Feuersteinbergwerk von Abensberg-Arnhofen

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Das Feuersteinbergwerk von Abensberg-Arnhofen ist ein Bergwerk aus dem Neolithikum, in welchem der zur Herstellung von Werkzeugen und Waffen begehrte Feuerstein abgebaut wurde. Es befindet sich zwei Kilometer süd-südöstlich des Ortsteils Arnhofen der bayerischen Stadt Abensberg. Forscher sehen in dem Bergwerk ein montanarchäologisches Bodendenkmal von internationaler Bedeutung.

Das Feuersteinbergwerk ist eines der größten seiner Art in Mitteleuropa und eines der größten Bodendenkmäler Bayerns. Hier wurde schwerpunktmäßig zwischen 5000 und 4000 v. Chr. von jungsteinzeitlichen Bergleuten auf einer Fläche von etwa 10 ha der Bayerische Hornstein, eine Feuersteinart in Plattenform, in mehr als 20.000 Schächten abgebaut. Forscher vermuten, dass das Bergwerk etwa 1000 Jahre lang genutzt wurde. Der Abbau erfolgte bis zu einer Tiefe von acht Metern. Wegen seiner guten Bearbeitungseigenschaften war dieser Feuerstein sehr beliebt und wurde sowohl vor Ort verarbeitet als auch bis zu 400 km weit verbreitet, nach Norden bis an den Main, aber auch entlang der Donau (siehe auch Feuersteinstraße). Seit dem Mittelneolithikum löste der Kelheimer Plattenhornstein den Rijckholt-Feuerstein als wichtigstes Rohmaterial ab.

Da der Rohstoff unter Kies- und Sandschichten lag, mussten bergmännische Abbauverfahren angewendet werden. So lassen sich in Arnhofen Spuren des so genannten Duckelbaus nachweisen. Das bedeutet, dass etwa 6 bis 8 Meter tiefe und rund zwei Meter breite, senkrechte Schächte abgeteuft wurden. Diese Schächte wurden dann an der Sohle teilweise auf etwa drei Meter Durchmesser erweitert. Nach dem Abbau des Feuersteins verfüllten die frühzeitlichen Bergleute die Schächte wieder.

Entdeckt wurde das Bergwerk in den 1980er Jahren. Seit 1984 fanden erste Grabungen des Bayerischen Landesamtes für Denkmalpflege statt. Durch den Betrieb von Sand- und Kiesgruben in der unmittelbaren Umgebung der archäologischen Fundstätte ist diese in ihrem Bestand bedroht. Durch neue Kiesgruben wurden neue Schächte angeschnitten. Daher wird das Bergwerk im Rahmen von Rettungsgrabungen seit Juli 1998 von der Kreisarchäologie Kelheim erforscht.

Die Ausgrabungen erfolgen in Kooperation mit den Instituten für Ur- und Frühgeschichte der Universitäten in Köln und Frankfurt. Finanziert wird das Ausgrabungsprojekt von der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG).

Ein Querschnitt durch einen typischen Bergwerksschacht kann im Stadtmuseum Abensberg besichtigt werden.

48.82666666666711.880833333333Koordinaten: 48° 49′ 36″ N, 11° 52′ 51″ O

Literatur[Bearbeiten]

  • Davis, F.: Die Hornsteingeräte des älteren und mittleren Neolithikums im Donauraum zwischen Neuburg und Regensburg. Bonner Hefte zur Vorgeschichte Nr.10. Bonn 1975.
  • Moser, M.: Der vorgeschichtliche Bergbau auf Plattensilex in den Kalkschiefern der Altmühlalb und seine Bedeutung im Neolithikum Mitteleuropas. Archäologische Informationen 4, 1978, 45–81.
  • Michael M. Rind: Zum Stand der Ausgrabungen im Arnhofener Hornsteinbergwerk. In: Hans-Jürgen Beier und Ralph Einicke (Hrsg.), Varia Neolithica III - Gedenkschrift für Annemarie Häußer und Helmut Spatz (Langenweißbach 2004).
  • Alexander Binsteiner: Das neolithische Feuersteinbergwerk von Arnhofen, Ldkr. Kelheim. Ein Abbau auf Jurahornsteine in der Suedlichen Frankenalb. Bayer. Vorgeschbl. 55 (Muenchen 1990) 1–56.
  • Alexander Binsteiner: Die Lagerstätten und der Abbau bayerischer Jurahornsteine sowie deren Distribution im Neolithikum Mittel- und Osteuropas. Jahrbuch RGZM 52, 2005, (Mainz 2006) 43–155.
  • Ralf Blank: Plattenhornsteinartefakte im südlichen Westfalen. Ein Beitrag zur Distribution süddeutscher Plattenhornsteine im Neolithikum Mitteleuropas. In: Archäologisches Korrespondenzblatt. 23. 1993 H. 4, S. 29–39.
  • Roth, G.: Geben und Nehmen. Eine wirtschaftshistorische Studie zum neolithischen Hornsteinbergbau von Abensberg-Arnhofen, Kr. Kelheim (Niederbayern). Dissertation. Uni Köln (2009)

Weblinks[Bearbeiten]