Film gris

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Film gris (deutsch „grauer Film“) bezeichnet eine Reihe von Filmen aus den späten 1940er und frühen 1950er Jahren, die innerhalb des Genres bzw. der Bewegung des Film noir entstanden.

Definition[Bearbeiten]

Der Begriff Film gris wurde 1985 von dem Filmhistoriker Thom Andersen in seinem Essay Red Hollywood geschaffen. Er umschreibt eine Reihe von Filmen, die als Teil der als Film noir klassifizierten, pessimistischen Thriller der 1940er Jahre entstanden und sich um „größeren psychologischen und sozialen Realismus“ bemühten. Dabei bezog Andersen sich speziell auf zwischen 1947 und 1951 entstandene Filme, die von mehrheitlich linken Filmemachern produziert, geschrieben oder inszeniert worden waren. Dazu zählte er unter anderem Arbeiten von Jules Dassin, Robert Rossen, Joseph Losey, Cy Endfield, Abraham Polonsky und John Berry, die wegen ihrer politischen Haltung allesamt während der antikommunistischen McCarthy-Ära keine Arbeit mehr in Hollywood fanden, aber auch John Hustons Asphalt Dschungel. Wiederholt auftauchende Themen und Motive sind die Betonung von sozialen Ungleichheiten innerhalb des kapitalistischen Systems, Klassenschranken und -gegensätze, die sich verwischenden Grenzen zwischen Wirtschaftsbetrieben und Kriminalität, Polizeikorruption oder das Unvermögen des Gesetzes, seine Bürger zu schützen.[1][2]

Zur Entstehung des Begriffs Film gris schrieb Andersen, dieser schien ihm angemessen, weil „man uns beigebracht hat, Kommunismus mit Trostlosigkeit und Düsternis [im Original: ‚greyness‘ = Grau] gleichzusetzen, und diese Filme sind oftmals trostlos und deprimierend“. Als „exemplarischen Darsteller“ dieser Filme sah er John Garfield.[1]

James Naremore wies in More than Night: Film Noir in Its Contexts auf die Problematik des Begriffs hin: So benutzten Charles Higham, Joel Greenberg und John Tuska denselben Terminus, um innerhalb des Film noir solche Filme abzugrenzen, die gegenüber den „schwarzen“ Vertretern wie Frau ohne Gewissen eine größere Gewichtung hin zum Melodramatischen aufweisen.[3] Dennoch hat sich in der Filmanalyse mehrheitlich Andersens Definition durchgesetzt.[4] Neben den von Andersen genannten Filmemachern regte Naremore die Einbeziehung von Orson Welles und den als Hollywood Ten bekannt gewordenen Filmschaffenden an.[5]

Filmografie[Bearbeiten]

Nur von Thom Andersen als „Film gris“ klassifizierte Filme:

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. a b Thom Andersen: “Red Hollywood”. In: Suzanne Ferguson, Barbara S. Groseclose (Hrsg.): Literature and the Visual Arts in Contemporary Society. Ohio State University Press, Columbus 1985, S. 141–196.
  2. Andrew Spicer: Historical Dictionary of Film Noir. Scarecrow Press/Rowman & Littlefield, Lanham (Maryland) 2010, S. 92.
  3. James Naremore: More than Night: Film Noir in Its Contexts. University of California Press, Berkeley/Los Angeles/London 1998, ISBN 0-520-21294-0, S. 123–125. Vgl. auch Charles Higham, Joel Greenberg: Hollywood in the Forties. A. S. Barnes, New York 1968; John Tuska: Dark Cinema: American Film Noir in Cultural Perspective. Greenwood Press, Westport 1984.
  4. So z. B. – neben John Naremore und Andrew Spicer – Frank Krutnik, M. Keith Booker, Charles J. Maland und Dana Polan. Vgl. Frank Krutnik: “Un-American” Hollywood: Politics and Film in the Blacklist Era. Rutgers University Press, 2007; M. Keith Booker: Film and the American Left: A Research Guide. Greenwood Press, Westport, 1999; Charles J. Maland: Film Gris: Crime, Critique and Cold War Culture in 1951. in: Criticism, Vol. 26, Nr. 3; Dana Polan: Detour. Rezension auf Sensesofcinema.com vom 17. Juli 2002, abgerufen am 7. März 2013. Dagegen beziehen sich Stephen E. Faison und das Lexikon der Filmbegriffe der Universität Kiel ausschließlich auf Tuskas Definition, vgl. Stephen E. Faison: Existentialism, Film Noir, and Hard-Boiled Fiction. Cambria Press, 2008; Eintrag im Lexikon der Filmbegriffe der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel, abgerufen am 7. März 2013.
  5. James Naremore: More than Night: Film Noir in Its Contexts. A. a. O., S. 123–125.
  6. a b c d Von Andersen im 2007 publizierten Nachwort zu Un-American Hollywood ergänzte Filme. Vgl. Frank Krutnik: “Un-American” Hollywood: Politics and Film in the Blacklist Era. A. a. O., S. 265.