Filmmontage

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Dieser Artikel erläutert die Filmmontage beim Vorführen von Filmen. Für die Technik zur Bearbeitung eines Films siehe Filmschnitt.

In der Kinobranche versteht man unter Filmmontage (oder Richten) das sachgerechte Verbinden („Kleben“) der einzelnen Akte einer Filmkopie durch den Filmvorführer, wenn diese hernach kontinuierlich (d. h. ohne Überblendung) vorgeführt werden soll. Das umgekehrte Verfahren wird als Demontage oder Trennen bezeichnet.

Vorgehen[Bearbeiten]

Ein 100-Minuten-Film (35-mm-Kopie, netto 2736 m lang) wird vom Verleih klassisch in fünf Teilen (den sogenannten Akten) als Rollen in einer oder zwei Transportkisten zum Versand gebracht und wiegt etwa 25 bis 30 kg. Ein Akt ist etwa 600 Meter lang, was ungefähr 18 Minuten Laufzeit entspricht.

Die getrennt verpackten und beschrifteten Akte müssen zunächst auf äußerlich erkennbare Transportschäden sowie auf Vollzähligkeit untersucht werden, um „falsche“ Aktwechsel – also fehlende oder vertauschte Teile – zu vermeiden.

Bis Ende der 1960er Jahre wurden die Akte meist getrennt mit zwei Filmprojektoren im Wechsel vorgeführt und jeweils am Ende „überblendet". Um dies zu vereinfachen bzw. überflüssig zu machen, wurden zunächst größere Spulen verwendet, die zwei oder mehr Akte aufnehmen konnten. Für einen ganzen Film ist eine Spule mit etwa 1,2 Metern Durchmesser erforderlich.

Links und rechts je ein „Bobby“ (Wickelkern) für 35-mm-Film, in der Mitte einer für 16-mm-Film (die beiden gelben Bobbies sind für den Einsatz in Schneidetischen, der schwarze Bobby wird beim Versand von Filmkopien an Kinos verwendet)

Die einzelnen Akte werden üblicherweise aus den Verpackungskartons genommen und nacheinander auf einem so genannten Umrolltisch oder Spulteller ab- und auf die große Spule aufgerollt. Dabei werden eventuelle Beschädigungen des Filmmaterials sichtbar, auch kann das Material falsch herum aufgerollt sein (ergäbe eine spiegelverkehrte Projektion, die aber schnell erkannt würde, denn dann wird die Tonspur im Bild sichtbar und es gibt keinen Ton zum Film) oder das Ende ist außen – dann muss vor der weiteren Verarbeitung erst umgespult werden. Bei alten bzw. oft gespielten Filmkopien muss zudem die Perforation geprüft werden, da fehlende Perforation oder eingerissene Filme zu einem Filmriss im Projektor führen können. Dazu hält man den am Umrolltisch laufenden Film sachte (damit man sich nicht schneidet) zwischen Daumen und Zeigefinger. Fehlende oder ausgezackte Perforation kann dadurch erkannt werden, schadhafte Stellen werden dann weggeschnitten und der Film wieder zusammengeklebt. Solche Reparaturen und fehlende Filmteile erkennt man bei alten Filmen beispielsweise an ruckartigen Bewegungen der Akteure und Unterbrechungen der Tonspur. Da bei der Projektion die Abwickelrolle am Ende sehr schnell läuft, wird dort das Filmmaterial stärker beansprucht und häufig zerkratzt, was bei oft gespielten Kopien zum Flackern des Bildes führt.

Beim Schneiden und Wiederzusammenkleben des Films (bei schadhaften Stellen oder um Akte miteinander zu verbinden), muss genau darauf geachtet werden, dass keine unvollständigen Kader (Einzelbilder) mit weniger als den üblichen Perforationslöchern pro Einzelbild entstehen. Anderenfalls entstehen „Versetzer“, bei denen nicht die Einzelbilder, sondern der undurchsichtige „Trennbalken“ zwischen den Einzelbildern projiziert wird. Dabei sieht der Betrachter oberhalb des Trennbalkens den unteren Teil der Einzelbilder (als laufenden Film) und unterhalb des Trennbalkens den oberen Teil der Einzelbilder (als laufenden Film). Früher war bei jeder Filmvorführung ein Billeteur (Platzanweiser, Kartenabreißer) anwesend und meldete solche Projektionsfehler per Klingel an den Filmvorführer, der den Versetzer durch manuelle Einstellung des Bildausschnitts zum Verschwinden bringen konnte. Tonfehler (unterschiedliche Lautstärken der Trailer untereinander oder zum Hauptfilm) behob der Billeteur selbst durch Einstellen der Lautstärke an einem Regler. Heutzutage erkennen Sensoren, ob Teile des Bildausschnittes permanent unverändert bleiben, und beheben Versetzer automatisiert. Dadurch können die Kartenabreißer bei den Großkinos zum nächsten Filmstart wechseln und es ist weniger Personal erforderlich. Digitale Filme machen heutzutage sämtliche Filmmontagen überflüssig und Versetzer kommen auch nicht mehr vor.

Am Beginn des (farbcodierten) Endbandes des ersten Aktes wird dieses abgeschnitten und bis zur späteren Demontage sicher in Karton oder Dose verwahrt. Das (anders farbcodierte) Startband des zweiten Aktes wird bis zu seinem Ende – dem gleichzeitigen Beginn der ersten Szene von Akt zwei – auch abgeschnitten und ebenso sorgfältig beiseitegelegt. Das Ende von Akt Eins und der Anfang von Akt Zwei werden nun sorgfältig und ohne „Versetzer“ aneinandergeklebt und mit einer auffälligen Markierung versehen, um diese Schnittstelle später ohne Mühe wiederfinden zu können. Eine Behinderung beim Projektordurchlauf muss ausgeschlossen sein; auch braucht der Zuschauer nichts davon zu sehen. Üblich ist ein einseitig gering überstehender farbiger und etwa fünf Zentimeter langer Klebestreifen.

Auch der zweite und alle weiteren Akte werden nacheinander so behandelt. Will man nicht die ganze Montage routinemäßig rückwärts durchführen und statt mit dem Anfang des ersten Aktes mit dem Ende des letzten Aktes anfangen, ist vor Beginn der nächsten Vorführung noch ein Umspulen erforderlich.

Zweck[Bearbeiten]

Endlostelleranlage der Firma Kinoton

Neben der steten Aufmerksamkeit, keinen Aktwechsel zu versäumen, ist auch das Umspulen nicht materialschonend und zudem Zeit raubend. Das Umspulen von 3 km Film kann mehrere Minuten dauern. So suchte man nach Wegen, vom Spulenbetrieb weg zu kommen, und fand eine Lösung, wie ohne das Umspulen der Filmanfang aus der Mitte einer solchen Rolle herausgeführt werden kann und die nächste Vorführung ohne großen Zeitverzug beginnen konnte.

Dreht man in Gedanken eine hochkant stehende Filmspule um 90° und legt sie flach wie einen Teller hin, kann man auf die eine Spulenabdeckungsseite verzichten. Der Spulenkern wird entfernbar gestaltet und schon hat man den Tellerbetrieb. Mit entsprechender Nachführelektronik wird der abgebende Teller gerade so schnell zum Abspulen gedreht, wie Filmstreifen durch den Projektor läuft – und auf einem zweiten aufnehmenden mit separater Steuerung aufgespult.

Gerade bei Dauerbetrieb ist auch eine Endlosschleife denkbar. Für einen automatischen Betrieb entfällt so auch das jeweilige Neueinfädeln vor jeder Vorstellung. Ab- und Aufwickeln findet auf demselben Teller statt und der gesamte Film ist zu einem Endlosstreifen zusammengeklebt.

Siehe auch[Bearbeiten]