Le nozze di Figaro

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Werkdaten
Titel: Die Hochzeit des Figaro
Originaltitel: Le nozze di Figaro
Originalsprache: italienisch
Musik: W.A. Mozart
Libretto: Lorenzo da Ponte
Literarische Vorlage: La Folle Journée ou le Mariage de Figaro von Beaumarchais
Uraufführung: 1. Mai 1786
Ort der Uraufführung: Wien, Burgtheater
Spieldauer: ca. 3 1/2 Stunden
Ort und Zeit der Handlung: Schloss des Grafen Almaviva, Aguasfrescas bei Sevilla, um 1780
Personen
  • Graf Almaviva (Bariton)
  • Gräfin Almaviva (Rosina) (Sopran)
  • Figaro, Kammerdiener (Bassbariton)
  • Susanna, Mündel und Kammerzofe der Gräfin, Figaros Verlobte (Sopran)
  • Cherubino, Page des Grafen (Mezzosopran)
  • Marcellina, Beschließerin im gräflichen Schloss (Mezzosopran)
  • Bartolo, Arzt aus Sevilla (Bass)
  • Basilio, Musikmeister der Gräfin (Tenor)
  • Don Curzio, Richter (Tenor)
  • Antonio, Gärtner und Susannas Onkel, zugleich Vater Barbarinas (Bass)
  • Barbarina, Tochter des Antonio (Sopran)
  • Zwei Frauen
  • Chor der Landleute (Chor)
Plakat für die Uraufführung

Le nozze di Figaro, zu deutsch Die Hochzeit des Figaro oder Figaros Hochzeit, ist eine Oper von Wolfgang Amadeus Mozart KV 492. Das italienische Libretto stammt von Lorenzo da Ponte und basiert auf der Komödie La Folle Journée ou le Mariage de Figaro (Der tolle Tag oder Die Hochzeit des Figaro) von Pierre Augustin Caron de Beaumarchais aus dem Jahr 1778. Die Uraufführung fand am 1. Mai 1786 im Wiener Burgtheater am Michaelerplatz statt. Die Oper spielt am Schloss des Grafen Almaviva in Aguasfrescas in der Nähe von Sevilla um 1780.

Handlung[Bearbeiten]

Die Handlung der Oper ist die Fortsetzung von Beaumarchais’ Theaterstück Le Barbier de Séville (Der Barbier von Sevilla) von 1775. Auf diesem Theaterstück beruht die Giovanni Paisiellos Oper Il barbiere di Siviglia von 1782. Beide Opern, Der Barbier von Sevilla und Figaros Hochzeit wurden am Hoftheater zu Mozarts Lebzeiten gelegentlich an aufeinanderfolgenden Abenden bzw. Vorstellungen gegeben.[Anm. 1] Rosina war im Barbier von Sevilla Waise und in den Grafen Almaviva verliebt. Sie ist nun die Gräfin Almaviva. Der Kammerdiener Figaro ist mit der Kammerzofe der Gräfin Susanna verlobt. Der Graf Almaviva, Rosinas Mann, bemüht sich um die Liebe von Susanna. Als er seinen Pagen Cherubino[Anm. 2] bei Susanna entdeckt, versucht er ihn loszuwerden. Dazu verschafft der Graf Cherubino ein Offizierspatent. Figaro ist in den Dienst des Grafen getreten. Er trifft gerade die Vorbereitungen für seine Hochzeit mit Rosinas Kammermädchen Susanna.

Erster Akt[Bearbeiten]

Duett: „Cinque, dieci, venti, trenta“ – „Fünf, zehn, zwanzig, dreißig“: Ein Zimmer im Schloss. Figaro misst den Raum aus, den er nach der Hochzeit mit seiner Braut Susanna bewohnen will, um die Möbel zu stellen. Susanna probiert vor dem Spiegel einen Hut an[Anm. 3].

Duett: „Se a caso madama la notte ti chiama.“ – „Sollt′ einstens die Gräfin des Nachts dir schellen“: Figaro hält es für einen Vorteil, dass das Zimmer neben den gräflichen Gemächern liegt. Susanna klärt ihn darüber auf, dass Graf Almaviva ihr gegenüber seine eigenen Pläne verfolgen könnte, das heißt an ihr interessiert ist. Es könne sein, dass er dem Brautpaar deshalb gerade diesen Raum angewiesen hat.

Arie: „Se vuol ballare, Signor Contino“ – „Will einst das Gräflein ein Tänzchen wagen“: Figaro ist sich nun sicher, dass Graf Almaviva an seiner Verlobten interessiert ist. Er will die Absichten des adeligen Verführers vereiteln.

Arie (Bartolo): „La vendetta, oh, la vendetta! – Süße Rache, du gewährest hohe Freuden“; Duett (Marcellina und Susanna): „Via resti servita, Madama brillante“ – („Nur vorwärts, ich bitte, Sie Muster von Schönheit“): Dr. Bartolo, Arzt aus Sevilla, tritt auf. Er wurde von Marcellina, der Haushälterin, engagiert. Figaro hatte sich von der Haushälterin Geld geliehen. Er hatte ihr die Ehe versprochen, falls er ihr das geliehene Geld nicht zurückzahlt. Das ist nun der Fall. Bartolo soll nun Klage gegen Figaro vorbringen.

Arie: „Non so più cosa son, cosa faccio“ – „Neue Freuden, neue Schmerzen“: Cherubino erscheint. Er will das Schloss nicht verlassen will. Daher bittet er Susanna um Fürsprache beim Grafen.

Aus dem 1. Akt – Cherubino versteckt sich auf Susannas Sessel, als der Graf eintritt.

Terzett: „Cosa sento! Tosto andate, e scacciate il seduttor“ – „Wie? Was hör' ich? Unverzüglich geh' und jage den Bösewicht gleich fort“: Der Graf und Basilio, der Musikmeister der Gräfin, treten auf. Daher versteckt sich Cherubino. Susanna täuscht eine Ohnmacht vor. Es entsteht ein Durcheinander. In dem Durcheinander springt der Page auf einen Stuhl und verbirgt sich unter einem Kleid.

Chor: „Giovani liete, fiori spargete“ – „Muntere Jugend, streue ihm Blumen“: Der von Susanna bisher abgewiesene Graf entdeckt den Pagen Cherubino,[Anm. 4]. Der Graf will den Pagen daraufhin bestrafen. Der Page wird nur durch den Auftritt der Landleute von einer Bestrafung des eifersüchtigen Schlossherrn verschont. Arie: „Non più andrai, farfallone amoroso“ – „Dort vergiss leises Flehn, süßes Kosen“: Der Graf zwingt Cherubino, sich auf den Weg zur Armee zu machen. Figaro ist wie der Graf eifersüchtig auf den Pagen. Er gibt Cherubinogute Ratschläge mit auf den Weg.[Anm. 5]

Zweiter Akt[Bearbeiten]

Arie: „Porgi, amor, qualche ristoro“ – „Heil’ge Quelle reiner Triebe“: Zimmer der Gräfin. Die Gräfin beklagt die Untreue des Grafen.

Arie (Cherubino): „Voi che sapete che cosa è amor“ – „Ihr, die ihr Triebe des Herzens kennt“: Susanna lässt Cherubino herein. Sie stecken ihn in Frauenkleider, damit er so die Hochzeit abwarten kann.

Arie (Susanna) : „Venite, inginocchiatevi“ – („Komm näher, knie vor mir“): Susanna frisiert Cherubinos Haare, damit er aussieht wie eine Frau.

Terzett: „Susanna, or via, sortite, sortite, io così vo’“ – „Nun, nun, wird’s bald geschehen? Susanna, komm heraus“, Duett: „Consorte mia, giudizio“ – „Frau Gräfin, darf ich bitten?“: Der Graf kommt an. Cherubino flieht in den benachbarten Ankleideraum. nachdem der Graf jemanden darin gehört hat will er im Ankleideraum nachsehen. Die Gräfin sagt, es sei nur Susanna. Der Graf schließt alle Türen ab, er will auf einem anderen Weg ins Nachbarzimmer zu gelangen. Daraufhin verlässt der Graf mit der Gräfin das Zimmer (die Bühne).

Duett: „Aprite, presto, aprite; aprite, è la Susanna“ – „Geschwind die Tür geöffnet, geschwind, ich bin Susanna!“: Susanna befreit Cherubino. Er springt aus dem Fenster. Sie betritt den Raum, aus dem er geflohen ist.

Finale: „Esci omai, garzon malnato, sciagurato, non tardar“ – „Komm heraus, verworfner Knabe! Unglücksel’ger, zaudre nicht!“: Graf und Gräfin kommen zurück. Der erzürnte Graf denkt, Cherubino habe sich versteckt. Er findet aber zum allgemeinen Erstaunen stattdessen Susanna vor.

Figaro fürchtet in der Zwischenzeit die Zudringlichkeiten des Grafen an Susanna. Figaro versucht den Grafen durch einen anonymen Brief vom Erscheinen auf seiner Hochzeit abzuhalten. Aber von der Gräfin befragt, gesteht Figaro, der Verfasser des Briefs zu sein. Antonio ist Gärtner und Susannas Onkel und zugleich Vater Barbarinas. Antonio bringt ebenfalls einen Brief. Von dem dem Brief sagt er, er sei von einem Mann fallen gelassen worden, der aus dem Fenster gesprungen wäre. Da behauptet Figaro, dass er bei Susanna gewesen sei. Das Dokument erweist sich jedoch als Cherubinos Ernennung zum Offizier. Figaro ist nun in der Klemme. Figaro gelangt aus der Klemme, indem er die Situation dem Grafen so präsentiert, als ob er den Brief deshalb besessen habe, damit dieser sein noch fehlendes Siegel am Breib anbringen könne.

Marcellina, Bartolo und Basilio treten auf und Marcellina bringt ihre Klage über Figaro vor. Die Hochzeit wird verschoben, damit der Graf den Vorwurf untersuchen kann.

[Anm. 6]

Dritter Akt[Bearbeiten]

Duett: „Crudel! Perché finora farmi languir così?“ – „So lang' hab' ich geschmachtet“: Der Festsaal. Der Graf ist aufgrund der vorangegangenen Ereignisse verwirrt. Auf Bitte der Gräfin stimmt Susanna zu, den Graf im Garten zu treffen. Zuvor jedoch will sie mit der Gräfin die Kleidung tauschen.

Susanna flüstert Figaro zu, dass der Erfolg nun sicher sei und sein Rechtsstreit gewonnen.

Rezitativ und Arie: „Vedrò mentr’io sospiro“ – „Ich soll ein Glück entbehren“: Der Graf wähnt sich von Susanna und Figaro hintergangen. Er steigert sich in Rachefantasien gegen seinen Diener.

Rezitativ und Sextett: Almaviva, Figaro, der Richter Don Curzio, Bartolo, Marcellina und Susanna: „Riconosci in questo amplesso“ – „Lass mein liebes Kind dich nennen“: Es stellt sich heraus, dass Figaro Rafaello ist, der einst von Räubern entführte uneheliche Sohn von Marcellina und Bartolo. Daher kann er die Haushälterin gar nicht heiraten.

Rezitativ und Arie: „E Susanna non vien … Dove sono i bei momenti“ – „Und Susanna kommt nicht? … Nur zu flüchtig bist du verschwunden“: Die Gräfin wartet auf Susanna. Sie klagt über ihr verlorenes Glück mit ihrem Mann, bekennt sich aber zu ihrer Liebe zu ihm.

Duett: „Sull'aria...“ – „Nun, soll ich?“: Susanna berichtet von ihrer vagen Verabredung mit dem Grafen im Garten. Die Gräfin diktiert einen Liebesbrief, den das Mädchen dem Grafen zustecken soll. Der Graf soll die Nadel zurücksenden, die den Brief zusammenhält, um den Empfang zu bestätigen.

Chor: „Ricevete, oh padroncina“ – „Gnäd'ge Gräfin, diese Rosen“: Ein Chor von jungen Bauernmädchen, unter ihnen der als Frau verkleidetete Cherubino, singt der Gräfin ein Lied.

Marsch und Finale: „Ecco la marcia, andiamo“ – „Lasst uns marschieren! In Ordnung!“: Der Graf tritt mit Antonio auf. Er entdeckt unter den Bauernmädchen den früheren Pagen. Graf Almaviva braust auf, wird aber durch Susannas Brief beruhigt. Er verletzt sich seinen Finger mit der Nadel, was ihn weiter ärgert.

Chor: „Amanti costanti, seguaci d'onor“ – „Ihr treuen Geliebten, mit Kränzen geschmückt“: Der Akt schließt mit einer Einladung zum abendlichen Fest.

Vierter Akt[Bearbeiten]

Ein Kabinett.

Arie: „L'ho perduta... me meschina“ – „Unglücksel'ge kleine Nadel“: Den Anweisungen im Brief folgend, hat der Graf Barbarina, Antonios Tochter, mit der Nadel zur Gräfin geschickt. Barbarina hat die Nadel aber verloren.

Figaro erfährt die Bedeutung der Nadel von Barbarina. Aus Eifersucht bringt er Bartolo und Marcellina dazu, auch in den Garten zu kommen. Dies macht er, um bei dem Gespräch zwischen dem Grafen und Susanna anwesend zu sein.

Rezitativ und Arie: „Giunse alfin il momento“ – „Deh, vieni, non tardar, oh gioia bella“, „Endlich naht die Stunde“ – „O säume länger nicht, geliebte Seele“: Marcellina informiert Susanna über diesen Plan, die Personen im Garten zusammenzubringen.

Finale: „Pian pianin le andrò più presso“ – „Still, nur still, ich will mich nähern“.

Im Garten, es ist dunkel: Die Gräfin erscheint in Susannas Kleid. Cherubino bemerkt die Vertauschung nicht und versucht die vermeintliche Susanna zu küssen. Er wird aber zurückgehalten durch die Intervention des Grafen. Dieser zielt mit der Hand nach Cherubino. Dabei trifft er ungewollt den immer präsenten Figaro.

Der Graf verfolgt die vermeintliche Susanna. Susanna geht dem Graf geschickt aus dem Weg. Da tritt die richtige Susanna in den Kleidern der Gräfin auf. Figaro berichtet der Gräfin von den Absichten des Grafen gegenüber Susanna.

Nun erkennt Figaro seine Braut Suanna. Er spielt die Komödie mit, indem er (der verkleideten) Susanna Ehre als Gräfin erweist. Er bekommt erneut eine Ohrfeige, nun von Susanna. Figaro und Susanna als Gräfin schließen Frieden und er spielt weiterhin seine Rolle. Als der Graf erscheint, erklärt er der vermeintlichen Grafin seine Liebe und sinkt vor ihr auf die Knie. Der Graf ruft nach Waffen und seinen Leuten. Lichter werden angezündet und ein allgemeines Wiedererkennen löst die Verwirrung des Grafen ab. Er bringt eine Entschuldigung vor. Die Gräfin verzeiht im.

[Anm. 7]

Musik[Bearbeiten]

Le nozze di Figaro ist stilistisch eine Opera buffa, und zwar Mozarts erste seit der mehr als zehn Jahre früher entstandenen „La finta giardiniera“. „Figaro“ zeigt Mozarts Kunst auf dem Höhepunkt seiner reifen Meisterschaft. Seit seiner letzten vollendeten abendfüllenden Oper, „Die Entführung aus dem Serail“, waren vier Jahre vergangen. In dieser Zeit hatte Mozart sein Können durch bahnbrechende Kompositionen vor allem auf dem Gebiet des Klavierkonzerts und des Streichquartetts weiter vervollkommnet.

Auf den ersten Blick erscheint die Anlage des Figaro als durchaus konventionelle Opera buffa: zahlreiche – insgesamt 28 – musikalische Nummern sind durch Secco-Rezitative miteinander verbunden. Dabei stehen aber 14 Solo-Nummern („Arien“) ebenso viele Ensemble-Nummern gegenüber: Zwar überwiegen auch in den Opere buffe dieser Zeit in der Regel noch die Solo-Nummern, d. h. das (zufällige?) Gleichgewicht beider Nummernformen war zwar ungewöhnlich, wird aber von den zeitgenössischen Zuhörern kaum als verstörend bzw. revolutionär empfunden worden sein.

In den Arien wahrt Mozart wie selbstverständlich die Stilhöhen-Regel: die großen, zweisätzigen Arien, die durch den geschilderten Stimmungsumschwung als Ausdruck von differenzierten Gefühlslagen verstanden werden können, und die gleichsam vornehmen Nummernformen wie die Cavatine sind dem „hohen“ Paar, d. h. dem Grafen und der Gräfin, vorbehalten, während sich alle anderen Personen in einsätzigen Arien äußern, denen in der Regel ein eindeutig bestimmbarer Affekt zu Grunde liegt (der Fall der in der Regel gestrichenen Arie des Don Basilio, Nr. 26, kann in diesem Rahmen nicht erörtert werden).

Ein weites Feld von Interpretation und Reflexion eröffnet Mozart allerdings dadurch, dass die meisten Arien lediglich drei Themen umkreisen, nämlich den Affekt der Rache bei den verschiedenen männlichen Protagonisten (Figaro, Nr. 3, Don Bartolo, Nr. 4, Graf, Nr. 18), die Sehnsucht nach erfüllter Liebe bei den weiblichen (Cavatine und Arie der Gräfin, Nr. 11 und 20, Romanze der Susanna, Nr. 28) sowie das Erwachen erotischen Verlangens bei Cherubino (wild und ungebändigt in Nr. 6, gleichsam domestiziert in Nr. 12).

Revolutionär ist die Partitur des Figaro an vermeintlich unscheinbaren Stellen wie etwa der Arie der Susanna im 2. Akt (Nr. 13, „Venite, inginocchiatevi“): kein anderer Komponist dieser Zeit hätte diese Stelle zum Gegenstand einer Solo-Nummer gemacht. Sie basiert nicht auf einem benennbaren, d. h. den musikalischen Konventionen der Opera buffa zugänglichen (oder karikierten) Affekt (vorstellbar wäre hier z. B. Susannas Spott über die Eitelkeit Cherubinos). Diese Arie charakterisiert nicht nur Susannas patente Geschäftigkeit, in ihr kommt die Einzigartigkeit Mozarts im Vergleich zu seinen Zeitgenossen zum Vorschein, nämlich nicht nur je einzelne Affekte oder Emotionen zu beschreiben, sondern auch das rein physische Agieren und Interagieren. Immer wieder sind es fast prosaische Vorgänge, die Mozart in Musik setzt: das Ausmessen eines Zimmers, das Herunterziehen einer Decke von einem Stuhl, das Verkleiden des Pagen, das Schreiben eines Briefes, das Suchen einer Nadel. Diese spezifisch Mozartsche Fähigkeit erfährt in den Ensembles eine weitere Steigerung. Mühelos gelingt es ihm, verschiedene, oft disparate Empfindungen unmittelbar nebeneinander, ja sogar gleichzeitig musikalisch auszudrücken: den Zorn des Grafen über Cherubino, die Ängstlichkeit Susannas und die Schadenfreude Don Basilios in Nr. 7; die vielfältigen Stimmungswechsel bei Graf und Gräfin wie auch später bei Susanna zu Beginn des Finales des 2. Aktes; die erotische Gier und Selbstüberschätzung des Grafen im Kontrast zur berechnenden Reserviertheit Susannas (mit den bezeichnenden freudschen Fehlleistungen im Duettino Nr. 17) usw.

Ungewöhnlich ist auch die Tatsache, dass im „Figaro“ ein Finale nicht einmal, sondern zweimal vorkommt: Das erste, quasi vorläufige Finale schließt den zweiten Akt ab, das zweite, endgültige, folgt erst nach dem vierten Akt.

Ouvertüre

Am „revolutionärsten“ ist Mozart allerdings in der Ouvertüre seiner Oper: Wider Erwarten wird darin auf die Arien und Ensembles, die später folgen, in keiner Weise Bezug genommen; vielmehr entspricht dieses erst kurz vor der Premiere der Oper komponierte Stück in Tempo und Dynamik am ehesten dem aufrührerischen Geist des der Oper zugrunde liegenden Beaumarchais'schen Originals „Ein toller Tag“, den der Textdichter da Ponte gegenüber dem Kaiser Joseph II. abschwächen wollte.

Die Musik ist also nicht einfach jederzeit „schön“, sondern enthält – wie gesagt – viel Psychologie und subtilen Humor. Dieser beginnt bereits in der ersten Szene zwischen Figaro und Susanna, setzt sich dann vor allem in den Figuren des Pagen Cherubino und den auf diesen bezüglichen Arien fort und bestimmt alle Arien und Ensembles mit den Figuren aus der italienischen „Commedia dell’arte“, Dr. Bartolo, Marcellina, Basilio und Don Curzio.[Anm. 8] Aber auch der Graf selbst, und natürlich Figaro, werden in der Musik psychologisch bzw. in subtilem Humor charakterisiert.

Varianten[Bearbeiten]

Für eine Wiederaufnahme im Jahre 1789 ersetzte Mozart beide Arien der Susanna durch Neukompositionen: An die Stelle des „Venite inginocchiatevi“ (Nr. 13) trat die Ariette „Un moto di gioia“ (KV 579), die Arie „Deh vieni, non tardar“ wurde ausgetauscht gegen die große konzertante Arie „Al desio di chi t’adora“ (KV 577). Vermutlich ebenfalls für die Wiederaufnahme 1789 nahm Mozart zwei weitere Änderungen vor: Zum einen wurde der Gesangspart in der Arie des Grafen im 3. Akt „Vedrò mentr’io sospiro“ in eine höhere Lage versetzt und die Orchesterbegleitung neu komponiert, zum anderen wurden in der Arie der Gräfin im 3. Akt „Dove sono i bei momenti“ an zwei Stellen mehrere Takte neu komponiert. Beide Varianten sind in mehreren Kopien der Partitur überliefert. In verschiedenen in Prag entstandenen Partituren findet sich im ersten Akt anstelle des Duetts „Via resti servita, Madama brillante“ eine Cavatine Marcellinas „Signora mia garbata“. Es ist möglich, dass Mozart diese Änderung für die Prager Inszenierung im Dezember 1786 vornahm, jedoch ist die Autorschaft Mozarts hier nicht gesichert.

Entstehung[Bearbeiten]

Titelblatt des Librettos von Le Nozze di Figaro Prag 1786
Haus in Wien, in welchem das Werk entstand [Anm. 9]

Die Idee zur Vertonung des „Figaro“ stammt vermutlich von Mozart selbst. Jedenfalls hat dies der Textdichter Lorenzo da Ponte in seinen Memoiren berichtet, und es besteht kein Grund, ihm das nicht zu glauben. Ob es Lorenzo da Pontes eigener Verdienst war, dem Kaiser Joseph II. die Zustimmung zur Aufführung abzuringen – das Theaterstück von Beaumarchais durfte im Theater nicht aufgeführt werden, das Buch konnte allerdings gedruckt und vertrieben werden – ist nicht ganz klar. Jedenfalls erhielt Mozart nach Vorstellung einiger Kostproben vom Kaiser die Anweisung die „Partitur zum Abschreiben“ zu geben. Damit war die Erlaubnis zur Aufführung erteilt. Die Fassung von da Ponte und Mozart konnte unbeanstandet aufgeführt werden, da der (italienische) Text moderater war, obwohl von dem für die damalige Zeit brisanten Inhalt keine Abstriche gemacht wurden.

Diese Darstellung der Entstehungsgeschichte beruht ganz auf da Pontes Memoiren. Nicht einbezogen in die Überlegungen wird immer, dass der vom Kaiser protegierte Mozart-Kollege Antonio Salieri aus Paris mit dem Auftrag für eine originale und noch brisantere Beaumarchais-Oper (Tarare) nach Wien zurückgekommen war, deren Fassung für Wien von Joseph II. stark gefördert wurde.

Rezeption[Bearbeiten]

Es gibt äußerst widersprüchliche Berichte über die Reaktion des Wiener Publikums auf die Premiere. Begeisterungsstürme von Musikliebhabern werden ebenso erwähnt wie eisiger Protest des Wiener Adels, der sich von Joseph II. nicht lächerlich gemacht sehen wollte. Eines jedoch steht fest – die Oper blieb in Wien nur sehr kurz auf dem Spielplan. Una cosa rara von Vicente Martín y Soler, im November 1786 uraufgeführt, kam beim Publikum besser an und lief dem „Figaro“ bald den Rang ab. Einen Triumph feierte Mozart mit dem „Figaro“ erst in Prag, wo dieser Erfolg Anlass für den Kompositionsauftrag zum Don Giovanni war.

Film[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Le nozze di Figaro – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
 Wikisource: Le nozze di Figaro Libretto – Quellen und Volltexte (italienisch)

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Figaros Hochzeit (1949) in der deutschen und englischen Version der Internet Movie Database
  2. Le nozze di Figaro (1975) in der Internet Movie Database (englisch)

Anmerkungen[Bearbeiten]

  1. Der Barbier von Sevilla wurde später u.a. auch von Gioachino Rossini vertont.
  2. Die Rolle des Cherubino ist eine Hosenrolle – wird also von einer Frau gesungen.
  3. heutzutage wird, um der französischen Vorlage näher zu kommen, der Hut meist durch einen Brautschleier ersetzt
  4. Bei der Entdeckung des Pagen kommt es zu einem Durcheinander, in welchem Basilio höhnisch bemerkt „Così fan tutte le belle“ (So machens alle Schönen). Das Motiv zu seiner Bemerkung verwendete Mozart später in der Ouvertüre seiner Oper Così fan tutte. Diese wurde nach der „Hochzeit des Figaro“ direkt von Joseph II. in Auftrag gegeben; der Text stammt ebenfalls von da Ponte.
  5. Dies ist eine der berühmtesten Arien der Oper. Sie war innerhalb weniger Monate so volkstümlich geworden, dass sie von Mozart selbst im Schlussakt des Don Giovanni zu einer von Bläsern wiedergegebenen und als „ziemlich bekannt“ angesprochenen Festmusik verfremdet wurde.
  6. Dieses Finale endet am Schluss mit einem lauten und turbulenten Ensemblesatz, an dem sieben Personen beteiligt sind: Gleichzeitig erklingen „Che bel colpo“ (Marcellina, Basilio, Bartolo, Graf) und „Son confusa“ (Susanna, Gräfin, Figaro).
  7. Ebenso wie das Finale des zweiten Akts endet auch das Finale des vierten Akts mit einem Ensemblegesang, diesmal von acht Personen: „Ah! Tutti contenti“ (Graf, Gräfin, Figaro, Susanna, Curzio, Basilio, Antonio, Bartolo)
  8. Mit ähnlichem Humor sind auch einige Figuren in anderen Mozart-Opern charakterisiert, z. B. der „Osmin“ in der Entführung, der „Leporello“ im Don Giovanni, der „Papageno“ aus der Zauberflöte.
  9. Schulerstraße 8, Wien-Innere Stadt. – Siehe: Kleine Chronik. (…) Gedenktafel. In: Wiener Zeitung, 14. November 1906, S. 5, Mitte rechts. (Online bei ANNO)Vorlage:ANNO/Wartung/wrz