Fesselballon

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HiFlyer in Berlin

Ein Fesselballon ist ein mit einem Traggas gefüllter Ballon, der ähnlich einem Drachen und im Gegensatz zu anderen Gasballonen stets durch eine Leine mit dem Boden verbunden bleibt.

Geschichte und Verwendung[Bearbeiten]

Militärische Fernaufklärung aus der Luft[Bearbeiten]

Fesselballon von Coutelle bei der Blockade von Mainz, 1795.

Für die Schlacht bei Fleurus (1794) stieg der Arzt und Kapitän Jean Marie Joseph Coutelle auf französischer Seite mit dem Militärballon Entreprenant zur ersten Luft-Fernaufklärung der Geschichte auf. Nicolas-Jean de Dieu Soult meinte allerdings in seinen Denkwürdigkeiten, dass diese Beobachtungen keinen Einfluss auf die Schlacht hatten.[Anm. 1] Aus dieser Zeit stammt auch der Militärballon Intrépide, welcher am 3. September 1796 in der Schlacht von Würzburg erbeutet wurde und als ältestes noch erhaltenes militärisches Luftfahrzeug im Wiener Heeresgeschichtlichen Museum ausgestellt ist.[1]

Befüllen eines Fesselballons im Ersten Weltkrieg

Fesselballone wurden vor allem im Ersten Weltkrieg, aber teilweise auch im Zweiten Weltkrieg zur taktischen Gefechtsfeld-Aufklärung (siehe unter Feldluftschiffer und Ballonschiff) oder als Sperrballone gegen Tiefflieger verwendet. Eine weitere auch heute noch durchgeführte Anwendung ist das Hochschleppen eines Antennendrahtes für einen transportablen Langwellen- oder Längstwellensender. Ein Beispiel hierfür war der Versuchssender GQV in Großbritannien.[2] Zu Beginn des 20. Jahrhunderts waren vielfach große Kriegsschiffe mit Fesselballonen ausgerüstet. Sie dienten zum einen zur Fernbeobachtung des Seeraumes und zum anderen zur Verbesserung des Funkverkehrs.

Fesselballone wurden auch eingesetzt, um bei Atombombentests die Atombombe in Höhen zwischen 100 und 2000 Metern zu positionieren. In neuerer Zeit verwendet man Fesselballone vorwiegend in der Werbung als Blickfang für großflächige Anzeigeflächen.

Werbeballone und Leuchtballone[Bearbeiten]

Kleine, unbemannte Fesselballone und gefesselte, zeppelinförmige Ballone mit Stabilisierungsflossen (Blimps) fanden bereits in den frühen Jahren ihrer Entwicklung Anwendung als Träger politischer und werberelevanter Botschaften. Seit den frühen 1980er-Jahren werden kleinere Fesselballone auch ausschließlich für Werbezwecke produziert. Es finden bei diesen Werbeballonen vorwiegend leichte verschweißte PVC-Folien, PU-Folien oder Nylon/PU-Laminate Anwendung.

Werbeaufschriften werden dabei entweder direkt auf die Ballonhülle aufgedruckt oder mittels entfernbaren Bannern aufgebracht. In der Regel wird zur Füllung dieser Werbeballone Helium verwendet.

Auch als Leuchtballone für Filmproduktionen und Flächenausleuchtung werden kleine Fesselballone oftmals eingesetzt. Die Leuchtballone werden in der Regel unter 30 m Flughöhe betrieben und haben Innenbeleuchtungen von 500–8000 W Leistung. Für Filmanwendungen kommen spezielle Halogenmetalldampflampen (sogenannte HMI-Brenner) zum Einsatz.

Groß-Fesselballone mit Tragekorb für Personen als Touristenattraktion sind unter anderem in Berlin (Checkpoint Charlie), Hamburg, Paris, Chantilly und im Disneyland Resort Paris im Einsatz. Sie bieten den Passagieren einen weiten Ausblick über die umliegende Landschaft, haben jedoch im Kontext eines HiFlyer-Unfalls im Verkehrshaus Luzern zu einer Kontroverse geführt.

Die als Werbeballone und Leuchtballone zum Einsatz kommenden Fesselballone haben Durchmesser von 2,5–12 m und werden in der Regel unbemannt betrieben. Sie können auch für Nutzlasten wie Kameras und Mess-Sonden verwendet werden.

Solarballone[Bearbeiten]

Gefesselter Solarballon im Winter.

Auch Solarballons können gefesselt aufsteigen. Ihr Traggas ist Heißluft, welches allein durch Sonnenwärme geheizt wird. Wie das Bild zeigt, reicht sogar die schwache Wintersonne aus, um einen Solarballon aufsteigen zu lassen.

Luftrecht[Bearbeiten]

Zur Internationalen Elektrotechnischen Ausstellung 1891 wurden erstmals Passagierfahrten als Attraktion angeboten.

In Deutschland werden Fesselballone zusammen mit ihrem Gegenstück, den Freiballons, luftrechtlich als eigene Luftfahrzeugklasse angesehen. In der Schweiz ist zum Betrieb eines Fesselballons eine Bewilligung nötig, wenn er bemannt ist oder über 30 kg wiegt.

Siehe auch[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Manfried Rauchensteiner, Manfred Litscher: Das Heeresgeschichtliche Museum in Wien. Verlag Styria, Graz, Wien 2000, 37.
  2. Clive S. Carver: Balloon supported 4,200 foot aerial. www.lwca.org, 19. Dezember 2007, abgerufen am 18. August 2011 (englisch).

Anmerkungen[Bearbeiten]

  1. Da die Quellen nicht klar sind, könnte es bei Maubeuge zuvor die erste Luft-Aufklärung gegeben haben.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Fesselballon – Album mit Bildern, Videos und Audiodateien
 Wiktionary: Fesselballon – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen