Ferrisburgh

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Ferrisburgh
Ferrisburgh (Vermont)
Ferrisburgh
Ferrisburgh
Lage in Vermont
Basisdaten
Gründung: 24. Juni 1762
Staat: Vereinigte Staaten
Bundesstaat: Vermont
County:

Addison County

Koordinaten: 44° 12′ N, 73° 17′ W44.203133-73.27919636Koordinaten: 44° 12′ N, 73° 17′ W
Zeitzone: Eastern (UTC−5/−4)
Einwohner: 2775 (Stand: 2010)
Bevölkerungsdichte: 22,6 Einwohner je km²
Fläche: 158,4 km² (ca. 61 mi²)
davon 122,8 km² (ca. 47 mi²) Land
Höhe: 36 m
Postleitzahl: 05456
Vorwahl: +1 802
FIPS:

50-26300

GNIS-ID: 1462098
Webpräsenz: www.FerrisburghVT.orgVorlage:Infobox Ort in den Vereinigten Staaten/Wartung/FormatierteWebsite

Ferrisburgh[1] ist eine Gemeinde im Addison County des Bundesstaates Vermont in den Vereinigten Staaten mit 2.775 Einwohnern (laut Volkszählung von 2010).[2] Es liegt in der Ebene südöstlich des Lake Champlains nahe der Grenze zum Bundesstaat New York. Große Erhebungen sind nicht zu verzeichnen; wichtige Flüsse sind der Otter Creek, der Little Otter Creek und der Lewis Creek. Das Gebiet besteht aus fruchtbarem Weideland, das besonders zur Viehwirtschaft, dem vorherrschenden Erwerbszweig der Gegend, genutzt wird.

Vor der europäischen Besiedlung wurden die Flächen rund um den Lake Champlain, zu denen auch Ferrisburgh gehört, von den Ureinwohnern vor allem als Jagdgebiet genutzt. Die Gebiete des heutigen Vermont waren dabei vermutlich nicht dauerhaft bewohnt sondern wurden insbesondere in den Sommermonaten durch vorübergehende Lager genutzt. Im Gebiet des heutigen Ferrisburgh waren offenbar zunächst Abenaki ansässig, die aber von den verfeindeten Irokesen kurz vor der Ankunft der ersten europäischen Siedler vertrieben und Teil der Stämme der Saint-Francis-Indianer im nördlich angrenzenden Kanada wurden (s. Odanak). Die Irokesen wurden wiederum von den Europäern verdrängt. Im Süden des Lake Champlain, zu dem auch Ferrisburgh gehört, geschah dies offenbar meist kampflos; in den spärlichen Dokumenten, die durch die Siedler überliefert wurden, finden sich keine Hinweise auf kriegerische Handlungen.

Eine erste Besiedlung des Landstrichs wurde bereits durch die französischen Entdecker des Gebietes angestrebt; eine Karte von 1748 weist das heutige Ferrisburgh als Teil einer Fläche aus, die dem Monsegnieur Contrecoer zugesprochen war, für die sich aber trotz eines zusätzlich angebotenen Geldbetrages keine Siedler fanden und die deswegen wieder der französischen Krone zufiel. Nach dem Sieg der Briten über die Franzosen wurde das Areal deswegen Eigentum der britischen Krone, eine 1772 erfolgte Rückforderung blieb erfolglos.

Ein erster britischer Kolonisations-Versuch, der von zwei Offizieren geleitet wurde, blieb ebenfalls erfolglos. Mit der Landvergabe vom 24. Juni 1762, einer der ersten Parzellierungen im Rahmen der New Hampshire Grants, war Benning Wentworth, der Gouverneur New Hampshires, erfolgreicher. Die Fläche wurde von einer Gruppe von 64 Siedlern rund um die Familie des Namensgebers Benjamin Ferris gekauft; der Kaufpreis und die Größe einer Parzelle sind überliefert: 7,50 $ für 400 acres (rund 16 ha) Wildnis. Dies entsprach dem Kaufpreis eines neuen Sattels. Viele der Siedler stammten aus Dutchess County in der damaligen Kolonie New York.

Das Areal umfasste damals auch noch das Gebiet des heutigen Vergennes, das erst am 23. Oktober 1788 verwaltungstechnisch abgetrennt und als City selbständig wurde. Genau hier, am ersten Wasserfall des Otter Creek, der bis hierher vom Lake Champlain aus schiffbar ist, entstand die erste Siedlung. Die Siedler wurden aber bereits nach kurzer Zeit durch den New Yorker Colonel Reid gewaltsam vertrieben, der von der Kolonie New York ebenfalls die Siedlungsrechte für dieses Gebiet gekauft hatte. Die Gebietsansprüche sowohl durch die Kolonie New Hampshire als auch durch New York, die sich auch auf weitere doppelt verkaufte Gebiete bezog, dauerte bis 1796 an und führte zu bürgerkriegsähnlichen Zuständen in den betroffenen Siedlungen. So auch hier: Die Ansprüche des Col. Reid wurden durch den militärischen Eingriff Ethan Allens und seiner Green Mountain Boys abgewiesen, die Siedler aus New Hampshire wieder in ihre Rechte eingesetzt. 1773 kehrte Col. Reid mit einer Gruppe schottischer Siedler erneut zurück und vertrieb die ansässigen Siedler, wurde aber von Allen wiederum vertrieben; die schottischen Siedler verließen den Landstrich.

Diese ersten Siedlungen waren reine Sommersiedlungen; die erste Überwinterung fand erst 1784/1785 statt. Die konstituierende Gemeindeversammlung fand vermutlich 1786 statt (lt. Thompson); eine andere Quelle (Deming) gibt den 29. März 1785 als Tag der konstituierenden Stadtversammlung an.

Eine Masern-Epidemie, die im Winter 1812/1813 in der Gegend grassierte, forderte mehr als 60 Tote, meist Erwachsene.

An den Wasserfällen der Flussläufe im Gebiet wurden mehrere Getreide- und Sägemühlen errichtet, die ursprünglich vollständig mit Laubbäumen (besonders Birken, Ahorn und Walnuss) bestandene Fläche durch Abholzung zu Acker- und Weideland umgestaltet; um 1840 wurden besonders die Schafzucht sowie der Mais- und Kartoffelanbau als prägende landwirtschaftliche Erzeugnisse in der Volkszählungsstatistik registriert.

In der Zeit der Sklaverei in den Südstaaten bis zum Ende des Bürgerkrieges entstand eine Fluchtroute aus dem Süden Amerikas in die Nordstaaten und nach Kanada, wo die Sklaverei abgelehnt wurde. Ferrisburgh war in diese Fluchtroute, die sogenannten Underground Railroad, als Versorgungspunkt für die Flüchtenden eingebunden. Das Rockeby Museum, eine ehemalige Farm etwas nördlich der Hauptsiedlung, zeigt Exponate aus dieser Zeit. Das ehemalige Gehöft ist in die Liste der National Historic Landmarks in Vermont eingetragen.

Mit Eröffnung der Bahnstrecke Bellows Falls–Burlington wurde Ferrisburgh 1849 an die lokalen Industriezentren Burlington, Rutland und Vergennes angeschlossen. Dies verbesserte den Absatz landwirtschaftlicher Produkte erheblich und beschleunigte die Umstellung der Viehwirtschaft von Schafen auf Milchvieh. Bereits 1870 ist die Umstellung weitgehend abgeschlossen, während andere Gemeinden der Umgebung dafür bis etwa 1890 brauchten.[3]

Da die Industrialisierung der Gemeinde ausblieb hatte die Wirtschaftsdepression von 1929 keine große Auswirkung auf die Gemeinde; allerdings kam es in der Folge zu einer leichten Abwanderung von Bewohnern in die Städte. Durch den Bau von Schnellstraßen, Insbesondere der Vermont Route 7, sowie der Einrichtung zweier Naturschutzgebiete mit Bade- und Campingmöglichkeiten am Lake Champlain Ende der 1960er Jahre (Kingsland Bay State Park und Button Bay State Park) wurden auch touristische Einnahmequellen erschlossen und die Abwanderung gestoppt. Die Haupteinnahmequelle der Gegend ist aber weiterhin die Milchwirtschaft.

Einwohnerentwicklung[Bearbeiten]

Jahr 1700 1710 1720 1730 1740 1750 1760 1770 1780 1790
Einwohner 481
Jahr 1800 1810 1820 1830 1840 1850 1860 1870 1880 1890
Einwohner 956 1.647 1.581 1.822 1.755 2.075 1.738 1.768 1.684 1.501
Jahr 1900 1910 1920 1930 1940 1950 1960 1970 1980 1990
Einwohner 1.619 1.433 1.338 1.285 1.347 1.387 1.426 1.875 2.117 2.317
Jahr 2000 2010 2020 2030 2040 2050 2060 2070 2080 2090
Einwohner 2.657 2.775

Einwohnerzahl 1790–2010 laut Volkszählungsergebnissen

Umliegende Orte[Bearbeiten]

Alle Angaben als Luftlinien.

Literatur[Bearbeiten]

  •  Zadock Thompson: History of Vermont, natural, civil and statistical, in three parts. Chauncey Goodrich, Burlington 1842, S. 71f (eingeschränkte Vorschau in der Google-Buchsuche).
  •  Abby Maria Hemenway: The Vermont historical Gazetteer, Band 1. Burlington 1867, S. 33ff.
  •  Francis Smith Eastman: A History of Vermont, from its first settlement to the present time. Holbrook and Fessenden, Brattleboro' 1828 (eingeschränkte Vorschau in der Google-Buchsuche).
  •  Leonard Deming: Catalogue of the Prinzipal officers of Vermont. Middlebury 1851 (eingeschränkte Vorschau in der Google-Buchsuche).

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Ferrisburgh im Geographic Names Information System des United States Geological Survey, abgerufen am 2. Februar 2014
  2. Einwohnerdaten aus dem US-Census von 2010 im American Factfinder
  3. Wirtschaftsaufstellungen der betreffenden Volkszählungsergebnisse