Feuersteinbergwerk

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Feuersteinfelder auf Rügen

Ein Feuersteinbergwerk ist ein in den Erdboden eingetiefter Schacht, in der Regel jedoch eine Serie von Schächten und Stollen, in denen Feuerstein gewonnen wurde.

Feuersteinbergwerke sind bereits aus dem Paläolithikum belegt. Die älteste Form des Abbaus ist die gelegentliche Nutzung von Bergwerken. Kleine Arbeitstrupps begeben sich zu Feuersteinbergwerken, um Rohmaterial für die Herstellung von Geräten zu gewinnen. Die gelegentliche Nutzung von Feuersteinbergwerken war in weiten Teilen Nordamerikas noch in historischer Zeit üblich, man findet sie heute noch auf Neuguinea. In der Jungsteinzeit, besonders seit der Michelsberger Kultur, nimmt der Feuersteinbergbau offenbar größere Ausmaße an.

Chronologie[Bearbeiten]

Der älteste bergbaumäßige Abbau von Feuerstein kann in etwa zwei Meter tiefen Gruben auf der Fundstelle Nazlet Khater 4 (Oberägypten) belegt werden. Er fand nach Radiokarbon-Daten um 35.000-30.000 v. Chr. statt. Der älteste Feuersteinabbau in Europa ist etwa ab 13.000 v. Chr. in Polen belegt, wo man in Gruben bis auf die Feuerstein führende Schicht gegraben hat. Unweit von Askola in Südfinnland wurde um 7500 v. Chr. Feuerstein in einem Steinbruch abgebaut. Der älteste Abbau in Deutschland ist durch die Grabung von 1984 bis 1987 in Arnhofen (Abensberg) auf der Fränkischen Alb, wo zugleich das größte Revier in Mitteleuropa ist, ermittelt worden. Insgesamt sind in Arnhofen mindestens 8000 Schächte angelegt und rund 90 Tonnen Feuerstein gewonnen worden. Der typische Arnhofer Feuerstein, graugebändert mit rötlichen Streifen, taucht in Siedlungen des 5. Jahrtausends auf. Das Bergwerk von Rijckholt bei Maastricht in Limburg (3000 v. Chr.) weist rund 5000 Schächte auf. Aus der Zahl und Größe der Stollen ergibt sich, dass hier im Laufe der Zeit rund 41.250 m³ Feuersteinknollen gefördert wurden.

Im ausgehenden Mesolithikum nahm der Feuersteinbergbau zwar zu, jedoch wurde der Großteil der Bergwerke in der Jungsteinzeit angelegt. Die Bauern der Jungsteinzeit verwendeten wesentlich mehr Feuersteingeräte.

Verfahren[Bearbeiten]

Unter Bergbau versteht man alle planmäßigen Arbeiten zur Aufsuchung, Gewinnung, Förderung und Aufbereitung des in Lagerstätten gefundenen Feuersteins. Er war überall dort möglich, wo feuersteinführende Schichten nahe an die Oberfläche kamen. Der Bedarf von großen Mengen konnte nur durch bergmännische Verfahren gestillt werden, wobei zwischen Tagebau und Tiefbau unterschieden wird.

Tagebau[Bearbeiten]

Eine Vorstufe des Tagebaus ist einfaches Auflesen von Feuersteinknollen oder -platten auf der Oberfläche.

Als Gräberei bezeichnet man den Abbau von Feuerstein, der dicht unter der Oberfläche liegt. Der Abbau erfolgte nach Abdecken der Deckschicht. Auf diese Weise wurden vor allem die Strandwälle Dänemarks genutzt.

Beim Kuhlenbau wurden runde oder viereckige, etwa mannstiefe Löcher bis auf die Feuersteinablagerung abgeteuft. Die Grundfläche des Aushubs betrug etwa vier Quadratmeter. Bei Schichten mit geringer Standfestigkeit konnte die Grube trichterförmig abgeböscht sein. So konnte ein zwölf Meter tiefer Schacht an der Oberfläche einen Durchmesser von zwölf Metern und an der Sohle einen von drei Metern haben.

Der Pingenbau (trichterförmige Vertiefung) wird auf die führende Feuersteinschicht geführt, nach Ausbeutung der Sohle wird jedoch die Tagesöffnung aufgeweitet, um die Gewinnung des Feuersteins fortsetzen zu können. Der ursprüngliche Querschnitt von etwa vier Quadratmetern Fläche konnte sich zu einer grabenartigen Pinge von zehn Metern und mehr entwickeln und bekam den Charakter eines Steinbruchs.

Tiefabbau[Bearbeiten]

Beim Tiefabbau unterscheidet man den Duckelbau und den Weitungsbau.

Duckelbau[Bearbeiten]

Das einfachere und häufigere Verfahren besteht darin, einen Schacht bis zur Feuersteinschicht abzuteufen und an der Sohle strahlenförmig zu erweitern. Diese Weitungen sind oft unregelmäßig und sehr klein, können aber auch mehrere Meter lang sein. Aufgegebene Hohlräume wurden mit Abraummaterial aufgefüllt. Damit sparte man den Abtransport und verringerte die Einsturzgefahr.

Weitungsbau[Bearbeiten]

Der Weitungsbau ist ein weiterentwickeltes Tiefbauverfahren mit mehreren Schächten und einem komplizierten Höhlenraumsystem, das eine Ausdehnung des Grubenfeldes erlaubt. Vom Schacht aus wurden Strecken (von denen aus abgebaut wurde) mit einer Breite von 0,60-1,0 m und durchschnittlich 80 cm Höhe im Niveau der Schicht nach allen Richtungen getrieben und ausgeweitet. Es gibt keine Hinweise auf einen Schachtausbau mittels Schalung.

Bekannte Feuersteinbergwerke[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

  •  Gerd Weisgerber, Deutsches Bergbaumuseum Bochum (Hrsg.): 5000 Jahre Feuersteinbergbau - Die Suche nach dem Stahl der Steinzeit. 3. Auflage. 1999, ISBN 3-921-533-66-X.
  •  S. Gayck: Urgeschichtlicher Silexbergbau in Europa. Eine kritische Analyse zum gegenwärtigen Forschungsstand. Weißbach, 2000.
  •  Alexander Binsteiner: Die Lagerstätten und der Abbau bayerischer Jurahornsteine sowie deren Distribution im Neolithikum Mittel- und Osteuropas. In: Jahrbuch Römisch-Germanisches Zentralmuseum. 52 (2005), Mainz 2006, S. 43–155.
  •  Julius Andree: Bergbau in der Vorzeit. Band 2, Leipzig 1922.
  •  Heinrich Quiring: Die Schächte, Stollen und Abbauräume der Steinzeit und des Altertums. In: Zeitschrift für Bergwesen. Band 80, 1932.
  • S. Gayck: Urgeschichtlicher Silexbergbau in Europa. Eine kritische Analyse zum gegenwärtigen Forschungsstand. In: Beiträge zur Ur- und Frühgeschichte Mitteleuropas. Band 15 Beier & Beran, Weißbach 2000

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Archäologen untersuchen Feuerstein-Bergbau bei Olten