Fiacrius

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Figur des Fiacre in Saint-Germain d’Auxerre
Statue in der Kirche Saint-Taurin, Évreux
Fiacre und Faro, Glasfenster in der Église Saint-Fiacre, Dison, Belgien.

Fiacrius (Fiacrius von Meaux, Fiacrius von Brie, Fiacre, Fèfre, Fèvre, Fiachra, Fiachrach; * um 590 in Connacht[1]; † 30. August 670[2] in Meaux) (nach Gabriel Buzlin 620) war ein irischer Einsiedler, der im 7. Jahrhundert von Irland nach Frankreich segelte, um dort das „grüne Martyrium“ zu suchen.

Name[Bearbeiten]

Als weitere Namensvarianten sind Fiachra, Fiacer, Feacar, Ficker, Fiancorus, Fithoc, Futtach, Muffett und Musset überliefert.[3] Mabillon nimmt Fefrus als den ursprünglichen Namen des Heiligen an, was O'Hanlon jedoch bestreitet.[3]

Quellen[Bearbeiten]

Der Name des Heiligen ist bereits aus karolingischen Quellen belegt, seit 1170 aus den irischen Heiligenlisten[4], der Martyrologie des Marianus O'Gorman und der Martyrologie von Donegal. Eine Vita Fiacrii stammt aus dem 12. Jahrhundert und wurde im 13. Jahrhundert ergänzt.[5] Die Vita des St. Faro, vermutlich von Hildegard, Bischof von Meaux im 9. Jahrhundert verfasst, und Fulcoin kennen ihn unter dem Namen Fefrus.[3]

Hagiographie[Bearbeiten]

Nach Gabriel Bucelinus war Fiacrius der älteste Sohn des schottischen Königs Eoin IV.[6]. Da er Einsiedler werden wollte, setzte er sich heimlich vom Hofe ab und segelte in Begleitung seiner Schwester Sira (Sirad) nach Frankreich. Nach dem Tode seines Vaters wurde sein jüngerer Bruder Ferchar I. König, der jedoch wegen Missregierung und pelagianischer Neigungen abgesetzt wurde. Die Schotten boten Fiacre die Krone an, die dieser aber ausschlug. Auch die Unterstützung von Chlodwig II., dem König von Neustrien konnte den Einsiedler nicht umstimmen.[7] Nachdem ihn die Botschafter weiter bedrängten, betete Fiacre zu Gott, worauf dieser ihn mit Aussatz schlug, was ihn zum Königsamt ungeeignet machte.

Nach dem Martyriologium von Donegal war er der Sohn von Colman und Enkel des Eogan, ein Nachkomme des Colla-da-crioch.[8] Nach Dubhaltach Mac Fhirbhisigh war Fiachra Sohn des Colman, Sohn des Eoghan, Sohn des Biodan, Sohn des Oiloil, Sohn des Suibhne, Sohn des Maelduin, Sohn des Fionn, Sohn des Luchada, Sohn des Muirdach Colla-da-crioch, König von Ulster und Alba, der von Conn Cétchathach abstammte.[8] Er wurde durch Conan, Bischof von Sudarn [9] (Soder) [2] erzogen.

Fiacres Schiff landete in der Normandie, von wo er nach Méaux wanderte. Fiacre gründete in einem Waldstück in Brodiliun (heute Breuil) in der Provinz Brie eine Einsiedelei, heute in Saint-Fiacre-en-Brie (Départment Seine-et-Marne) gelegen. Den Grund und Boden erhielt er von dem Bischof Faron von Méaux, der ihm soviel Land versprach, wie er an einem Tag pflügen könnte. Das Land verwandelte sich jedoch in einen Garten, als es St. Fiacre mit seinem Stab berührte, worauf ihn eine Frau namens Becnaude bei dem Bischof der Hexerei bezichtigte. Sie erbrach in der Folge aber eine Schlange, was die Falschheit ihrer Aussagen belegte. Diese Szene ist auf dem Reliquiar von St. Fiacre abgebildet.

Ein Stein, auf dem sich der Heilige niederließ und der sich nach Duplessis in einen bequemen Sessel verwandelte[7], befand sich bis 1793 in Saint-Fiacre-en-Brie und seitdem in der Kathedrale von Méaux.[4] Fiacrius soll mit St. Convoyon befreundet gewesen sein.[9]

Tod und Bestattung[Bearbeiten]

St. Fiacre wurde in seiner Einsiedelei bestattet. Das Reliquiar, das seine sterblichen Überreste barg, hatte die Form einer gotischen Kirche mit fleurs-de-lys und Delphinen auf dem First. Auf den Seiten des Reliquiars waren Szenen aus dem Leben des Heiligen abgebildet. Louis XI. ließ den Schrein des Heiligen 1478 mit Silber überziehen. 1568 wurden die Reliquien in die Kathedrale von Meaux verbracht. 1527 und 1695 brachten die Medici-Großherzöge von Florenz Teile seiner Reliquien nach Toppaia in Italien.[2] 1313 erteilte der Bischof von Meaux der Abtei mit Billigung der Gemeinde von Saint-Faron weitgehende Unabhängigkeit. 1565 mussten die Mönche von St-Fiacre wegen protestantischer Umtriebe fliehen, zuerst in die Wälder, dann nach Chateau Villemorénel und schließlich, auf den Rat von Dalibert, nach Meaux, wo sie am 13. September 1568 eintrafen. Die Mönche versuchten mehrfach, nach St-Fiacre zurückzukehren, aber ihre Bitte wurde abgeschlagen, zuletzt 1683 von Louis XIV. auf den Rat von Bossuet, dem „Adler von Meaux“. 1766 wurde das Kloster durch die Gemeinde von Saint-Maur aufgegeben.

Wunder[Bearbeiten]

Die Kapelle wurde wegen zahlreicher Wunder bald zum Wallfahrtsziel. Frauen war das Betreten der Einsiedelei nach Fiacres Tod verboten. Selbst Anna von Österreich betete nur am Eingang der Grabkapelle.[2] Auf ihre Fürbitte hin heilte St. Fiacre Ludwig XIII. vom Blutfluss, mit dem er zu Lyon daniederlag. Auch die Geburt ihres ersten Sohnes, des nachmaligen Ludwig XIV. nach zweiundzwanzig Jahren kinderloser Ehe, führte Anna auf das Wirken von St. Fiacre zurück, weshalb sie im Jahre 1641 nach Saint Fiacre wallte. Das Gelöbnis des sterbenden Ludwigs XIII., den Schrein des Heiligen besser auszustatten, erfüllte seine Witwe und spendete für die Vergoldung des Schreins 1200 Écus. Eine Statue zeigt den König im Gebet vor dem Altar des Heiligen, während ein Engel das französische Wappen hält. St. Fiacre ist als Gärtner mit Spaten dargestellt.

Attribute und Gedenktage[Bearbeiten]

St. Fiacre ist der Schutzheilige der Gärtner[10], Kutscher und Taxifahrer. Seine Attribute sind Schaufel und Spaten (Grabscheit).[11] Ein Bild des französischen Malers Laurent de La Hyre, heute im Louvre, zeigt St. Fiacre im Gebet mit Spaten, Szepter und Krone.[12] Er wird auch gegen Hämorrhoiden angerufen.[2] Sein Feiertag ist der 30. August, seltener wird auch der 29. August angegeben.[6]

Nachleben[Bearbeiten]

Nach St. Fiacre sind Saint-Fiacre (Loire-Inférieure), Saint-Fiacre in Côtes-du-Nord in der Bretagne und Saint-Fiacre-in-Brie Maine benannt. Er wurde auch in Mörchingen in Lothringen, im Bistum Konstanz[4] und in Schottland verehrt.[7] In der Bretagne finden zu seinen Ehren zahlreiche Prozessionen statt.[13] Auch in der Kirche von St. Ferdinand, Vaugirard, in Paris wird der Festtag des Heiligen begangen.[14] In Faouët Saint-Fiacre wurden dem Heiligen zu seinem Festtag (Pardon) Blumensträuße geweiht.[15] Ein bretonisches Volkslied („gwerz“) berichtet von einem jungen Mann, der auf dem Pardon des Fiacre von seinen Kameraden erschlagen, aber durch die Reliquien der Heiligen Barbara wiederbelebt wurde.[16] In Saint-Friacre-in-Brie wurden im 15. Jahrhundert Pilgerzeichen aus Blei produziert, die den Heiligen mit Becnaude vor dem Bischof Faron zeigen.[17]

Die Bezeichnung Fiaker führt man auf St. Fiacre zurück, da der Hauptstandplatz der Pariser Mietkutschen, die 1662 von dem Pferdehändler Nicolas Souvage eingeführt worden waren, in der Rue Saint-Fiacre lag. Nach einer anderen These führte das Wirtshaus, vor dem diese standen, den Heiligen im Schilde, oder die ersten Fiaker nutzten ein Abbild des St. Fiacrius als Aushängeschild.[18]

Kirchen und Kapellen[Bearbeiten]

Belgien[Bearbeiten]

  • Kirche in Dison bei Verviers, Belgien

Frankreich[Bearbeiten]

Irland[Bearbeiten]

  • Ruine von Kill-Fiachra/Kilfera auf dem Westufer der Nore ca. 4 km von Kilkenny entfernt, mit der heiligen Quelle des Fiacre[19]

Trivia[Bearbeiten]

Ein 1932 erschienener Roman des belgischen Kriminalschriftstellers Georges Simenon trägt den Titel L’affaire Saint-Fiacre und behandelt den angekündigten Mord an einer Gräfin in ihrem Schloss. Er wurde 1959 durch Jean Dellannoy mit Jean Gabin in der Hauptrolle als Kommissar Maigret verfilmt.

Literatur[Bearbeiten]

  • Joseph Casimir O'Meagher, Saint Fiacre de la Brie. Proceedings of the Royal Irish Academy 2, 1891/1893, pp. 173–176.
  • Pater Jacques Dubois, Un Sanctuaire monastique au moyen-age: Saint-Fiacre-en-Brie. Centre de Recherches d'Histoire et de Philologie 5, Hautes Etudes Medievales et Modernes, 27 (Genf, Droz 1976).
  • Jean-Baptiste Molin, Le Culte liturgique de saint Fiacre. XIlle Centenaire de saint Fiacre, Actes du Congres, Meaux 1970 (Meaux, 1972), pp. 29–84.
  • J. Stany-Gauthier, Les saints bretons protecteurs des récoltes et des jardins. Arts et traditions populaires 1/4, 1953, pp. 307–321.
  • Ekkart SauserFiacrius. In: Biographisch-Bibliographisches Kirchenlexikon (BBKL). Band 14, Bautz, Herzberg 1998, ISBN 3-88309-073-5, Sp. 976–977.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Fiacrius – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Mervin Archdall, Monasticon hibernicum: or, A history of the abbeys, priories, and other religious houses in Ireland; interspersed with memoirs of their several founders and benefactors, and of their abbots and other superiors, to the time of their final suppression, http://www.archive.org/details/monasticonhiber01archgoog
  2. a b c d e Vollständiges Heiligen-Lexikon, Band 2. Augsburg 1861, S. 201-202.
  3. a b c John Canon O'Hanlon, Lives of the Irish Saints, with special festivals, commemorations of Holy persons. Dublin, James Duffy and Sons, 1873, 426
  4. a b c http://www.bautz.de/bbkl/f/Fiakrius.shtml
  5. Daniel F. Callahan, Speculum 53/3, 1978, p. 571
  6. a b John Canon O'Hanlon, Lives of the Irish Saints, with special festivals, commemorations of Holy persons. Dublin, James Duffy and Sons, 1873, 421
  7. a b c Joseph Casimir O'Meagher, Saint Fiacre de la Brie. Proceedings of the Royal Irish Academy 2, 1891/1893, p. 174
  8. a b Joseph Casimir O'Meagher, Saint Fiacre de la Brie. Proceedings of the Royal Irish Academy 2, 1891/1893, p. 173
  9. a b J. Stany-Gauthier, Les saints bretons protecteurs des récoltes et des jardins. Arts et traditions populaires 1/4, 1953, p. 320
  10. J. Stany-Gauthier, Les saints bretons protecteurs des récoltes et des jardins. Arts et traditions populaires 1/4, 1953, p. 307
  11. http://www.catholic.org/saints/saint.php?saint_id=276
  12. http://cartelfr.louvre.fr/cartelfr/visite?srv=car_not_frame&idNotice=30044
  13. Paule Lerou/Roger Lerou, Les itinéraires cérémoniels des fêtes de saint Fiacre. Ethnologie française, Nouvelle Serie, 7/1, 1977, pp. 83-94
  14. Joseph Casimir O'Meagher, Saint Fiacre de la Brie. Proceedings of the Royal Irish Academy 2, 1891/1893, p. 176
  15. Villemarqué, Barzaz-Breiz, 1867, p. 350.
  16. Donatien Laurent, La gwerz de Louis le Ravallec. Arts et traditions populaires 1571, 1967, pp. 19–79
  17. http://www.photo.rmn.fr/cf/htm/CPicZ.aspx?E=2C6NU0NSOT2Z
  18. Vollständiges Heiligen-Lexikon, Band 2. Augsburg 1861, 202
  19. Mervin Archdall, Monasticon hibernicum: or, A history of the abbeys, priories, and other religious houses in Ireland; interspersed with memoirs of their several founders and benefactors, and of their abbots and other superiors, to the time of their final suppression, http://www.archive.org/details/monasticonhiber01archgoog