öffentlich-rechtlichen Bildungsauftrag erfüllen und die Regeln der FCC einhalten müssen. Dazu gehört unter anderem, dass die Fernsehsender zwischen 6 Uhr und 22 Uhr kein obszönes Material ausstrahlen dürfen. Obwohl die öffentlich-rechtlichen Sender außerhalb dieser Zeiten - und Privatsender ganztags - gesetzlich keinen Beschränkungen bezüglich des Sendeinhalts unterliegen, sind Nacktheit und Vulgärsprache im US-Fernsehen selten zu sehen, da die Sender befürchten, die Ausstrahlung solchen Materials könnte einerseits Werbekunden verschrecken, und andererseits die Regierung dazu ermutigen, Gesetze und Kontrollen zu verschärfen. Eine Ausnahme davon bilden bestimmte Sender wie Playboy TV, bei denen der Inhalt nur bei Abschluss eines Premium-Abonnements gesehen werden kann.

Kabelfernsehen ist von der FCC praktisch kaum reguliert. Zu den wenigen Vorschriften, die diese Sender einhalten müssen, gehören unter anderem die verschlüsselte Übertragung via Kabel und Satellit, und die Einhaltung der Senderechte an den jeweiligen Inhalten (Da die Copyrightgesetze in den USA bis 1976 vergleichsweise nachlässig dem Inhaber gegenüber waren, sind viele Sendungen heutzutage Public Domain und können frei und ohne spezielle Erlaubnis ausgestrahlt werden). Außerdem müssen die Anbieter die öffentlich-rechtlichen Sender ebenfalls in ihr Angebot aufnehmen und ihnen niedrige Programmnummern zuweisen.

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. http://tvbythenumbers.zap2it.com/2007/08/28/us-television-households-by-season/273/
  2. http://www.nyu.edu/classes/stephens/History%20of%20Television%20page.htm
  3. Aktuell '89, ISBN 3-611-00035-3
  4. http://tvbythenumbers.zap2it.com/2007/08/28/us-television-households-by-season/273/