Feuerwasser

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Der Titel dieses Artikels ist mehrdeutig. Zum Musikalbum des Rappers Curse siehe Feuerwasser (Album).

Als Feuerwasser (englisch fire-water) bezeichneten gemäß einem besonders in der Wildwestliteratur gängigen Stereotyp die Indianer Nordamerikas alkoholische Getränke. Ob das Wort eine literarische Erfindung ist oder aber tatsächlich so gebraucht wurde, ist nicht nachvollziehbar. Das Oxford English Dictionary führt als ältesten Beleg für die Verwendung des Wortes in diesem Sinne James Fenimore Coopers Roman Der letzte Mohikaner an.[1]

Indianer und Alkohol[Bearbeiten]

Den Indianern Nordamerikas war die alkoholische Gärung unbekannt, so dass ihr Umgang mit Alkoholika als Akkulturationsprozess verstanden werden muss. Er kann indes nur bedingt als Folge des kolumbischen Austausches gelten, da indianische Völker in Mittel- und Südamerika auch in vorkolumbischer Zeit schwach alkoholische Getränke herstellten, die jedoch anders als in der Alten Welt nicht als Nahrungsmittel, sondern ausschließlich zu kultischen Zwecken genossen wurden. Zwar weist der Umgang der nordamerikanischen Indianer mit Alkoholika einige Ähnlichkeiten mit diesem althergebrachten zeremoniellen Trinkgelagen auf, doch überwiegen die Unterschiede.[2]

Eine besondere Relevanz erhält das Phänomen des Alkoholismus unter Indianern, da es von jeher neben den von den Europäern eingeschleppten Krankheiten wie Pocken und den Kriegen gegen die Indianer als eine der drei Hauptursachen für die Zerstörung der der indianischen Kulturen verantwortlich gemacht wurde.[3] Bis heute stellt der Alkoholkonsum unter Indianern besonders in Reservationen ein großes Problem dar. Alkoholbedingte Todesfälle, ob durch Leberzirrhosen und andere Krankheitsbilder, Unfälle oder Gewalttätigkeiten unter Alkoholeinfluss sind unter Indianern signifikant häufiger als unter der amerikanischen Durchschnittsbevölkerung. In den USA ist etwa die Wahrscheinlichkeit eines Indianers, an Alkoholismus zu sterben, 8,7 mal höher als die der Durchschnittsbevölkerung.[4] Aufgrund seiner weitreichenden Folgen ist das Phänomen Gegenstand einer Vielzahl von Publikationen der medizinischen, historischen, soziologischen und ethnologischen Forschung.

Bis heute hält sich auch unter Indianern selbst die Überzeugung, dass Indianer eine biologische Prädisposition zum Alkoholismus haben und ihr Stoffwechsel Ethanol langsamer abbaue als der von Europäern. Die ganz überwiegende Mehrzahl relevanter Studien ergab jedoch, dass dies nicht zutrifft.[5]

Literatur[Bearbeiten]

  • Randall C. Davis: Fire-water in the frontier romance: James Fenimore Cooper and "Indian nature." Studies in American Fiction 22, 1994.
  • J. W, Frank, R. S. Moore, G. M. Ames: Historical and cultural roots of drinking problems among American Indians. Journal of Public Health 90:3. März 2000. S. 344–351. PMC 1446168 (freier Volltext)
  •  Dwight B. Heath: American Indians and Alcohol: Epidemiological and Sociocultural Relevance. In: Diane Spengler et al. (Hrsg.): Alcohol Use Among U. S. Ethnic Minorities. U. S. Department of Health and Human Services, 1993, ISBN 1-56806-577-9, S. 207–222 (Digitalisat in der Google-Buchsuche).
  • Joy Leland: Firewater Myths: North American Indian Drinking and Alcohol Addiction. Rutgers Center of Alcohol Studies, New Brunswick 1976.
  • Marin Trenk: Die Milch des weißen Mannes. Die Indianer Nordamerikas und der Alkohol. Dietrich Reimer-Verlag, Berlin 2001. ISBN 3-496-02492-5
  • Peter C. Mancall: "The Bewitching Tyranny of Custom": The Social Costs of Indian Drinking in Colonial America. In: American Indian Culture and Research Journal. 17:2, S. 1993.
  • Peter C. Mancall: Deadly Medicine: Indians and Alcohol in Early America. Cornell University Press, Ithaca 1997.
  • W. J. Rorabaugh: The Alcoholic Republic: An American Tradition. Oxford University Press, New York 1981.
  • William E. Unrau: White Man's Wicked Water: The Alcohol Trade and Prohibition in Indian Country, 1802–1892. University of Kansas Press, Lawrence 1996.
  • Nicholas O. Warner: Firewater Legacy: Alcohol and Native American Identity in the Fiction of James Fenimore Cooper.. In: Janet Farrell Brodie, Marc Redfield: High anxieties: cultural studies in addiction. California UP, Berkeley 2002.
  • Joseph Westermeyer: The Drunken Indian: Myths and Realities. In: Mac Marshall (Hg.): Beliefs, behaviors, & alcoholic beverages. University of Michigan Press, Ann Arbor 1976.

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. John A. Simpson (Hg.): Oxford English Dictionary 20 Bände, 2. Auflage Oxford 1989. s. v. fire-water²
  2. Trenk, S. 192.
  3. Trenk, S. 12.
  4. U. S. Commission on Civil Rights: Broken Promises: Evaluating the Native American Health Care System. (PDF; 1,7 MB) September 2004. S. 8
  5. Philip A. May: The Epidemiology of Alcohol Abuse among American Indians: The Mythical and Real Properties. In: American Indian Culture and Research Journal 18:2, 1994. S. 123.