Fertigungskosten

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Die Fertigungskosten sind Teil der Herstellkosten und bewerten den direkten, nicht materialbezogenen Ressourceneinsatz des Produktionsprozesses (z. B. Lohnstückkosten) sowie die indirekt mit der Produktion anfallenden Gemeinkosten sowie Sondereinzelkosten der Fertigung und Kosten der Produktionsplanung und Qualitätskontrolle.[1]

Sie unterliegen als Lohnarbeit einem Skontierungsverbot.

+ Fertigungseinzelkosten
+ Fertigungsgemeinkosten
+ Sondereinzelkosten der Fertigung
= Fertigungskosten

Fertigungseinzelkosten[Bearbeiten]

Fertigungseinzelkosten sind Kosten, die direkt einem Kostenträger zugerechnet werden können. Dazu gehören zum Beispiel die Lohnkosten der Produktionsmitarbeiter. Von den normalen Einzelkosten muss man jedoch die Sondereinzelkosten der Fertigung abtrennen. Diese lassen sich nicht einer konkreten Einheit, jedoch einem Auftrag oder einem Los zuordnen. Dazu zählen Spezialwerkzeuge oder Konstruktionszeichnungen. Die Fertigungseinzelkosten bilden in der Vollkostenrechnung die Grundlage für die Umlage der Fertigungsgemeinkosten.

Für die Bilanz besteht eine Aktivierungspflicht gemäß § 255 HGB. Die Fertigungseinzelkosten werden oft aufgrund von Arbeitsplänen oder mittels Fertigungszeiten und -mengen errechnet. Aus dem Arbeitsplan werden die Standard-Stückzeiten entnommen, mit den fertiggemeldeten Stückmengen multipliziert und zum Tarif der leistenden Kostenstelle bewertet, woraus die Fertigungseinzelkosten resultieren. Dies geschieht in der Regel EDV-gestützt durch eine ERP-Software im Rahmen der retrograden Verbrauchsermittlung.

Fertigungsgemeinkosten[Bearbeiten]

Fertigungsgemeinkosten (FGK) sind Teil der Herstellkosten; sie sind jene Kosten des Fertigungsbereichs, die nicht direkt einzelnen Kostenträgern zugeordnet werden können. Sie werden in der Kostenstellenrechnung in den Fertigungsendkostenstellen gesammelt. Bei einer Vollkostenrechnung werden anschließend die Kosten in der Kostenträgerrechnung auf die Kostenträger umgelegt (zum Beispiel in der Zuschlagskalkulation anhand der Fertigungseinzelkosten als Zuschlagsgrundlage).

Zu den Fertigungsgemeinkosten gehören Hilfslöhne, Gehälter für Meister und technische Angestellte, Kosten für Hilfsstoffe, Energiekosten, kalkulatorische Abschreibungen bzw. Zinsen, Betriebsmittelkosten des Fertigungsbereichs.

Für Handelsbilanz und Steuerbilanz besteht Aktivierungspflicht (§ 255 Abs. 2 HGB; R 6.3 Abs. 1 EStR).

Die Fertigungsgemeinkosten können

  • mittels Zuschlagskalkulation auf der Basis der Fertigungseinzelkosten verrechnet werden
  • oder bereits bei der Ermittlung der Kostenstellentarife in den Kostensatz zur Bewertung der Fertigungsstückzeit eingebaut werden.

Sondereinzelkosten der Fertigung[Bearbeiten]

Zu den Sondereinzelkosten der Fertigung gehören Kosten für Spezialwerkzeuge, Konstruktionspläne, Modelle/Schablonen, Patente und Lizenzen, Analysen/Proben eines Fertigungsschritts. Diese Kosten sind auftragsbezogen und können den einzelnen Kostenträger zugeschlüsselt werden, wenn der Kostentreiber Losgrößenmenge bekannt ist. Sie unterliegen somit einer losgrößenabhängigen Kostendegression. Sondereinzelkosten der Fertigung sind Teil der Herstellkosten; sie gehören zwar zur Kostengruppe der Einzelkosten, können jedoch nicht einzelnen Kostenträgern zugeordnet werden. Sie fallen häufig für einen ganzen Auftrag oder ein Fertigungslos an, d. h. einer Menge an Kostenträgern. Die Sonderkosten werden gleichmäßig auf die Kostenträger verteilt.

Für die Bilanz besteht Aktivierungspflicht gemäß § 255 Abs. 2 Satz 1, Satz 2 HGB.

Einzelnachweise und Quellen[Bearbeiten]

  1. Siegfried Hummel, Wolfgang Männel; Kostenrechnung - Grundlagen, Aufbau und Anwendung; ISBN 3-409-21134-9