Feuerwehren im Römischen Reich

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Das bei Ausgrabungen wiederentdeckte Wachthaus der VII. Kohorte der römischen Feuerwehr. Grafik von J. Zielcke.

Im Römischen Reich gab es Feuerwehren als öffentlich-kommunale Organisation erst ungefähr ab dem ersten Jahrzehnt vor Christi Geburt.

Geschichte[Bearbeiten]

Die Anfänge[Bearbeiten]

Kaiser Augustus gründete die erste öffentliche Feuerwehr Roms

In der Römischen Republik gab es anfänglich keine Feuerwehr. Die Brandbekämpfung wurde zwar von den Nachtwächtern, sogenannten triumviri nocturni ausgeführt;[1] diese waren jedoch schon mehr mit Sicherheitsaufgaben beschäftigt. Politisch fiel die Brandsicherung in das Feld der Ädilen. Hierbei gab es jedoch den Nachteil, dass gemäß dem Annuitätsprinzip jeder Ädil lediglich ein Jahr lang sein Amt versah, was eine effektive Organisation der Brandbekämpfung drastisch erschwerte.

Die immer weiter auswuchernde Metropole Rom hingegen wurde für verheerende Brände immer anfälliger, was vor allem an den tausenden insulae, den mehrstöckigen Mietshäusern für die niedrigeren Schichten, lag, da jene meist eher schlecht als recht gebaut waren (vgl. Juvenal, Saturae 3, 197-222; Vitruv, De architectura II 8,20, 9,16). Darum wurden von reichen Römern private Feuerwehren gebildet. Diese jedoch konnten sich nie einer größeren Popularität erfreuen, da manche Reiche ihr Vermögen durch diese Dienste noch zu vergrößern suchten: Nach Ausbruch eines Brandes forderten sie im Gegenzug für einen Einsatz einen Spottpreis vom Hausbesitzer für den Verkauf des Hauses. Weigerte er sich, so zog die Feuerwehr wieder unverrichteter Dinge ab. Crassus z. B. ließ seine Privatfeuerwehr in Stärke von 500 Mann nur ausrücken und löschen, falls die Hausbesitzer der brennenden bzw. vom angrenzenden Brand gefährdeten Häuser diese zu Spottpreisen an ihn verkauften (Plutarch, Crassus 2, 4).

Die erste öffentlich-kommunale Feuerwehr[Bearbeiten]

Zum Problem der Bevölkerungsexplosion gesellte sich auch noch das Problem der Brandstiftungen durch Makler zwecks Grundstücksaneignung. Angesichts dieser skandalösen Geschäftspraktiken verlangte das römische Volk lautstark nach einer Lösung. Der populistisch agierende, ambitionierte Ädil Marcus Egnatius Rufus erkannte in den 20er Jahren v. Chr. den politischen Wert dieses Themas (vgl. Velleius Paterculus, Historia Romana II, 91, 3-5). Er bildete aus eigenen Sklaven eine Feuerwehr und stellte sie bei Brandfällen kostenlos zur Verfügung. Die Bürger waren begeistert und dankten es ihm mit der Wahl zum Prätor.

Dies wiederum beschäftigte den seit kurzem regierenden princeps Augustus, der verhindern wollte, dass zukünftig weiter aus der Stadtsicherheit gegen ihn konkurrierendes politisches Kapital geschlagen werden konnte (vgl. Dio Cassius, Historia Romana LIII 24, 4f.; 54, 2, 4). Dazu kam auch noch ein Großbrand im Jahre 23 v. Chr. Als Reaktion bildete Augustus eine Feuerwehr aus 600 Sklaven, legte danach das Thema jedoch vorerst ad acta. Es bedurfte eines neuen Großbrandes im Jahre 6 v. Chr., um ihm die Problematik und die Notwendigkeit einer Umorganisation der Feuerwehren klar werden zu lassen (Sueton, Augustus 30, 1; Dio Cassius, Historia Romana LV 26, 4f.).

Augustus gründete nun die Organisation der vigiles (wörtlich „Wächter“), bestehend aus 3.500 (später dann im 2.Jhd. aus 7.000) frei gelassenen Sklaven. Dieser Trupp wurde militärisch organisiert: Die Einheit war unterteilt in sieben Kohorten unter je einem Tribun. Jede der Kohorten war für zwei Stadtbezirke verantwortlich. Das Oberkommando wurde einem aus dem Ritterstand stammenden praefectus vigilum übertragen. Ihre Unterbringung geschah in stationes und excubitoria (Dio Cassius LVII 19,6; Sueton, Tiberius 37,1, Claudius 18,1). Später wurden den Feuerwachen sogar eigene Kasernen zur Unterkunft bereitgestellt. Damit war die römische Feuerwehr geboren, und in dieser Form bestand sie jahrhundertelang weiter.[2][3]

Für den Hafen in Ostia stellte Kaiser Claudius im Jahr 50 n.Chr. ein Löschtruppe mit 700 Mann auf. Die Kaserne wurde Ende des 19. Jahrhunderts ausgegraben. Ein Teil dieser Truppe wurde später nach Neapel verlegt.[4]

Arbeit und Aufgaben der vigiles[Bearbeiten]

Graffito aus dem Wachraum der 7. Feuerwehr-Kohorte (vigiles) in Trans Tiberim, dem heutigen Trastevere. Ein Marcus Antonius teilt mit, dass er für die Beleuchtung (sebaciaria = Talglichter) im Wachraum gesorgt hat.[5]

Polizeiliche und juristische Aufgaben[Bearbeiten]

Zuoberst stand bei den Aufgaben natürlich die aktive Feuerbekämpfung. Die Feuerwächter patrouillierten – auch nachts (Seneca, Epist. mor. 64, 1) – durch ihre Bezirke, suchten nach möglichen Brandquellen und fahndeten nach Verstößen gegen die kaiserlichen Brandschutzvorschriften (die mit der Zeit immer detaillierter und zahlreicher wurden). Später übernahmen sie sogar die Jagd nach Brandstiftern von den Stadtwachen, und ab Trajan führte der praefectus vigilum bei dementsprechenden Prozessen den Vorsitz.

Später fielen den vigiles auch mehr und mehr polizeiliche Aufgaben zu (vgl. Dio Cassius LVIII 9; Tacitus, Historiae III 64. 69). So konnte der römische Stadtpräfekt (praefectus urbi) sie bei Unruhen als Sicherheits- und im absoluten Notfall sogar als Kampftruppe einsetzen. Auch vor Gericht fielen dem praefectus vigilum der Vorsitz bei Brandstiftungsprozessen (Digesta Iustiniani 1,15,3; 47,2,58,1; 12,6,5) zu, aber auch immer umfangreichere entferntere Aufgaben, da die Bürger sich immer öfter auch mit sachfremden Anträgen, zum Beispiel bei Handelsgenehmigungen, an ihn wandten.

In der Krise des 3. Jahrhunderts wurden die vigiles auch immer häufiger zu militärischen Einsätzen außerhalb Roms herangezogen.

Methoden der Brandbekämpfung[Bearbeiten]

Bei der aktiven Brandbekämpfung, bei der die vigiles aufgrund eigener Amtsbefugnis (suo iure, so Petronius, Satyricon 78,7) in die Privatwohnungen eindringen durften, benutzten sie viele Ausrüstungsteile, die auch heute noch verwendet werden, wie etwa:

  • Spritzen (siphones); mithilfe von Wasserdruckpumpen bzw. Feuerspritzen (siphones; vgl. Plinius, Epist. 10,33,2, Isidor von Sevilla, Origines 20,6,9)[6] mit konisch geformten Strahlrohren war eine Wasserspritzweite von 25-29 Metern erreichbar.[7] Ein Beispiel für ein solches Feuerwehrrohr aus dem deutschen Raum ist im LVR-LandesMuseum Bonn zu besichtigen.[8]
  • Eimer (hamae; Juvenal 14, 305f.),
  • Leitern (scalae; Digesta Iustiniani 33,9,3,3),
  • Äxte und Beile (dolabra; Digesta Iustiniani 1,15,3,3),
  • Sägen (secures; Petronius, Satyricon 78,6),
  • Einreißhaken (perticae; Digesta Iustiniani 33,7,12),
  • Hämmer (mallei),
  • Stangen,
  • Decken (strata), Lappendecken bzw. Feuerpatschen (centones; mit Wasser oder Essig getränkt zum Schutz der Nachbarhäuser),
  • Körbe,
  • Schwämme,
  • Besen.

Die vigiles selber hatten verschiedene Aufgabengebiete. Es gab Wasserträger für Eimerstaffetten (aquarii), Spritzenleute (siphonarii), andere kümmerten sich um den Einsatz der (meist mit Essig getränkten) Löschdecken (centones) oder um die Beleuchtung des Einsatzortes.

Im Falle eines Brandes bildeten die Wächter zusammen mit den Anwohnern Eimerketten, die an den in Rom überall angelegten Brunnen ihren Anfang nahmen. Nero ordnete an, dass im Vorhof jedes Hauses Feuerlöschgeräte zur Verfügung zu stehen hätten (Tacitus, Annales XV 43, 4). Geriet der Brand außer Kontrolle, wurden umstehende Bauten evakuiert und schnellstmöglich abgerissen, um einen Flächenbrand zu verhindern.

Feuerwehren außerhalb Roms[Bearbeiten]

Eine vom Staat aufgestellte Feuerwehr gab es neben Rom in Konstantinopel (nachdem dieses zur zweiten Hauptstadt geworden war) sowie in den Häfen Ostia und Neapel, die als Versorgungshäfen für die Bevölkerung von großer strategischer Bedeutung waren. Alle anderen Gemeinden hatten eine eigene Feuerwehr auf die Beine zu stellen.

Oft übernahmen in diesen Gemeinden die lokalen Handwerkerzünfte die Brandbekämpfung, sogenannte collegiati. Zusätzlich organisierten die Stadtoberen hin und wieder Zeitfeuerwehren, zum Beispiel bei Dürren. Meistens aber waren die Hausbewohner gezwungen, zusammen mit Nachbarn die Brände zu bekämpfen. Nachweislich befanden sich solche Vereine in Oberitalien, wie in Como, Verona oder Faventia, in Venetien (Aquileia und Tergeste) und Istrien (Siscia). Aber auch in Noricum und Pannonien findet man solche Einheiten. Mitarbeiter dieser Gruppen waren fabri subaediani, jene Handwerker, die mit Äxten, Sägen oder Zangen umgehen konnten. Die centonarii waren Teppichhändler, die das Feuer mit Feuerpatschen, die sie mit Wasser oder Essig tränkten, bekämpften. Die utriculari brachten mit den Schläuchen das Wasser. Obwohl sie straff militärisch organisiert waren, kann man sie mit den heutigen Freiwilligen Feuerwehren vergleichen, da sie ebenso neben ihrem Beruf den Brandschutz ausübten. Mitglieder konnten sowohl Bürger, Freigelassene genauso wie Sklaven sein. Auch Frauen waren Mitglieder dieser Gruppen. Dokumentiert sind beispielsweise die collegiati in Virunum im heutigen Kärnten, wo das Verhältnis Männer zu Frauen 10:9 betrug.[4]

Als Plinius der Jüngere wegen zahlreicher Mängel nach einem Großbrand in Nikomedia im Jahr 100 die Gründung einer beruflichen Löschmannschaft mit mindestens 150 Mann anregte, wurde diese von Kaiser Trajan aus Furcht vor Zusammenrottung unsicherer Elemente abgelehnt (Plinius, Epist. X, 33f.).[4] Offensichtlich war für die politisch Regierenden die Kameradschaft unter den Feuerwehrangehörigen eine gewichtige, schwer von außen zu beeinflussende und deshalb unbequeme regional- bzw. kommunalpolitische Größe.

Aus Flavia Solva fand man Aufzeichnungen, die ungefähr aus den Jahren um 200 stammen, nach denen die Angehörigen der Feuerwehr von Kaiser Septimius Severus per Dekret von den Steuern befreit waren.[4]

Siehe auch[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

  • P. R. Baillie-Reynolds: The Vigiles of Imperial Rome. Oxford 1926.
  • Werner Krenkel: Art. Vigiles. In: Der Kleine Pauly 5 (1975), Sp. 1270f.
  • Olivia F. Robinson: Fire prevention at Rome. In: Revue Internationale des Droits de l'Antiqité 24 (1977), S. 377–388.
  • J. S. Rainbird: The fire stations of Imperial Rome. In: Papers of the British School at Rome 54 (1986), S. 147–169.
  • Olivia F. Robinson: Ancient Rome. City Planning and Administration. London: Routeledge 1992, bes. S. 105–110.
  • Robert Sablayrolles: Libertinus miles. Les cohortes de vigiles. Rom 1996, ISBN 2-7283-0365-7.
  • Karl-Wilhelm Weeber: Art. Feuerwehr. In: Ders.: Alltag im Alten Rom. Das Stadtleben. Düsseldorf: Patmos (1997) 4. Auflage. 2005, S. 90f.
  • Jens Meier: Feuerwehr: ein alter Hut? Die Feuerwehr im antiken Rom. In: Brandschutz. Deutsche Feuerwehr-Zeitung, 2/1998, S. 50–56.
  • Renate Lafer: Omnes collegiati, concurrite! Brandbekämpfung im Imperium Romanum (Grazer Altertumskundliche Studien). Frankfurt am Main u. a.: P. Lang 2001 (324 S.), ISBN 3-631-35716-8.
  • Helmut Freis: Art. Feuerwehr. In: Der Neue Pauly. Enzyklopädie der Antike, Bd. 12/2 (2003), Sp. 963f.
  • Sabine Panzram: Art. Vigiles. In: Der Neue Pauly. Enzyklopädie der Antike, Bd. 12/2 (2003), Sp. 206f.
  • Kurt Wallat: Sequitur clades. Die Vigiles im antiken Rom. Frankfurt am Main u. a.: P. Lang 2004 (206 S.), ISBN 3-631-52473-0.
  • Holger Sonnabend: Wie Augustus die Feuerwehr erfand. Große Errungenschaften der Antike. Düsseldorf / Zürich: Artemis & Winkler 2002, S. 169–177 (Kapitel Feuerwehr: Augustus).

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Vgl. zu den triumviri nocturni Scholion ad Juvenal. 13, 157; Lydos, de magistratibus 1,50; Digesta Iustiniani I 15,1; Dio Cassius LV 8; Velleius Paterculus, Hist. Rom. 2, 91.
  2. Cassius Dio Römische Geschichte LIII 24.6 LV 8; 26.4f
  3. Karl-Wilhelm Weeber: Nachtleben im alten Rom. Wissenschaftliche Buchgesellschaft, Darmstadt 2004, S. 12.
  4. a b c d 120 Jahre Bundesfeuerwehrverband, ISBN 978-3-9502364-8-4, S. 14.
  5. Nach den Namen der Konsulen stammt die Inschrift aus dem Jahr 239.
  6. Die Beschreibung einer Wasserdruckpumpe findet man bei Vitruv, De architectura X 7, eine Rekonstruktionszeichnung bei Albert Neuburger: Die Technik des Altertums. Leipzig: Voigtländer 1919, S. 232.
  7. Zu antiken Feuerlöschpumpen vgl. J. G. Landels: Die Technik in der antiken Welt. München 4. Aufl. 1989, S. 93ff.
  8. Bernd Päffgen, Frank Willer: Bergung und Restaurierung eines Feuerlöschpumpen-Strahlrohres des 4. Jahrhunderts. In: Landschaftsverband Rheinland (Hrsg.): Archäologie im Rheinland 2002. Stuttgart 2003