Filmfehler

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Ein Filmfehler oder englisch Goof ist ein kleines Detail in einem Film, das ungewollt in den Film geraten ist und – sofern es bemerkt wird – irritierend, störend oder belustigend wirkt.

Arten von Filmfehlern mit Beispielen[Bearbeiten]

Typische Filmfehler sind Anschluss- bzw. Kontinuitätsfehler, Anachronismen oder technische Fehler. Mit heutigen Mitteln lassen sich solche Fehler in der Regel relativ einfach digital retuschieren.

Um Filmfehler im eigentlichen Sinne handelt es sich nicht, wenn solche Details absichtlich in die Handlung eingebaut wurden, um bestimmte Effekte zu erzielen, oder wenn sie aus dramaturgischen Gründen erforderlich sind. Gelegentlich ist hier die Abgrenzung schwierig, vor allem, wenn die Beteiligten über die Frage „Absicht oder nicht“ aus unterschiedlichen Gründen unwahre Angaben machen. Viele Filme würden zudem bei Einhaltung aller biologischen und physikalischen Gesetze gar nicht mehr gedreht werden können. So lassen sich viele Logikfehler auf dramaturgische Notwendigkeiten zurückführen; Gleiches gilt für das Ignorieren diverser physikalischer Gesetze vor allem in Actionfilmen.

Inzwischen gibt es eine Fangemeinde, die bei einem Filmbesuch bewusst nach echten oder vermeintlichen Filmfehlern Ausschau hält. Die Internet Movie Database listet zu jedem Film alle gemeldeten Filmfehler auf. Inzwischen werden bekannte Fehler häufig vor der DVD-Verwertung digital korrigiert.

Anschlussfehler[Bearbeiten]

Anschlussfehler sind die häufigsten Filmfehler. Sie entstehen dadurch, dass Szenen nicht an einem Stück aufgenommen werden, sondern einzelne Einstellungen oft mit großem zeitlichem Abstand gefilmt werden und die Reihenfolge verschiedener Versionen im Schnitt nachträglich noch verändert wird. Eine korrekte Einhaltung aller Details ist fast unmöglich. Dies reicht von leicht veränderten Frisuren der Schauspieler bis hin zum Verschwinden ganzer Personen oder Gegenstände. Einige Beispiele:

  • Brennt in der Szene eine echte Kerze, Zigarette oder dergleichen, so ändert sich ihre Größe zwischen den Schnitten mehrfach.
  • Kostüme, die gerade noch nass oder zerknautscht waren, erscheinen wie frisch gebügelt (z. B. der Mantel von Michael Douglas gegen Ende des Films Wall Street).
  • In dem Film Casablanca verschwinden die Schulterstücke von Major Strasser und tauchen wieder auf.
  • Im Film Pretty Woman trägt Julia Roberts die Handtasche erst unterm linken, ein paar Sekunden später unter dem rechten Arm.
  • Im Film Critters – Sie sind da! geht die Farmerstochter April mit ihrem Freund in die Scheune. Dabei ist sie barfuß. Als sie dann aber wenig später vor den Critters flieht, trägt sie plötzlich Schuhe und Strümpfe.

Filmtechnische Fehler[Bearbeiten]

Filmtechnische Fehler lassen die Illusion, die der Film erzeugen soll, durchschauen.

  • Der Ton wird oft mittels einer Tonangel aufgenommen. Hin und wieder taucht deshalb ein Teil des Mikrofons am oberen Bildrand auf. In dem Film Der Spion, der aus der Kälte kam schlägt das Mikrofon dem Hauptdarsteller Richard Burton sogar auf den Kopf. Parodiert wird dieses Phänomen in Kentucky Fried Movie.
  • Kabel oder Scheinwerfer sind im Bild, wie beispielsweise in Der zerrissene Vorhang von Alfred Hitchcock, in dem bei einer Kameraeinstellung von unten, zu einem Hügel hinauf, die Studiodecke mit den Scheinwerfern zu sehen ist.
  • Kabelträger oder andere Arbeiter am Set sind zu sehen. So wie bei Tod auf dem Nil, als ein Kabelträger im Spiegel zu sehen ist.

Inhaltliche Fehler[Bearbeiten]

Bei inhaltlichen Fehlern geht es um Details, die dem situativen Kontext des Films, insbesondere dem Ort und der Zeit der Handlung widersprechen. Beispielsweise könnte es sein, dass in einem Film, der im Mittelalter spielt, die Temperaturskala von Celsius benutzt wird, obwohl diese erst seit 1742 gebräuchlich wurde. Ein inhaltlicher Fehler liegt auch dann vor, wenn Filme, die auf realen Ereignissen basieren, sich von der Realität unterscheiden. Exemplarisch hierfür ist der Einsatz von Löwen mit Mähnen im Film Der Geist und die Dunkelheit, weil die realen „Menschenfresser von Tsavo“ Tsavo-Löwen waren, deren Männchen keine Mähnen hatten.

Logikfehler[Bearbeiten]

Dies ist eine bei Fans als besonders gravierend bemängelte Art von Fehlern, weil sie nicht wie filmtechnische oder Anschlussfehler nur eine Szene, sondern die Botschaft oder Glaubwürdigkeit eines ganzen Films zerstören können. Oft entstehen diese Fehler bei nicht geplanten Fortsetzungen oder Prequels. Dies kann durch Wechsel eines Autorenteams geschehen oder einfach durch Unachtsamkeit des Filmstabs. Ein Beispiel: In Terminator 1, der 1984 gedreht wurde und auch 1984 spielt, wird John Connor gezeugt. Terminator 2 soll 10 Jahre nach Terminator 1 spielen, also kann John dann höchstens 10 Jahre alt sein. Er ist im Film aber schon 13.

Weitere Beispiele[Bearbeiten]

  • In Der Rote Korsar mit Burt Lancaster ist bei der Piratenattacke im Hintergrund ein Ozeandampfer zu sehen.
  • Im James-Bond-Film Diamantenfieber mit Sean Connery fährt das Auto bei einer Verfolgungsjagd auf den beiden rechten Rädern in eine Gasse hinein, in der nächsten Einstellung plötzlich aber auf den linken Rädern heraus.
  • In Paper Moon wird das Radio einmal mit einer Knopfdrehung nach links, dann mit einem Dreh nach rechts von Tatum O'Neal ausgeschaltet.
  • In Der unsichtbare Dritte schießt Eve Kendall in der Cafeteria am Mount Rushmore auf die Hauptfigur Roger Thornhill. Ein kleiner Junge im Hintergrund hält sich jedoch schon vor dem Schuss die Ohren zu (weil er den lauten Knall bereits erwartet).
  • In Ben Hur aus dem Jahr 1959, der in der Antike spielt, trägt einer der Statisten eine Armbanduhr.
  • In Spiel mir das Lied vom Tod hat die Hauptfigur "Mundharmonika" (Charles Bronson) leuchtend blaue Augen; in der wichtigen Rückblende, die ihn als halbwüchsigen Jungen (Dino Mele) zeigen soll, hat er jedoch tiefbraune Augen. Da beide Darsteller oft und lang in Großaufnahme gezeigt werden, muss dieser "Farbwechsel" für aufmerksame Zuschauer sehr verwirrend wirken.
  • In Gladiator füttert Maximus sein Pferd mit einem Apfel. Unter dem Hals des Tieres sind deutlich zwei Beine in Jeans zu erkennen, die ins Bild kommen und es rückwärts wieder verlassen.
  • In Wanted driftet Angelina Jolie mit ihrem roten Sportwagen nach rechts und in der nächsten Kameraeinstellung nach links.
  • In Fluch der Karibik – Am Ende der Welt trägt ein Kind, das erhängt wird, eine Zahnspange, die es zu der Zeit noch gar nicht gab.
  • Eine Fundgrube für Filmfehlersucher sind auch die drei Sissi-Filme aus der Mitte der 1950er Jahre. Dort sind beispielsweise im ersten Teil – er spielt im Jahr 1853 – Autos zu sehen (als Sissi aus dem Fenster steigt und dabei von Oberst Böckl observiert wird). An anderer Stelle fallen Kegel („Alle Neune!“), während die Kugel noch weit von ihnen entfernt ist; oder ein Brief, der in einer Einstellung ein Siegel trägt, hat plötzlich deren zwei. Auch sieht man an einer Stelle eine elektrische Zuleitung zu einer Laterne. Im zweiten Teil liegt vor dem Zigarre rauchenden Herzog Max eine moderne Streichholzschachtel auf dem Tisch (Szene mit Magda Schneider im Garten des Schlosses Possenhofen). Und wiederholt ist in der Filmreihe vom „Starnberger See“ die Rede, obwohl dieser zu Sissis Zeiten noch „Würmsee“ hieß.

Siehe auch[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

  • Gregor Jochim: Lexikon der Filmpannen. Gustav Kiepenhauer Verlag, 3. Auflage Leipzig 2002, ISBN 3-378-01050-9

Weblinks[Bearbeiten]