Feuersturm

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Dieser Artikel behandelt den Brandeffekt. Siehe auch: Der Feuersturm, TV-Serie und den gleichnamigen Film: Feuersturm (Film).

Als Feuersturm bezeichnet man den Kamineffekt bei großen Flächenbränden, bei denen durch starke Hitzeentwicklung heiße Luft über dem Brandherd emporsteigt und der entstehende Sog Frischluft nachzieht. Bei diesem Kamineffekt entsteht somit eine positive Rückkopplung – die Zufuhr frischer Luft facht das Feuer weiter an.

Beschreibung[Bearbeiten]

Begünstigt werden Feuerstürme durch talkesselförmiges Gelände sowie durch eine fächerförmige Anlage der Initialbrände, wobei die Spitze des Fächers in die Richtung zeigt, aus der der Wind kommt.

Ein Feuersturm kann nur entstehen, nachdem sich ein großflächiger, zusammenhängender Brandherd gebildet hat, z.B. durch das Zusammenwachsen einzelner kleiner Brände, bei großen Waldbränden oder Bränden ganzer Stadtviertel und Städte. So führten etwa einige Flächenbombardements im Luftkrieg des Zweiten Weltkriegs zu Feuerstürmen (siehe unten).

Nach atomaren Explosionen – den beiden Atombombenabwürfen auf Hiroshima und Nagasaki sowie oberirdischen Kernwaffentests – wurden sie ebenfalls beobachtet.[1]

Ein großer Feuersturm kann durch die Corioliskraft auch in Rotation geraten und dann einen Wirbelsturm bilden. Feuerstürme gelten allgemein als nicht aktiv löschbar. Sie enden meist wegen fehlenden weiteren Brennmaterials.

Das meteorologische Umfeld kann ihre Entstehung begünstigen, z. B. war es vor dem Feuersturm in Hamburg im Sommer 1943 besonders heiß und trocken.

Der Feuersturm nach dem Luftangriff auf Hamburg 1943[Bearbeiten]

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In seinem Buch „Der Brand“ zeigt Autor Jörg Friedrich anhand von Recherchen, dass das RAF Bomber Command gezielt an der Erzeugung eines solchen Feuersturms arbeitete. Hierzu wurden sowohl städtebauliche, architektonische, meteorologische als auch tageszeitliche Erwägungen zusammengetragen. Zusammenfassend stellte man fest, dass eine Großstadt mit Sprengbomben allein nicht mit vertretbarem Aufwand zerstörbar wäre. Ein Feuersturm hatte zum Ziel, der Zivilbevölkerung die Überlegenheit der Royal Air Force zu zeigen und auch die Festungsmentalität der Deutschen zu schwächen, denn einem Feuersturm konnte kein menschliches Bauwerk widerstehen und selbst die zivilen Bunker hätten keine Sicherheit geboten. Diese Erwägungen ergaben, dass ein Feuersturm durch vertretbaren Aufwand erzeugbar sei, wobei die Vorgehensweise (laut Autor) teilweise durch Modellexperimente überprüft wurde.

Die von der RAF verwendeten Bomben auf einem Verladeplatz während des Krieges: vorn zwei 1.000 bzw. 500 lb schwere Sprengbomben, dahinter eine Minenbombe HC 2.000 Mk.I, dann eine HC 4.000 Mk.III oder Mk.IV „Cookie“ Luftmine. Auf dem großen Transportwagen hinten ein aus drei 4.000er „Cookies“ bestehender „Blockbuster“ (HC 12.000 LB).
Britische INC 4 LB Stabbrandbombe
Eine abgebrannte Stabbrandbombe mit dem durch den Flammstrahl entstandenen Hohlraum, im Stadtgebiet Dresden 60 cm tief im Lehmboden gefunden.

Der Luftangriff erfolgte mit deutlichem Abstand zum Sonnenuntergang, da eine abgesunkene Temperatur am Boden den Thermik-Effekt fördern würde. Das Zielgebiet wurde von Flugzeugen der Pathfinder Force mit Leuchtkugeln markiert, ein Ampelsystem verschiedener Leuchtkugelfarben war die folgenden Bomber das Signal für das Abwerfen der Bombenlast. In einer ersten Angriffswelle wurden vor allem Luftminen und Sprengbomben abgeworfen. Da eine Luftmine dünnwandiger ist als eine herkömmliche Sprengbombe und ihr Sprengstoffanteil höher ausfällt, ist die Detonationswelle sehr stark und zerstört Fenster und Dächer in weitem Umkreis. Die zeitgleich geworfenen Sprengbomben waren teils mit Verzögerungszündern versehen und drangen daher bis in die unteren Geschossen bzw. das Erdreich ein. Die dabei zerstörten Gasleitungen entfachten weitere Feuer - durch unterbrochene Wasserleitungen sank der Druck im Hydrantensystem und erschwerte so das Löschen. Durch die verschütteten Straßen wurde für die Feuerschutzpolizei der Zugang erschwert. In einer zweiten Angriffswelle wurden dann Brandbomben abgeworfen, die in die nun offenen Dächer fielen und die Häuser und Straßen in Brand setzten.

Experimente zeigten, dass die aus einer Magnesium-Aluminium-Legierung (Elektron) gefertigten Stabbrandbomben mit Thermit als Anzündladung sehr wirksam und in ihrer Wirkung den flüssigkeitsgefüllten Brandbomben gleichkamen. Die Stabbrandbomben waren deutlich handhabungssicherer, konnten allerdings in der Anbrennphase von Löschkräften eingesammelt und ins Freie geworfen werden. Um dem entgegenzuwirken, wurden später in Stabbrandbomben kleinere Sprengladungen eingebaut.

In der Folge entstanden in den Dachstühlen Brände, die durch die Thermik von den Seiten kühle Frischluft ansaugte. Die in den unteren Etagen und auf den Straßen ausgebrochenen Feuer wurden so zusätzlich angefacht. Zu diesem Zeitpunkt war ein Aufhalten nicht mehr möglich; auch einfachere Schutzkeller und Zivilbunker konnten vor der entstehenden Hitze nicht ausreichend schützen.

Durch die Intensität des Feuers konnten Flammen über 1000 Grad Celsius heiß werden. Die Strahlungshitze verbog Stahlträger und brachte Straßenbeläge wie Asphalt bzw. Bitumen zum Schmelzen und setzte sie in Brand.

In seinem Buch Feuersturm über Hamburg Seite 264 ff unterstreicht der damalige Hauptbrandmeister der Feuerschutzpolizei Hamburg Brunswig die Einzigartigkeit des Feuersturms in Hamburg uber Hammerbrook und konkretisiert den Kamineffekt ("Schlotwirkung") des Feuersturms in Hamburg wie folgt: Nach einer längeren Hitzewelle schob sich am 26.7.1943 eine kühlere, schwerere Luftschicht über die sehr warme Luft der unteren Schichten. Die aufsteigenden sehr heißen Brandgase der beginnenden Brände durchstießen die kühleren oberen Luftmassen und erzeugten sich ausbreitende Löcher in dieser wesentlich kühleren und dichteren Luftschicht. Dadurch entstanden mehrere Kamine, die das Hochreißen unterer Luftschichten ungewöhnlich stark förderten und die schließlich über Hammerbrook und Rothenburgsort einen einzigen gigantischen athmospärischen (meteorologischen) Kamin bildeten, der die Wirkung der üblichen thermischen Kamine bei weitem überstieg, was weder zuvor, noch später je wieder auftrat, weil diese Wetterlage bei anderen Bombenangriffen auf deutsche Städte nicht wieder zeitgleich auftrat. Laut Brunswig erreichten erst durch diesen singulären Kamineffekt die bodennahen Luftmassen nie wieder erreichte Geschwindigkeiten, die Menschen in die Feuer rissen oder sogar Strassenbahnwagen umstürzen ließen. Auf diese Weise waren die Brände bereits in der Entstehungsphase unbeherrschbar geworden.

Historische Beispiele[Bearbeiten]

Bekannte historische Feuerstürme sind der

Zweiter Weltkrieg[Bearbeiten]

Britisches Luftbild der Koblenzer Altstadt nach dem Luftangriff vom 6. November 1944. Links unten der Rhein mit der Pfaffendorfer Brücke und das ausgebrannte Kurfürstliche Schloss

Im Zweiten Weltkrieg gab es eine Vielzahl durch Flächenbombardements herbeigeführter Feuerstürme als Teil des Luftkriegs, zum Beispiel (alphabetisch):

Ein nuklear erzeugter Feuersturm entstand am 6. August 1945 beim Atombombenabwurf auf Hiroshima.

Dass schwere, konzentrierte Bombardements von Städten nicht notwendigerweise einen Feuersturm erzeugen, zeigen die Beispiele von Berlin und München: Auch auf längere Zeit verteilte Angriffe konnten keinen Rückkoppelungseffekt erzeugen; speziell dann nicht, wenn genügend Löschkapazitäten vor Ort vorhanden waren.

Nachbauten deutscher Mietskasernen wurden im Mai 1943 auf dem Dugway Proving Ground errichtet („Deutsches Dorf“), um die Wirkung von Brandbomben auf für Deutschland typische innerstädtische Bauweisen zu testen.

Siehe auch[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

 Wiktionary: Feuersturm – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Florian Coulmas: Hiroshima: Geschichte und Nachgeschichte, Seite 32. Beck Verlag 2005 ISBN 3-406-52797-3, 2010, ISBN 978-3-406-58791-7.
  2. Sixty Seconds that Will Change the World. Peter Hadfield. Erste Kapitel und Fußnoten