Flaggschiff

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HMS Victory, Admiral Horatio Nelsons Flaggschiff
Panzerkreuzer Georgios Averoff, 40 Jahre lang Flaggschiff der griechischen Marine
Die Cavour ist das Flaggschiff der italienischen Marina Militare.

Als Flaggschiff wird das Führungsschiff eines Kriegsschiffsverbandes bezeichnet. Von diesem Schiff aus führt der Flaggoffizier (marinetypische Bezeichnung eines Admirals) mit seinem Stab den Verband. Das Flaggschiff führt im Regelfall die Flagge des Befehlshabers bei Tag und Nacht.

In übertragener Bedeutung wird Flaggschiff für das größte Schiff einer Flotte oder Reederei verwendet[1] oder allgemein als Synonym für ein Vorzeigeprodukt eines Unternehmens[2] oder ein Aushängeschild einer Organisation.

Geschichte[Bearbeiten]

Vorläufer des Flaggschiffs war das Admiralsschiff. Als Admiralsschiff wurde während der Segelschiffzeit ein großes, stark bewaffnetes und meistens prunkvoll gestaltetes Segelkriegsschiff bezeichnet. Auf diesem Schiff fuhr der Befehlshaber der Flotte (meistens ein Admiral). Als Zeichen seiner Anwesenheit wurde auf diesem Schiff seine Flagge, die sogenannte Admiralsflagge, gesetzt. Aus dem Admiralschiff wurde später das Flaggschiff.

In der Segelschiffzeit war das Flaggschiff oftmals das kampfstärkste Schiff einer Flotte. Diese Flaggschiffe waren darüber hinaus meist prunkvoll verziert (z. B. die britische HMS Victory und die schwedische Vasa). Flaggschiffe der Segelschiffzeit führten nachts außerdem eine Flaggschifflaterne im Topp des Großmastes.

Aus marinetaktischen Gründen kam es vor, dass sich das Flaggschiff nicht sofort zu erkennen gab. In der Seeschlacht von Trafalgar gab sich das französische Flaggschiff Bucentaure erst spät während der Schlacht durch Setzen der Admiralsflagge zu erkennen, nachdem es bereits Feindkontakt hatte. Hintergrund dieser Verschleierung war der Umstand, dass der Gegner in der Regel seine Kampfhandlungen auf dieses Schiff konzentrierte. Um dies zu unterbinden, wurde dem Feind diese Information zunächst vorenthalten, um möglichst lange Einfluss auf die eigene Flotte nehmen zu können, ohne sich als Mittelpunkt von Kampfhandlungen wiederzufinden.

Mit Beginn der Dampfschiffzeit übernahmen meist Linienschiffe und später die Schlachtschiffe die Rolle der Flaggschiffe in den Kriegsflotten. Es wurden aber auch Schiffe anderer Klassen (z. B. Kreuzer) als Flaggschiffe eingesetzt. In der heutigen Zeit wird die Funktion eines Flaggschiffs von verschiedenen Schiffsklassen wahrgenommen, weil große Kriegsschiffseinheiten in den meisten Kriegsmarinen nicht mehr vorhanden sind.

In der Kaiserlichen deutschen Marine war außerdem noch der Begriff Flottenflaggschiff als Sitz des Befehlshabers der Flotte und des Flottenstabs gebräuchlich. Zwischen 1900 und 1918 bzw. im Ersten Weltkrieg übernahmen mehrere moderne Linienschiffe die Funktion des Flottenflaggschiffs.

In der Zwischenkriegszeit gab es ebenfalls weiterhin Flaggschiffe und Flottenflaggschiffe. Zu den bekanntesten Flottenflaggschiffen gehören der griechische Panzerkreuzer Georgios Averoff, der zeit seines Einsatzes diese Rolle innehatte, sowie in den späten 1930er Jahren das deutsche Panzerschiff Admiral Graf Spee. Ein weiteres bekanntes Flottenflaggschiff jener Zeit war der niederländische Leichte Kreuzer Hr. Ms. De Ruyter.

Auch im Zweiten Weltkrieg gab es Flaggschiffe und ebenso noch einige Flottenflaggschiffe. Letztere waren zugleich die stärksten Kampfschiffe der jeweiligen Flotte. Am bekanntesten war hierbei sicherlich die japanische Yamato von 1941, welche zugleich das größte und stärkste Schlachtschiff der Welt war. Eines der letzten Flottenflaggschiffe überhaupt war das 1942 fertiggestellte und bereits 1943 versenkte italienische Schlachtschiff RN Roma.

Handelsmarine[Bearbeiten]

Im übertragenen Sinne wird die Bezeichnung Flaggschiff auch für das herausragende Schiff einer Handels- oder Personenschifffahrts-Flotte, bzw. einer Reederei verwendet.

Sonstige Verwendung[Bearbeiten]

In der Journalistensprache gebräuchlich ist darüber hinaus die Verwendung für ein herausragendes und typisierendes Element eines Ganzen, wie in: „Nachrichten-Flaggschiff der ARD ist die 20-Uhr-Tagesschau oder das luxuriöseste Fahrzeug eines Kfz-Herstellers.

Des Weiteren wird beispielsweise im deutschen Rudersport der Deutschlandachter als „Flaggschiff des Deutschen Ruderverbands“ bezeichnet.

Auch in Wirtschaft und Handel werden Teilbereiche oder Filialen als „Flaggschiffe“ bezeichnet, wenn sie zum Beispiel besondere Bedeutung für den Konzern haben, besonders erfolgreich sind oder gezielt hervorgehoben werden sollen. Große, luxuriöse oder besonders günstig gelegene Filialen von Handelsketten gelten als Flagshipstores (Beispiel: das KaDeWe in Berlin war Flagshipstore der damaligen Karstadt-Kette.)

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Duden
  2. wortbedeutung.info

Weblinks[Bearbeiten]

 Wiktionary: Flaggschiff – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen