Festival d’Aix-en-Provence

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Das internationale Festival d’Aix-en-Provence (vollständiger französischer Name Festival international d’art lyrique d’Aix-en-Provence) ist ein Musikfestival, das jedes Jahr im Sommer in Aix-en-Provence stattfindet. Es wurde im Jahre 1948 als Fest der Oper und der klassischen Musik gegründet und ist eines der großen europäischen Musikfestspiele mit einem besonderen Verhältnis zu den Opern von Mozart. Die Aufführungen werden unter freiem Himmel im Hof des ehemaligen Erzbischofpalastes gegeben.

Geschichte[Bearbeiten]

Das Sommerfestspiel wurde im Jahre 1948 von Gabriel Dussurget ins Leben gerufen, der die musikalischen Aktivitäten in der Region von Marseille fördern wollte. Das neue Festspiel sollte ganz im Zeichen Mozarts stehen:

„Depuis l’évocation d’Aix, une œuvre lyrique chantait dans ma tête. Fiordiligi et Dorabella descendaient comme de légers fantômes le cours Mirabeau, et Mozart me vint aux lèvres.“

„(etwa:) Als ich mir Aix(-en-provence) vorstellte, kam mir ein lyrischer Gesang in den Sinn. Fiordiligi und Dorabella sanken leichtbeschwingten Geistern gleich, auf den Cours Mirabeau[1] herab und Mozart lag mir auf den Lippen.“[2]

So wurde im Gründungsjahr die Oper Così fan tutte im Hof des Erzbischöflichen Palais, dem Théâtre de l’Archevêché aufgeführt mit einem Bühnenbild von Georges Wakhevitch und unter der musikalischen Leitung von Hans Rosbaud vom Orchester des Südwestfunks Baden-Baden. Etwa zehn Konzerte und Vorstellungen wurden ebenfalls in Archevêché, in der Kathedrale Saint-Sauveur (eine Krönungsmesse mit der jungen Maria Stader) und anderen Orten in der Stadt gegeben.

Im Jahre 1949 wurde Don Giovanni mit großem Erfolg und mit dem Bühnenbild des Künstlers und Werbegraphikers Cassandre aufgeführt. Der Spielplan wurde auf drei Opern pro Festspiel festgelegt, davon zwei von Mozart und eine Dritte aus dem barocken oder dem zeitgenössischen Repertoire.

Im Jahre 1974 wurde Bernard Lefort Festspielleiter. Er öffnete die Festspiele dem italienischen Belcanto mit Opern von Donizetti, Rossini, Bellini und anderen.

Ihm folgte im Jahre 1982 Louis Erlo, ehemaliger Leiter von l’Opéra de Lyon und l’Opéra-Studio. Auf den Spielplan kamen Barockopern unter anderem von Purcell, Gluck, Lully, Campra und Rameau.

Im Jahre 1998 übernahm Stéphane Lissner, ehemaliger Direktor des Théâtre du Châtelet (La Monnaie), die Leitung der Festspiele. Er setzte einen Don Giovanni in einer viel beachteten Inszenierung von Peter Brook auf den Spielplan. Die musikalische Leitung hatten Claudio Abbado und sein junger Schüler Daniel Harding mit dem Mahler Chamber Orchestra. Er lud Regisseure wie Pina Bausch, Patrice Chéreau, Jérôme Deschamps und Macha Makeïeff ein und ließ zeitgenössische Opern wie Le Balcon von Péter Eötvös aufführen.

Für die Spielzeit von 2006 bis 2009 wurde in Koproduktion mit den Osterfestspielen von Salzburg der Ring von Richard Wagner in der Inszenierung von Stéphane Braunschweig aufgeführt. Die musikalische Leitung hatte Simon Rattle mit dem Berliner Philharmonischen Orchester. Die Opern wurden in Aix-en-Provence im Juli vorgestellt und im folgenden Frühjahr in Salzburg wieder aufgenommen.

Seit 1. Januar 2007 hat der Belgier Bernard Foccroulle, ehemaliger Direktor des Théâtre Royal de la Monnaie, die Leitung der Festspiele inne.

Liste der Festspielleiter[Bearbeiten]

  • 1947–1974: Gabriel Dussurget
  • 1974–1982: Bernard Lefort
  • 1982–1996: Louis Erlo
  • 1998–2006: Stéphane Lissner
  • Seit Januar 2007: Bernard Foccroulle

Orte der Aufführungen[Bearbeiten]

Das Herz der Festspiele ist der Hof des ehemaligen Erzbischofpalastes. Die Aufführungen finden hier unter freiem Himmel am späten Nachmittag statt. Die ursprünglich kleine Bühne von etwa sieben Meter Tiefe und zwölf Meter Breite hat den eigenen Charakter des Festspiels geprägt. Der Hof ist später mit Sitzreihen und einer Bühnenöffnung (Portal) eingerichtet worden.

Die Konzerte und Aufführungen finden vielerorts in der Stadt verteilt statt: am Place des Quatre-Dauphins, am Place des Cardeurs, am Fuße des Bergs Sainte-Victoire und seit Juni 2007 auch im eigens für diesen Zweck erbauten und gerade fertiggestellten Grand Théâtre de Provence.

Literatur[Bearbeiten]

  • Alain Gueulette: Le Festival d’Aix-en-Provence. Histoire mythologie, divas, renseignements pratiques. Éditions Sans, Paris 1989, ISBN 2-7107-0438-2

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Geschichtsträchtige Flanierstraße in Aix-en-Provence – Cours Mirabeau in der französischsprachigen Wikipedia.
  2. zitiert aus Festival international d'art lyrique d'Aix-en-Provence in der französischsprachigen Wikipedia