Feuerspucken

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Duo Somalas bei einem Auftritt
Feuerspucker
Ein Feuerspucker auf Burg Altena
Feuerspucker
Feuerspucker in Bad Ischl, Österreich
Feuerspucker bei der „Night Safari“ in Singapur
Spucken eines Feuerstrahls

Beim Feuerspucken speit oder pustet ein Mensch ein Brandmittel gegen eine Feuerquelle, meist eine Fackel. Wird das Brandmittel dabei fein zerstäubt, ist die Gesamtoberfläche der Brandmittelpartikel sehr hoch. Das Brandmittel verbrennt dadurch sehr schnell und es entsteht eine helle Flamme. Ein Feuerschlucker hingegen ist ein Artist, der brennende Fackeln in den Mund nimmt und dadurch das Feuer erstickt.

Gefahren[Bearbeiten]

Feuerspucken kann für den Aufführenden lebensbedrohlich sein. So kann das versehentliche Einatmen oder Verschlucken einer größeren Menge des Brandmittels zu akuter Atemnot führen. Auch kann eine Lungenentzündung die Folge sein.[1] Weitere Gefahren sind Verbrennungen, z.B. durch entzündete Kleidung oder Haare, und Vergiftungen durch ungeeignete Brandmittel.

Lungenentzündung[Bearbeiten]

Eine Lungenentzündung durch Feuerspucken kann tödlich sein, Teile der Lunge zerstören und die Leistungsfähigkeit dauerhaft beeinträchtigen. Lungenentzündungen durch Feuerspucken entstehen durch eingeatmeten Dampf oder durch 'Verschlucken' (Aspiration) öl-artiger Flüssigkeiten. Diese so genannte Lipid-Pneumonie oder „chemische Entzündung“[2] wird ausgelöst durch die Zerstörung des Phospholipid-Films der Lungenbläschen und kann zu einem tödlichen Lungenödem oder einer schweren bakteriellen Lungenentzündung führen. Dieser Mechanismus ist unabhängig vom verwendeten Mittel oder dessen Reinheit und wird nur durch dessen physikalische Eigenschaften verursacht. Ernste Warnsignale für eine Lipid-Pneumonie sind anhaltende Hustenanfälle. In den deutschen Giftinformationszentren wurden in den Jahren 2000 und 2001 über 100 Fälle dieser Art registriert.

Im Showbereich gelten Pulver als gesundheitlich weniger riskante Alternative zu Petroleum oder anderen brennbaren Fluiden. Als Pulver kommen meist Sporen des Bärlapp (sog. Bärlappsporen) zur Anwendung. Auch hier wurden jedoch in Einzelfällen Lungenentzündungen nach dem Einatmen beschrieben.[3]

Verbrennungen[Bearbeiten]

Ein leichtes Drehen oder Auffachen des Windes kann dazu führen, dass der Künstler in seiner eigenen Flamme steht. Gerade bei Fluiden kann es zudem vorkommen, dass die Flamme zurückschlägt und sich Fluid direkt vor oder auf dem Gesicht entzündet, schlimmstenfalls sogar bis in den Racheninnenraum vordringt. Atmet der Feuerspucker in so einem Moment ein, sind schwere Lungenschäden die Folge.

Vergiftungen[Bearbeiten]

Viele Anfänger unterschätzen diese Gefahrenquelle des Feuerspuckens, denn fast sämtliche Brandmittel sind für den Menschen giftig. Oft reicht schon der ungeschützte Kontakt mit der Haut oder den Schleimhäuten, um Vergiftungserscheinungen wie Ausschläge, Juckreiz oder Erbrechen herbeizuführen. Vor allem bei der Verwendung von Pyrofluid kann ungewolltes Verschlucken zu einer gesundheitsschädlichen, irreparablen oder gar tödlichen Vergiftung führen. Die Gefahr des ungewollten Verschluckens besteht, weil der Feuerspucker während der Show beständig gegen den körpereigenen Schluckreflex ankämpft, weswegen gerade das Feuerspucken im Liegen besonders gefährlich ist. Durch die Mundschleimhäute gelangen auch schon geringe Mengen des Brandmittels ins Blut, was Vergiftungserscheinungen hervorrufen kann. Eine evtl. Gefährdung der Nasenschleimhäute durch das lange im Mundhalten der Brennflüssigkeit kann bei manchen Feuerspuckern zu Sinusitis führen.

Ungeeignete Brandmittel[Bearbeiten]

Alkohol, Wundbenzin oder flüssige Grillanzünder sind nicht geeignet zum Feuerspucken. Grund dafür ist deren niedriger Flammpunkt, das heißt, sie entzünden sich zu schnell und zu leicht. Gerade Wundbenzin und Alkohol sind sehr gefährlich. Beide lassen sich bereits bei Temperaturen zwischen 20 °C und 45 °C entzünden, um dann in einer schnellen, explosionsartigen Stichflamme zu verbrennen, die zudem dazu neigt, zurückzuschlagen – sich also entgegen der Sprühströmung bis zur Quelle zu entzünden – um dann Gesicht, Kleidung und Racheninnenraum zu verbrennen bzw. zu entzünden. In flüssigen Grillanzündern sind außerdem chemische Zusätze, damit sie schnell, geruchs-, farb- und rußlos verbrennen. Diese Zusätze sind giftig und können schon beim einmaligen Anwenden zu Vergiftungen führen.

Das Feuerspucken mit selbst hergestellten Mischungen aus Schwarzpulver und Mehl kann zwar schön aussehen, doch verbrennen diese sehr schnell bis explosionsartig (Mehlstaubexplosion). Auf derartige Mittel sollte daher grundsätzlich verzichtet werden. Technisch möglich ist auch, das Butangas eines handelsüblichen Feuerzeugs im Mundraum zu sammeln und gegen eine Flamme zu pusten; der Effekt ist eine kurze Verpuffung mit hoher Rückwanderungsgefahr der Flamme.

Brandmittel[Bearbeiten]

Die Wahl des Brandmittels hat großen Einfluss auf die Art der Flamme und die verwendete Feuerspucktechnik. Einige Brandmittel sind besonders gesundheitsschädlich. Grundsätzlich unterscheidet man zwischen pulverförmigen und flüssigen Brandmitteln (Pyrofluiden).

Pulver[Bearbeiten]

Vor allem Anfängern werden pulverförmige Brandmittel empfohlen, da die gesundheitliche Gefährdung angeblich geringer ist. Oft werden diese auch durch ein Röhrchen (Drachenzunge) ausgeblasen, da man dabei das Pulver nicht direkt im Mund hat. Doch bei pulverförmigen Brandmitteln ist die Gefahr der Lungenentzündung genau so gegeben wie bei flüssigen Brandmitteln. Beliebt sind hier Bärlappsporen (Sporen von Lycopodium bisdepuratum). Diese sind in Apotheken oder im Artistikfachhandel erhältlich. Andere beliebte Mittel beruhen auf einem Magnesium-Aluminium-Gemenge. Diese Flammen brennen heller als Bärlappsporen, weswegen sie gerne für Shows am Tag oder auf beleuchteten Bühnen verwendet werden. Ebenso möglich ist die Verwendung von fein gemahlenem, handelsüblichem Mehl.

Pyrofluid[Bearbeiten]

Jegliches Pyrofluid kann zu tödlichen Lungenentzündungen führen. Ein Pyrofluid ist in den meisten Fällen eine Flüssigkeit auf der Basis von hochgereinigtem Petroleum, das in Apotheken, Drogerien oder bei Fachhändlern erworben werden kann. Der Feuerspucker nimmt diese Flüssigkeit in den Mund und speit sie unter Druck durch seine leicht gespitzten Lippen wieder aus. Aufgrund der Düsenwirkung wird das Pyrofluid zerstäubt. Berührt der Sprühnebel eine Fackel, so entsteht ein Feuerball. Obwohl petroleumbasierte Pyrofluide bei Kontakt mit der Haut und insbesondere den Schleimhäuten gesundheitsschädlich sind, bevorzugen professionelle Feuerspucker meist diese Variante, da sich hierdurch mehr Möglichkeiten hinsichtlich der Spucktechniken und damit auch der erzielten Effekte bieten. Seit einigen Jahren gibt es auch Lampenöl auf Rapsöl-Basis, mit dem Feuerspucken möglich ist. Es entzündet sich wegen des höheren Flammpunktes nicht so gut wie Öle auf Petroleum-Basis, weshalb das Spucken zwar erschwert und der sogenannte Fallout – der Anteil nichtverbrannten Pyrofluids, der zu Boden fällt – größer ist, aber dadurch ist auch die Wahrscheinlichkeit des Flammenrückschlages geringer. Gute Mittel zum Feuerspucken haben einen Flammpunkt von 50 °C bis 60 °C und einen niedrigen Brennpunkt von um die 90 °C. Zum Üben kann Wasser verwendet werden.

Verschiedene Tricks[Bearbeiten]

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Die Kunst des Feuerspuckens benötigt für rudimentäre Grundlagen zwar wenig Übung, doch das ändert sich rasch, wenn spektakulärere Tricks einstudiert werden. Nummern mit mehreren teilnehmenden Personen beruhen auf einer ausgefeilten Choreografie und meist jahrelangem Training. Aber auch kleine Variationen im Winkel der Flamme zum Boden, der Ausgangsposition beim Spucken oder nur in der Art wie man spuckt, alles oft Details, die einem unkundigen Publikum nicht direkt auffallen, erfordern tagelanges Üben.

Ausgeführt werden die Kunststücke fast immer mit Pyrofluiden. Wenn nicht anders angegeben, wird in einem Winkel von 30 bis 45 Grad nach oben gespuckt.

Tricks für einzelne Feuerkünstler[Bearbeiten]

  • Feuerstoß
Es wird einfach etwas Pulver oder Fluid knapp über die Fackel gespuckt, was einen breiten und mittelmäßig langen Feuerstrahl ergibt. Man entzündet das Brennmittel meist, indem man die Flamme von unten in den Nebel führt.
  • Feuerball
Mit wenig Druck wird ein Flammenstoß ausgeführt, so dass die Flamme einem Ball ähnelt.
  • Feuerstrahl
Unter hohem Druck wird ein dünner Strahl von Fluidnebel erzeugt, der entzündet wird.
  • Feuerhusten
Zwei bis drei kleine Feuerstöße, ohne neues Fluid in den Mund zu nehmen. Bei professionellen Feuerspuckern wurden schon über 100 Feuerstöße gezählt.
  • Springbrunnen
Ohne weiteres Fluid in den Mund zu nehmen, werden mehrere Feuerstrahlen erzeugt.
  • Der Drache
Waagerechter, lang anhaltender und breiter Feuerstrahl. Man spuckt weiter, obwohl der Strahl bereits brennt. Die Gefahr eines Flammenrückschlages in den Mundinnenraum ist hierbei sehr hoch.
  • Der Turm
Den Kopf in den Nacken legen und einen senkrechten Strahl in den Himmel spucken.
  • Flammenwolke
Ein feiner Nebel, ähnlich dem Feuerball, wird fast waagerecht mit sehr wenig Druck gespuckt. Für größere Wolken fängt man bei 45 Grad an und geht dann in die Waagerechte. Diese Fluidwolke entzündet man, nachdem alles gespuckt wurde, von unten und erhält einen in der Luft stehenden Feuerball oder eine Wolke.
  • Dead Man
Der Feuerspucker legt sich, den Mund gefüllt, mit dem Rücken auf den Boden und spuckt senkrecht in den Himmel.
  • Kleine menschliche Fackel
Körperteile, meistens eine Hand oder auch beide, sind mit speziellem Material geschützt und werden entzündet. Diese Flammenquelle dient dann als Fackel.
  • Menschlicher Feuerspender
Der Feuerspucker nährt eine Flamme mit dem Fluid aus seinem Mund. In Kombination mit der kleinen menschlichen Fackel ein netter Hingucker.
  • Herz
Beim spucken der Wolke einen Finger an die Lippen halten, es entstehen zwei Feuerbälle, die sich zu einem Herz vereinen. Möglichst dicke Fackel nehmen, sie löscht sonst aus.

Kunststücke mit Publikum oder Personal[Bearbeiten]

  • Das menschliche Feuerzeug
Eine kleine menschliche Fackel entzündet einem Zuschauer eine Zigarette in dessen Mund, indem z. B. seine Hand als Feuerzeug dient.
  • Fackelträger
Die brennende Fackel wird einem Zuschauer/Mitarbeiter übergeben der nach einer kurzen Einführung dann die Flammenstrahlen zu entzünden hat, welche der Feuerspucker ausstößt.
  • Es werde Licht
Ein wagemutiger Zuschauer/Mitarbeiter hält eine nicht brennende Fackel hoch in die Luft und der Feuerspucker entzündet sie mit einem sehr gut gezielten Feuerstoß aus geringer Entfernung.

Die Kunst in der Gruppe[Bearbeiten]

  • Flammenwand
Mehrere Feuerspucker erzeugen im Team eine Nebelwolke analog zur Feuerwolke und einer aus der Gruppe entzündet dann die stehende Wand aus Feuer. Abwandlungen zu Säulen, großen Wolken und mehr sind möglich.
  • Das Kreuz
Zwei Feuerspucker spucken waagerecht einen dünnen Strahl. Die beiden Strahlen kreuzen sich in der Mitte in einem Winkel von 90 Grad.
  • Das stehende Kreuz
Während der eine Feuerspucker senkrecht einen dünnen Strahl in den Himmel spuckt (stehend oder als Dead Man) spuckt der andere waagerecht von einer erhöhten Position aus (Leiter, Felsen, Burgmauer).
  • Der Winkel
Zwei Flammenstrahlen treffen sich im Himmel mit ihren Spitzen.
  • Das Dach
Der Winkel mit drei oder mehr Artisten.
  • Das Zelt
Das Zelt ist eigentlich ein Dach, nur dass ein weiterer Artist direkt unter dem Schnittpunkt der Flammen steht und senkrecht nach oben spuckt.
  • Die Feuerkette
Während einer eine möglichst lang anhaltende Flamme („Der Drache“) erzeugt, entzündet der oder die Anderen ihre Flammen an dieser oder nacheinander gegenseitig an ihren Flammen.
  • Flammengewitter
Ähnlich wie bei der Flammenwolke beginnt ein Künstler, der Nächste spuckt kurz vor Erlöschen der Feuerwolke wieder einen solchen Nebel dazu, so dass eine Wolke die Nächste entzündet.

Literatur[Bearbeiten]

  •  Patrick Fonger: Feuerspucken und Feuerschlucken. 3. Auflage. Ed. Aragon, Moers 2002, ISBN 3-89535-432-5.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Feuerspucken – Album mit Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. BgVV warnt: Das Spiel mit dem Feuer kann lebensgefährlich sein. Auf: bfr.bund.de am 19. Dezember 2001
  2. Gefährliches Feuerspucken und Feuerschlucken. Auf: uniklinik-freiburg.de via Wayback Machine
  3. A. Morresi-Hauf, A. Neher, W. Wöckel, H. Kammler-Baumann: Granulomatöse Bronchiolitis nach Aspiration von Lycopodium-Sporen bei einem Feuerspucker. In: Pneumologie (Stuttgart, Germany). Band 63, Nummer 2, Februar 2009, S. 67–71, ISSN 1438-8790. doi:10.1055/s-2008-1038256. PMID 18777466.