Fjölnir (Zeitschrift)

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Titelseite der Erstausgabe 1835

Fjölnir war eine national orientierte isländische Literatur- und Sprachzeitschrift, die von 1835 bis 1839 und von 1844 bis 1847 in Kopenhagen als Jahresausgaben erschien.

Der Titel geht auf die gleichnamige nordische Sagengestalt zurück. Fjölnir (der viel Wissende) ist auch ein häufig in der Edda und Skaldik genannter Beiname Odins.

Gründung und Herausgeber[Bearbeiten]

Im 19. Jahrhundert ist die sprachpflegerische Bewegung des isländischen Sprachpurismus unmittelbar mit der Zeitschrift Fjölnir verbunden, die von vier jungen Isländern, den Fjölnismännern (Fjölnismenn), herausgegeben wurde. Die Gründer waren Konráð Gíslason, Student der Philologie, Jónas Hallgrímsson, Naturkundler und Dichter, Bryjólfur Péturson, Jurastudent, und Tómas Sæmundsson, Student der Theologie.

Zu den hervorragendsten Fjölnir-Autoren zählt Islands großer national-romantischer Dichter Jónas Hallgrímsson, der vor allem Heine und Ossian übersetzt hat. Mit seiner 1842 veröffentlichten Übersetzung eines Lehrbuchs der Astronomie (Stjörnufræði) gab er das Vorbild einer Übersetzung wissenschaftlicher Literatur.[1][2]


Rezeption und Wirkung[Bearbeiten]

Der Zeitschrift wird nachhaltiger Einfluss auf Schriftsteller wie Grímur Thomsen, Benedikt Gröndal und Jón Thoroddsen zugeschrieben.[3]

1964 wurde die staatlich unterstützte ensk málnefnd, die Isländische Sprachkommission gegründet, die Neuwortkataloge erstellt und verbreitet. Schon seit Anfang des Jahrhunderts gibt es solche systematischen Kataloge, in denen Neuwörter besonders einzelner Fachwortschätze verzeichnet sind. Die Vertreter der heutigen Erneuerungsbewegung werden ebenfalls Fjölnismenn genannt.[4]

Für das Nachrichtenmagazin The Reykjavík Grapevine markiert Fjölnir den Beginn der modernen isländischen Literaturgeschichte.[5]

Erscheinungsverlauf und Ausgaben[Bearbeiten]

Fjölnir : árrit handa Ìslendingum. - Kaupmannahöfn : Kvisti 1.1835 - 9.1847; damit Erscheinen eingestellt, mit Unterbrechung für die Jahre 1840 bis 1843.

Literatur[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Kr. Kaalund: Artikel „Hallgrímsson, Jónas“. In: Dansk biografisk lexikon. Kopenhagen 1887–1905. Bd. 6. S. 514–517.
  2. Dick Ringler: Bard of Iceland. Jónas Hallgrímsson, Poet and Scientist. University of Wisconsin Press 2002.
  3. Ernst Walter: Fjölnir in Horst Bien (Hrsg): Meyers Taschenlexikon Nordeuropäische Literaturen, Leipzig 1978
  4. Gauti Kristmannsson: Iceland’s „Egg of Life“ and the Modern Media. In: Meta. Journal des traducteurs / Meta. Translator’s Journal. Les Presses de l'Université de Montréal, Montréal. Vol. 49, Nr. 1, 2004, April, S. 59–66, ISSN 0026-0452, (online).
  5. Jón Yngvi Jóhannsson: Youth Groups In Icelandic Literature, A Brief History Of. From Fjölnir to Medúsa to Nýhil to Meðgönguljóð…. In: The Reykjavík Grapevine vom 14. November 2014. Abgerufen am 28. November 2014 (englisch).
  6. Rezension: Ný augu, tímar fjölnismanna. Ný bók eftir Kristin E. Andrésson. In: Morgunblaðið vom 12. Dezember 1973. Isländisch, abgerufen am 16. Mai 2012.
Island Anmerkung zu isländischen Personennamen: Isländer werden mit dem Vornamen oder mit Vor- und Nachnamen, jedoch nicht allein mit dem Nachnamen bezeichnet. Weiterführende Informationen finden sich unter Isländischer Personenname.