Fils (Fluss)

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Fils
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Fils-Verlauf von Quelle bis Mündung

Fils-Verlauf von Quelle bis Mündung

Daten
Gewässerkennzahl DE: 2382
Lage Baden-Württemberg, Deutschland
Flusssystem Rhein
Abfluss über Neckar → Rhein → Nordsee
Filsursprung nahe Wiesensteig (Schwäbische Alb)
48° 32′ 58″ N, 9° 36′ 9″ O48.5493055555569.6025625
Quellhöhe 625 m ü. NNVorlage:Infobox Fluss/NACHWEISE_fehlen
QuellschüttungVorlage:Infobox Fluss/NACHWEISE_fehlen MNQ
MQ
MHQ
50 l/s
160 l/s
240 l/s
Mündung Bei Plochingen in Neckar48.7061111111119.4205555555556248Koordinaten: 48° 42′ 22″ N, 9° 25′ 14″ O
48° 42′ 22″ N, 9° 25′ 14″ O48.7061111111119.4205555555556248
Mündungshöhe 248 m ü. NNVorlage:Infobox Fluss/NACHWEISE_fehlen
Höhenunterschied 377 m
Länge 62,8 km[1]
Einzugsgebiet 707 km²[1]
Abfluss am Pegel Plochingen[2]
AEo: 704 km²
Lage: 2 km oberhalb der Mündung
NNQ (28.10.1979)
MNQ 1927–2009
MQ 1927–2009
Mq 1927–2009
MHQ 1927–2009
HHQ (07.05.1931)
546 l/s
1,75 m³/s
9,68 m³/s
13,8 l/s km²
151 m³/s
381 m³/s
Abfluss[1] an der Mündung
AEo: 707 km²
MQ
Mq
9,85 m³/s
13,9 l/s km²
Linke Nebenflüsse Pfuhlbach, Butzbach, Talbach
Rechte Nebenflüsse Gos, Eyb, Lauter, Krumm, Marbach, Nassach, Ebersbach, Reichenbach
Mittelstädte Geislingen, Eislingen, Göppingen
Kleinstädte Wiesensteig, Uhingen, Ebersbach, Plochingen, Süßen
Gemeinden Gingen an der Fils, Mühlhausen im Täle, Bad Ditzenbach, Deggingen, Bad Überkingen, Kuchen, Salach, Reichenbach
Der Ursprung der Fils im Hasental
Der Filswasserfall in Geislingen an der Steige
Wasserkraftanlage an der Fils in Göppingen

Die Fils ist ein 63 Kilometer langer, rechter bzw. östlicher Nebenfluss des Neckars in Baden-Württemberg (Deutschland). Ihr oberes Tal wird lokal Täle genannt, was sich als Zusatz einiger Namen von Talorten wiederfindet.

Verlauf[Bearbeiten]

Die Fils entspringt auf der Schwäbischen Alb rund zwei Kilometer südwestlich der Stadt Wiesensteig. Ihre Karstquelle, der Filsursprung, liegt auf 625 m ü. NN im naturnah gebliebenen Hasental.

Der junge Fluss passiert – anfangs in nordöstlicher Richtung verlaufend – die Gemeinde Mühlhausen im Täle, wo auf der linken Seite der Winkelbach mündet und die A 8 das Tal quert. Dann folgt Gosbach mit der Mündung der Gos auf der rechten Seite. In Bad Ditzenbach trifft die Hertel auf die linke Seite des Flusses, rechts mündet die Ditz. In Deggingen mundet der Wellenbach, wie auch die nächsten Zuflüsse, von der linken Seite in die Fils. Bei Reichenbach im Täle mündet der Fischbach und in Hausen an der Fils der Röhrbach. In Bad Überkingen lässt der von rechts kommende Rötelbach die Fils weiter anwachsen. Bei Geislingen an der Steige beschreibt das Filstal einen Linksbogen von 90 Grad, in dessen Verlauf die nordwestwärts fließende Eyb einmündet. Fortan verläuft auch die Fils in ähnlicher und allmählich nach Westen einschwenkender Richtung. Dann folgen Kuchen und Gingen mit der Einmündung des Marrbachs. Die Lauter, der größte Nebenfluss der Fils, mündet in Süßen.

Dann folgen Salach, Eislingen mit der Krumm (rechts), dem zweitgrößten Zufluss der Fils, und dem Weilerbach (links), Göppingen mit dem Steinenbach (rechts), Faurndau mit dem Rams- bzw. Brunnenbach (links), dem Moßbach (rechts) und dem Marbach (rechts), Uhingen mit dem Blaubach (rechts), dem Butzbach (links), dem Unterlochbach und der Nassach (beide rechts). Die letzten Ortschaften am Fluss sind Ebersbach an der Fils und Reichenbach an der Fils, wonach der Ebersbach (rechts) und der Talbach (links) einmündet. Ausserdem münden noch der Reichenbach, Lützelbach und der Kirnbach (rechts) in die Fils.

Bei Plochingen mündet die Fils nach 377 m Gesamtgefälle auf 248 m ü. NN in den Neckar.

Namenskunde[Bearbeiten]

Es wurde lange angenommen, dass der Name Fils einer vorrömischen Namensschicht angehört. Zahlreiche Gewässerfunde, die insbesondere bei Göppingen und Uhingen gefunden wurden (Beile, Schwerter) – wie sie auch aus zahlreichen anderen Flüssen bekannt sind – stammen aus der Bronzezeit und könnten auf kultische Deponierungen zurückgehen. In jüngerer Zeit[3] wird eine andere Herleitung favorisiert: Die erste Erwähnung als namensgebender Teil des Filsgaues („Filiuuisgouwe“) lässt auf eine ursprüngliche Namensform *Filiuuisa schließen, und damit auf eine Ableitung vom althochdeutschen *filiuua (Felbe = Weidenbaum). Damit wäre der Name als „von Weiden gesäumter Fluss“ zu erklären.

Geschichte[Bearbeiten]

Das untere und mittlere Filstal bildeten seit vorgeschichtlicher Zeit eine wichtige Ost-West-Verkehrsachse. Hier verlief eine römische Straße (siehe auch: Kastell Eislingen-Salach). Im Frühmittelalter dürfte sie ausschlaggebend gewesen sein, dass bei Geislingen eine wohl mächtige Adelsfamilie ansässig wurde. Ungarische Funde aus Eislingen und Schlat deuten darauf hin, dass sie auch einem Vorstoß der Ungarnstürme des 10. Jahrhunderts diente.

Heute verläuft hier die Bahnlinie (Siehe dazu Filstalbahn, Geislinger Steige) sowie die Bundesstraße 10. Furten bei Süßen, Göppingen und Faurndau ermöglichten die Querung von Nord-Süd-Verbindungen.

Umweltaspekte[Bearbeiten]

Weil die Fils ein seit Beginn des 20. Jahrhunderts stark industrialisiertes Gebiet durchfließt, war sie jahrzehntelang stark mit Abwässern aus Haushalten, und mehr noch aus der chemischen und lederverarbeitenden Industrie, sowie Bleichereien und Färbereien belastet.

In der Zeit zwischen den 1940er Jahren bis Mitte der 1980er Jahre wurde das Abwasser weitgehend ungeklärt direkt eingeleitet, was zu roten, blauen oder violetten Verfärbungen führte. In der Zeit der 1960er und 1970er Jahre erhöhte sich der Anteil chemischer Abwässer so, dass in der Fils kein Leben mehr existierte. In dieser Zeit hing ein Verbot aus, nachdem man das Wasser weder „betreten“ noch trinken durfte.

Seit Mitte der 1980er Jahre hat sich die Lage stark verbessert. Aufgrund neuer Umweltrichtlinien mussten viele Fabrikationen eingestellt werden, Kläranlagen wurden gebaut und Tierarten in der Fils neu angesiedelt. Allerdings sind Ufer und Grund immer noch stark mit Schwermetallen belastet. Die Ufer sind über weite Strecken verbaut, weshalb an einigen Orten versucht wird, die Fils wieder als Fluss erlebbar zu machen.

Hochwasser[Bearbeiten]

Das bisher höchste registrierte Hochwasser der Fils wurde in Höhe Plochingen mit einem Ablauf von 379 m³/s am 7. Mai 1931 registriert, gefolgt von den Hochwassern im März 1956 (ca. 350 m³/s), im April 1994 (352 m³/s), im Oktober 1998 (308 m³/s), im März 2002 (285 m³/s), im Januar 2004 (351 m³/s) und im Juni 2013 (326 m³/s). Von den sieben höchsten Filshochwassern seit 1931 sind fünf in den letzten 20 Jahren abgeflossen. Zuvor sind Hochwässer am 29. Oktober 1829, am 12. Mai 1853, am 27. Dezember 1882, am 20. Mai 1906 und am 24. Dezember 1919 überliefert.

Das Hochwasser von 1853 kostete im Bezirk Göppingen etwa 40 Menschen das Leben, etwa 200 Stück Vieh gingen zugrunde. In Uhingen und Ebersbach wurden die damals neuen Brücken weggerissen. In Faurndau stand das Wasser über 4 Fuß hoch in der Kirche. Die neue Filstalbahn wurde bei Eislingen beschädigt.

Hochwasser hat es an der Fils aber auch in früheren Zeiten gegeben. Der Ortsname Faurndau weist auf die besondere Hochwassergefahr hin, die hier eventuell durch die Talenge und die einmündenden Bäche Brunnenbach und Marbach besonders groß war. Auch bronzezeitliche Funde aus dem Kies der Fils könnten Hinweise auf Hochwasser sein – falls es sich nicht um kultische Deponierungen handelt. Bodenkundliche Untersuchungen am Rathaus in Göppingen zeigten, dass dort ein Altarm der Fils durch das fortschreitende Einschneiden des Flusses während der Bronzezeit trocken gefallen ist.

Ursache der Hochwasser sind gewöhnlich Regenereignisse, während der Effekt der Schneeschmelze durch den Karst der Alb zumindest im Oberlauf stark gemildert wird. Die Begradigung der Fils und vieler ihrer Zuflüsse verstärken den Effekt der Hochwässer. Kurz vor dem Hochwasser 1935 waren 1934 im Rahmen von Arbeitsbeschaffungsmaßnahmen umfangreiche Begradigungen und Regulierungen zwischen Süßen und Reichenbach durchgeführt worden.

Hochwasser kommt in allen Jahreszeiten vor. Im Sommer führt die Fils nach längeren niederschlagsfreien Zeiten wenig Wasser. Zu vollkommener Austrocknung kam es jedoch noch nie.

Fischarten[Bearbeiten]

Die Fils beherbergt typische Fische der Forellenregion. Nachweislich sind folgende Fischarten vertreten: Regenbogenforelle, Bachforelle, Saibling, Barbe, Gründling, Elritze, Döbel, Stichling, Mühlkoppe, Schmerle (vereinzelt: Äsche, Flussbarsch, Karpfen)

Wassersport[Bearbeiten]

Für den Wassersport ist die Fils nur im oberen Bereich von Mühlhausen bis Altenstadt, und im Unterlauf ab Göppingen geeignet; im Oberlauf nur für geübte Wildwasserfahrer bei geeigneten Wasserständen.[4] Im Mittellauf wird wegen vieler Wehre und damit verbundenen Gefahren von einer Befahrung abgeraten.

Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten]

Sehenswürdigkeiten an der Fils und im Talbereich, in Fließrichtung:

  • Im Hasental, etwa 2 km südwestlich von Wiesensteig, liegt der Filsursprung
  • Oberhalb des Filsursprungs liegt die 232 Meter lange Schertelshöhle
  • Rechts oberhalb von Deggingen steht die Wallfahrtskirche Ave Maria
  • Bei Süßen stehen rechts die Ruine Burg Staufeneck und die Burg Ramsberg
  • In Gingen an der Fils (11 km östlich von Göppingen), steht die Johanneskirche mit der vermutlich ältesten Kircheninschrift Deutschlands
  • Am Ende des Mittellaufs liegt rechts Göppingen, die größte Stadt am Fluss, mit Stauferausstellung und Heimatmuseum
  • Es folgt links Faurndau mit romanischer Stiftskirche (13. Jahrhundert)
  • Das Schloss Filseck steht vor Uhingen links oberhalb des Tals

Siehe auch[Bearbeiten]

Literatur und Medien[Bearbeiten]

  • Jürgen Hagel: Das Filstal. Natur, Kultur, Geschichte, Orte. Silberburg-Verlag, Tübingen 2003, ISBN 3-87407-564-8.
  • Margret Hofheinz-Döring: Sonntagsfahrt ums Filstal. Selbstverlag, Zell u. A. 1979, DNB 930925971. (gezeichnete Ansichten fast aller Orte an der Fils, mit Textbeiträgen)
  • R. Pantle: Die Gewässer des Kreises. In: Heimatbuch des Landkreises Göppingen. Göppingen 1956, S. 53–63.
  • H. Smettan: Was der Blütenstaub unter dem Göppinger Rathaus verrät. In: Hohenstaufen & Helfenstein. Band 2, Konrad, Weissenhorn 1992, ISBN 3-87437-337-1, S. 9–20.
  • Rainer Schreg: Archäologische Funde aus der Fils. Ein Beispiel für die Problematik von Gewässerfunden in Vorgeschichte und Mittelalter. In: Hohenstaufen & Helfenstein. Band 2, Konrad, Weissenhorn 1992, ISBN 3-87437-337-1, S. 21–46.
  • Lutz Reichardt: Ortsnamenbuch des Kreises Göppingen. Kohlhammer, Stuttgart 1989, ISBN 3-17-009885-3.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Fils – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. a b c Ministerium für Umwelt, Klima und Energiewirtschaft Baden-Württemberg: Ausbaupotenzial der Wasserkraft bis 1.000 KW im Einzugsgebiet des Neckars unter Berücksichtigung ökologischer Bewirtschaftungsziele, 2011, S. 9, abger. am 29. Juni 2013 (pdf, deutsch, 1,87 MB)
  2. Deutsches Gewässerkundliches Jahrbuch Rheingebiet, Teil I 2009. Landesamt für Umwelt, Messungen und Naturschutz Baden-Würtemberg, 2011, S. 116, abgerufen am 26. Januar 2013 (PDF, deutsch, 1,85 MB).
  3. Lutz Reichardt: Ortsnamenbuch des Kreises Göppingen, 1989.
  4. Anm.: Pegel Süßen min. 0,70 m, mit steigendem Pegel schnell zunehmender Schwierigkeitsgrad. Flussbeschreibung Fils In: Hubert Speck: Kanuführer Württemberg. Duisburg 2005, ISBN 3-924580-99-5.