Fisimatenten

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Fisimatenten ist ein umgangssprachlicher Begriff mit der Bedeutung Unsinn, Faxen oder Blödsinn, im weitesten Sinne alle Handlungen, die Probleme verursachen. Das Wort ist ein Pluraletantum.

Die falsche Schreibung als Fiesematenten ist weit verbreitet in Anlehnung an das Wort „fies“, mit dessen Bedeutung es manchen verwandt erscheint.

Die Herkunft des Begriffs ist nicht gesichert.

Inhaltsverzeichnis

[Bearbeiten] Volksetymologie

Folgende unbelegte volksetymologische Erklärung wird gerne herangezogen:

Als Deutschland weitgehend unter französischer Besetzung stand (Napoleon), versuchten immer wieder französische Soldaten, deutsche Mädchen zum Zeitvertreib in ihr Lager zu locken, z. B. mit der Einladung: « Visitez ma tente » (besuchen Sie mein Zelt) oder auch « Vis y ma tente » (sieh dort mein Zelt). Stand also abendlicher Ausgang an, wurde den jungen Frauen ein „mach aber keine Fisi ma tenten“ mit auf den Weg gegeben.

Eine andere Erklärung mit demselben geschichtlichen Hintergrund ist:

Zu dieser Zeit wurden französische Soldaten, die sich eines Vergehens schuldig gemacht hatten, mit der Einladung: « Visitez ma tente » (besuchen Sie mein Zelt) zu ihren Vorgesetzten bestellt.

Eine weitere volksetymologische Erklärung aus dieser Zeit liefert Lutz Röhrich in seinem Lexikon der sprichwörtlichen Redensarten:

„Ebenso wurde es volksetymologisch aber auch als Ausrede verspäteter Passanten bei Kontrollen durch die Wache erklärt: ‚Je viens de visiter ma tante‘ (ich habe eben meine Tante besucht)“.[1]

Die Worterklärung aus dem Französischen ist sehr weit verbreitet und wird gerade im berlinischen Lokalpatriotismus immer wieder erzählt, da dort tatsächlich weitere französische Worte in den Alltag Eingang fanden. Jedoch ist diese Herleitung falsch, da das Wort als „ein visimetent“ bereits im Jahre 1499[2] belegt ist.[3]

[Bearbeiten] Echte Etymologie

Das Wort ist tatsächlich deutlich vor der französischen Besatzung erstmals belegt. Es entstammt wahrscheinlich der lateinischen Amtssprache des ausgehenden Mittelalters.

Im Etymologischen Wörterbuch der deutschen Sprache (1975)[4] kann man hierzu finden:

Fisimatenten Plur. 'Flausen, Umständlichkeiten, Ausflüchte'. Visae patentes (literae) ‚ordnungsgemäß verliehenes Patent‘, im 16. Jahrhundert als visepatentes reichlich belegt, wird durch spöttische Auffassung des Bürokratischen 'überflüssige Schwierigkeit'. Unter Einfluss von visament 'Zierat' tritt m an die Stelle von p. so schon 1499 ‚it is ein viserunge und ein visimatent‘. Alle Nachweise bei Spitzer, Teuthonica 1, 319 und Schoppe, Mitt.d.schles.Ges.f.Volkskde. 29,298“

In den neueren Auflagen desselben Wörterbuchs[5] wird es dagegen als „Streckform zu frühneuhochdeutsch fisiment = bedeutungsloser Zierat (am Wappen)“ bezeichnet.

Peter Wehle[6] und das Wahrig Fremdwörterlexikon[7] verweisen auf eine weitere unbelegte Herleitung von visae patentes, also vidierte, geprüfte Dokumente, die, wenn ihre Echtheit nur behauptet wurde, bei Behörden Schwierigkeiten gemacht haben.

Wolfgang Teuschl[8] gibt das italienische Wort fisima (Laune, Grille)[9] als Ursprung an.

[Bearbeiten] Weblinks

Wiktionary Wiktionary: Fisimatenten – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen und Grammatik

[Bearbeiten] Einzelnachweise

  1. Lutz Röhrich: Lexikon der sprichwörtlichen Redensarten. S. 1793.
  2. Cronica van der hilliger Stad van Coellen, sogenannte Koellhoffsche Chronik, Köln 1499.
  3. Peter Honnen: Alles Kokolores? – Wörter und Wortgeschichten aus dem Rheinland. Greven Verlag, Köln 2008, ISBN 978-3-7743-0418-5, S. 10.
  4. Friedrich Kluge: Etymologisches Wörterbuch der deutschen Sprache. 21. Auflage, Berlin/New York 1975.
  5. Friedrich Kluge: Etymologisches Wörterbuch der deutschen Sprache. 23. Auflage, 1999, sowie 24. Auflage, 2002.
  6. Peter Wehle: Sprechen Sie Wienerisch? 2. Auflage, Ueberreuter, 1980, ISBN 3-8000-3165-5, S. 123f.
  7. Wahrig Fremdwörterlexikon. 7. Auflage, Deutscher Taschenbuch Verlag, 2004, ISBN 3-423-34136-X, S. 302.
  8. Wolfgang Teuschl: Wiener Dialekt Lexikon. Verlag Schwarzer, 1990, ISBN 3-900392-05-6, S. 79.
  9. Dizionari Sansoni. Italiano-Tedesco. 8. Auflage, Verlag Sansoni, 1992, Stichwort fisima.
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