Firmian (Adelsgeschlecht)

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Wappen der Grafen von Firmian 1749

Firmian ist ein ursprünglich Tiroler Adelsgeschlecht mit dem Stammsitz Formigar, dem heutigen Sigmundskron, das u. a. mehrere Bischöfe hervorbrachte.

Geschichte[Bearbeiten]

Die erste geschichtliche Erwähnung des Namens Formicaria (später Formigar) stammt aus dem Jahre 945 und bezeichnet eine Vorläuferburg des heutigen Schloss Sigmundskron. Kaiser Konrad II. übergab sie 1027 dem Bischof von Trient. Im 12. Jahrhundert wurde sie Ministerialen übergeben, die sich von da an von Firmian nannten. Um 1473 kaufte der Landesfürst von Tirol, Herzog Sigmund der Münzreiche die Burg, benannte sie in Schloss Sigmundskron um und ließ sie so ausbauen, dass sie Feuerwaffen standhalten konnte. Von der alten Burg Formigar blieben nur noch relativ kleine Reste erhalten. Aufgrund finanzieller Schwierigkeiten musste Sigmund die Burg bald darauf wieder verpfänden. In der Folge verfiel die Anlage zunehmend.

Das von Erzbischof Leopold Anton Freiherr von Firmian von 1736 bis 1740 erbaute Schloss Leopoldskron blieb bis 1828 im Besitz der Grafen von Firmian.

Die vielfach anzutreffende Aussage, das Geschlecht sei im Mannesstamm mit Karl Leopold Max (1766–1831) – erwähltem Erzbischof von Salzburg, Erzbischof von Wien – erloschen, kann, wenn überhaupt, nur auf die Linie des fürsterzbischöflichen Neffen Franz Laktanz zutreffen, da es vom weiteren Neffen Karl Joseph noch im 21. Jahrhundert Nachkommen gibt. Ihre Richtigkeit wurde aber schon 1858 von Wurzbach[1] mit dem Hinweis bestritten, die Nachkommen des Grafen Lactanz von dessen beiden Söhnen Graf Ernst und Graf Leopold seien (1858) noch am Leben.[2]

Genealogie der freiherrlich-gräflichen Linie[Bearbeiten]

Störcklin Erzbischof Leopold Graf Firmian G 1355 III
  • Franz Wilhelm Freiherr von Firmian (* 1636), verh. mit Maria Viktoria von Thun
    • Karl Joseph (1685–1715)
    • Leopold Anton Eleutherius Reichsfreiherr und Graf von Firmian (1679–1744), Erzbischof von Salzburg
    • Franz Alfons Georg Freiherr und (1728) Reichsgraf von Firmian (* 11. Oktober 1680, † 1748), verh. mit Barbara Elisabeth Gräfin von Thun–Hohenstein; elf Kinder, darunter
      • Leopold Ernst Graf von Firmian (1708–1783), Kardinal, Fürstbischof von Seckau und Passau
      • Franz Laktanz Graf von Firmian (* 29. Jänner 1709/1712 in Mezzocorona, Trentino; † 6. März 1786 in Nogaredo, Trentino), fürsterzbischöflicher Geheimer Rat, Obersthofmeister und Kämmerer; Künstler, Sammler und Mäzen, Hausherr von Schloss Leopoldskron, verh. mit Maximiliane Gräfin Lodron; Kinder:
        • Leopold Anton (1737–1828), Besitzer des Schlosses Leopoldskron, verh. mit Maria Aloysia Gräfin von Wolkenstein-Trostburg, mit den Kindern[4]
          • Leopold (* 11. Oktober 1760)
          • Karl Maria (* 26. September 1766, † 22. Februar 1822), k. k. Geheimer Rat und wirklicher Kämmerer, verh. mit Maria Anna Gräfin von Althann, geborene Gräfin von Martinitz
          • Maria Anna (* 11. Juli 1777), verh. mit Anton Maria Graf von Wolkenstein-Trostburg, Freiherr von Neuhaus (1775–1808)
          • Nothburga, verh. mit Generalmajor Kaspar Graf von Lodron von der Lodronsche Sekundogenitur
        • Ernst (1743–1789)
        • Josepha (1745–1803), verh. mit Leopold Julius Felix Graf Arco (1752–1803)
      • Virgilius Augustin Maria Graf von Firmian (1714–1788), Dompropst zu Salzburg, dann Bischof von Lavant
      • Karl Joseph (1716–1782) oder Karl Gotthard (1718–1782) Graf von Firmian, Staatsmann, habsburgischer Generalgouverneur der Lombardei[5]
        • Leopold Graf von Firmian (* 26. September 1786, † 4. März 1839), verh. mit Johanna von Steffenelli zu Prenterhof-Hohenmaur (Stefanelli von Hohenmauer-Brendtenhof[6])
          • Ludwig (* 7. Mai 1819, † 30. Oktober 1888 zu Kronmetz), Rittmeister a.D., ehelichte am 4. August 1849 Adele (* 30. Oktober 1831), Tochter des Stanislaus Ritter (Junosza) Piotrowski[7]
            • Luise Johanne Reichsgräfin von und zu Firmian und Meggel (* 21. Juli 1850), ehelichte am 11. November 1871 Freiherr Carl Gundaccar von Suttner (* 1842; † 8. Dezember 1889), Ministerialsekretär im K.u.K. Ackerbauministerium in Wien[8]
          • Pius Heinrich Graf von Firmian (* 9. September 1824, † 24. August 1869)[9], verh. mit Emma Petrichevich-Horvath von Széplak
            • Johann Nepomuk Pius Anton Graf von und zu Firmian auf Kronmetz und Meggel (* 9. Juni 1864, † 30. August 1952), k. u. k. Konteradmiral
              • Hilpold Hans Graf von Firmian, verh. mit Flora Bevilaqua
              • Hans Pius Eugen Graf von Firmian, verh. mit Eva Lutz
              • Georg Peter Graf von Firmian, verh. mit Gabrielle Schmidt von Zabierow
              • Johanna verh. Gräfin von Hardegg-Glatz (* 17. Mai 1912)
          • Johann Nepomuk Graf von Firmian († 22. März 1883)
            • Lattanzio Nikolaus Graf von Firmian († 11. Juli 1946)
      • Elisabeth Gabriele (1722–1782), verheiratet mit Sebastian Graf Fugger-Glött
      • Maria Theresia (1718–1789), verh. mit Franz Josef Freiherrn von Kuenburg (1716–1793), k. k. Kämmerer

Weitere Familienmitglieder (unzugeordnet):

  • Franz Karl Maria Cajetan Reichsgraf von Firmian (1741–1776), Weihbischof in Passau
  • Leopold Max Graf von Firmian (1766–1831) 1800 Bischof von Lavant, 1818 Administrator von Salzburg, 1822 Erzbischof von Wien

Wappen[Bearbeiten]

Stammwappen der Grafen von Firmian (III)

Stammwappen[Bearbeiten]

Das Stammwappen wird in Farben und Teilung auf dreierlei Weise beschrieben.

1. Von Rot und Silber fünfmal geteilt, in den roten Plätzen gestürzte silberne Monde oder halbe Ringe (Bayerischer Adel Band 1, Tafel 3). (I)

2. In Rot zwei silberne Balken von sechs (3, 2, 1) gestürzten silbernen Monden begleitet (Grafenalmanach). (II)

3. In Silber zwei rote Balken von sechs (3,2,1) gestürzten roten Monden begleitet. (Tirol) (III)

Als Kleinod erscheint ein rot und silbern geschachtes Kissen mit goldenen Knöpfen und schwarzen Federn daran. Die Decken sind rot und silbern. [10]

Gräfliches Wappen (1749)[Bearbeiten]

Quadrierter Schild mit silbernem Mittelschild, in welchem auf rotem, an den Ecken mit gleichfarbigen Quasten gezierten Kissen eine goldene Krone liegt. 1 und 4 von Rot und Silber sechsmal quergeteilt. Die roten Abteilungen sind mit sechs silbernen, 3, 2 und 1, gestellten Halbmonden, somit unter sich gekehrt, so belegt, dass die Spitzen auf den silbernen Abteilungen aufstehen. 2 und 3 in Blau ein etwas schrägrechts gelegtes Hirschgeweih von natürlicher Farbe und von vier Enden, deren jedes mit einem goldenen Stern geziert ist. Den Schild decken drei gekrönte Helme. Über dem rechten Helme steht ein von Silber und Rot neunmal geschachtes Kissen mit vier roten Quasten so aufrecht, dass eine der Quasten auf der Krone aufsteht, und jeder der fünf silbernen Schachsteine ist mit einer goldenen Rose belegt. Auf dem mittleren Helme liegt das rote Kissen des Mittelschildes mit der Krone, über welcher zwei auswärtsgekehrte silberne Lanzenstangen mit von Gold und Rot quergeteilten Fähnchen emporragen und zwischen welchen ein rechtssehender, roter, gekrönter Drache mit ausschlagender Zunge und ausgespreizten Flügeln emporwächst. Der linke Helm trägt die beiden einfachen besternten Hirschgeweihe des 2. und 3. Feldes zusammengesetzt. Die Helmdecken sind rechts rot und silbern, links blau und golden.[11]

Literatur[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Firmian (Adelsgeschlecht) – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  • Constant von Wurzbach: Biographisches Lexikon des Kaiserthums Österreich. IV. Teil, Wien, 1858, S. 232–235.
  • Firmian. In: Salzburger Nachrichten: Salzburgwiki.
  1. Wurzbach IV., S. 234
  2. Die genealogische Einordnung des am 10. Oktober 1766 in Trient geborenen Erzbischofs Karl Leopold Maximilian Grafen von Firmian (Sohn des Leopold Anton [1737–1828]?) bereitet Schwierigkeiten. Bei Korrektur der oben angegebenen Geburtsdaten von Leopold (* 11. Oktober 1760) und Karl Maria (* 26. September 1766) wäre eine Gleichsetzung mit dem gerade erwähnten Leopold und damit Einordnung als Enkel des Franz Laktanz denkbar.
  3. ST. Pauls - Missian, Unterrein, Berg von Walburga Kössler in Zusammenarbeit mit der Kulturabteilung der Südtiroler Landesregierung und der Gemeinde Eppan. 2003
  4. Auf rootsweb werden die Kinder Leopold (* 11. Oktober 1760), Karl (* 26. September 1766, † 22. Februar 1822) und Maria (* 11. Juli 1777) fälschlich ihrem Großvater Franz (Laktanz) als Kinder zugeordnet. Auf geneall.net („Leopold Anton, Graf von Firmian“) wird dieser Fehler nicht begangen, jedoch für Leopold Anton nur die Tochter Maria Anna (* 11. Juli 1777) ausgewiesen. Diese Daten werden hier zusammengeführt.
  5. Nachkommen nach wc.rootsweb.ancestry.com
  6. GAUGUSCH, Georg – "Adelige im Verzeichnis der Verstorbenen in Wien ab 1885", in Zeitschrift der Gesell. "Adler", ab Bd. 21, Heft 6, Wien 2002 Collegium res nobilis Austriae
  7. Gothaisches genealogisches Taschenbuch der Gräflichen Häuser, 65. Jahrgang, Verlag Justus Perthes, Gotha 1892, S. 328
  8. Forstliche Bundes-Versuchsanstalt Wien. Hochschule für Bodenkultur, Forstliche Abteilung: Centralblatt für das gesamte Forstwesen, Band 15, Österreichischer Agrarverlag 1889, S. 566
  9. Gothaisches genealogisches Taschenbuch der Gräflichen Häuser, 65. Jahrgang, Verlag Justus Perthes, Gotha 1892, S. 328
  10. Otto Titan von Hefner: „Der Adel der gefürsteten Grafschaft Tirol“, in J. Siebmacher's großes Wappenbuch, Bd. IV, 1. Abteilung, Verlag Bauer & Raspe, Nürnberg 1857. Namensindex und Wappentafeln S. 6, T 6
  11. Prof. Dr. Ernst Heinrich Kneschke: „Deutsche Grafenhäuser der Gegenwart: in heraldischer, historischer und genealogischer Beziehung“, 1. Band, A-K, Verlag T. O. Weigel, Leipzig 1852, S. 166 f.