Finanzintermediär

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Ein Finanzintermediär ist eine Finanzinstitution, die indirekt Geld von Subjekten mit einem Kapitalüberschuss an Subjekte mit Kapitalbedarf vermittelt. Finanzintermediäre sind somit Mittler zwischen Kapitalangebot und -nachfrage.[1] Die direkte Vermittlung von Kapital zwischen Anbietern und Nachfragern erfolgt über den Kapitalmarkt.

Begriff[Bearbeiten]

Man kann zwischen Finanzintermediären im engeren und weiteren Sinn unterscheiden:[2]

Der Finanzintermediär im engeren Sinn bezeichnet eine Institution, die Kapital von Anlegern entgegennimmt und dieses an die Kapitalnehmer weitergibt. Eine Bank nimmt Depositen auf und vergibt Kredite. Zu den Finanzintermediären im engeren Sinn gehören folgende Geschäftsmodelle:

Finanzintermediäre im weiteren Sinn sind Institutionen, welche den Handel zwischen Kapitalgebern und -nehmern ermöglichen oder erleichtern, oder überhaupt jedermann, der berufsmäßig hilft, Vermögenswerte von Dritten zu übertragen. Dazu gehören Finanzmakler, Börsendienste sowie Rating-Agenturen.

In seiner Aufgabe als effizienter Vermittler von Geldkapital übernimmt der Finanzintermediär auch die Umgestaltung des Faktors Kapital in dreierlei Hinsicht (wie auch der Finanzmarkt):

Liechtenstein[Bearbeiten]

Finanzintermediär ist im Fürstentum Liechtenstein eine natürliche oder juristische Person, die der Aufsicht der liechtensteinischen Finanzmarktaufsicht unterliegt und die gegenüber relevanten Personen relevante Dienstleistungen erbringt.[3]

Relevante Dienstleistungen erbringt ein Finanzintermediär in Liechtenstein in Bezug auf relevantes Vermögen:

  • der als Mitglied eines Verwaltungsrates, Treuhänderrates oder Stiftungsrates oder als leitender Angestellter amtet;
  • der einen eingetragenen Firmensitz zur Verfügung zu stellen;
  • der über die persönliche oder treuhänderische Einsetzungsbefugnis von Begünstigten, Treuhändern oder Vermögen verfügt;
  • der jegliche Form von Vermögen, sei es nach den Bestimmungen eines Trust oder eines Vertrages, verwahrt; oder
  • Bankdienstleistungen nach geltendem liechtensteinischem Recht erbringt.[4]

Nach Art 3 AIFMV[5] sind Finanzintermediäre die regelmäßig Finanzinstrumente verwalten oder mit diesen handeln auch „Wertpapierfirmen“[6] im Sinne von Art 2 Abs. 2 Bst. i AIFMG[7] bzw. Art 3 Abs. 2 des Bankengesetz.[8] Dabei kann die liechtensteinische Finanzmarktaufsicht Finanzintermediäre auch als Steller von Sicherheiten ohne Sicherheitsleistung anerkennen, wenn diese von der FMA zugelassen wurden und beaufsichtigt werden und ähnlichen aufsichtsrechtlichen Auflagen unterliegen wie Banken.[9]

In Liechtenstein zugelassene Finanzintermediäre können in besonders berücksichtigungswürdigen Fällen auch als Versicherungsvermittler tätig werden und benötigen dann keinen oder nur teilweise einen Nachweis der beruflichen Qualifikation, sofern die Interessen der Versicherungsnehmer ausreichend gewahrt sind.[10] Darüber entscheidet die liechtensteinische Finanzmarktaufsicht.

Andere Finanzintermediäre[Bearbeiten]

Als Andere Finanzintermediäre werden gemäß FMAG[11]

verstanden. Bis zum 31. Dezember 2013 wurden darunter auch Rechtsanwälte subsumiert, die bestimmte sorgfaltspflichtrelevante Tätigkeiten ausübten.

Siehe auch[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. N. Gregory Mankiw: Principles of Economics. South Western Education, 5. Auflage, 2008, ISBN 9780324589979, S. 578 ff.
  2. Bernd Rudolph: Unternehmensfinanzierung und Kapitalmarkt, Mohr Siebeck, 2006, ISBN 9783161473623, S. 560 ff
  3. Art 3 Abs. 1 lit. c) Gesetz vom 30. Juni 2010 über die Amtshilfe in Steuersachen mit dem Vereinigten Königreich von Grossbritannien und Nordirland (Steueramtshilfegesetz-UK; AHG-UK), LGBl 248/2010.
  4. Art 3 Abs. 1 lit. h) Steueramtshilfegesetz-UK.
  5. Verordnung vom 2. Juli 2013 über die Verwalter alternativer Investmentfonds (AIFMV), LGBl 259/2013.
  6. Der Begriff „Firma“ und „Unternehmen“ wird vom liechtensteinischen Gesetzgeber immer wieder verwechselt.
  7. Gesetz vom 19. Dezember 2012 über die Verwalter alternativer Investmentfonds (AIFMG), LGBl 49/2013.
  8. Gesetz vom 21. Oktober 1992 über die Banken und Wertpapierfirmen (Bankengesetz; BankG), LGBl 108/1992.
  9. Siehe Abschnitt 3, Teil 1, Pkt. 5.1. Ergänzende Vorschriften zur Ermittlung der erforderlichen Eigenmittel für Kreditrisiken und Verbriefungen (Art. 29 bis 80) zur Verordnung vom 5. Dezember 2006 über die Eigenmittel und Risikoverteilung für Banken und Wertpapierfirmen (Eigenmittelverordnung; ERV), LGBl 280/2006. Siehe auch Art 3 Abs. 1 lit. d), Art 5 Abs.1 lit. d) und Art 17 Wertpapierprospektgesetz (WPPG) vom 23. Mai 2007, LGBl 196/2007.
  10. Art 2 Abs. 4 Verordnung vom 27. Juni 2006 über die Versicherungsvermittlung (Versicherungsvermittlungsverordnung; VersVermV), LGBl 136/2006.
  11. Anhang 1 zum Gesetz vom 18. Juni 2004 über die Finanzmarktaufsicht (Finanzmarktaufsichtsgesetz; FMAG), LGBl 175/2004.
  12. Treuhändergesetz (TrHG) vom 8. November 2013, LGBl 421/2013.
  13. Gesetz vom 9. Dezember 1992 über die Patentanwälte (Patentanwaltsgesetz; PAG), LGBl 43/1993.
  14. Gesetz vom 9. Dezember 1992 über die Wirtschaftsprüfer und Revisionsgesellschaften (WPRG), LGBl 44/1993.
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