Fersensporn

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Dieser Artikel beschreibt den Fersensporn als krankhafte Veränderung, für das gleichnamige Klettergerät siehe Steigeisen#Fersensporn.
Klassifikation nach ICD-10
M77.3 Kalkaneussporn
ICD-10 online (WHO-Version 2013)

Der Fersensporn (synonym Kalkaneussporn bzw. Calcaneussporn, von lat. calcaneus, Fersenbein) entspricht einem knöchernen Sporn am Fersenbein. Es wird zwischen einem unteren und einem oberen Fersensporn unterschieden. Der untere Fersensporn ist gelegentlich mit einer Entzündung der Plantarsehne an der Fußsohle vergesellschaftet (Plantarsehnenentzündung bzw. Plantarfasciitis). Eine andere knöcherne Veränderung am Fersenbein ist die Haglund-Exostose.

Ursachen[Bearbeiten]

Fersensporne sind relativ häufig. Die Häufigkeit betrug in einer Studie 32% bei Menschen ohne Plantarfasciitis und 89% bei Menschen mit Plantarfasciitis.[1] Wesentliche Risikofaktoren für eine Plantarfasciitis sind Übergewicht und Pronationsfehlstellung des Fußes.[2] Etwa 10 % der Läufer sind betroffen. Frauen sind häufiger betroffen als Männer, gewöhnlich liegt das Erkrankungsalter oberhalb von 40 Jahren.[3]

Formen und Diagnostik[Bearbeiten]

Seitliches Röntgenbild von Mittelfuß (rechts) und Ferse (links), mit einem unteren Fersensporn (links unten) und einem kleinen oberen Fersensporn (links Mitte)

Je nach Ort des Fersensporns unterscheidet man zwei Formen:

  • Der häufigere plantare (untere) Fersensporn ist eine Verknöcherung im Ansatzbereich der Sehnenplatte an der Unterseite des Fersenbeins (Plantaraponeurose). Der Fachbegriff für diese Form lautet plantarer Kalkaneussporn.
  • Der seltenere dorsale (obere bzw. hintere) Fersensporn, entspricht einer Verknöcherung am Fersenbeinansatz der Achillessehne. Die Haglund-Exostose (Orthopäde, Stockholm) ist eine knöcherne Ausziehung der oberen hinteren Ecke des Fersenbeines und häufig mit einer schmerzhaften Schleimbeutelentzündung verbunden.

Eine durch Entzündung verdickte und verbreiterte Plantaraponeurose kann im Ultraschallbild dargestellt werden. Ein Fersensporn ist sehr gut im Röntgenbild sichtbar. Zum Ausschluss anderer Ursachen für die Beschwerden können Knochenszintigramm und vor allem eine Magnetresonanztomografie (MRT) (Kier et al., s.u.) zum Einsatz kommen.

Symptome[Bearbeiten]

Bei Ausbildung eines Fersensporns sind stechende Schmerzen beim Auftreten, insbesondere auch nach längerer Ruhepause, vor allem morgens, charakteristisch. Es kann aber auch ohne Belastung der Ferse zu dumpfen, unregelmäßig auftretenden Schmerzen im Fersenbereich kommen. Die Schmerzen bei Fersensporn sind häufig auch mit einem kontrakten Senkfuß verbunden (das so genannte TM-I-Gelenk wird gereizt). Es kann zu Schwellungen im Knöchelbereich kommen.

Beim unteren Fersensporn besteht eine starke Druckempfindlichkeit am Sehnenansatz (seitlich im unteren Fersenbereich). Beim oberen Fersensporn ist besonders die Achillessehne druckempfindlich.

Sehr hilfreich für die spätere Nachsorge wie auch die wissenschaftliche Auswertung ist die Anwendung standardisierter und möglichst validierter Skalen und Scores. Zur globalen Schmerzerfassung bietet sich die Visuelle Analogskala (VAS) an. Ergänzend kann der Calcaneodynie-Score nach Rowe (Carlsson et al., s.u.; Rowe et a., s.u.) empfohlen werden (siehe Anhang 2), der neben der detaillierten Einteilung des Schmerzes auch Angaben zur Benutzung von Gehhilfen, zu einer möglichen Einschränkung im Beruf und im Sport sowie zum Gangbild umfasst.

Unterscheidung von kranialem (oberem) Fersensporn und plantarem (unterem) Fersensporn

Therapieformen[Bearbeiten]

Bei der großen Mehrzahl der Betroffenen klingen die Beschwerden ohne spezifische Therapie oder durch konservative Behandlung (ohne operative Maßnahmen) wieder ab. Die Wirksamkeit einiger Methoden konnte auf einem hohen Evidenzlevel gesichert werden (Strahlentherapie, Stoßwellentherapie).

Orthopädische Einlagen[Bearbeiten]

orthopädische Einlagen, die im Bereich des Sporns eine Aussparung aufweisen und an der schmerzempfindlichen Stelle für Druckentlastung sorgen, können eingesetzt werden. Diese Aussparung hat in der Regel ein Schaumstoffpolster. Zudem muss mit diesen Einlagen auch das Fußlängsgewölbe abgestützt werden. Als vorteilhaft hat sich erwiesen, die Einlagen in stark trittgedämpften Lauf(turn)schuhen einzupassen. Vorher sollten die ursprünglichen Sohlen entfernt werden. Diese Einlagen gelten als Voraussetzung z.B. für eine Strahlentherapie. Auch bei vorhandenen Fehlstellungen des Fußes (z. B. Senk-/Spreizfuß) sind orthopädische Einlagen zur Korrektur sinnvoll.

Krankengymnastik und Physikalische Therapie[Bearbeiten]

Mit Hilfe krankengymnastische Übungen sollten die Sehnen an der Wade und Fußsohle gedehnt werden.[4][5][6] Eine lokale Kältetherapie (Eismassage) wirkt schmerzlindernd, entzündungshemmend und abschwellend. Sie ist sehr einfach in Eigenbehandlung anwendbar.

Cortisoninjektionen und entzündungshemmende Medikamente[Bearbeiten]

Durch Cortisoninjektionen wird der Muskelansatz mit einer entzündungshemmenden und schmerzstillenden Medikamentenmischung aus Lokalanästhetika und Kortikoiden infiltriert. Teilweise werden bis zu drei Injektionen vorgeschlagen. Eine häufige Komplikation nach Kortisoninjektion ist die Ruptur der Sehnenplatte. Cortisoninjektionen haben meist einen zeitlich begrenztem Nutzen.

Als entzündungshemmende Medikamente werden meistens nichtsteroidale Antirheumatika (NSAR) verwendet, die schmerzmindernd, fiebersenkend und abschwellend wirken.

Operation[Bearbeiten]

Im Rahmen des operativen Eingriffs wird der Fersensporn abgemeißelt. Zusätzlich können Eingriffe an der Plantaraponeurose durchgeführt, Nerven durchtrennt und der in der Regel entzündete Schleimbeutel entfernt werden. Liegezeit ca. 2–4 Tage, anschließend Entlastung der Sehne durch Spezialschuhe mit zusätzlichen Einlagen, die über einen Zeitraum von ca. sechs Wochen schrittweise reduziert werden. Bei leichten Fällen ist, sofern erforderlich, eine beidseitige OP möglich. In schwereren Fällen muss erst der eine Fuß ausheilen, bevor der andere operiert werden kann, da eine Belastung des operierten Fußes zunächst nicht möglich ist. Durch diese Operationen können allerdings zu den Beschwerden, die der Fersensporn verursacht, zusätzlich noch Beschwerden durch das Narbengewebe kommen.

Stoßwellentherapie[Bearbeiten]

Zur Therapie kann auch die Extrakorporale Stoßwellentherapie (ESWT) zur Anwendung kommen, bei der mittelenergetische fokussierte Schallwellen den chronischen Schmerz lindern können. Der Wirkmechanismus ist erst in Ansätzen geklärt. Die Kosten dieses Verfahrens dürfen laut Gesetzeslage nicht von den gesetzlichen Krankenkassen erstattet werden. Die meisten privaten Krankenkassen übernehmen die Kosten auf Antrag, ebenso die Beihilfestellen, wenn die konventionellen Maßnahmen ausgeschöpft wurden. Die Wirksamkeit der Stoßwellentherapie wird durch neun randomisierte Studien mit positivem Ergebnis unterstützt (gegenüber vier negativen Studienergebnissen).

Strahlenbehandlung[Bearbeiten]

Die Strahlenbehandlung durch Röntgenbestrahlung wirkt durch Eingriff in die biochemischen Mechanismen der Entzündung. Der Fersensporn selbst ist naturgemäß durch eine Strahlenbehandlung nicht beeinflussbar. Insofern wird auch die Verordnung von Einlagen vor einer Strahlentherapie verlangt.

Angezeigt ist eine Strahlentherapie bei schmerzhaftem Fersensporn mit einer minimalen Beschwerdedauer von 4–8 Wochen (d. h. ganz akute Schmerzprobleme sollten mittels Physiotherapie/Einlagen behandelt werden). Patienten sollten über 40 Jahre alt sein, bei 30– bis 40-Jährigen ist eine Strahlenbehandlung nur sinnvoll, wenn vorher alle einfacheren Methoden ausgeschöpft wurden. Die Strahlentherapie wird gewöhnlich in zwei bis drei wöchentlichen Sitzungen über dreimal vier Wochen durchgeführt. Dabei werden das Fersenbein und die Plantaraponeurose (s. o.) mittels Photonenstrahlung eines Linearbeschleunigers (Energie 4–6 MV) oder eines Orthovoltgerätes (Energie 150–250 kV) bestrahlt; gewöhnlich wird eine Gesamtdosis von 3–6 Gy bei Einzeldosen von 0,5–1 Gy gegeben. Eine Schmerzlinderung ist bei 70–80 % der Patienten zu erwarten und kann ein Jahr oder länger andauern. Im Jahre 2012 konnte die Wirksamkeit dieser Behandlung durch eine randomisierte Studie auf hohem Evidenzniveau nachgewiesen werden (Niewald et al., s. u.).

Als typische Nebenwirkung ist eine Schmerzzunahme während oder direkt nach der Strahlentherapie möglich, diese muss ggf. durch Schmerzmitteleinnahme abgefangen werden und ist vorübergehend. Hautveränderungen werden fast nie beobachtet. Diskutiert wird eine geringe Erhöhung des natürlichen Tumorrisikos (im Promillebereich) durch die Strahlentherapie, Tumoren nach Strahlenbehandlung gutartiger Erkrankungen sind, soweit bekannt, nicht beobachtet worden. Jeder Patient wird über diese möglichen Nebenwirkungen detailliert aufgeklärt. Die Kosten der Behandlung werden von gesetzlichen und privaten Krankenkassen problemlos übernommen.

Literatur[Bearbeiten]

  • Charles Cole, Craig Seto, John Gazewood: Plantar fasciitis. Evidence-based review of diagnosis and therapy. In: American Family Physician, Bd. 72 (2005), Heft 11, S. 2237–2242, ISSN 0002-838X, Review. PMID 16342847
  • M. Niewald, H.M. Seegenschmiedt, O. Micke et al.: Randomized multicenter trial on the effect of radiotherapy for plantar Fasciitis (painful heel spur) using very low doses – a study protocol. Radiat Oncol 2008;3:27
  • R. Kier: Magnetic resonance imaging of plantar fasciitis and other causes of heel pain. Magn Reson Imaging Clin N Am 1994;2:97–107
  • A.M. Carlsson: Assessment of chronic pain. I. Aspects of the reliability and validity of the visual analogue scale. Pain 1983;16:87–101
  • C. Rowe, H.T. Sakellarides, P.A. Freeman, C. Sorbie: Fractures of the os calcis. JAMA : the journal of the American Medical Association. 1963;184:920–923
  • M. Niewald, M.H. Seegenschmiedt, O. Micke, St. Gräber, R. Mücke, V. Schäfer, C. Scheid, J. Fleckenstein, N. Licht, C. Rübe: Randomized, multicenter trial on the effect of radiation therapy on plantar fasciitis (painful heel spur) comparing a standard dose with a very low dose – mature results after 12 months’ follow-up. Int J Radiat Oncol Biol Phys 2012; 84:e455–e462

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Plantar fasciitis and the calcaneal spur: Fact or fiction? Johal KS1, Milner SA. Foot Ankle Surg. 2012 Mar;18(1):39-41. doi: 10.1016/j.fas.2011.03.003. Epub 2011 Apr 13
  2. Plantar Fasciitis in StatDX, Amyrsis 2014
  3. O. Micke, R. Mücke, M.H. Seegenschmiedt: Calcaneodynia: Plantar and dorsal heel spur/heel spur syndrome. In: M.H. Seegenschmiedt, H.-B. Makoski, K.-R. Trott, L.W. Brady (ed.): Radiotherapy for non-malignant disorders. Springer, Berlin/Heidelberg 2008, S. 295–315
  4. Dehnen der Fußsohle lindert Fasziitis, Ärztezeitung vom 15. Februar 2007
  5. Der Fersenschmerz (PDF; 72 kB), Aufsatz mit Übungsanleitungen von P. Holzmann
  6. E. Nehrer: Der Fersensporn, in Sport- und Präventivmedizin, 2009, 39, S. 34

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Heel spur – Album mit Bildern, Videos und Audiodateien


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