Feuerfische

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Feuerfische
Antennen-Feuerfisch (Pterois antennata)

Antennen-Feuerfisch (Pterois antennata)

Systematik
Stachelflosser (Euacanthomorphacea)
Barschverwandte (Percomorphaceae)
Ordnung: Barschartige (Perciformes)
Unterordnung: Drachenkopfverwandte (Scorpaenoidei)
Familie: Skorpionfische (Scorpaenidae)
Unterfamilie: Feuerfische
Wissenschaftlicher Name
Pteroinae
Fowler, 1938

Feuerfische (Pteroinae bzw. Pteroini), oft auch Rotfeuerfische, seltener Löwenfische (von der englischen Bezeichnung lionfish) genannt, sind Bewohner der Korallenriffe des tropischen Indopazifik und des Roten Meeres aus der Unterordnung der Drachenkopfverwandten (Scorpaenoidei). Sie sind durch ihre großen, fächerförmigen Brustflossen mit langen, fast freistehenden Brustflossenstacheln sehr auffällig. Die Färbung der Feuerfische wird von einem dichten Muster von rötlichen bzw. bräunlichen und weißen Querstreifen bestimmt und dient mit der konturenauflösenden Gestalt der Fische zur Tarnung. Sie sind kaum zu erkennen, wenn sie zwischen Acroporen, Bäumchen-Weichkorallen, Haarsternen, Gorgonenhäuptern, Federwürmern oder Kalkröhrenwürmern stehen.[1] Feuerfische werden je nach Art 12 bis über 40 Zentimeter lang. Der 1816 von G. Cuvier geprägte Name (< πτερόεις) bedeutet „der Geflügelte, Befiederte“ (wird aber meist als weiblich aufgefasst).

Verbreitung[Bearbeiten]

Feuerfische leben in Fels- und Korallenriffen des tropischen Indopazifik und des Roten Meeres. Einige Arten haben ein sehr großes Verbreitungsgebiet, während andere, wie der Hawaii-Feuerfisch (Pterois sphex), endemisch nur in einer sehr kleinen Region leben. Jungfische trifft man auch in Mangroven. Fast alle Arten leben standorttreu, ausschließlich im Flachwasser, große Exemplare bevölkern oft Schiffwracks. Zwei der Pterois-Arten, der Pazifische Rotfeuerfisch (P. volitans) und der Indische Rotfeuerfisch (P. miles), haben sich als invasive Arten auch im westlichen Atlantik, an der Ostküste der USA, von Florida bis New York und vor allem in der Karibik ausgebreitet. Ca. 93 % der invasiven Population im Westatlantik sind Pazifische Rotfeuerfische (P. volitans).[2]

Dabei handelt es sich um Exemplare, die entweder von verantwortungslosen Meerwasseraquarianern ausgesetzt wurden, oder die als Jungfische mit dem Ballastwasser von Schiffen eingeschleppt wurden. Der Indische Rotfeuerfisch (Pterois miles) soll inzwischen durch den Suezkanal in das südöstliche Mittelmeer eingewandert sein.[3]

Gift[Bearbeiten]

Wie fast alle Skorpionfische (Scorpaenidae) sind Feuerfische, mit Ausnahme des Schönen Zwergfeuerfischs (Dendrochirus bellus) und von Bleekers Zwergfeuerfisch (Ebosia bleekeri), giftig.[3] Das Gift befindet sich in den 13 Hartstrahlen der ersten Rückenflosse, in den drei Hartstrahlen der Afterflosse und in den beiden Hartstrahlen der Bauchflossen. An jedem Hartstrahl befinden sich zwei Längsfurchen, die in den oberen zwei Dritteln mit giftproduzierendem Drüsengewebe ausgestattet sind. Furchen und Drüsengewebe sind von einer dünnen Haut überzogen, einen Giftkanal gibt es nicht. Beim Einstich reißt die Haut und das Gift wird aus den Drüsen herausgedrückt. Das Gift enthält Acetylcholin, das Muskelzuckungen auslöst, sowie ein bisher unbekanntes Toxin. Es ist sehr schmerzhaft, aber für den Menschen nicht tödlich. Das Gift wird nicht zum Beutefang, sondern nur zur Verteidigung eingesetzt. Bei Gefahr strecken die Feuerfische ihre giftigen Flossenstrahlen dem Angreifer entgegen.[4] Trotzdem werden Feuerfische von Raubfischen gefressen. Zackenbarsche, Flötenfische und Anglerfische oder verschiedene Muränenarten schlucken sie im Ganzen, mit dem Kopf voran. Igelfische zerbeißen Feuerfische und fressen dann die Einzelteile.[1][3]

Ernährung[Bearbeiten]

Alle Feuerfische leben carnivor, die größeren Arten meist von kleinen Fischen, wie Grundeln, Schleimfischen, Glasfischen oder Kardinalbarschen. Kleinere Arten fressen vor allem kleine Krebstiere. Auch junge Kopffüßer werden gefressen. Die Beute wird meist mit den weit gespreizten Brustflossen in die Enge getrieben und dann durch plötzliches Öffnen des Mauls eingesaugt. Oft jagen mehrere Exemplare zusammen und kreisen kleine Schwärme von Beutetieren ein.[1]

Fortpflanzung[Bearbeiten]

Zebra-Zwergfeuerfisch (Dendrochirus zebra)

Die Fortpflanzung der Feuerfische ist bisher nur durch Beobachtung von Dendrochirus in freier Natur und im Aquarium bekannt. Kurzflossen-Zwergfeuerfische (Dendrochirus brachypterus) leben in Gruppen mit einem dominanten Männchen und mehreren kleineren Männchen und Weibchen. Der Zebra-Zwergfeuerfisch (Dendrochirus zebra) lebt solitär und trifft Artgenossen nur an bestimmten Rendezvousplätzen. Die Balz beginnt, nachdem sich die Männchen heftig bekämpft und Rivalen aus dem Revier getrieben haben, nach Sonnenuntergang. Die Männchen sollen sich während der Balz dunkel, Weibchen hell verfärben. Bei laichbereiten Weibchen ist der Bauch geschwollen und hat eine silbrige Farbe. Zum Ablaichen schwimmen die Partner zur Wasseroberfläche, legen sich auf die Seite und stoßen zur gleichen Zeit Eier und Samen aus. Die 2.000 bis 15.000 Eier hängen in einer gallertigen Masse zusammen und treiben frei im Wasser. Die Larven schlüpfen nach 24 bis 36 Stunden mit einer Länge von 1–1,5 Millimeter. Nach vier Tagen sind ihre Brustflossen schon deutlich gewachsen und die Tiere beginnen zu fressen. Mit einer Länge von einem Zentimeter gehen die Fische zu einem verstecktem Leben in Fels- und Korallenriffen über. Junge Feuerfische haben oft Augenflecke auf den Flossen.[3]

Systematik[Bearbeiten]

Pazifischer Rotfeuerfisch (Pterois volitans)
Blauflossen-Feuerfisch (Parapterois heterura)
Strahlenfeuerfisch
(Pterois radiata)
Indischer Rotfeuerfisch
(Pterois miles)

Feuerfische werden mal als eigene Familie, als Unterfamilie (Pteroinae) der Skorpionfische (Scorpaenidae) oder nur als Tribus (Pteroini)[5] der Skorpionfische angesehen. Es gibt fünf Gattungen und über zwanzig Arten. Die Eigenständigkeit der Gattung Dendrochirus wurde immer wieder in Frage gestellt und die Arten der Gattung Pterois zugeordnet. Die beiden Gattungen unterscheiden sich aber deutlich dadurch, dass Dendrochirus kleinere Brustflossen mit teilweise verzweigten Flossenstrahlen hat, während die Brustflossen von Pterois so groß werden, dass sie angelegt bis über die Schwanzwurzel reichen können und die Flossenstrahlen immer ungeteilt sind. Auch werden die Pterois-Arten mit Längen von 20 bis 38 Zentimetern meist deutlich größer als die 12 bis 20 Zentimeter klein bleibenden Dendrochirus-Arten.[6] In der Gattung Pterois gibt es eine Reihe sehr nah verwandter Arten, die äußerlich kaum zu unterscheiden sind, den Pterois volitans-Komplex. Dazu gehören neben der namensgebenden Art Pterois kodipungi, Pterois lunulata, Pterois miles und Pterois russelii.[3]

Quellen[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

  • Bergbauer, Myers, Kirschner: Das Kosmos Handbuch Gefährliche Meerestiere. 2008, Franckh-Kosmos Verlags-GmbH & Co. KG, Stuttgart, ISBN 978-3-440-10945-8

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. a b c Ellen Thaler: Rotfeuerfische - Beobachtungen zum Verhalten und Anregungen zur Aquarienhaltung: in Koralle, Meerwasseraquaristik-Fachmagazin, Nr. 25 Februar/März 2004, Natur und Tier Verlag Münster, ISSN 1439-779X
  2. R. M. Hamner et al. (2007): Mitochondrial cytochrome b analysis reveals two invasive lionfish species with strong founder effects in the western Atlantic. in Journal of Fish Biology 71: 214–222.
  3. a b c d e Frank Scheidewind: Feuerfische in Koralle, Nr. 25
  4. Dietrich Mebs, Daniel Knob: Rotfeuerfische und ihr Gift. in Koralle, Nr. 25
  5. Joseph S. Nelson: Fishes of the World, Seite 323, John Wiley & Sons, 2006, ISBN 0-471-25031-7
  6. Svein Fossa, Alf Jacob Nilsen: Korallenriff-Aquarium Band 3, Birgit Schmettkamp Verlag, Bornheim, 1993, ISBN 3-928819-14-3

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Feuerfische – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
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