Fiscus (Software)
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FISCUS (Föderales Integriertes Standardisiertes Computer-Unterstütztes Steuersystem) ist eine nie fertig entwickelte Software für die öffentliche Hand. Gedacht war sie als einheitliche Software für die rund 650 Finanzämter der Länder der Bundesrepublik Deutschland. Bis 2005 betrugen die Entwicklungskosten über 900 Millionen Euro bei einer Entwicklungszeit von zwölf Jahren und ohne ein brauchbares Ergebnis zu liefern.
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[Bearbeiten] Die Anfänge des Projekts FISCUS
Die Entwicklung von FISCUS begann 1993, nachdem sich die Bundesländer mit Beteiligung des Bundes auf die Entwicklung einer gemeinsamen, bundesweit einheitlichen Software für die Finanzämter geeinigt hatten.
[Bearbeiten] Gründung der fiscus GmbH
Nachdem FISCUS bis zum Jahr 2000 keine tragfähigen Ergebnisse lieferte, beschlossen die Finanzminister einen Neustart, allerdings ohne das Land Bayern. Das Land Bayern gründete stattdessen mit EOSS ein eigenes Projekt, in dem die aus den 70er Jahren stammende Software evolutionär weiterentwickelt werden sollte. Wesentlicher Teil des Neustart von FISCUS war die Gründung der privatwirtschaftlichen fiscus GmbH mit Sitz in Bonn. Das Personal der GmbH – insbesondere die Führungskräfte – wurden überwiegend auf dem freien Arbeitsmarkt gewonnen. Sie wurde personell auch durch zu Programmierern umgeschulte Verwaltungsfachangestellte und Beamte verstärkt. Die Einbeziehung der bis zu diesem Zeitpunkt in den Steuerverwaltungen des Bundes und der Länder eingesetzten Beschäftigten war erforderlich, um steuerrechtliches Know-how in die fiscus GmbH einzubringen.
Bis zum Jahr 2004 stellte die fiscus GmbH mehrere Anwendungen bzw. Testversionen fertig: Die Online-Stammdatenabfrage (OSA), Grunderwerbssteuer (GrESt) und Bußgeldverfahren und Strafsachen (BuStra). Allerdings blieb die Entwicklung der wesentlichen Kernverfahren (Einkommensteuer, Umsatzsteuer, Steuererhebung etc.), weit hinter den Erwartungen zurück. Daher kritisierten auch die Rechnungshöfe verstärkt das Projekt. Unter anderem beanstandete der Berliner Landesrechnungshof das Projekt FISCUS in den Jahren 2000 bis 2004 mehrere male.
[Bearbeiten] Liquidation der fiscus GmbH
Vor diesem Hintergrund beschloss die Finanzministerkonferenz (FMK) am 19. Juli 2005, die fiscus GmbH zu liquidieren (aufzulösen) und das neue Projekt KONSENS aufzusetzen. Im Projekt KONSENS wurden die Projekte FISCUS und EOSS zusammengeführt, so dass sich auch das Land Bayern wieder an der gemeinsamen Softwareentlwicklung beteiligt.
Ein im Vorfeld der Liquidation geplanter Management-Buy-out scheiterte Mitte September 2005. Die Firmenliquidierung begann daher zum 1. Oktober 2005.
Die im Zeitpunkt der Liquidation bei der fiscus GmbH beschäftigten Beamten und ehemaligen Verwaltungsangestellten (etwa 40) kehrten nahezu ausnahmslos zu ihren Stammdienststellen zurück. Den übrigen, auf dem freien Arbeitsmarkt gewonnenen Angestellten (etwa 150) wurde gekündigt.
Die Liquidation wird voraussichtlich Mitte des Jahres 2008 mit der Löschung der GmbH im Handelsregister abgeschlossen.
[Bearbeiten] KONSENS als Nachfolger von FISCUS
Das Nachfolgeprojekt von FISCUS ist Konsens (Koordinierte neue Softwareentwicklung der Steuerverwaltung). Basis sollen die derzeit bereits in den Bundesländern eingesetzten Programme sein. Die derzeit bereits laufenden Programme sollen vereinheitlicht werden. Dabei spielen die vom Land Bayern im sogenannten EOSS (Evolutionär orientierte Steuersoftware)-Verbund und die vom Land Nordrhein-Westfalen entwickelte Software eine besondere Rolle.
Innerhalb von KONSENS wollen die fünf größten Bundesländer (Bayern, Nordrhein-Westfalen, Niedersachsen, Baden-Württemberg und Hessen) die neue bundesweit einheitliche Software federführend für alle Länder entwickeln. Der Bund ist an dieser Entwicklung nicht mehr aktiv beteiligt.

