Filipp Bedrossowitsch Kirkorow

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Filipp Kirkorow und Ani Lorak in Moskau (2009)

Filipp Bedrosowitsch Kirkorow (bulgarisch Фи́лип Бедро́сов Кирко́ров; russisch Фили́пп Бедро́сович Кирко́ров; * 30. April 1967 in Warna, Bulgarien) ist ein russischer Sänger, Komponist und Musikproduzent.

Biographie[Bearbeiten]

Kirkorow kam in Bulgarien zur Welt. Sein Vater ist der armenischstämmige bulgarische Sänger Bedros Kirkorow.[1][2] Ab 1984 besuchte er das Gnessin-Institut in Moskau und beendete seine Ausbildung 1988 mit Auszeichnung. Musikalisch orientiert sich Kirkorow an Vorbildern der russischen und westlichen Popmusik und war in den 1990er und 2000er Jahren als Interpret und Komponist für eine Reihe von Staaten der ehemaligen Sowjetunion am Eurovision Song Contest beteiligt. Neben seiner Arbeit als Solo-Künstler veröffentlicht er regelmäßig Duette mit bekannten Künstlern Russlands.

Anfang 1994 verlobte er sich mit Alla Pugatschowa, am 15. März wurde das Paar standesamtlich in St. Petersburg durch den damaligen Bürgermeister Anatoli Sobtschak getraut. Am 15. Mai desselben Jahres folgte eine religiöse Zeremonie in Jerusalem. Die Ehe hielt knapp 10 Jahre und wurde im März 2005 geschieden. Kirkorow repräsentierte Russland 1995 beim Eurovision Song Contest in Dublin mit dem Lied "Kolybelnaya dlya vulkana" ('Schlaflied für einen Vulkan') und erreichte den 17. Platz. Er war Co-Autor des weißrussischen Beitrags zum Eurovision Song Contest 2007, "Work Your Magic", außerdem schrieb er 2008 den ukrainischen Beitrag "Shady Lady" für Ani Lorak. In Bulgarien war er darüber hinaus Jury-Mitglied in der 2. Staffel der dortigen DSDS-Version. In Verka Serduchkas Musikvideo "Do Re Mi" hat Kirkorow einen Cameo-Auftritt.

Viele seine Erfolge in den Ländern der ehemaligen Sowjetunion sind neben eigenen Kompositionen vor allem russisch-sprachige Cover-Versionen früherer ESC-Beiträge, darunter "Dreaming" (Irland 1995), "(I Would) Die for You" (Griechenland 2001), "Diva" (Israel 1998), "La Voix" (Schweden 2009) im Duett mit Anna Netrebko oder "Playing with fire" (Rumänien 2010). Stilistisch deckt Kirkorow mittlerweile ein breites Spektrum ab – von klassischen Estraden über zeitgenössische russische Popmusik-Produktionen bis hin zu internationalem Crooning, Folk, Blues, spanischen Rhythmen, Musical-Liedern sowie Anklängen elektronischer Musik.[3]

Am 26. November 2011 kam seine Tochter, Alla Victoria Fillipowna Kirkorowa zur Welt.

Skandale[Bearbeiten]

Kirkorow erlangt regelmäßig mediale Aufmerksamkeit durch skandalöse Auftritte. So beschimpfte er im Mai 2004 eine Journalistin in Vulgärsprache, als diese ihn nach dem Grund dafür fragte, warum er so viele ausländische Titel covern würde.[4] Anstelle einer Antwort habe Kirkorow wütend entgegnet, dass er "keinen Bock mehr auf die Bluse, die Titten und das Mikrofon" seiner Gesprächspartnerin habe und habe diese daraufhin von seinen Leibwächtern aus dem Zimmer werfen lassen.[5] Kirkorow wurde daraufhin von einem Gericht wegen Körperverletzung zu einer Strafe von 60.000 Rubel verurteilt.[6]

Während eines Konzertes für Wiktor Janukowytsch im ukrainischen Präsidentschaftswahlkampf 2004 rief sein Vater unter gellendem Protest der Janukowytsch-Anhänger irrtümlich zur Unterstützung des gegnerischen Kandidaten Wiktor Juschtschenko auf.[7]

Berichtet wird ferner, Kirkorow habe den Sänger der Band DDT, Juri Schewtschuk, von seinen Bodyguards verprügeln lassen, nachdem sich dieser zuvor abfällig über Kirkorow, seine Musik und seine Familie geäußert hatte.[8][9]

2009 musste Kirkorow als Präsident der nationalen Jury für den Eurovision Song Contest zurücktreten, nachdem er zuvor öffentlich seine Sympathie für den griechischen Interpreten Sakis Rouvas zum Ausdruck gebracht hatte und von Journalisten bei einem privaten Abendessen mit dem späteren Gewinner Alexander Rybak gesehen wurde.[10][11][12]

2010 wurde Kirkorow dabei gesehen, wie er während eines Konzertes völlig unvermittelt eine Frau aus dem Publikum körperlich angriff.[13]

Diskographie[Bearbeiten]

Studioalben
  • 1990: Philipp
  • 1990: Sindbad-Morehod
  • 1991: Nebo I Zemlya
  • 1991: Ti, Ti, Ti
  • 1992: Takoi Sakoi
  • 1994: Ya Ne Raphael
  • 1995: Primadonna
  • 1995: Ckazi Solncu – "Da"
  • 1998: Edinstvenaya
  • 1998: Oi, Mama Shika Dam
  • 2000: Chelofilia
  • 2001: Magico Amor
  • 2002: Vlubloniy I Bezumno Odinokiy
  • 2003: Neznakomka
  • 2007: For You
  • 2011: DruGOY
Singles
  • 1999: Mish
  • 2000: Ogon I Voda
  • 2000: Kilimandzaro
  • 2001: Diva (Cover-Version)
  • 2001: Ti Poveriz?
  • 2001: Ya Za Tebya Umru
  • 2001: Maria
  • 2002: Zesrokaya Lubov
  • 2004: Sam P..A?! Ili Kirkorov MAZZDie!!!
  • 2005: Kak Sumashedshiy Ya
  • 2009: Zara
Live-Mitschnitte
  • 2001: Vchera, Segodnya, Zavtra...
Kompilationen
  • 2003: Luchshie Pesni (Best of)
  • 2004: Dueti

Filmographie (Auszug)[Bearbeiten]

  • 1995: Alte Lieder über Alltäglichkeiten
  • 1996: Alte Lieder über Alltäglichkeiten 2
  • 1997: Alte Lieder über Alltäglichkeiten 3
  • 2000: Die neuen Bremer Stadtmusikanten (Zeichentrick, Sprechrolle)
  • 2000: Alte Lieder über Alltäglichkeiten. Postskriptum
  • 2002: Abende auf einem Bauernhof bei Dikanka
  • 2003: Verrückter Tag oder Die Hochzeit des Figaro
  • 2006: Die Abenteuer von Verka Serduchka
  • 2008: Goldfisch
  • 2008: Auf dem Rücken eines schwarzen Katers
  • 2009: Liebe in der Großstadt
  • 2010: Liebe in der Großstadt 2
  • 2011: Rzhevskiy gegen Napoleon

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. http://www.day.az/news/showbiz/79307.html
  2. http://www.pc-armenia.ru/ru/153/349
  3. David MacDadyen: Estrada?!. Grand Narratives and the Philosophy of the Russian Popular Song Since Perestroika. Mcgill Queens University Press, Montreal 2002, ISBN 978-0-77352-371-5 (engl.); S. 23 (auszugsweise online)
  4. Simonov, Vladimir: Pop idol and a girl, Russian-style scandal, RIA Novosti. 18. Juni 2004. Abgerufen am 9. Mai 2011. 
  5. Koroljow, Anatoli: Kasuistik á la russe: Pornographie oder Literatur?. In: RIA Novosti, 15. Juni 2005. Abgerufen am 8. Mai 2011. 
  6. Murphy, Kim: Russian Pop Star Falling Off Charts Over His Insult. In: Los Angeles Times, 12. August 2004. Abgerufen am 26. November 2009. 
  7. Ukraine TV stokes election battle.. BBC News. 20. Oktober 2004. Abgerufen am 18. Mai 2011.
  8. Olga Saprykina: Выбил ли Киркоров зуб Юрию Шевчуку? (Russian). In: Komsomolskaya Pravda, 10. Januar 2003. Abgerufen am 10. April 2009. 
  9. Филипп Бедросович Киркоров избил Юрия Юлиановича Шевчука (Russian). In: Vokrug Novostey, 9. Januar 2003. Abgerufen am 10. April 2009. 
  10. RIA Novosti vom 18. Mai 2009 Russland gibt Besetzung seiner Grand-Prix-Jury bekannt, abgerufen am 8. Mai 2011
  11. Adams, William Lee: How the West Won: Norway Takes the Crown at Eurovision. In: Time, 18. Mai 2009. Abgerufen am 8. Mai 2011. 
  12. Repo, Juha: First jury scandal – Russia: Philipp Kirkorov resigns as jury boss. ESCToday.com. 15. Mai 2009. Abgerufen am 26. November 2009.
  13. Kirkorov strikes audience member. Abgerufen am 18. Mai 2011.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Filipp Kirkorow – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien