Figur-Grund-Wahrnehmung

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Kippfigur: (a) zwei schwarze Gesichter vor weißem Hintergrund und (b) eine weiße Vase vor schwarzem Hintergrund

Figur-Grund-Wahrnehmung ist ein Fachausdruck aus dem Bereich der Sinneswahrnehmung. Er beschreibt die Unterscheidung von Vordergrund (Figur) und Hintergrund (Grund) bei der Gewichtung von wahrgenommenen Reizen/Sinneseindrücken. Die Untersuchung von Figur-Grund-Prozessen, und speziell von Eigenschaften der Figur im Vordergrund im Sinne einer Gestalt, bildet den Schwerpunkt der Forschung und der Theorie der Gestaltpsychologie.

Figur und Grund[Bearbeiten]

Der eigentliche Hintergrund wird zur Figur.

Aus den vielen, unterschiedlichen Sinneseindrücken einer Situation, die gleichzeitig auf den Menschen einströmen, kann das Gehirn die Eindrücke ausfiltern, die es zu diesem Zeitpunkt als die Wichtigsten erachtet. Diese Eindrücke werden zum Vordergrund, zur „Figur“. Sie werden bewusst und differenziert wahrgenommen und bilden das Zentrum der Aufmerksamkeit. Die übrigen Sinneseindrücke, die als unwichtig erkannt werden, treten in den Hintergrund und bilden den „Grund“.

Sinnesleistung[Bearbeiten]

Zur Figur-Grund-Wahrnehmung ist es erforderlich, die Aufmerksamkeit selektiv/herausfilternd zu lenken. Die betreffenden Sinnesleistungen sind dabei das Heraushören, -sehen, -riechen, -schmecken, -ertasten. Dabei müssen die einzelnen Sinnesreize unterschieden und wiedererkannt werden. Um diese Unterscheidung leisten zu können, ist es wesentlich, gut zu Filtern und so Wichtiges von Unwichtigem zu unterscheiden. Kann ein Mensch seine Sinneseindrücke nicht unterscheiden/filtern, wird er überschwemmt mit Sinneseindrücken aus allen Sinneskanälen.[1]

Siehe auch[Bearbeiten]

  • Marianne Frostig entwickelte den „Frostigs Entwicklungstest der visuellen Wahrnehmung“ (FEW) zur diagnostischen Differenzierung der visuellen Wahrnehmung für visuo-motorische Koordination, Figur-Grund-Wahrnehmung, Wahrnehmungskonstanz, Wahrnehmung der Raumlage und räumlicher Beziehungen.
  • Multistabile Wahrnehmung beschreibt das Phänomen, spontan wechselnder Interpretationen eines eingehenden Wahrnehmungssignales, also einen Gestaltwechsel oder Wahrnehmungswechsel. Dabei wird der „Vordergrund“ jeweils unterschiedlich definiert.
  • Kippfigur ist eine Figur, die einen subjektiven Eindruck von Gestaltwechsel beim Betrachten hervorruft. Sie bietet dem Betrachter Alternativen der Wahrnehmung, wobei sich das Figur-Grund-Verhältnis immer wieder verändert.

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1.  Marianne Wiedenmann, Inge Holler-Zittlau (Hrsg.): Handbuch Sprachförderung: Basiswissen - integrative Ansätze - Praxishilfen - Spiel- und Übungsblätter für den Unterricht. 3 Auflage. Beltz, 2007, ISBN 3407831579, 9783407831576 (Auflage: 3., überarbeitete und erweiterte Auflage. (10. September 2007) hier: Seite 76).

Weiterführende Literatur[Bearbeiten]