Fernsehturm Ještěd

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Fernsehturm Ještěd
Ještěd.jpg
Basisdaten
Ort: Ještěd bei Liberec
Okres: Reichenberg
Region: Reichenberg
Staat: Tschechien
Höhenlage: 981 m n.m.
Verwendung: Fernsehturm und Hotel
Turmdaten
Bauzeit: 1963–1973
Architekt: Karel Hubáček
Baustoff: Stahl, Aluminium, Beton
Gesamthöhe: ca. 100 m
Daten der Anlage
Weitere Daten
Bauweise: Hyperboloidkonstruktion
Ingenieur: Zdeněk Patrman
Grundsteinlegung: 30. Juli 1966
Eröffnung: 1973
Positionskarte
Fernsehturm Ještěd (Tschechien)
Fernsehturm Ještěd
Fernsehturm Ještěd
50.73262814.984592Koordinaten: 50° 43′ 57,5″ N, 14° 59′ 4,5″ O

Der Fernsehturm Ještěd ist ein rund 100 Meter[1] hohes Bauwerk, welches zwischen 1963 und 1973 vom Architekten Karel Hubáček als Hyperboloidkonstruktion erbaut wurde. Der Fernsehturm steht auf dem Gipfel des Bergs Ještěd im Jeschkengebirge in der Nähe von Liberec in Tschechien und beherbergt ein Hotel. Die Form des Bauwerks ergänzt die Silhouette des Berges so, dass sie von weiter Entfernung als natürliche Einheit mit dem Berg wahrgenommen wird. Das Bauwerk gilt als Wahrzeichen der gesamten Region um Liberec. Der Hotelturm war im tschechischen Kinofilm Grandhotel (2006) zentraler Handlungsort.[2]

Geschichte[Bearbeiten]

Am 31. Januar 1963 wurden durch mehrere Brände der Aussichtsturm und eine Unterkunft für Wanderer auf dem Ještěd zerstört. Der Architekt Karel Hubáček erhielt in einem Wettbewerb den Zuschlag für sein Konzept, ein Hotel und einen Sendeturm in ein Bauwerk zu integrieren. Grundsteinlegung war am 30. Juli 1966. Der Bau des Turms wurde durch die Niederschlagung des Prager Frühlings am 21. August 1968 verzögert. Auf dem Ještěd wurde ein provisorischer Radiosender eingerichtet, der versuchte, die Bevölkerung zum zivilen Ungehorsam gegen das kommunistische Regime zu mobilisieren und bis zum 27. August 1968 unentdeckt blieb.

Gegen den halb fertiggestellten Turm formierte sich Widerstand. Den Arbeiten am Bauwerk warf man „kapitalistische Bauweise“ und Verwendung von „westlichen Materialien“ vor. Besonders die individuelle Inneneinrichtung missfiel der politischen Führung.[3] Der Architekt erhielt für das Bauwerk 1969 den Auguste-Perret-Preis,[4] er galt aufgrund des architektonischen Sonderwegs als persona non grata und durfte den Eröffnungsfeierlichkeiten am 21. Oktober 1973 nicht beiwohnen.

Das Bauwerk erhielt zahlreiche Preise. Er wurde Nationales Kulturdenkmal und Bestes tschechisches Bauwerk des 20. Jahrhunderts (2000). Für 2010 war ein Aufnahmeverfahren in die Unesco-Weltkulturerbeliste geplant.[5]

Beschreibung[Bearbeiten]

Der Fernsehturm Ještěd besteht in den unteren 30 Metern aus einem steifen Betonkern von 13 Meter Durchmesser. Bis zu einer Höhe von 41 Meter verjüngt sich das Bauwerk auf 5 Meter im Durchmesser. Darüber schließt sich ein Stahlrohr bis zur Höhe von 100 Meter an. Der für Fernsehtürme sonst typische Schaft entfällt aufgrund der Lage auf dem hohen Berggipfel.[6] Im unteren Teil befinden sich fünf Geschosse, die ein Hotel, einen Restaurationsbetrieb sowie Betriebsräume für den Sendebetrieb beherbergen. Das Restaurant bietet 300 Sitzplätze; das Hotel hat 14 Zimmer und bietet maximal 56 Gästen Platz. Die äußere Gestalt wird von einem parabolisch geschwungenen Kegel dominiert, dessen Gerippe von außen mit Aluminium verkleidet ist. Der Antennenmast ist für die Durchlässigkeit der Antennensender aus Kunststoff verkleidet. Der Turm wird von drei Ringplattformen unterteilt.

Literatur[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Fernsehturm Ještěd – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise und Anmerkungen[Bearbeiten]

  1. die Höhenangabe variiert je nach Quelle zwischen 90 und 100 Meter
  2. Beschreibung des Films Grandhotel (PDF; 230 kB)
  3. von Borries, Böttger, Heilmeyer: TV-Towers - Fernsehtürme, 8.559 Meter Politik und Architektur, Seite 105
  4. baunetz.de: Ausstellung in Berlin über Karel Hubáček (12. Mai 2006)
  5. von Borries, Böttger, Heilmeyer: TV-Towers - Fernsehtürme, 8.559 Meter Politik und Architektur, Seite 106
  6. Lexikon der Kunst, unter dem Stichwort Funk- und Fernsehtürme