Fersensporn

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Dieser Artikel beschreibt den Fersensporn als krankhafte Veränderung, für das gleichnamige Klettergerät siehe Steigeisen#Fersensporn.
Klassifikation nach ICD-10
M77.3 Kalkaneussporn
ICD-10 online (WHO-Version 2013)

Der Fersensporn (synonym Kalkaneussporn bzw. Calcaneussporn, von lat. calcaneus, Ferse(nbein); Fasciitis plantaris) ist eine dornartige, verknöcherte Ausziehung des Fersenbeins, die sich durch Reizung entzünden und dann Schmerzen verursachen kann.

Inhaltsverzeichnis

Ursachen [Bearbeiten]

Ein Fersensporn bildet sich am Sehnenansatz von Muskeln am Fersenbein, infolge von Mikroverletzungen des Gewebes, die durch Überbeanspruchung entstehen. Im Verlauf der Heilung dieser Mikroverletzungen lagert der Körper als Reparaturmaßnahme Knochenmaterial in den Sehnenansatz ein. Fersensporne können über eine sehr lange Zeit bestehen, ohne wesentliche Beschwerden zu verursachen.

Kommt es jedoch zu einer Reizung im Bereich des verknöcherten Sehnenansatzes, können Entzündungen entstehen. Ohne Behandlung führen die Entzündungen wiederum zu einer Verstärkung der Verknöcherung und somit zu einer permanenten Verschlechterung, mit der Gefahr eines chronischen Verlaufs. Ein normaler Abrollvorgang beim Gehen ist dann oft nicht mehr möglich.

Formen [Bearbeiten]

Seitliches Röntgenbild von Mittelfuß (rechts) und Ferse (links), mit einem unteren Fersensporn (links unten) und einem kleinen oberen Fersensporn (links Mitte).

Je nach Ort des Fersensporns unterscheidet man zwei Formen:

  • Der häufigere untere Fersensporn ist eine Verknöcherung im Ansatzbereich der kleinen Fußmuskeln an der Unterseite des Fersenbeins (Plantaraponeurose). Der Fachbegriff für diese Form lautet plantarer Kalkaneussporn.
  • Der seltenere obere bzw. hintere Fersensporn, auch als kranialer Fersensporn bezeichnet, ist eine Verknöcherung am Fersenbeinansatz der Achillessehne. Die Haglund-Exostose (Orthopäde, Stockholm) ist eine knöcherne Ausziehung der oberen hinteren Ecke des Fersenbeines und häufig mit einer schmerzhaften Schleimbeutelentzündung verbunden.

Während eine durch Entzündung verdickte und verbreiterte Plantaraponeurose nur im Ultraschallbild dargestellt werden kann, ist ein Fersensporn auch im Röntgenbild sichtbar.

Symptome [Bearbeiten]

  • stechender Schmerz beim Auftreten
  • dumpfe, unregelmäßig auftretende Schmerzen im Fersenbereich auch ohne Belastung (z. B. im Liegen)
  • Anlaufschmerzen (nach längerem Liegen oder Sitzen, insbesondere morgens)
  • kann gemeinsam mit Fersenschmerzen auftreten (stechender Schmerz unter der Ferse)
  • meistens mit Schmerzen im Sinne eines kontrakten Senkfußes verbunden (das so genannte TM-I-Gelenk wird gereizt)
  • gelegentliche Schwellungen im Knöchelbereich
  • beim unteren Fersensporn: starke Druckempfindlichkeit am Sehnenansatz (seitlich im unteren Fersenbereich)
  • beim oberen Fersensporn: starke Druckempfindlichkeit der Achillessehne, vor allem etwa auf Knöchelhöhe
  • Druckgefühl beim Gehen
Unterscheidung von kranialem (oberem) Fersensporn und einem plantarem (unterem) Fersensporn.

Verbreitung [Bearbeiten]

Der Fersensporn findet sich bei etwa 10 Prozent der Bevölkerung. Er tritt am häufigsten zwischen dem 40. und 60. Lebensjahr auf, bleibt aber oft beschwerdefrei.

Therapieformen [Bearbeiten]

Bei der großen Mehrzahl der Betroffenen klingen die Beschwerden ohne spezifische Therapie oder durch konservative Behandlung (ohne operative Maßnahmen) wieder ab. Zu den einzelnen Behandlungsformen existiert keine evidenzbasierte Datengrundlage.

  • Orthopädische Einlagen, die im Bereich des Sporns eine Aussparung aufweisen und an der schmerzempfindlichen Stelle für Druckentlastung sorgen. Diese Aussparung hat in der Regel ein Schaumstoffpolster. Zudem muss mit diesen Einlagen auch das Fußlängsgewölbe abgestützt werden, die Polsterung des Sporns alleine reicht meistens nicht aus. Als vorteilhaft hat sich erwiesen, die Einlagen in stark trittgedämpften Lauf(turn)schuhen einzupassen. Vorher sollten die ursprünglichen Sohlen entfernt werden.
  • Lokale Kältetherapie (Eismassage) wirkt schmerzlindernd, entzündungshemmend und abschwellend. Sie ist sehr einfach in Eigenbehandlung anwendbar.
  • Cortisoninjektionen, mit meist zeitlich nur begrenztem Nutzen. Dabei wird der Muskelansatz mit einer entzündungshemmenden und schmerzstillenden Medikamentenmischung aus Lokalanästhetika und Kortikoiden infiltriert. Teilweise werden bis zu drei Injektionen vorgeschlagen. Dabei besteht das Risiko von dauerhaften Gewebeveränderungen an der Fußsohle, die eine Schmerzverstärkung mit sich bringen.
  • Operation: Dabei wird der Fersensporn abgemeißelt. Zusätzlich können Nerven durchtrennt und der in der Regel entzündete Schleimbeutel entfernt werden. Liegezeit ca. 2-4 Tage, anschließend Entlastung der Sehne durch Spezialschuhe mit zusätzlichen Einlagen, die über einen Zeitraum von ca. 6 Wochen schrittweise reduziert werden. Bei leichten Fällen ist, sofern erforderlich, eine beidseitige OP möglich. In schwereren Fällen muss erst der eine Fuß ausheilen, bevor der andere operiert werden kann, da eine Belastung des operierten Fußes zunächst nicht möglich ist. Durch diese Operationen können allerdings zu den Beschwerden, die der Fersensporn verursacht, zusätzlich noch Beschwerden durch das Narbengewebe kommen.
  • Entzündungshemmende Medikamente: Meistens werden nichtsteroidale Antirheumatika (NSAR) verwendet, die schmerzmindernd, fiebersenkend und abschwellend wirken. Die am häufigsten zu beobachtenden Nebenwirkungen bestehen in Störungen des Magen-Darmtraktes, die sich zunächst in Oberbauchbeschwerden äußern.
  • Extrakorporale Stoßwellentherapie (ESWT): Die Anwendung mittelenergetischer fokussierter Schallwellen kann den chronischen Schmerz lindern, der Wirkmechanismus ist in Ansätzen geklärt. Die Kosten dieses Verfahrens dürfen laut Gesetzeslage nicht von den gesetzlichen Krankenkassen erstattet werden. Die meisten privaten Krankenkassen übernehmen die Kosten auf Antrag, ebenso die Beihilfestellen, wenn die konventionellen Maßnahmen ausgeschöpft wurden.
  • Schmerzbehandlung durch Röntgenbestrahlung (auch als (Röntgen-)Reizbestrahlung oder Entzündungsbestrahlung bezeichnet) des betroffenen Bereiches in meist 4-6 Sitzungen: Während bei der klassischen Therapieform Röntgenstrahlung ab 150 keV Energie zur Anwendung kommt, wird seit einigen Jahren zunehmend auch durch Beschleunigeranlagen (Strahlentherapiezentren) erzeugte Strahlung mit Energien von 4-6 MeV angewendet. Die Therapie ist schmerzfrei. Es handelt sich um eine Regelleistung der gesetzlichen und privaten Krankenkassen. Die Behandlung wird von einigen Orthopäden nur eingeschränkt empfohlen, da ein erhöhtes Krebsrisiko diskutiert wird, bisher wurden aber keine strahleninduzierten Tumoren nach einer Strahlentherapie des Fersensporns beschrieben.

Literatur [Bearbeiten]

Einzelnachweise [Bearbeiten]

  1. Dehnen der Fußsohle lindert Fasziitis, "Ärztezeitung" vom 15. Februar 2007
  2. Der Fersenschmerz (PDF; 72 kB), Aufsatz mit Übungsanleitungen von Dr. P. Holzmann

Weblinks [Bearbeiten]

 Commons: Heel spur – Album mit Bildern, Videos und Audiodateien


Gesundheitshinweis Bitte den Hinweis zu Gesundheitsthemen beachten!