Figuig

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Figuig
فكيك
ⵉⴼⵉⵢⵢⵉⵢ
Wappen von Figuig
Figuig (Marokko)
Figuig
Figuig
Basisdaten
Staat: Marokko
Region: Oriental (Region)
Provinz: Figuig (Provinz)
Koordinaten 32° 7′ N, 1° 14′ W32.111666666667-1.2302777777778922Koordinaten: 32° 7′ N, 1° 14′ W
Einwohner: 12.577 (2004[1])
Fläche: 35 km²
Bevölkerungsdichte: 359 Einwohner je km²
Höhe: 922 m
Figuig

Figuig

Oase Figuig

Figuig (arabisch ‏فكيك‎, DMG Fikīk, Tamazight: ⵉⴼⵉⵢⵢⵉⵢ), ist eine städtische Kommune und ein bedeutender Oasenort mit knapp 13.000 Einwohnern in der gleichnamigen Provinz (Region Oriental) im äußersten Südosten Marokkos.

Geographische Lage[Bearbeiten]

Die Oase Figuig liegt − fernab jeder größeren Stadt − etwa 850 bis 950 Meter ü. d. M. in der Südostecke Marokkos, direkt an der Grenze zu Algerien in einer von Bergen umgebenen Landschaft. Die derzeit (2015) geschlossene Grenze beschreibt einen Bogen von 180 Grad um die Stadt, der dem Flusstal des Oued Zousfana folgt. Die nächstgelegene Großstadt ist Oujda in 372 Kilometern Entfernung und die Provinzhauptstadt Bouarfa liegt etwa 110 km Fahrtstrecke entfernt. Zu beiden Städten führt die Nationalstraße 17.

Geschichte[Bearbeiten]

Die Umgebung der Stadt blickt auf eine lange Vergangenheit zurück. Mehrere tausend Jahre alte, auf Felsen verewigte Tiergravuren sowie abstrakte Malereien mit Punktreihen etc. bezeugen, dass die Entstehung von Figuig seit Urzeiten von Zuwanderung und Abwanderung zahlreicher Volksstämme (Jäger und Sammler, Nomaden) geprägt wurde. Diese sind heute jedoch so miteinander verschmolzen, dass keiner der sieben Ksour (Hammam Foukani, Hammam Tathani, Laâbidat, La Maiz, Oudaghir, Ouled Slimane und Zenaga) einem typischen Ursprung zugeordnet werden kann.

In historischen Dokumenten ist der Name 'Figuig' seit dem 13. Jahrhundert bezeugt; aus dieser Zeit stammt auch das achteckige − aus Lehmziegeln erbaute − Minarett von Oudaghir. Danach streckten alle marokkanischen Mächte ihre Fühler bis in diese Gegend aus, teilweise sogar bis weit nach Algerien hinein. Der Zusammenschluss der sieben Ksour zur Gemeinde Figuig erfolgte erst im Jahr 1959. Da Algerien im Jahre 1963 Gebietsansprüche stellte, kam es zu bewaffneten Auseinandersetzungen.

Bevölkerung[Bearbeiten]

Die Bevölkerung spricht überwiegend die Sprache der Tamazight-Berber. Amtssprache ist jedoch Arabisch. Französisch (seltener englisch) wird von gebildeten, insbesondere von jüngeren Einwohnern gut verstanden. Die Einwohner von Zenaga machen mehr als die Hälfte der Bevölkerung von Figuig aus.

Wirtschaft[Bearbeiten]

Landwirtschaft[Bearbeiten]

Der ökologisch sensible Oasen-Organismus kann das Gleichgewicht von Wasser (Artesische Quellen), Mensch und Pflanze über Jahrhunderte hinweg nur dank eines ausgeklügelten, mit Kompetenz, Disziplin, Gemeinsinn und Solidarität betriebenen Bewässerungssystems bis in die heutige Zeit bewahren. Ökonomische Grundlage der Menschen ist die Landwirtschaft. Die Dattelpalmen, d. h. sowohl die Früchte als auch die Verwertung ihrer Blätter (Matten, Körbe, Stricke) und Stämme (Bau- und Brennholz) bilden den Schwerpunkt der Oasen-Wirtschaft; allein in den Oasengärten von Figuig werden etwa 190.000 davon bewässert – früher mittels unterirdischen Kanälen (foggaras), heute mit Pumpen. Der Anbau erfolgt auf drei Vegetations-Ebenen: Ganz oben schützt die Dattelpalme die darunter liegenden, verschiedenartigen Obstbäume (Feigenbaum, Granatapfelbaum, Mandelbaum). Diese wiederum gewähren den untersten Kulturen (Getreide, Kartoffeln, Gemüse, Kräuter usw.) wohltuenden Schatten.

Neben der Arbeit auf den Feldern und in den Palmenhainen spielt die Viehzucht (Rinder, Schafe, Ziegen, Kamele, Esel, Hühner) eine untergeordnete Rolle − Oasenwirtschaft und Viehhaltung (Nomadentum) sind nur schwer zu vereinbaren.

In den letzten Jahren sind die Palmen durch einen Pilz (Fusarium oxysporum) gefährdet, der sich von der Wurzel bis ins Innere des Stammes voranarbeitet. Nach ein paar Jahren führt dies unweigerlich zum Absterben der Pflanze. Außerdem sind seit den 1970er und 1980er Jahren die Regenfälle geringer ausgefallen − auch wenn es alle paar Jahre einen Wolkenbruch geben kann.

Handwerk, Handel, Verwaltung[Bearbeiten]

Die Einwohner haben ihr traditionelles handwerkliches Geschick aus der Zeit ihrer Vorfahren erhalten und perfektioniert. In vielen Familien verrichten die Frauen wie eh und je Handarbeiten wie Weben, Stricken, Häkeln und Sticken an Teppichen, Djellabas, Pullovern, Burnussen und Tischdecken − allesamt Heimarbeiten, welche trotz ihres geringen Ertrages als weibliche Erwerbsgrundlage fortbestehen.

Domäne der Männer sind klassische Handwerksberufe wie Schneider, Schuster, Metzger, Gerber, Färber, Töpfer, Tischler und Drechsler sowie die filigrane Arbeit der Kunst- und Kupferschmiede. Außerdem liegt der Kleinhandel nahezu ausschließlich in Händen der Männer. Bei Büroarbeiten in Verwaltung und Banken haben die Frauen in den letzten Jahren aufgeholt, wenngleich Führungspositionen immer noch vorwiegend von Männern besetzt werden.

Söhne und Töchter der Oase[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

  • Herbert Popp (Hrsg.): Geographische Forschungen in der saharischen Oase Figuig. Passauer Schriften zur Geographie, Heft 10. Passavia Universitätsverlag, Passau 1991, ISBN 3-922016-99-5
  • Ingeborg Lehmann, Rita Henss u. a.: Marokko. Baedeker-Verlag, Ostfildern 2010, S. 273f ISBN 978-3-8297-1251-4

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Bevölkerungsstatistik Marokko

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Figuig – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien