Fischen im Allgäu

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Wappen Deutschlandkarte
Wappen der Gemeinde Fischen i.Allgäu
Fischen im Allgäu
Deutschlandkarte, Position der Gemeinde Fischen i.Allgäu hervorgehoben
47.45694444444410.271666666667761Koordinaten: 47° 27′ N, 10° 16′ O
Basisdaten
Bundesland: Bayern
Regierungsbezirk: Schwaben
Landkreis: Oberallgäu
Verwaltungs-
gemeinschaft:
Hörnergruppe
Höhe: 761 m ü. NHN
Fläche: 13,6 km²
Einwohner: 2994 (31. Dez. 2013)[1]
Bevölkerungsdichte: 220 Einwohner je km²
Postleitzahl: 87538
Vorwahl: 08326
Kfz-Kennzeichen: OA
Gemeindeschlüssel: 09 7 80 121
Adresse der
Gemeindeverwaltung:
Weiler 16
87538 Fischen i.Allgäu
Webpräsenz: www.fischen.de
Bürgermeister: Edgar Rölz
Lage der Gemeinde Fischen i.Allgäu im Landkreis Oberallgäu
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Über dieses Bild

Fischen im Allgäu (amtlich: Fischen i.Allgäu) ist eine Gemeinde im schwäbischen Landkreis Oberallgäu, Bayern (Deutschland). Es ist Sitz der Verwaltungsgemeinschaft Hörnergruppe und heilklimatischer Kurort.

Geographie[Bearbeiten]

Geographische Lage[Bearbeiten]

Fischen im Allgäu liegt in den Allgäuer Alpen etwa 5,5 km nördlich von Oberstdorf. Es befindet sich am Ufer der in Süd-Nord-Richtung fließenden Iller, in die beim nördlichen Ortsteil Weiler die Weiler Ach mündet. Nordwestlich erhebt sich die Hörnergruppe, östlich die Daumengruppe. Fischen ist Mitglied des deutsch-österreichischen Gemeinschaftsprojekts Naturpark Nagelfluhkette.

Gemeindegliederung[Bearbeiten]

Die Gemeindeteile von Fischen im Allgäu sind:

  • Au
  • Berg
  • Burgegg
  • Fischen i. A.
  • Hof
  • Jägersberg
  • Kreben
  • Langenwang
  • Maderhalm
  • Oberthalhofen
  • Unterthalhofen
  • Weiler

Geschichte[Bearbeiten]

Die erste Nennung Fischens erfolgte in einer Urkunde des Klosters St. Gallen aus dem Jahre 860. In ihr wird von einer Landschenkung einer gewissen Willihere an das Kloster St. Gallen, dem der Abt Grimaldus vorsteht, berichtet und Fischen als "Viskingun" bezeichnet. Im lateinischen Original lautet der Text:

Originalurkunde von 860 im Stiftsarchiv St. Gallen

Ego in dei nomine Willihere cogitans de remedio anime me trado atque transfundo ad coenobium sancti Galli cui venerabilis abba Grimaldus preesse dinoscitur unam hobam in silva quae adjacet Werimbretiscella. ea videlicet ratione ut ex hoc tempore ejusdem rectores monasterii eandem hobam tali potestate possideant, quali ego usque in presens visus sum possidere. Actum in Viskingun publice presentibus istis quorum hic signacula continentur. Signum Willigeri advocati. sig. Heimo. + Sigifrid. + Egibert + Ellinwart. + Ruadmunt + Waldram + Adalhelm + Adalcoz. Ego itaque Notger in vice Irfingi scripsi et subscripsi. Notavi diem VIIII kal. oct. II. feriam. anno XXI Ludowici regis. sub Huodalricho comite[2]

Fischen im Allgäu, mit Frauenkapelle (links) und Pfarrkirche
Ansicht vom Gipfel des Nebelhorns
Logo von Fischen i. Allgäu

Diese Nennung jährte sich 2010 zum 1150. Mal, weshalb am 15. August 2010 ein historischer Festumzug stattfand, bei dem 41 Vereine die Geschichte Fischens darstellten.[3] Ein weiteres Mal wird Fischen 906 in einer Tauschurkunde als „Fiskinga“ erwähnt. Diese aus dem Alemannischen stammende Bezeichnung für Fischen bedeutet soviel wie „Fischfangstelle“, was wahrscheinlich aber nicht auf eine rege Fischereiwirtschaft, sondern nur auf eine weitere Ernährungsgrundlage für die damaligen Bauern hindeutet.[4] In den folgenden Jahrhunderten ist Fischen, wie die meisten Dörfer des Oberen Illertals, von zahlreichen Herrschaftwechseln geprägt. Eine Rolle spielte Fischen bei den Bauernaufständen von 1525, bei denen einige Bauern aus Fischen den Aufstand probten. So trafen sich beim Sonthofener Tag am 14. Februar 1525 zahlreiche Oberallgäuer Bauern mit der Zielsetzung ihre Forderungen zu bekräftigen. Diese waren unter anderem die Abschaffung der Leibeigenschaft und des Kirchenzehnts.

Als Teil der Grafschaft Königsegg-Rotenfels wurde Fischen 1804 an Österreich getauscht und fiel 1805 mit den Friedensverträgen von Brünn und Pressburg mit der Grafschaft an das Königreich Bayern. 1875 fand die erste Volkszählung unter bayerischer Herrschaft statt. Eine zweite Erfassung im Jahre 1885 ergab für Fischen eine Landgemeindefläche von 1119,858 ha, auf der insgesamt 987 Einwohner lebten.

Im Zweiten Weltkrieg bestand im Wald zwischen Fischen und Oberstdorf mit dem KZ-Außenlager Fischen ein Unterkommando des KZ-Außenlagers Kottern-Weidach (Kempten), das zum Konzentrationslager Dachau gehörte und in dem 300 Häftlinge für die Rüstungsproduktion der Firma Messerschmitt Zwangsarbeit verrichten mussten. Teile von Fundamenten und einer Rampe zeugen von diesem Geschehen.[5]

Eingemeindungen[Bearbeiten]

Am 1. Juli 1972 wurde ein Teil der ehemals selbständigen Gemeinde Schöllang eingegliedert.[6]

Einwohnerentwicklung[Bearbeiten]

Jahr 1840 1900 1939 1950 1961 1970 1987 2002 2005 2008 2011
Einwohner 1037 1232 1728 2825 2530 2657 2709 2919 2927 3005 3033

Politik[Bearbeiten]

Im Gemeinderat sind seit der Kommunalwahl vom 2. März 2008 (Wahlbeteiligung 60,1 %) die CSU mit 9 Sitzen und Wählergruppen mit 5 Sitzen vertreten.

Tourismus[Bearbeiten]

Fischen ist ein heilklimatischer Kurort mit 5.200 Gästebetten und etwa 580.000 Übernachtungen pro Jahr. Der Ort ist Ausgangspunkt für Berg- und Radtouren und bietet 50 km Spazier- und Wanderwege. Zentrum des Kurlebens ist das Kurhaus Fiskina mit Kurmittelabteilung, Kursaal und Kurpark. Weitere touristische Angebote sind das Freizeitbad mit 58-m-Wasserrutschbahn, der Sportpark (Tennis, Fitness, Squash, Badminton, Tischtennis, Billard, Saunalandschaft und Ferienwohnungen) und (Nacht-)Langlaufloipen.

Verkehr[Bearbeiten]

Fischen erhielt 1888 durch die Bahnstrecke Immenstadt–Oberstdorf Anschluss an das Eisenbahnnetz. Straßenseitig führt die Bundesstraße 19 durch den Ort.

Fischen liegt auch am Iller-Radweg, einer Fernverbindung für Radfahrer zwischen Ulm und Oberstdorf.

Sehenswertes[Bearbeiten]

  • Frauenkapelle
  • Pfarrkirche St. Verena
  • Historische Sägemühle
  • Fischinger Heimathaus mit Skimuseum.
  • Auwaldsee

Persönlichkeiten[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Fischen im Allgäu – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Bayerisches Landesamt für Statistik – Tabelle 12411-001: Fortschreibung des Bevölkerungsstandes: Bevölkerung: Gemeinden, Stichtage (letzten 6) vom 18. September 2014 (Einwohnerzahlen auf Grundlage des Zensus 2011) (Hilfe dazu)
  2. Stiftsarchiv St. Gallen: Virtuelle Vitrine StiASG, Urk. III 236
  3. Historischer Festumzug als krönender Abschluss der Jubiläumsfeierlichkeiten.
  4. Helmut von Bischoffshausen: 1150 Jahre FISCHEN i. Allgäu S.19
  5. Gedenkstätten für die Opfer des Nationalsozialismus. Eine Dokumentation, Band 1. Bundeszentrale für politische Bildung, Bonn 1995, ISBN 3-89331-208-0, S. 132
  6.  Wilhelm Volkert (Hrsg.): Handbuch der bayerischen Ämter, Gemeinden und Gerichte 1799–1980. C.H.Beck’sche Verlagsbuchhandlung, München 1983, ISBN 3-406-09669-7, S. 571.