First Solar

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First Solar, Inc.
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Rechtsform Corporation
ISIN US3364331070
Gründung 1999 als First Solar Holdings, LLC
Sitz Tempe, Arizona, USA
Leitung James Hughes, CEO
Mitarbeiter 7000 (2011 [1])
Umsatz 3,368 Mrd. USD (2012)
Branche Solarindustrie
Website www.firstsolar.com

First Solar, Inc. (NASDAQ: FSLR) ist ein international tätiges Unternehmen aus der Photovoltaikbranche mit Hauptsitz in den USA. Das Unternehmen stellt Dünnschicht-Solarmodule her und bietet umfassende Photovoltaik-Systemlösungen an.[2] Am 17. April 2012 gab First Solar die Schließung einzelner Werke bekannt und kündigte Stellenkürzungen an. Demnach soll die Zahl der Mitarbeiter weltweit um ein Drittel gesenkt werden. [3]

Allgemeines[Bearbeiten]

First Solar ist ein Anbieter von Photovoltaik-Anlagen im industriellen Maßstab und Hersteller von Dünnschicht-Solarmodulen mit Produktionsstandorten in Deutschland, Malaysia und den USA. Weltweit ist First Solar mit einer Produktionskapazität von über 1,5 Gigawatt peak (GWp) im Jahr 2010 der größte Hersteller von Solarmodulen. Für 2011 ist eine Jahreskapazität von insgesamt 2,27 GWp angestrebt. First Solar nutzt eine Technologie, bei der eine Halbleiterschicht aus Cadmiumtellurid (CdTe) durch den sogenannten Photovoltaikeffekt Strom erzeugt. Diese Technologie hat zwar bei Labortests eine niedrigere Konversionseffizienz als Siliziumsolarzellen, ist aber weitaus kostengünstiger herzustellen und auf Grund eines geringen Temperaturkoeffizienten in unterschiedlichen Klimazonen bestens einzusetzen. Feldstudien zeigen auch, dass Photovoltaik-Module mit CdTe-Technologie genauso gut[4], oder besser[5] als Photovoltaik-Module auf Siliziumbasis arbeiten.

First Solar konnte als erste Solarfirma die eigenen Produktionskosten auf unter   USD pro Watt reduzieren. Die derzeitigen Produktionskosten (November 2011) sind 0,74 USD pro Watt[6].

In Deutschland ist die Firma derzeit hauptsächlich an zwei Standorten vertreten: In Frankfurt (Oder) ist der Sitz der Produktionsstätte der First Solar Manufacturing GmbH, mit Burghard von Westerholt als Geschäftsführer und Werksleiter der dortigen Produktionsstätte, die nach Ankündigung vom April 2012[7] allerdings zum Ende des Jahres 2012 geschlossen wurde.[8] In Mainz ist der Sitz der europäischen Vertriebsgesellschaft First Solar GmbH, mit ihrem Geschäftsführer Christopher Burghardt, jedoch wird der Vertriebsstandort Mainz nach Angaben eines First-Solar-Sprechers „deutlich“ verkleinert. Zusammen mit anderen Standorten in Europa fallen so noch einmal rund 150 Arbeitsplätze weg.[9] An den zwei deutschen Standorten beschäftigt das Unternehmen gegenwärtig mehr als 1400 Mitarbeiter.

Die First Solar Manufacturing GmbH und die First Solar GmbH wurden 2011 von dem Great Place to Work Institute Deutschland als einer der besten Arbeitgeber Deutschlands ausgezeichnet. Bei der Wahl besonders mitarbeiterorientierter Unternehmen werden Kriterien wie Glaubwürdigkeit, Respekt, Fairness, Stolz und Teamgeist bewertet.[10]

Firmengeschichte[Bearbeiten]

First Solar wurde 1999 in Tempe in Arizona (USA) gegründet. Das Unternehmen ging aus dem Verkauf von Solar Cell Inc. (SCI) an True North Partners – ein Unternehmen der Walton-Familie, die Wal-Mart gegründet hat – hervor. Die erste kommerzielle Verwendung der CdTe-Solarmodule erfolgte im Jahr 2002. Nach und nach wurde die Produktionsweise verbessert und 2005 erreichte First Solar erstmals eine Produktionsleistung von 25 Megawatt peak (MWp)[11]. Am 17. November 2006 ging First Solar an die Technologiebörse Nasdaq und ist seitdem dort gelistet. Im Oktober 2009 wurde First Solar als erstes Solarunternehmen in den Aktienindex S&P 500 aufgenommen.[12]

Fortune wählte First Solar 2010 unter die zehn schnellst wachsenden Firmen weltweit.[13] Das deutsche Umweltberatungsunternehmen Murphy & Spitz wählte First Solar 2010 an die Spitze der nachhaltigsten Photovoltaik-Unternehmen weltweit.[14]

MIT Technology Review zeichnete 2010 und 2011 First Solar als eines der 50 innovativsten Firmen weltweit aus[15].

Unternehmen[Bearbeiten]

Die Unternehmenszentrale befindet sich in den USA in Tempe (Bundesstaat Arizona). Die Forschungs- und Entwicklungsabteilung sowie die ursprüngliche Produktionsstätte haben ihren Sitz in Ohio. First Solar ist maßgeblich durch seine Aktivitäten in Deutschland gewachsen, wie Thomas Friedman in seinem Buch „Was zu tun ist. Eine Agenda für das 21. Jahrhundert“ berichtet. Das Unternehmen eröffnete im Sommer 2007 die erste Produktionsstätte außerhalb der Vereinigten Staaten in Frankfurt (Oder). Durch die Erweiterung 2011 wurde die Produktion dort auf die derzeitige Jahreskapazität von 500 MWp verdoppelt – bei rund 1200 Mitarbeitern. Die massiven Überkapazitäten und die Rückführung der Solarförderung bedeuteten dann aber die Kurzarbeit der Mitarbeiter im deutschen Werk und die Ankündigung der Schließung zum Jahresende. Auch die Vertriebs-GmbH in Mainz soll deutlich verkleinert werden.[16] Ein weiteres Werk wurde 2008 in Malaysia eröffnet und 2009 sowie 2010 erweitert. Auch dieses Werk soll im Jahre 2012 geschlossen werden. Insgesamt verfügte First Solar 2010 über 28 Produktionslinien mit einer jährlichen Produktionskapazität von mehr als 1500 Megawatt. Weltweit beschäftigt First Solar im Jahre 2011 rund 7000 Mitarbeiter.

Am 25. Oktober 2011 übernahm Michael J. Ahearn, Aufsichtsratsvorsitzender und Gründer von First Solar, interimsweise den Posten als Vorstand (CEO) von Rob Gilette. Am 3. Mai 2012 gab First Solar bekannt, dass James Hughes zum neuen CEO ernannt wurde. Mike Ahearn bleibt Aufsichtsratsvorsitzender. Hughes kam als Vertriebsvorstand zu First Solar.[17]

First Solar produziert Solarmodule für kommerzielle Photovoltaik-Projekte auf Dächern und Freiflächen und bietet umfassende Systemlösungen an. Seit April 2011 stehen First-Solar-Module auch zur Verwendung in Photovoltaik-Systemen mit 10 kW bis 30 kW zur Verfügung.[18]

Recycling[Bearbeiten]

Als eines der ersten Unternehmen in der Industrie hat First Solar ein Rücknahme- und Recyclingprogramm für die Solar-Module ins Leben gerufen. Das Programm von First Solar war das erste in der Industrie, das gänzlich vorfinanziert abgewickelt wird. Besitzer von First Solar Anlagen müssen lediglich First Solar informieren und die Module fachgerecht abbauen lassen. First Solar kümmert sich daraufhin kostenlos um den Abtransport und das Recycling. Laut First Solar können bis zu 95 Prozent des schwermetallhaltigen Halbleitermaterials in einem geschlossenen Recyclingprozess zurückgewonnen und zu neuen Solarmodulen verarbeitet werden.[19] Das Glas kann zu 90 Prozent wiederverwertet werden. Das Programm wird über einen Beitrag finanziert, der bereits in dem Verkaufspreis der Module enthalten ist und auf ein zweckspezifisches Anlagekonto fließt. Dadurch ist die Entsorgung der Module unabhängig von First Solar langfristig gesichert. „Das Recyclingkonzept sieht solide aus“, beurteilt auch Sven Teske von der Climate & Energy Unit von Greenpeace[19] das Programm. Neben dem von First Solar aufgesetzten Recyclingprozess haben sich First Solar und die Hersteller anderer Photovoltaik-Module im Rahmen des Industrieverbands PV CYCLE verpflichtet, auch auf europäischer Ebene ein Rücknahme- und Recyclingsystem für Altmodule aufzusetzen.

Projekte/Referenzen[Bearbeiten]

Solarpark Lieberose[Bearbeiten]

Anfang 2009 hat Projektentwickler Juwi begonnen, einen Solarpark mit First-Solar-Modulen auf dem ehemaligen Truppenübungsplatz Lieberose in der Nähe von Cottbus zu errichten. Mit einer Größe von 163 Hektar ist dies der drittgrößte Solarpark in Deutschland.[20] Das Gelände war seit dem Fall des Eisernen Vorhangs und des darauffolgenden Abzugs der sowjetischen Armee in den neunziger Jahren ungenutzt. Bis heute erwies sich eine vernünftige Nachnutzung für die brachliegenden Flächen als große Herausforderung, insbesondere da weite Teile des ehemaligen Truppenübungsplatzes durch Altlasten verseucht waren. Neben dem ökologischen Nutzen durch die Einsparung von rund 35.000 Tonnen Kohlenstoffdioxid (CO2) pro Jahr während der Betriebszeit des Solarparks wird über die Pacht der Fläche und eine Beteiligung am Stromerlös gleichzeitig die Sanierung des Geländes finanziert. Dafür sind insgesamt fünf Millionen Euro eingeplant. Nach der Beendigung des Projekts steht somit eine Fläche zur Verfügung, die in Übereinstimmung mit dem Naturschutz wieder touristisch und ökologisch genutzt werden kann.[21] Das Projekt hat somit einen zweifachen Vorteil für die Umwelt: Saubere Energieproduktion mit Hilfe von Photovoltaik sowie Dekontamination und Entmunitionisierung des Geländes, finanziert durch die dort produzierte Energie. Der prognostizierte Gesamtertrag beläuft sich auf etwa 53 Millionen kWh, was der Versorgung von etwa 15.000 Haushalten pro Jahr entspricht.[22] Der Solarpark wurde am 20. August 2009 offiziell eingeweiht.[23]

Masdar City[Bearbeiten]

In Abu Dhabi soll mit Masdar City eine CO2-neutrale Wissenschaftsstadt entstehen, die von dem britischen Architekturbüro Foster + Partners entworfen wurde. First Solar hat Module für ein Solarkraftwerk mit einer Leistung von fünf MW geliefert, das zu einer nachhaltigen Stromversorgung der neuen Stadt beiträgt.[24]

Associated Partner bei DESERTEC[Bearbeiten]

Am 16. März 2010, wurde First Solar als erster reiner Photovoltaik-Hersteller ein Associated Partner der Industrieinitiative von DESERTEC, der Dii GmbH. Das Desertec-Konzept hat sich zum Ziel gesetzt, bis 2050 einen wesentlichen Anteil des Stroms im Mittleren Osten, in Nordafrika und Europa aus einem Netzwerk an Solar- und Windenergie bereitzustellen. First Solar bringt im Rahmen seiner Partnerschaft mit der Dii sein Fachwissen im Bereich von Photovoltaik-Großprojekten in die Arbeitsgruppen des DESERTEC-Netzwerkes ein.

First Solars Solarmodule bilden auf Grund ihres sehr geringen Wartungsaufwands und des überdurchschnittlich hohen Energieertrags eine ideale Ergänzung zu den anderen regenerativen Energietechnologien der DESERTEC-Gruppe. Dank eines geringen Temperaturkoeffizienten liefert First Solars Dünnschichttechnologie einen überdurchschnittlich hohen Energieertrag selbst in Wüstenregionen.

Sarnia[Bearbeiten]

2010 hat First Solar das damals weltweit größte sich im Einsatz befindende Solarkraftwerk der Welt fertiggestellt. Mit 80 MW (DC) produziert der Sarnia-Solarpark im Südwesten Ontarios, Kanada, sauberen Solarstrom für mehr als 10.000 Familien. Dabei werden jährlich mehr als 22.000 Tonnen an Kohlendioxid eingespart.

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Jahresbericht 2011
  2. First Solar Creates Utility Systems Business. 1. Juni 2010, abgerufen am 26. Mai 2014 (First-Solar-Pressemeldung).
  3. First Solar passt Produktion an veränderte Marktbedingungen an. 17. April 2012, abgerufen am 26. Mai 2014 (First-Solar-Pressemeldung).
  4. Photon Yield Measurement 2010, photon.com
  5. Forest Collins: Field Performance of Thin-Film. (PDF; 2,2 MB) 2. Februar 2010, abgerufen am 26. Mai 2014.
  6. FSLR Q1 2011 Web Schedule Template-Final. (pdf) Quartalsbericht Q1 2011, abgerufen am 26. Mai 2014.
  7. First Solar schliesst Werk: Im Osten geht die Sonne unter. handelsblatt.com, 17. April 2012, abgerufen 17. April 2012
  8. First-Solar-Werke geschlossen. In: rbb-online.de. 2012-12. Abgerufen am 27. Februar 2013.
  9. First Solar schliesst Werk in Frankfurt/Oder - Abbau auch in Mainz. www.focus.de, abgerufen 17. April 2012
  10. Heinz Kannenberg: First Solar gehört zu den Besten. Märkische Onlinezeitung, 25. Februar 2011.
  11. First Solar Manufacturing Levels
  12. Alfred Maydorn: First Solar: Kurssprung nach Indexaufnahme. DER AKTIONÄR, 2. Oktober 2009.
  13. Richard McGill Murphy: Fastest-Growing's rising stars. CNN Money, 20. August 2010.
  14. Marktentwicklung - Nachhaltigkeitsstudie zur Photovoltaikindustrie mit Überraschungen -. 26. Januar 2010, abgerufen am 27. Mai 2014.
  15. 50 Smartest Companies 2014. In: MIT Technology Review. Abgerufen am 27. Mai 2014.
  16. 1200 Arbeitsplätze in Gefahr: US-Konzern First Solar gibt deutsches Werk auf. www.sueddeutsche.de, abgerufen 17. April 2012.
  17. First Solar Appoints James Hughes CEO. 3. Mai 2012, abgerufen am 27. Mai 2014 (Pressemeldung).
  18. Michael Ziegler: First Solar Photovoltaik-Module jetzt für 10–30 kW gewerbliche Solaranlagen -. 14. April 2011, abgerufen am 27. Mai 2014.
  19. a b Photon, März 2009, S. 52–59
  20. Solarpark Lieberose. In: www.juwi.de. Abgerufen am 27. Mai 2014.
  21. Amt Peitz
  22. Lieberose Solar Farm Becomes Germany’s Biggest, World’s Second-Biggest. 20. August 2009, abgerufen am 26. Mai 2014 (FirstSolar-Pressemeldung).
  23. Größtes Solarkraftwerk in Deutschland eröffnet. In: Social Media Release. 20. August 2009, abgerufen am 27. Mai 2014.
  24. David Ehrlich: First Solar to Brighten Up Masdar City. In: Gigaom. 15. Januar 2009, abgerufen am 27. Mai 2014.