Finowkanal

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Finowkanal
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Finowkanal in Niederfinow

Finowkanal in Niederfinow

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Lage Brandenburg, Deutschland
Flusssystem Oder
Abfluss über Alte Oder → Hohensaaten-Friedrichsthaler Wasserstraße → Oder → Stettiner Haff
Beginn als Abzweig des Oder-Havel-Kanal bei Zerpenschleuse
52° 50′ 46″ N, 13° 32′ 30″ O52.84611111111113.54166666666740
Quellhöhe 40 m[1]
Mündung bei Liepe in die Alte Oder52.85138888888913.9583333333331Koordinaten: 52° 51′ 5″ N, 13° 57′ 30″ O
52° 51′ 5″ N, 13° 57′ 30″ O52.85138888888913.9583333333331
Mündungshöhe m[1]
Höhenunterschied 39 m
Länge etwa 32 km[1]
Einzugsgebiet 742 km²[2]
Abfluss[3]
AEo: 742 km²
Lage: 300 m oberhalb der Mündung
MQ
Mq
3,45 m³/s
4,6 l/(s km²)
Linke Nebenflüsse Besterfließ, Mäckerseekanal, Ragöse
Rechte Nebenflüsse Pregnitzfließ, Finow, Schwärze
Mittelstädte Eberswalde
Gemeinden Schorfheide, Finowkanal in Niederfinow
Finowkanal kurz vor der Mündung in den Oder-Havel-Kanal

Der Finowkanal (FiK) ist eine 32 km lange sog. sonstige Binnenwasserstraße des Bundes im Bundesland Brandenburg, die im Westen bei Zerpenschleuse vom Oder-Havel-Kanal, einer Teilstrecke der Bundeswasserstraße Havel-Oder-Wasserstraße (HOW), abzweigt und im Osten unterhalb des Schiffshebewerks Niederfinow bei Liepe in die Oderberger Gewässer der HOW einmündet.[4][5] Zuständig für die Verwaltung ist das Wasser- und Schifffahrtsamt Eberswalde.

Der Finowkanal ist die älteste künstliche Wasserstraße in Deutschland, die noch in Betrieb ist. Der Kanal steht unter Denkmalschutz.[6]

Erster Finowkanal[Bearbeiten]

Der erste Finowkanal wurde 1605 bis 1620 erbaut und war die erste künstliche Verbindung zwischen zwei deutschen Stromgebieten (Havel und Oder). Der Kurfürst Joachim Friedrich erteilte 1603 die Order, die Havel bei Liebenwalde über das Flüsschen Finow mit der Oder zu verbinden. Bereits 1609 war die Verbindung von Liebenwalde bis zur Finow einschließlich des Baues von fünf Schleusen bis Finowfurt fertiggestellt. Wegen akuten Geldmangels ging der Ausbau des Kanals, nunmehr in der Trasse der Finow, nur schleppend unter den Kurfürsten Johann Sigismund (1608–1619) und Georg Wilhelm (1619–1640) voran.

Infolge des Dreißigjährigen Krieges war der Kanal fast vollständig verwahrlost und die einzelnen Kanalabschnitte verfielen. Der Finowkanal geriet in Vergessenheit.

Zweiter Finowkanal[Bearbeiten]

Walzwerk bei Eberswalde, Blick vom Stichkanal, den spaeteren Sinterauslaeufen, auf das Altwerk, Carl Blechen, um 1830
Treideln mit Zugtieren am Finowkanal um 1885

Ab 1743 wurde der Kanal durch Erlaß Friedrichs II. wieder hergestellt. Er brachte wirtschaftlichen Aufschwung in die Region und ermöglichte die Ansiedlung metallverarbeitender Industrie im 18. Jahrhundert. Der Kanal hat die Entwicklung des Finowtals, auch das „Märkische Wuppertal“ genannt, bestimmt.

Die Gesamtlänge des Kanals betrug zu seiner Bauzeit ca. 43 Kilometer, es war ein Höhenunterschied von 38 Meter zu überwinden. Die Standorte der zehn Schleusen orientierten sich an den Standorten des ersten Finowkanals. Den Abmessungen der Schiffe (26,67 m lang, 3,11 m breit) waren die Schleusen in Kesselform angepasst. Am 16. Juni 1746 wurde der zweite Finowkanal für den Verkehr freigegeben.

Von 1747 bis 1753 wurde der Kanal in östlicher Richtung erweitert, es wurden weitere sieben Kanalstufen errichtet. Im 19. Jahrhundert war der Bau größerer Schleusen notwendig geworden, da das Verkehrsaufkommen stark angestiegen war. In den Jahren 1841 bis 1850 wurden durchschnittlich 14.000 Kähne und ca. 53.000 Floßhölzer geschleust, ab 1845 erfolgten auch Nachtschleusungen. Ab 1874 wurde dann der Bau einer zweiten parallelen Schleuse je Kanalstufe begonnen.

Die 1831 erbaute Schleuse Eberswalde

Auf einer Länge von 29,7 Kilometer wird ein Höhenunterschied von 36 Meter durch zwölf Schleusen ausgeglichen: Schleuse Ruhlsdorf (bei km 59,2), Leesenbrück (km 61,1), Grafenbrück (km 63,3), Schöpfurth (km 67,5), Heegermühle (km 71,0), Wolfswinkel (km 72,9), Drahthammer (km 73,9), Kupferhammer (km 75,9), Eberswalde (km 77,9), Ragöse (km 81,0), Stecher (km 84,4), Liepe (km 88,9). Die Schleuse Eberswalde ist die älteste noch betriebsfähige Schleuse im Bereich der Märkischen Wasserstraßen, sie wurde 1831 fertiggestellt.

Bis zum Ausbau der Wasserstraße 1874 gab es zwischen den Schleusen Schöpfurt und Heegermühle noch die Steinfurter Schleuse und zwischen den Schleusen Stecher und Liepe die Niederfinsche Schleuse. Sie waren als hölzerne Kesselschleusen errichtet.

1898 und 1899 wurden am Finowkanal zwischen der Stadtschleuse und der Ragöser Schleuse durch die damalige Firma Siemens & Halske Versuche mit elektrischen Schiffszügen unternommen. Getestet wurden zwei Systeme: das System Köttgen und das System Lamb. Köttgen sah vor, einen elektrischen Motor auf einer Schiene fahren zu lassen, während Lamb einen an einem fest installierten Drahtseil fahrenden Motor vorschlug. Die Erfahrungen aus diesen Versuchen flossen später beim Bau der Treidelbahn am Teltowkanal und auch bei der Schleusentreppe Niederfinow ein.

Finowmaß[Bearbeiten]

Das Finowmaß wurde mit einer Länge von 40,2 m, einer Breite von 4,60 m und einer Tiefe von 1,40 m zu einer Norm im Schiffbau. Es war das erste deutsche Binnenschiffmaß. Die Schleusen des Kanals wurden so angelegt, dass genau zwei Schiffe dieses Maßes in die Schleusen passten. Gut erkennbar sind die versetzten Schleusentore.

20. Jahrhundert und Gegenwart[Bearbeiten]

Rückgang der Bedeutung[Bearbeiten]

Anfang des 20. Jahrhunderts war es noch üblich, daß Waren innerhalb von Städten auf dem Kanal transportiert wurden. So wurde am Bollwerk in Eberswalde gesponnenen Garn per Lastkahn zur Papierfabrik Finow geschafft.[7] Fernverkehr wurde auch durchgeführt. So bezog die Eisengießerei Budde & Goehde Eisenerz und Koks aus England und Luxemburg, Formsand aus Sachsen über den Kanal.[8]

Mit dem 1914 im Zuge des Großschiffahrtsweges Berlin–Stettin errichteten Oder-Havel-Kanal verlor der Finowkanal zusehends an Bedeutung. Der modernere Kanal bietet Platz für größere Schiffe, hat wesentlich weniger Schleusen und ist somit wirtschaftlicher. Lediglich einige Betriebe, die direkt am Finowkanal lagen, wurden noch angesteuert. Der sich westlich anschließende Lange Trödel wurde bereits 1925 abgetrennt. Die erst 40 Jahre vorher errichteten zweiten Schleusen wurden ab 1914 entweder zugeschüttet oder zu Wehren umgebaut. 1972 kam der kommerzielle Schiffsverkehr auf dem Kanal völlig zum Erliegen.

Der schlechte Zustand der Schleusen macht eine durchgehende Befahrung zunehmend beschwerlicher. An vielen Stellen verkrautet der Kanal.

Verschmutzung[Bearbeiten]

Abfluss von Chemieabfällen direkt in den Kanal: 1981

Im 20. Jahrhundert begann eine zunehmende Verschmutzung des Kanals, insbesondere durch die chemische Fabrik Finowtal und die Papierfabrik. Ungereinigte Abwässer wurden direkt in den Kanal gelassen, was dazu führte, daß er bis zu seiner Mündung bei Oderberg schäumte und stank. Bis heute gilt der Kanal als stark verschmutzt.[9][10] Schon vor mehr als 100 Jahren war es selbstverständlich, daß Abwasser der Industriebetriebe direkt abgeleitet wurden.[11]

„Die bei der Verbrennung entstehenden giftigen Gase, die durch den starken Luftzug emporgeschleuderten Aschenteile und zündenden Funken werden von den Funkenkammern aufgefangen und unschädlich gemacht. Eine Luftverschlechterung der Umgebung, die Belästigung der Umwohner und jegliche Feuersgefahr ist also gänzlich ausgeschlossen.“

Aurich: Die Industrie am Finowkanal, Eberswalde 1906

Diese Funkenkammern waren bei allen Metallbetrieben üblich. Es sind unterirdische Auffangbehälter, die mit Grund- oder Flusswasser gefüllt werden und in denen sich die festen Bestandteile langsam absetzen. In regelmäßigen Abständen wurden diese ausgeschippt oder -gebaggert. Im Walzwerk-Altwerk, heute Familiengarten Eberswalde ist ein Teil dieser unterirdischen Anlagen heute zu besichtigen.

In der chemischen Fabrik Finowtal wurde Kampher für den Export[12] und Tapetenkleister für die gesamte DDR hergestellt.[13] Der als Weichmacher notwendige Kampher bzw. kampherhaltige Abwässer wurde ungereinigt in den nahen Finowkanal geleitet, was dazu führte, daß es kilometerweit, durch die gesamte Stadt Eberswalde, nach Kampfer roch.

Die Wasserqualität hat sich nach 1990 merklich verbessert. Allerdings treten immer wieder Schaumkronen auf dem Finowkanal in Erscheinung. Während die Untere Wasserbehörde dafür natürliche Gründe angibt, möchten Naturschützer das näher untersuchen[14]

Tourismus[Bearbeiten]

Der Treidelweg ist heute ein Rad- und Wanderweg.

Der Finowkanal ist aktuell ein wichtiger Aspekt der Tourismusbranche der Region und Anziehungspunkt für Wassertouristen und Tagesausflüge aus Berlin. Durch den Ausbau des Treidelweges von Finowfurt bis zum Schiffshebewerk Niederfinow zu einem Rad- und Wanderweg erblühte der Finowkanal seit etwa 2000 erneut. Befahrbar ist der Kanal zwischen Zerpenschleuse und Liepe. Durch die Wassertourismus Initiative Nordbrandenburg (WIN AG), einer Gründung durch die Landkreise Barnim, Oberhavel und Ostprignitz-Ruppin sowie der Städte Eberswalde, Oranienburg, Neuruppin und Templin, ist geplant, den Langen Trödel bis zum Jahr 2013 wieder schiffbar zu machen.[15] Vorgesehen ist der Bau zweier Hubbrücken in Zerpenschleuse, an der B 109 und der Forststraße, und die Öffnung der zugeschütteten Schleuse an der Einmündung in den Oder-Havel-Kanal.[16][17]

Literatur[Bearbeiten]

  • Rudolf Schmidt: Der Finowkanal, Mitteilungen des Heimatkundevereins, 11. Jahrgang 1938
  • Rudolf Schmidt: Geschichte der Stadt Eberswalde, Band 1 bis 1740, Eberswalde 1939, Band 2 von 1740–1940, Eberswalde 1940
  • Rudolf Schmidt: Geschichte der Stadt Eberswalde, Band 1 bis 1740, Eberswalde 1939, Band 2 von 1740–1941, Nachdruck Eberswalde 1994
  • Verein für Heimatkunde zu Eberswalde e. V.: Eberswalder Jahrbuch 2004/2005, ISSN 1616-1882
  • Ilona Rohowski: Denkmaltopographie Bundesrepublik Deutschland – Denkmale in Brandenburg – Landkreis Barnim – Stadt Eberswalde, Worms am Rhein 1997, ISBN 3-88462-136-X
  • Hans-Joachim Uhlemann: Berlin und die märkischen Wasserstraßen, Hamburg 1994, ISBN 3-88412-204-5

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. a b c mit Google Earth ausgemessen
  2. 400 Jahre FinowkanalH.J. Wodarz; 2009; Auf: schifferverein-beuel.de; abgerufen am 25. Januar 2013 (PDF, deutsch; 3,1 MB)
  3. Baubeginn für die Neubauten der Wehre Stecher und Liepe Presseinformation des Wasser- und Schifffahrtsamtes Eberswalde; 2003; Auf: wsv.de; abgerufen am 25. Januar 2013 (PDF, deutsch; 159 kB)
  4. Längen (in km) der Hauptschifffahrtswege (Hauptstrecken und bestimmte Nebenstrecken) der Binnenwasserstraßen des Bundes, Wasser- und Schifffahrtsverwaltung des Bundes
  5. Verzeichnis F der Chronik, Wasser- und Schifffahrtsverwaltung des Bundes
  6. Brandenburgisches Landesamt für Denkmalpflege und Archäologisches Landesmuseum: Denkmalliste des Landes Brandenburg: Landkreis Barnim (PDF-Datei; 252 kB)
  7. Aurich: Die Industrie am Finowkanal, Eberswalde 1906; Seite 38/39
  8. Aurich: Die Industrie am Finowkanal, Eberswalde 1906; Seite 55
  9. Barnim-Blog: Europäischer Flussbadetag 2010: Der symbolische Sprung in den Finowkanal – Eine kritische Betrachtung
  10. Brandenburgisches Ministerium für Umwelt, Gesundheit und Verbraucherschutz: Beschreibung des Finowkanals als Güteklasse III (stark verschmutzt)
  11. Aurich: Die Industrie am Finowkanal, Eberswalde 1906; Seite 61
  12. Neues Deutschland 16. Juni 1955: Kampfer in alle Welt
  13. IHK Ostbrandenburg: VEB Chemische Fabrik Finowtal
  14. Märkische Oderzeitung, 1. August 2011, AG "Sauberer Finowkanal" angeregt
  15. Pressemitteilung der Partei "Die Link", Kreisverband Barnim am 22. Januar 2010, http://www.dielinke-barnim.de/politik/presse/detail/browse/6/zurueck/archiv-28/artikel/langer-troedel-ende-2013-voll-schiffbar/
  16. Wochenzeitung „Märkischer Sonntag“, 4. Mai 2008, S. 6: Lokales Bernau
  17. win-brandenburg.de

Weblinks[Bearbeiten]