Fideismus

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Dieser Artikel oder Abschnitt bedarf einer Überarbeitung. Näheres ist auf der Diskussionsseite angegeben. Hilf mit, ihn zu verbessern, und entferne anschließend diese Markierung.

Fideismus (von lateinisch fides ‚Glaube‘) ist eine Glaubenshaltung, die dem Glauben absoluten Vorrang vor der Vernunft beimisst. Sie entstand im 18. Jahrhundert innerhalb des Katholizismus und geht wie auch der entsprechende religions- und glaubensphilosophische Begriff auf Joseph de Maistre (1753–1821) und Louis de Bonald (1754–1840) zurück und wurde später von Félicité de Lamennais[1] (1782–1854) weiterentwickelt.

Entstehungsgeschichte[Bearbeiten]

Der Fideismus wurde durch Joseph de Maistre (1753–1821) und Louis de Bonald (1754–1840) begründet, dann durch Félicité de Lamennais (1782–1854) (Essai sur l'indifferénce en matière de religion I–IV, 1817–1823) fortgebildet. Ähnliches findet sich auch bei Louis Eugène Marie Bautain (1796–1867). Diese Theologen waren der Ansicht, dass einzige Quelle des Glaubens und deswegen auch Ursprung des religiösen Wissens eine übernatürliche Offenbarung sei.[2]

Diese Lehre, die der menschlichen Vernunft grundsätzlich misstraute, wurde in der folgenden Zeit von der katholischen Kirche bekämpft. Im Jahre 1840 musste Bautain eine Erklärung unterschreiben, die ihm von Papst Gregor XVI. vorgelegt wurde. Darin musste er anerkennen, dass es neben der Offenbarung auch „auf dem Weg einer rein natürlichen Erkenntnis [eine] Gewißheit über das Dasein Gottes“ geben könne.[3]

Der Fideismus fand vor allem in Frankreich, aber auch in Deutschland und Belgien Anklang.

Ablehnung durch die Katholische Kirche[Bearbeiten]

Die Kritik, die letztlich zur Ablehnung des Fideismus als Häresie führte, machte sich an der substantiellen Vorordnung der Gotteserkenntnis im Glauben vor derjenigen in der Vernunft fest. Dadurch würde die Theologie jedwede argumentativ darstellbare Grundlage verlieren.

Der Fideismus wird in der Enzyklika Fides et Ratio (Glaube und Vernunft) aus dem Jahr 1998 von Johannes Paul II. ausdrücklich verworfen.[4]

Evangelisch-reformiertes Verständnis[Bearbeiten]

Der Begriff bedeutet im Verständnis der Reformierten Kirchen, dass nur der Glauben als solcher entscheidend ist, nicht der Glaubensinhalt.[5]

Weitere Bedeutungen[Bearbeiten]

Im sogenannten Symbolfideismus des Auguste Sabatier und Eugène Ménégoz (auch Pariser Schule genannt) wurde die strikte Vorordnung der Offenbarung dann beibehalten, dieser, wie alle anderen religiösen Begriffe, nun aber als Symbole interpretiert. Diese bewusst vorgenommene Relativierung sollte eine Vermittlung zwischen Orthodoxie und Liberaler Theologie ermöglichen, blieb aber Episode.

In der Religionsphilosophie versteht man unter Fideismus die Ansicht, dass religiöser Glaube keiner rationalen Begründung fähig ist, da Glaube und Vernunft einander ausschließen.

Vertreter des Fideismus[Bearbeiten]

Wichtige Vertreter einer fideistischen Religionsphilosophie sind unter anderem Tertullian und Sören Kierkegaard. Auch Wittgenstein wird des Öfteren als Fideist verstanden.

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Essai sur l'indifferénce en matière de religion I–IV, 1817–1823
  2. Wörterbuch Theologie. Website fernkurs-wuerzburg.de. Abgerufen am 25. Juli 2011.
  3. Josef Neuner SJ und Heinrich Roos SJ: Der Glaube der Kirche in den Urkunden der Lehrverkündigung, herausgegeben von Karl Rahner SJ, Friedrich Pustet, Regensburg 1965 (7. Auflage), S. 34
  4. Fides et Ratio, Ziff. 52. Website des Vatikans. Abgerufen am 25. Juli 2011.
  5. Fideismus bei wissenschaft-online. Webseite wissenschaft-online.de. Abgerufen am 25. Juli 2011.

Weblinks[Bearbeiten]