Fisibach

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Fisibach
Wappen von Fisibach
Staat: Schweiz
Kanton: Aargau (AG)
Bezirk: Zurzach
BFS-Nr.: 4306i1f3f4
Postleitzahl: 5467
Koordinaten: 673080 / 26858347.5638888.409717378Koordinaten: 47° 33′ 50″ N, 8° 24′ 35″ O; CH1903: 673080 / 268583
Höhe: 378 m ü. M.
Fläche: 5.77 km²
Einwohner: 394 (31. Dezember 2013)[1]
Einwohnerdichte: 68 Einw. pro km²
Ausländeranteil: 20,3 % (31. Dezember 2013)[2]
Website: www.fisibach.ch
Fisibach

Fisibach

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Hägelen

Fisibach (schweizerdeutsch: ˈfɪʓiˌbɑχ)[3] ist eine Einwohnergemeinde im Bezirk Zurzach des Schweizer Kantons Aargau. Sie liegt am Hochrhein und grenzt sowohl an Deutschland als auch an den Kanton Zürich.

Geographie[Bearbeiten]

Das Dorf liegt rund einen Kilometer südlich des Rheins. Es ist nach dem gleichnamigen Bach benannt, der von Süden nach Norden fliesst und in den Fluss mündet. Das Tal des Fisibachs ist knapp zweihundert Meter breit und wird auf beiden Seiten durch Hügel des Tafeljuras begrenzt, dem Sanzenberg (552 m ü. M.) im Osten und dem «Berg» (601 m ü. M.) im Westen. Beide sind im unteren Bereich äusserst steil und gehen in langgestreckte Hochebenen über. Am Hang des Sanzenbergs befindet sich eine Tongrube. Nördlich und östlich des Dorfes erstreckt sich die weite, flache Rheinebene, die im Westen durch den Rietbuck (461 m ü. M.) begrenzt wird und sich zu einem schmalen Streifen verengt. Fisibach kennt keinen eigentlichen Dorfkern, stehen die Häuser rund um eine grosse Wiese im Zentrum. Im hinteren Teil des Fisibachtals, rund eineinhalb Kilometer südlich des Dorfes, liegt der Weiler Hägelen (405 m ü. M.), südwestlich davon, auf einer kleinen Terrasse direkt an der Kantonsgrenze, der Weiler Waldhausen (495 m ü. M.).[4]

Die Fläche des Gemeindegebiets beträgt 577 Hektaren, davon sind 265 Hektaren bewaldet und 49 Hektaren überbaut. Der höchste Punkt liegt auf 601 Metern auf der Hochfläche des Bergs, der tiefste auf 334 Metern am Rhein.

Nachbargemeinden sind Hohentengen im Norden, Kaiserstuhl im Nordosten, Weiach im Osten, Bachs im Südosten, Siglistorf im Südwesten, Wislikofen im Westen und Rümikon im Nordwesten.

Geschichte[Bearbeiten]

Einzelne Funde zeugen von einer Besiedlung der Gegend während der Bronzezeit (etwa 2000 bis 800 v. Chr.). Am Rhein errichteten die Römer um das Jahr 370 einen Wachtturm, nachdem der Fluss als Nordgrenze des Imperiums festgelegt worden war. Die Grenzbefestigungen wurden jedoch bereits im ersten Jahrzehnt des 5. Jahrhunderts aufgegeben, als sich die Römer über die Alpen zurückzogen. Später besiedelten die Alamannen die Gegend. Die erste Erwähnung von Fusibach erfolgte im Jahr 1050. Später wurde der Ort Nider-Visibachs genannt und von Obervisibachs (heute Teil der Gemeinde Bachs, Kt. Zürich) unterschieden. Der Ortsname stammt vom althochdeutschen Funsinbah und bedeutet «Bach des Funso».[3]

Die Edlen von Waldhausen besassen beim gleichnamigen Weiler eine kleine Burg, die aber bereits im 15. Jahrhundert als Burgstall bezeichnet wurde und von der heute nichts erhalten geblieben ist. Die Edlen stifteten 1113 die Propstei Wislikofen und schenkten dem Kloster St. Blasien zu diesem Zweck umfangreichen Grundbesitz. Auf einer Insel im Rhein stand die Burg Schwarzwasserstelz, deren Ruinen allerdings 1875 abgebrochen wurden. Die Bewohner von Schwarzwasserstelz übten die niedere Gerichtsbarkeit über Fisibach aus, der Landvogt in Baden über Waldhausen und Hägelen. Die hohe Gerichtsbarkeit war im Besitz des Fürstbischofs von Konstanz.

Die Eidgenossen eroberten 1415 den Aargau und Fisibach gehörte nun zum Amt Kaiserstuhl der Grafschaft Baden, einer Gemeinen Herrschaft. Im März 1798 marschierten die Franzosen in die Schweiz ein und riefen die Helvetische Republik aus. Fisibach wurde eine Gemeinde im kurzlebigen Kanton Baden, seit 1803 gehört sie zum Kanton Aargau.

Am 1. August 1876 wurde die Bahnstrecke Winterthur–Bülach–Koblenz eröffnet. Die Gemeinde profitierte aber nur indirekt, da der nächstgelegene Bahnhof Weiach-Kaiserstuhl über zwei Kilometer entfernt lag. In der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts nahm die Bevölkerungszahl um über 40 Prozent ab, da viele verarmte Bewohner wegzogen. Heute noch hat Fisibach weniger Einwohner als im Jahr 1850. Bis weit ins 20. Jahrhundert hinein blieb die Gemeinde landwirtschaftlich geprägt, der einzige nennenswerte Industriebetrieb ist die Ziegelei.

Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten]

Auf dem Gebiet der Gemeinde liegt im Rhein eine kleine Insel. Auf dieser stand einst die Burg Schwarzwasserstelz, die 1875 abgebrochen wurde. Im Zweiten Weltkrieg errichtete das Militär dort einen Bunker, der heute noch erhalten ist. Die kürzlich restaurierte Dorfkapelle von Fisibach stammt aus dem 17. Jahrhundert, der Altar ist im Rokoko-Stil, die Chorfresken im frühbarocken Stil.

Wappen[Bearbeiten]

Die Blasonierung des Gemeindewappens lautet: «In Blau gelber Balken, mit drei blauen, rot bewehrten Bachstelzen.» Hierbei handelt es sich um das Wappen der Ministerialadligen von Wasserstelz, das 1939 von der Gemeinde übernommen wurde.[5]

Bevölkerung[Bearbeiten]

Bevölkerungsentwicklung:[6]

Jahr 1799 1850 1900 1930 1950 1960 1970 1980 1990 2000 2010
Einwohner 157 404 246 256 309 284 301 319 375 361 386

Am 31. Dezember 2013 lebten 394 Menschen in Fisibach, der Ausländeranteil betrug 20,3 %. Bei der Volkszählung 2000 waren 45,7 % römisch-katholisch, 38,8 % reformiert und 3,3 % muslimisch; 1,1 % gehörten anderen Glaubensrichtungen an.[7] 91,7 % bezeichneten Deutsch als ihre Hauptsprache, 1,9 % Italienisch, 1,7 % Französisch.[8]

Politik und Recht[Bearbeiten]

Die Versammlung der Stimmberechtigten, die Gemeindeversammlung, übt die Legislativgewalt aus. Ausführende Behörde ist der fünfköpfige Gemeinderat. Seine Amtsdauer beträgt vier Jahre und er wird im Majorzverfahren (Mehrheitswahlverfahren) vom Volk gewählt. Er führt und repräsentiert die Gemeinde. Dazu vollzieht er die Beschlüsse der Gemeindeversammlung und die Aufgaben, die ihm von Kanton und Bund zugeteilt wurden.

Für Rechtsstreitigkeiten ist das Bezirksgericht Bad Zurzach zuständig. Fisibach gehört zum Friedensrichterkreis Kaiserstuhl.

Wirtschaft[Bearbeiten]

In Fisibach gibt es gemäss Betriebszählung 2008 rund 130 Arbeitsplätze, davon 26 % in der Landwirtschaft, 24 % in der Industrie und 50 % im Dienstleistungssektor.[9] Wichtigstes Unternehmen ist die Ziegelei, der Lehm für die Herstellung von Backsteinen stammt aus der Tongrube südlich des Dorfes. Daneben gibt es ein Tiefbau-Unternehmen, eine Schreinerei und andere kleine Betriebe. Die meisten Erwerbstätigen sind Wegpendler und arbeiten in Bad Zurzach und Umgebung oder in der Region Baden.

Verkehr[Bearbeiten]

Fisibach ist über die wichtige Hauptstrasse 7 zwischen Basel und Winterthur leicht erreichbar, wobei das Dorf nicht unmittelbar vom Durchgangsverkehr betroffen ist. Weitere Strassen führen ins Surbtal und in Richtung Dielsdorf. Die Anbindung an das Netz des öffentlichen Verkehrs erfolgt durch die Postautolinie von Kaiserstuhl über Niederweningen nach Baden. Der nächstgelegene Bahnhof liegt einen Kilometer entfernt in Kaiserstuhl.

Bildung[Bearbeiten]

Die Gemeinde verfügt über eine Primarschule und einen Kindergarten. Die Bezirksschule und die Realschule können in Bad Zurzach besucht werden, die Sekundarschule in Rekingen. Die nächstgelegenen Kantonsschulen (Gymnasien) befinden sich in Baden und Wettingen.

Literatur[Bearbeiten]

  • H. Bucher, C. Oertli-Cajacob: Fisibach – ein Dorf und seine Geschichte. Fisibach, 1995.
  • Hintermann, M.: Rund um Kaiserstuhl. Kaiserstuhl, Fisibach, Bachs, Weiach, Hohentengen, Herdern, Günzgen, Stetten, Lienheim. [SA der Artikelserie «Von Rheinau bis Waldshut» in der Beilage «Grenzheimat» im «Zurzacher Volksblatt» 1952–1953]. Zurzach und Oberglatt, 1955.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Fisibach – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Bevölkerungsbestand per Ende Dezember 2013, Statistisches Amt des Kantons Aargau
  2. Bevölkerungsbestand per Ende Dezember 2013, Statistisches Amt des Kantons Aargau
  3. a b  Beat Zehnder: Die Gemeindenamen des Kantons Aargau. In: Historische Gesellschaft des Kantons Aargau (Hrsg.): Argovia. Band 100, Verlag Sauerländer, Aarau 1991, ISBN 3-7941-3122-3, S. 154–155.
  4. Landeskarte der Schweiz, Blatt 1050 und 1051, Swisstopo
  5.  Joseph Galliker, Marcel Giger: Gemeindewappen des Kantons Aargau. Lehrmittelverlag des Kantons Aargau, Buchs 2004, ISBN 3-906738-07-8, S. 156.
  6. Bevölkerungsentwicklung in den Gemeinden des Kantons Aargau seit 1850. In: Eidg. Volkszählung 2000. Statistisches Amt des Kantons Aargau, 2001, abgerufen am 3. April 2012.
  7. Eidg. Volkszählung 2000: Wirtschaftliche Wohnbevölkerung nach Religionszugehörigkeit sowie nach Bezirken und Gemeinden. Statistisches Amt des Kantons Aargau, abgerufen am 23. August 2012.
  8. Eidg. Volkszählung 2000: Wirtschaftliche Wohnbevölkerung nach Hauptsprache sowie nach Bezirken und Gemeinden. Statistisches Amt des Kantons Aargau, abgerufen am 23. August 2012.
  9. Betriebszählung 2008. Statistisches Amt des Kantons Aargau, abgerufen am 23. August 2012.