Festrumpfschlauchboot

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Zodiac-Festrumpfschlauchboot bei der Walbeobachtung

Ein Festrumpfschlauchboot (englisch RIB oder RHIB als Kurzform für Rigid [Hull] Inflatable Boat) ist ein Schlauchboot mit einem festen Rumpf. Es verfügt über bessere Auftriebseigenschaften als gewöhnliche Schlauchboote und ist für Offshore-Anwendungen tauglich.

Geschichte[Bearbeiten]

Bereits im Zweiten Weltkrieg setzte die US-Marine Schlauchboote und Rettungsinseln in großem Maßstab als Rettungsmittel ein. Der französische Arzt und Abenteurer Alain Bombard kam auf die Idee, alle drei bis dahin bereits existierenden Konstruktionselemente aus dem Bereich des Bootsbaues, nämlich Schläuche in Bootsform, den festen Boden und den Außenbordmotor zu einem Festrumpfschlauchboot zu verbinden. Dabei hatten Bombards erste experimentelle Fahrzeuge im Gegensatz zu den modernen Festrumpfbooten noch einen flachen Boden.

Bei dem ehemaligen französischen Flugzeughersteller Zodiac fand Bombard die Werkstätten und das Personal, mit denen eine Serienfertigung aufgenommen werden konnte. Dabei wurden zunächst noch normale Schlauchboote und erst später echte Festrumpfschlauchboote produziert. Sie sind heute weltweit bei Behörden, Militär, Umweltorganisationen, Fischern und privaten Nutzern im Einsatz.

Konstruktion[Bearbeiten]

Der Rumpf eines Festrumpfschlauchboots ist in der Regel aus glasfaserverstärkten Kunststoffen (GFK), Aluminium oder Kevlar gefertigt.[1] Die Boote haben den Vorteil, dass ihr Gewicht gegenüber dem eines vergleichbaren konventionellen Bootes stark gesenkt werden kann. Durch den Auftrieb der Luftschläuche sind sie schwer sinkbar und können auch in schwerer See kenterfrei gefahren werden.

Die Seitenwülste, eben die „Schläuche“, und auch die eventuell aufblasbaren Böden sind heute in mehrere Kammern unterteilt. Dies dient dazu, ein Einfallen des gesamten Schlauches bei Beschädigung zu verhindern. Zur Lenkung von sehr kleinen Booten wird der Außenbordmotors direkt gesteuert. Bei kleinen Booten kommt eine Mechanik mit Lenkseil oder Hydraulik zum Einsatz. Bei großen Booten werden Ruder verwendet.

Festrumpfschlauchboote haben heute eine Länge von bis zu knapp 20 Meter. Meist werden sie durch einen oder mehrere Außenbordmotoren angetrieben. Es gibt inzwischen auch Schlauchboote mit Innenbordmotor und Z- oder Wasserstrahlantrieb. Alternativ können Schlauchboote auch gerudert oder gesegelt werden. Nur der Schachtmotor als Antrieb ist vollständig verschwunden. Je nach Konstruktion und Motorausstattung können die Boote 40 bis 70 km/h erreichen.

Bei den Schlauchbooten mit festem Rumpf lassen sich zwei Konstruktionsarten unterscheiden:

  • Festrumpfschlauchboote, das „Rigid Inflatable Boat“ (kurz „RIB“) lässt man die von einigen Herstellern im Rumpf untergebrachten Auftriebskammern außer Acht, wäre dieser Typ ohne die aufgeblasenen Schlauchwülste nicht oder nur leer schwimmfähig.
  • Festrumpfboote mit umlaufendem Schlauchwulst zur Stabilitätserhöhung, „rigid boats with tubes“, haben einen aus beliebigem Material gefertigten Rumpf, der auch allein schon schwimmfähig, jedoch ohne Schlauch in geringerem Maße seetüchtig ist. Diese Festrumpfboote mit umlaufenden Schlauchwülsten sind keine echten Schlauchboote, werden aber sowohl von Laien als auch in Fachbüchern als solche bezeichnet. Ein solches Festrumpfboot ist z.B. das Protector USV.

Haltbarkeit[Bearbeiten]

Jedes Schlauchboot verliert Luft. Bei ansonsten hochwertigen Schlauchmaterialien ist meist das Ventil die Leckstelle. Ein Festrumpfschlauchboot verlangt etwa einmal im Monat einen geringen Luftnachschub.

Das Ende der Lebensdauer eines Festrumpfschlauchboot ist dann erreicht, wenn die Abstände, in denen die Schläuche nachbefüllt werden müssen, signifikant kürzer werden und die nachzufüllende Luftmenge erheblich zunimmt. Bei einem hochwertigen Festrumpfschlauchboot mit Schläuchen aus reinem Mehrlagen-Neopren-/PU-Material ist nach 10 bis 15 Jahren der Zeitpunkt erreicht, an dem das Boot fast jeden Tag wiederbefüllt werden muss.

Die namhaften Hersteller geben auf ihre Produkte eine Garantie von mehreren Jahren.

Schlauchmaterial[Bearbeiten]

Hochwertige Festrumpfschlauchboote sind ausschließlich aus Mehrlagenmaterial gefertigt, von denen je nach Einsatzzweck des Verwenders und Philosophie des Herstellers zumindest die äußerste entweder aus möglichst reinem Hypalon oder Polyurethan besteht. Hypalon ist nicht gasdicht, weshalb zumindest eine der inneren Lagen aus möglichst reinem Neopren gefertigt werden muss. Derartige Festrumpfschlauchboot lassen sich weitgehend beschädigungssicher und auch beschusshemmend herstellen.

  • Hypalon-Neopren-Gemische, die reine Mehrlagenfertigungen aus jeweils reinem, hochwertigen Hypalon und Neopren, altern so gut wie nicht, und jeder, der schon einmal einen Fahrradschlauch geflickt hat, kann sie reparieren. Ein aus solchem Material gefertigtes Schlauchboot ist teuer, hält dafür aber mehrere Jahrzehnte.
  • PU: Rohre aus Polyurethan (PU) sind schwierig herzustellen und werden daher nicht oft im Festrumpfschlauchboote-Bau verwendet. PU hat den Vorteil hoher Stabilität und eine höhere Abriebfestigkeit als Hypalon und PVC. Frühere PU-Rohre alterten wegen der UV-Empfindlichkeit recht schnell, aber neuere Typen sind in dieser Hinsicht wesentlich widerstandsfähiger und werden häufig bei kommerziellen RIBs verwendet. Hochwertige PU-Rohre haben eine Lebensdauer von mehr als 20 Jahren.
  • Neopren ist das Material, welches Hypalon gasdicht macht, ist aber leider auch sehr empfindlich gegen äußere Einflüsse, weshalb man es in Mehrlagenverwendung mit reinen Hypalon-Lagen verbindet, nicht jedoch als äußerste oder innerste, sondern immer als eine mittlere Schicht.
  • Sonstige Gewebe: Verbindet man mehrere Lagen gleicher (PVC-PVC) oder unterschiedlicher (Hypalon-Neopren-Hypalon) Materialien miteinander, um entweder die Haltbarkeit (PVC) oder die Gasdichtigkeit (Hyplanon-Neopren-Hyplaon) des Schlauches signifikant zu erhöhen, müssten bei Krümmungen des Mehrlagenmaterials (im Verlauf der Produktion, beim Entleeren und transportvorbereitenden Falten) die einzelnen Lagen unterschiedliche Längen einnehmen. Hierdurch werden die Verbindungen der Lagen zerstört. Lediglich die Varianten Hypalon-Neopren-Hypalon bleiben auch bei Trennung der Lagen gasdicht. Allerdings sind die Lagen bei Trennung gegeneinander beweglich, wodurch das Neopren an den Knickstellen im Laufe der Zeit verschleißt. Lediglich die Variante Hypalon-Neopren-Hypalon ist dann noch reparabel.

Ein Auswechseln von abgenutzten, undicht gewordenen Schläuchen ist meist so teuer, dass es nicht wirtschaftlich durchführbar ist.

Hersteller[Bearbeiten]

Bekannte Hersteller von Festrumpfschlauchbooten sind:

  • Zodiac Marine & Pool, Frankreich
  • Tornado Boats, Dänemark
  • Ribeye, USA
  • Caribe, Venezuela
  • BRIG, Ukraine
  • Falcon, South Afrika

Anwender[Bearbeiten]

Serbisches RIB-Patrouillenboot

Festrumpfschlauchboote werden weltweit von unzähligen Nutzern verwendet. Bekannte Anwender sind:

  • Rettungsgesellschaften (DGzRS, DLRG, Wasserwacht u.a.)
  • Umweltschutzorganisationen (Greenpeace, Sea Shepherd)
  • Polizei, Feuerwehr, Technisches Hilfswerk
  • die Seestreitkräfte vieler Länder
  • wissenschaftliche Einrichtungen (AWI u.a.)
  • Ölförderfirmen
  • Fischer
  • kommerzielle Anbieter von Expeditionen (Whale-Watching etc.)
  • private Nutzer.

Weblinks[Bearbeiten]

Fußnoten[Bearbeiten]

  1. Die Entwicklung des RIB [1]